StÀrker als der Biss der Kobra
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StÀrker als der Biss der Kobra

Neue Geschichten zum Staunen, wie Gott in Indien wirkt

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StÀrker als der Biss der Kobra

Neue Geschichten zum Staunen, wie Gott in Indien wirkt

About this book

In ihrem neuen Buch stellen Ekkehard Graf und Markus Schanz wieder bewegende Lebenszeugnisse und außergewöhnliche Berichte, persönlich bezeugte wahre Begebenheiten aus der Nethanja-Kirche in Andrha Pradesh/Indien vor. Vieles haben sie selbst miterlebt oder erzĂ€hlt bekommen: Wie der Biss einer Kobra nicht zum sicheren Tod fĂŒhrte, wie eine gerade verstorbene Ehefrau wieder aufsteht und Kaffee kocht, wie ein Verletzter, den die Ärzte aufgegeben haben, sich plötzlich doch wieder erhebt. Diese und viele weitere Geschichten erzĂ€hlen immer wieder davon, wie Hoffnung ĂŒber die Verzweiflung siegt. Die beiden Pfarrer sind ĂŒberzeugt: In der indischen Nethanja-Kirche geht es zu wie im Neuen Testament!Ein Buch, das inspiriert, Gottes Hilfe tatsĂ€chlich zu erwarten!

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Information

Year
2021
eBook ISBN
9783765576027

DIE FLÖTENKINDER

Der HERR hat mir geholfen, darum wollen wir singen und spielen, solange wir leben, im Hause des HERRN!
Jesaja 38,20
Poch, poch 
 Es klopft an die gelb-grĂŒn gestrichene HolztĂŒr meines kleinen Appartements. Ich öffne die TĂŒr und blicke in die etwas schĂŒchtern lĂ€chelnden braunen Augen von Anurhada und Lilima: „Sister 
“ Sie halten mir ihre zur Schale geformten zarten HĂ€nde hin, gefĂŒllt mit fĂŒnf bunten Bonbons. Ihr Abschiedsgeschenk, unendlich kostbar, fĂŒr sie und fĂŒr mich!
Nach einer intensiven Unterrichtswoche, Blockflöte und Notenlehre, erlebten wir eine spannende Abschlussveranstaltung vor sĂ€mtlichen Lehrern und SchĂŒlern, mindestens fĂŒnfhundert Menschen drĂ€ngten sich im Innenhof der Schule dicht an dicht.
Zwei MĂ€dchen, Padma und Tanusha, begrĂŒĂŸen das Publikum und fĂŒhren dann durch die einzelnen Programmpunkte des Festes. Ich staune ĂŒber ihr selbstbewusstes Auftreten und gekonntes Moderieren. Herrliche TĂ€nze in farbenprĂ€chtigen Kleidern werden von einigen MĂ€dchen souverĂ€n aufgefĂŒhrt, coole Choreografien von smarten Jungs in Jeans, Dankesreden ĂŒber den Unterricht von FlötenschĂŒlerinnen gehalten, ebenso von Bischof Jeevan Komanapalli.
Dann kommen die Lieder auf der Blockflöte dran. Aufgeregt und fröhlich trappeln einhundertzwanzig nackte FĂŒĂŸe auf die BĂŒhne nach vorne, drĂ€ngeln und schieben sich auf den knappen Quadratmetern hin und her, finden schließlich ihre abgesprochene Position und warten gespannt auf mein Einsatzzeichen. Es wird still und ich gebe das Tempo des flotten BegrĂŒĂŸungsliedes mit Schnipsen und ZĂ€hlen an, „1-2-3-4“.
„Hello everybody, hello everybody 
“, schallt es aus sechzig kraftvollen Kinderkehlen. Dann kommt der Wechsel: Jedes Kind greift nach seiner Blockflöte und spielt die Melodie wie selbstverstĂ€ndlich mit. Es folgen „Jesus Christ is Lord, Hallelujah, he loves you and me“ und andere Lieder. Die Kinder spielen und singen begeistert, sind rhythmisch sicher, und fĂŒhren die eingeĂŒbten Tanzschritte mit Leichtigkeit aus. Hinzu kommen die zu den Texten passenden, von uns gemeinsam ĂŒberlegten Bewegungen. Den Abschluss bildet das erklĂ€rte Lieblingslied aller: „Dancing in the lovely rain“. – Es gibt viel Applaus fĂŒr alle Darbietungen. Was fĂŒr ein Fest und welche WertschĂ€tzung fĂŒr diese wunderbaren Kinder!
Manche Lebensgeschichten der Kinder haben mich tief berĂŒhrt. Zum Beispiel Joshna, die als Kleinkind von ihrer Mutter verlassen und ihrem alkoholkranken Vater ĂŒberlassen wurde. Ihr Großvater nahm sie schließlich auf, versorgte sie sieben Jahre und brachte sie spĂ€ter in dieses MĂ€dchenheim. Ein wunderschönes MĂ€dchen mit einem tiefernsten, schĂŒchternen Blick in den dunklen Augen. Oder Uma, Anurhada und eine weitere Schwester, die alle drei von ihrer Mutter im Kinderheim abgegeben wurden. Der Vater ebenfalls Alkoholiker.
Die Verabschiedung am nĂ€chsten Tag ist herzlich und es fließen einige TrĂ€nen. Nach rund drei Stunden Autofahrt komme ich an in Visakhapatnam, dem nĂ€chsten Einsatzort fĂŒr die Blockflötenworkshops. Mit viel Hallo der Kinder, einem großen Willkommensplakat und dem sĂŒĂŸ duftenden traditionellen Blumenkranz werde ich empfangen. Hier in Visakhapatnam gibt es ebenso Kinder mit sehr traurigen Schicksalen. Zum Beispiel Divia, die als ZweijĂ€hrige miterlebte, wie ihr Vater vor ihren Augen die Mutter tötete, nur knapp von der Großmutter vor ihm gerettet und dann zu Bischof Singh gebracht wurde.
Am nĂ€chsten Tag starte ich sechs Zehnergruppen mit jeweils einer Stunde Unterricht pro Tag. Ich habe einen Schulraum mit Tafel und einem Keyboard zur VerfĂŒgung. Sechzig neue klangvolle Namen sind zu lernen, Namen wie aus 1001 Nacht: Pravalika, Akshaya, Prema, Steeven Raj, Harsha Vardhan, Ganesh, Bushan, Sardhya 
 Sobald ich mir die Namen merken und ein MĂ€dchen oder einen Jungen mit seinem Namen ansprechen kann, strahlen sie oder lachen sich auch mal ĂŒber meine lustige Aussprache kaputt. An diesem Ort sind alle SchĂŒler AnfĂ€nger, und ich verteile die nagelneuen schönen Blockflöten, die ohne Kontrolle, dem Herrn sei Dank, durch den Zoll am Flughafen in Delhi gingen. FĂŒr einige Kinder ist es wie Weihnachten: Sie fragen noch am nĂ€chsten und darauffolgenden Tag immer wieder, ob sie die Flöten wirklich behalten dĂŒrfen.
Die ersten selbst erzeugten Töne auf der Flöte sind ein Erlebnis: Mahesh pustet vorsichtig in die Öffnung am Mundloch des Flötenkopfes, ein leiser Ton formt sich. Sofort setzt er erschrocken die Flöte ab. Aber dann strahlt er ĂŒber beide Ohren: Er selbst hat dieses Instrument zum Schwingen gebracht! Dann gibt es kein Halten mehr. Ein neuer, lauterer Ton erklingt, weitere folgen, tiefe kehlige, hohe, schrille, bis es quietscht. Unterschiedlichste KlĂ€nge fĂŒllen den Raum, lebendig und laut. Zwischendurch erschallt das Lachen der Kinder, und offenes Staunen. Herrlich ist es, ihre Freude zu erleben.
Matthew, Lehrer und Musiker, ĂŒbersetzt meinen Unterricht von Englisch auf Telugu. Aber nach kurzer Zeit verstehen wir uns alle mit Zeichensprache, benötigen nur wenige Worte. Kishore, ebenfalls Musiker und Lehrer, hilft beim Organisieren der Kindergruppen fĂŒr diesen ExtraUnterricht. Sie werden jeweils aus ihrem Klassenraum geholt und stehen pĂŒnktlich bereit.
Mit Singen, Klatschen, Rhythmusspielen und Übungen lernen die Kinder wie die Weltmeister. Nach vier Tagen spielen sie bereits vier Lieder. Eifrig und konzentriert trainieren sie mit ihren geschickten HĂ€nden die Griffwechsel. Morgens gegen 5.45 Uhr höre ich schon die ersten Kinder in verschiedenen Ecken des GelĂ€ndes ĂŒben. Das fröhliche Durcheinander der Melodien in der Morgensonne erfĂŒllt den neuen Tag, die Wiesen und SchlafsĂ€le – und mein Herz mit großer Freude und Dankbarkeit.
Die Ă€ußeren UmstĂ€nde des Unterrichtens sind in vieler Hinsicht anders als bei uns: Die drei Ventilatoren im Raum erzeugen stĂ€ndigen LĂ€rm. Draußen schĂŒttet es wie aus KĂŒbeln, was zu hĂ€ufigem Stromausfall fĂŒhrt. Plötzlich ist es dunkel, das Keyboard stumm und die Ventilatoren fallen aus. Zwischendurch kommt auch mal ein Hund zu Besuch, lĂ€uft durch den Klassenraum nach vorne, um mich kennenzulernen. Ein anderes Mal sehe ich ein ausgewachsenes Schwein quiekend ĂŒber den Schulhof rennen, gefolgt von einem klĂ€ffenden Straßenköter.
Die Abschlussveranstaltung nach dieser Unterrichtswoche findet in der Kirche statt. Die Kinder haben sich vorbereitet und wieder wunderschön herausgeputzt: die MĂ€dchen mit ihren seidigen Kleidern und den hĂŒbschen Frisuren ihrer glĂ€nzend schwarzen Haare, die Jungs mit bunten Hemden und coolen Jeans. Es gibt eine Generalprobe, bei der wir den Auf- und Abgang auf die BĂŒhne proben. Die Kinder werden nach GrĂ¶ĂŸe sortiert und so aufgestellt, dass jedes Kind zu sehen ist. Eine gewisse NervositĂ€t ist zu spĂŒren, aber auch ein glĂŒcklicher Stolz ĂŒber diese AuffĂŒhrung in der großen Kirche, vor vielen Hundert Zuhörern.
John Paul stöpselt das Keyboard ein, das heißt, er nimmt zwei offene Kabel und sticht diese in die zwei Löcher der geflickten Steckdose. Funken blitzen auf und es knistert unangenehm. Ich versuche mich mit meinen nackten FĂŒĂŸen möglichst fern von diesen DrĂ€hten und ungewöhnlichen Steckprovisorien zu halten, was aber beim Keyboardspielen und Pedalbedienen kaum möglich ist. Die Jungs lĂ€cheln nur, als sie mein Erschrecken feststellen. FĂŒr sie ist dieser Umgang mit ElektrizitĂ€t das Normalste der Welt.
Die Kirche ist voll. Alles passt wunderbar zusammen, die Lieder, die Bibelstellen und Ansprachen, die Gebetszeit, und ich staune ĂŒber „meine“ wunderbaren, konzentrierten SchĂŒler, die alle EinsĂ€tze hinbekommen, toll flöten und mit herrlichen Gesangsstimmen die große Kirche erfĂŒllen.
Dieses Bild vor Augen, denke ich: Ja, Lernen kostet Kraft, bedeutet Arbeit, Anstrengung – aber daraus entstehen Frucht und Freude, und in diesem Fall herrliche Musik! Wenn Gott uns unterrichtet, kostet es manchmal Kraft und Anstrengung, die Schule des Lebens kann sehr hart sein. Aber wenn wir lernbereit sind, entsteht daraus Frucht! Er lehrt uns aus Liebe!
Rana Lakshmi sagte auf der Verabschiedungsfeier mit bescheidenem Stolz: „Ich hĂ€tte nie gedacht, dass ich einmal Flöte spielen lernen könnte. Aber jetzt kann ich zu Hause erzĂ€hlen, dass ich dieses Instrument spielen kann.“
Die Regenzeit in Indien klingt langsam aus, der Regen trommelt mit weniger Wucht auf das Blechdach vor meinem Zimmer. Die Luft scheint mit unzĂ€hligen winzig kleinen Wassertröpfchen gefĂŒllt zu sein. Dem Regen folgen wieder Wachstum und Frucht. Dies wĂŒnsche ich den Kindern in Tamaram, Visakhapatnam, Rajahmundry und Narsapur: dass Jesus weiter seine Liebe, dass Gott seinen Heiligen Geist auf sie regnen lĂ€sst, sodass sie wachsen und Frucht bringen können. Und dass das Flötespielen sie weiter mit Freude und Selbstbewusstsein erfĂŒllt, sie weiterhin die Lieder singen und im Herzen bewegen.
„Dancing in the lovely rain, water on the ground and grain,
raindrops tickling in my face, like a symbol of saviour’s grace!“, höre ich Anurhada singen. – Tanzen im lieblichen Regen, Wasser aufs Erdreich, fĂŒr gute Ernte, Regentropfen kitzeln mein Gesicht, wie ein Symbol der Gnade des Retters!
Esther Hucks lebt mit ihrem Mann in Siegen, ist Musikerin, MusikpÀdagogin und Nethanja-Freundin. Schon zweimal ist sie mit vielen gespendeten Flöten im GepÀck nach Indien gereist, um den Kinderheimkindern mit Flötenunterricht eine Freude zu bereiten.

Table of contents

  1. Cover
  2. Titel
  3. Impressum
  4. INHALT
  5. Wir kommen aus dem Staunen nicht heraus
  6. StÀrker als der Biss der Kobra
  7. Ein Glas Wasser und ein Gebet
  8. Angeklagt wegen Gewaltverzicht
  9. Trotz körperlicher SchwÀche stark
  10. Gesandt und geheilt
  11. Klare PrioritÀten
  12. Die Kirche bleibt im Dorf
  13. COVID-19 und die Heilung
  14. Maria – oder: Witwe mit 21
  15. „Siehe, das ist dein Sohn“
  16. Wissen schafft Zukunft
  17. Im Namen liegt Rettung
  18. Vom Priestersohn zum Priester fĂŒr Jesus
  19. Vorbehaltlose Liebe im tödlichen Hinterhalt
  20. Frauen erfahren die Kraft des lebendigen Gottes
  21. Begegnungen im Slum
  22. Im Schutz des Kinderheims
  23. Der böse Geist muss gehen, das Kind darf kommen
  24. Der rettende Glaube
  25. Der Lehrer im Rollstuhl
  26. Kein Opfer der Propaganda
  27. Von der Terroristenbraut zum Gotteskind
  28. Der Hiob des Dschungels
  29. Die Flötenkinder
  30. Über die Autorin

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