Gechillt und entspannt durchs Studium
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Gechillt und entspannt durchs Studium

Studieren im Quadrat

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Gechillt und entspannt durchs Studium

Studieren im Quadrat

About this book

Das Leben von HochschĂŒlern ist geprĂ€gt von hohen Erwartungen nach einem schnellen Studienabschluss mit möglichst hervorragenden Noten und hochkarĂ€tigen Auslandspraktika. Die Eltern sollen schließlich nicht enttĂ€uscht werden. Nebenbei gilt es noch Geld zu verdienen, um sich eigene WĂŒnsche zu erfĂŒllen und zur Finanzierung des Studiums beizutragen. All das erzeugt Druck und kostet Kraft. Eine zu große Belastung kann jedoch in Erschöpfung bis hin zum Burnout mĂŒnden.Die Autorinnen sensibilisieren fĂŒr die Phasen der Erschöpfung. Sie vermitteln zudem Techniken und Strategien, die zu einem entspannten und gechillten Studium verhelfen. Ein Fragebogen gibt außerdem Auskunft ĂŒber den Grad der eigenen GefĂ€hrdung hinsichtlich eines Erschöpfungs-Syndroms. Wichtige Anlaufstellen wie beispielsweise Beratungsstellen, psychosomatische Ambulanzen und Kliniken sind im Serviceteil des Buches zu finden.Dieser Ratgeber richtet sich an Studierende aller Fachgebiete.

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Information

Publisher
UVK Verlag
Year
2017
Print ISBN
9783867647038
eBook ISBN
9783739802619

Teil 1: Fakten und HintergrĂŒnde zu Burnout

Es gibt Wichtigeres im Leben, als stÀndig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen.
Mahatma Gandhi

1 Was ist Burnout?

Burnout als Krankheit gibt es gar nicht. Erstaunlich, denn in den Medien wird doch stĂ€ndig darĂŒber berichtet! Tatsache ist aber, dass es fĂŒr Burnout keine einheitliche Definition gibt, keine Symptome, die fĂŒr alle Betroffenen gleich sind und auch keine Klassifizierung als eigenstĂ€ndiges Krankheitsbild. Gehen Sie zum Arzt und der schreibt Sie wegen eines Burnouts krank, ist auf dem Schein eine andere Hauptdiagnose zu sehen – meist eine aus dem psychischen Umfeld, also eine Depression, eine Anpassungsstörung, eine Angststörung oder eine NervenschwĂ€che. Burnout kommt nur als Zusatzdiagnose „Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der LebensbewĂ€ltigung“ vor und ist damit keine eigenstĂ€ndige Krankheit. Deshalb wird das Burnout-Syndrom von deutschen Kassen auch nicht als Krankheit anerkannt.
Das bedeutet natĂŒrlich nicht, dass es Burnout nicht gibt. Es erklĂ€rt aber, warum es nicht immer einfach ist, Burnout zu erkennen, denn die Symptome sind meist uneinheitlich. So wie Menschen und deren Persönlichkeiten eben auch nicht alle gleich sind und ihre individuellen Situationen, Belastungsfaktoren und Lebensgeschichten verschieden sind.
Die Schöpfer des Begriffs Burnout waren in den 1970er-Jahren der amerikanische Psychoanalytiker Herbert Freudenberger und die Sozialpsychologin Christina Maslach (vgl. Freudenberger, 1974). Sie beobachteten an Mitarbeitern sozialer Einrichtungen einen Wandel von glĂŒhenden Idealisten zu deprimierten, erschöpften, misstrauischen und leicht reizbaren Zynikern, die ihre Klientel zunehmend gleichgĂŒltig und abweisend behandelten. Dieser Zustand stellte sich ein, wenn sich die Betroffenen auf eine Lebensweise oder eine Arbeitsbeziehung einließen, die sie sich ganz anders vorgestellt hatten. Freudenberger sah eine Diskrepanz zwischen Erwartung und RealitĂ€t als auslösenden Faktor fĂŒr Burnout.
WĂ€hrend das Burnout-Syndrom frĂŒher vor allen Dingen bei sozialen Berufen und Lehrern beobachtet wurde, gab es nach und nach Studien fĂŒr viele andere Berufe und gesellschaftliche Gruppen, sodass inzwischen feststeht, dass keineswegs nur Menschen in helfender TĂ€tigkeit ausbrennen können.
Im Wirtschaftsleben wird das Burnout-Syndrom als eine mit Stress verbundene existenzielle Krise gesehen, bei der die Arbeit nicht mehr als sinnvolle Aufgabe oder Herausforderung empfunden wird. Als Ursachen werden sowohl Überforderung als auch Unterforderung oder Probleme in der persönlichen LebensfĂŒhrung genannt. Hinzu kommt als wesentlicher Faktor eine Diskrepanz zwischen extrinsischer (von außen ausgelöster) und intrinsischer (innerer, eigener) Motivation: Anreize wie Einkommen, Status und Macht können kurzfristig das SelbstwertgefĂŒhl steigern, verleiten aber zu einer beruflichen Entwicklung und zur Übernahme von Aufgaben, fĂŒr die die Betroffenen nicht geeignet sind und aus denen sie keine innere Befriedigung schöpfen können.

2 Definitionen

Auch wenn es keine einheitliche Definition von Burnout gibt, gibt es doch Definitionsversuche. Die aus unserer Sicht gelungensten wollen wir Ihnen hier vorstellen. DarĂŒber hinaus haben wir es im Zusammenhang mit dem Burnout-Syndrom mit weiteren Begriffen zu tun, die hier kurz erklĂ€rt werden sollen: Stress, Resilienz und VulnerabilitĂ€t. Genaueres dazu finden Sie in den jeweiligen Kapiteln.
  • Drei Burnout-Definitionen!
  1. Das Burnout-Syndrom entsteht durch eine dauerhafte Überforderung der eigenen geistigen und emotionalen LeistungsfĂ€higkeiten, durch Dauerstress ohne ausreichenden Ausgleich. Die Betroffenen haben meist nicht gelernt, mit den eigenen Energieressourcen zu haushalten und wissen oft nur unzureichend, wie man sie wieder auffĂŒllt. Der negative Stress fĂŒhrt zu einer kontinuierlichen Überdosis an Stresshormonen. Es kommt zum Aufbau von Resistenzen gegenĂŒber diesen Stresshormonen und damit einhergehend zu komplexen MangelzustĂ€nden im Hormon- und Nervensystem.
    Die natĂŒrliche leistungsfördernde Wirkung von Hormonen und Neurotransmittern liegt nur noch in einem eingeschrĂ€nkten Umfang vor (vgl. Pfeifer, M. – keine Angabe des Erscheinungsjahres).
  2. Burnout ist ein dauerhafter, negativer, arbeitsbezogener Seelenzustand „normaler“ Individuen. Er ist in erster Linie von Erschöpfung gekennzeichnet, begleitet von Unruhe und Anspannung (distress), einem GefĂŒhl verringerter EffektivitĂ€t, gesunkener Motivation und der Entwicklung dysfunktionaler Einstellungen und Verhaltensweisen bei der Arbeit. Diese psychische Verfassung entwickelt sich nach und nach, kann dem betroffenen Menschen aber lange unbemerkt bleiben. Sie resultiert aus einer Fehlpassung von Intentionen und BerufsrealitĂ€t. Burnout erhĂ€lt sich wegen ungĂŒnstiger BewĂ€ltigungsstrategien, die mit dem Syndrom zusammenhĂ€ngen, oft selbst aufrecht (vgl. Schaufeli W.B. et al., 1998).
  3. Das Burnout-Syndrom ist eine prozesshafte Erkrankung. Sie bezeichnet eine Systemerregung aus einer anhaltenden, sich allmĂ€hlich aufschaukelnden Hyperstressreaktion. Diese leitet einen Auflösungsprozess der psychophysischen Selbstregulation ein (die alle willensunabhĂ€ngigen RegulationsvorgĂ€nge steuert, u. a. das vegetative Nervensystem) und mĂŒndet meistens in eine manifeste Depression (vgl. Nelting M., 2010).
Definitionen haben an sich, dass sie versuchen, etwas so kurz und knapp wie möglich darzustellen. Seien Sie also nicht irritiert, wenn Sie jetzt noch keine klare Vorstellung haben, was Burnout sein könnte und ob Sie evtl. davon betroffen sein könnten. Im Kapitel 6 „Symptome und Verlauf eines Burnouts“ (Teil 1) erfahren Sie mehr darĂŒber.

3 Burnout als Prozessgeschehen

Stress und Burnout sind hÀufig als Prozess miteinander verbunden. Jeder Mensch, der sich heute in der Lebens- und Arbeitswelt der sogenannten ersten Welt befindet, steht irgendwo auf der Spirale, die Sie in Abb. 1 sehen.
Ein gewisses Maß an Stress ist fĂŒr uns ganz normal, oft beflĂŒgelt er uns sogar. Meist können wir gut damit umgehen: Sie treffen sich nach einem stressigen Tag mit Freunden und können erzĂ€hlen, was Ihnen auf dem Herzen liegt, bzw. Sie ziehen sich am Ende eines stressigen Tages die Laufschuhe an und laufen um den Park oder See und schalten so ab, wobei Sie durch die Bewegung auch die Stresshormone abbauen. Am Ende einer stressigen Woche gehen Sie feiern und am Wochenende mit Freunden zum Segeln, Skifahren, Radeln oder liegen faul in der Sonne und kriegen so Abstand zum Alltag. In den Semesterferien bleiben Ihnen wenigstens zwei bis drei Wochen, um wegzufahren und mal ganz abzuschalten. So gibt es immer wieder Zeiten, in denen Sie auftanken und so gelassen bleiben können, wenn die nĂ€chste Stresswelle Sie erwischt.
Abb. 1: Burnout als mögliches Prozessgeschehen
Manchmal kommt dann etwas dazu. Das kann zusĂ€tzlicher Stress im Studium sein, z. B. eine PrĂŒfungswelle oder eine Konkurrenzsituation zwischen Kommilitonen oder die Angst, keinen Masterstudienplatz zu bekommen. Das können aber auch ganz andere Dinge sein, die mehr im privaten Umfeld liegen, z. B. Ärger mit dem Freund/der Freundin, Geldsorgen, Druck von den Eltern, Probleme mit Alkohol. Es können auch Themen sein, die in Ihnen selbst angelegt sind: z. B. nicht zu wissen, ob man das Richtige studiert oder Angst zu haben, nicht gut genug zu sein. Nicht selten kommen mehrere dieser Faktoren zusammen und addieren sich.
Dann kĂŒmmern Sie sich in den Zeiten, die eigentlich Ihre Ruhezeiten sind um diese Dinge. Sie gehen arbeiten, um Geld zu verdienen, Sie lernen bis tief in die Nacht oder auch am Wochenende weiter, Ihre Gedanken kreisen um Eltern, Freunde, Kommilitonen. Ihre inneren Sorgen und Ängste lassen Sie stĂ€ndig grĂŒbeln. Hier beginnt nach unserer Ansicht Burnout. Sie treffen immer weniger Freunde, ziehen sich immer mehr zurĂŒck, entspannen sich immer seltener und bekommen so immer weniger Energienachschub, den Sie brĂ€uchten, um gelassen bleiben zu können. So kommen Sie in ein energetisches Defizit. Anfangs merken Sie dies meist gar nicht, weil Sie viele Reserven haben. Doch die Spirale hat begonnen und wenn Sie sie nicht stoppen, trudeln Sie langsam immer mehr ins Energiedefizit, bis zuletzt Ihr Körper reagiert und Ihnen deutliche Signale sendet oder die Seele SOS funkt. Am Ende der Spirale werden Sie von Panikattacken oder einer Depression gezwungen, endlich Ruhe zu geben. Der Weg bis dahin ist meistens weit und es gibt genug Hinweise, die Sie ernst nehmen sollten. Wenn Sie diese erkennen, haben Sie die Chance, die Spirale anzuhalten und wieder hochzuklettern.

4 Definitionen von Fachbegriffen

Um eine Grundlage fĂŒr das VerstĂ€ndnis der folgenden Kapitel zu schaffen, möchten wir Ihnen an dieser Stelle die Definitionen einiger wichtiger Fachbegriffe geben.
Abb. 2: Stressreaktion
  • Definition!
Stress (lat. stringere = anspannen)
Stress bezeichnet die durch spezifische Ă€ußere Reize (Stressoren) hervorgerufenen psychischen und physischen Reaktionen bei Lebewesen, die zur BewĂ€ltigung besonderer Anforderungen befĂ€higen. Zudem ist es ĂŒblich geworden, die dadurch entstehende körperliche und geistige Belastung ebenfalls als Stress zu bezeichnen. Die Stressreaktion kann durch stressverschĂ€rfende Gedanken noch erhöht werden.
  • Definition!
Resilienz (lat: resilire = zurĂŒckspringen)
Unter Resilienz versteht man die psychische WiderstandsfĂ€higkeit, die erforderlich ist, um Belastungen zu verarbeiten und gesund zu ĂŒberstehen.
Neben Schutzfaktoren, wie Selbstvertrauen oder sozialer und spiritueller Verankerung, ist unter dem Begriff Resilienz auch das gesamte Spektrum der psychosozialen Kompetenz einzuordnen. Zu den resilienzsteigernden Faktoren sind auch erlernte FĂ€higkeiten, wie StressbewĂ€ltigungsstrategien und die FĂ€higkeit zur Selbststeuerung zu verstehen. Konsequenterweise definieren daher viele Fachleute Resilienz noch umfassender als die FĂ€higkeit, widrige LebensumstĂ€nde und Belastungen nicht nur gesund zu ĂŒberstehen, sondern auch gereift und ausgerĂŒstet mit neuen Ressourcen daraus vorzugehen.
  • Definition!
VulnerabilitÀt (lat. vulnus = Wunde)
VulnerabilitĂ€t bezeichnet in der Psychologie und Medizin eine individuelle Disposition, d. h. ein Zusammenspiel sozialer, psychischer, organischer, genetischer oder anderer Faktoren, durch die das Auftreten einer Störung begĂŒnstigt wird. Der Begriff wird oft synonym verwendet mit herabgesetzter WiderstandsfĂ€higkeit gegenĂŒber Belastungen, die die Person im Zusammenspiel mit ihrer Umwelt erfĂ€hrt.

5 Medizinische HintergrĂŒnde zu Burnout

5.1 Physiologische Ursachen

Es gibt viele Theorien, wie ein Burnout entsteht. Einige kann man schon aus den oben genannten Definitionen erahnen. Als relativ gesichert gilt, dass sich Burnout auf der Ebene des Körpers aus einem Dauerstress- oder Hyperstress-Zustand entwickelt. Daher wollen wir uns das Thema Stress einmal genauer ansehen.
Fangen Sie doch einmal bei sich selbst an und stellen Sie sich die folgenden drei Fragen zu (negativem) Stress:
  • Übung!
Selbs...

Table of contents

  1. Was bedeutet Studieren im Quadrat?
  2. Über die Autorin
  3. Vorwort
  4. Inhaltsverzeichnis
  5. Potenzieller Verlauf eines studentischen Burnouts
  6. Teil 1: Fakten und HintergrĂŒnde zu Burnout
  7. Teil 2: Burnout oder kein Burnout? Ein Test.
  8. Teil 3: Strategien gegen Burnout – prĂ€ventiv und kurativ
  9. Literatur
  10. Über die Autorinnen
  11. Serviceteil
  12. Stichwörter
  13. Impressum

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