Bauteile aus thermoplastischen faserverstĂ€rkten Kunststoffen (FVK), die aus diskontinuierlichen (DiCo) und kontinuierlichen (Co) Fasern bestehen, besitzen ein groĂes Potential zur Gewichtsreduzierung bei gleichzeitiger Einsparung von Materialkosten im Vergleich zu rein Co-verstĂ€rkten Bauteilen. Die hervorragende Formbarkeit von DiCoFVK wird zur Herstellung komplexer Formen wie Rippen genutzt, wĂ€hrend CoFVK zur gezielten Verbesserung der mechanischen Eigenschaften eingesetzt wird. FĂŒr die Herstellung von CoDiCoFVK in gröĂeren StĂŒckzahlen stehen verschiedene Verfahren zur VerfĂŒgung, die auf traditionellen thermoplastischen Fertigungsprozessen basieren, z. B. das Formpressen. Aufgrund der erforderlichen KomplexitĂ€t der Presswerkzeuge sind solche Verfahren jedoch nur fĂŒr mittlere bis groĂe StĂŒckzahlen wirtschaftlich. Die zunehmende Nachfrage nach Individualisierung kann mit solchen traditionellen Verfahren nicht erfĂŒllt werden. Werkzeuglose additive Fertigungsverfahren wie die Materialextrusion im Schmelzschichtverfahren eignen sich fĂŒr die wirtschaftliche Herstellung individueller thermoplastischer Bauteile in kleinen StĂŒckzahlen. Insgesamt sind die additiven AnsĂ€tze aus dem Stand der Technik fĂŒr die Herstellung von CoDiCoFVK noch unreif und eignen sich nicht fĂŒr die effiziente Fertigung groĂvolumiger Bauteile und groĂer StĂŒckzahlen.Ziel dieser Arbeit ist es daher, durch die Kombination von traditionellen Verfahren und dem Ansatz der additiven Fertigung die individuelle Herstellung und nachtrĂ€gliche Individualisierung von CoDiCoFVK zu ermöglichen. Um dieses Ziel zu erreichen, werden ein geeignetes Verfahren und ein entsprechender Versuchsaufbau entwickelt. FĂŒr die Verarbeitung der DiCo-Komponente werden robotergestĂŒtzte Direktextrusion und fĂŒr die Verarbeitung der Co-Komponente Verfahren des robotergestĂŒtzten Tapelegen adaptiert, kombiniert und mit dem Versuchsaufbau weiter optimiert. Mit zusĂ€tzlichen experimentellen Untersuchungen, thermischen Simulationen und kinematischen Analysen wird ein geeigneter Hybridisierungsprozess aus individuell kombinierbaren Prozessschritten entwickelt. Als relevantester Prozessschritt wird die Konsolidierung identifiziert, die die Bindung zwischen den Co- und DiCo-Komponenten wĂ€hrend des Hybridisierungsprozesses erhöht. Die Konsolidierung und weitere relevante Prozessschritte werden fĂŒr ein ausgewĂ€hltes Materialsystem mit Hilfe des Versuchsaufbaus experimentell fĂŒr die Erhöhung der Bindung der Komponenten optimiert. Als Ausgangsmaterial werden fĂŒr die DiCo-Komponente kohlenstoffkurzfaserverstĂ€rktes Granulat und fĂŒr die Co-Komponente unidirektionale Tapes verwendet. Das Matrixmaterial fĂŒr beide ist Polyamid 6.Zur Validierung der individuellen Herstellung von CoDiCoFRP werden Zugproben hergestellt. Basierend auf Zugversuchen nach DIN EN ISO 527-4 wird ein hoher ErfĂŒllungsgrad von 67 % erreicht. Dieser Wert gibt an, dass der CoDiCo-Verbund 67 % seiner theoretisch berechneten Festigkeit erreicht hat, was auf einen effektiven Hybridisierungs- und Bindungsprozess hindeutet. FĂŒr den Prozess der nachtrĂ€glichen Individualisierung von traditionell hergestellten Bauteilen werden ein Demonstratorbauteil hergestellt und Untersuchungen zu Anhaftung nach ASTM D5868-01 durchgefĂŒhrt. Als traditionelles Referenz-Verfahren wurde das Langfaser-Thermoplast-Direktformpressen verwendet. Der nachtrĂ€gliche Individualisierungsprozess wurde so entwickelt, dass dieser auch auf andere traditionelle Fertigungsverfahren angewendet werden kann.

eBook - PDF
Additive Individualization of Continuous-Discontinuous Reinforced Thermoplastics
- 267 pages
- English
- PDF
- Available on iOS & Android
eBook - PDF
Additive Individualization of Continuous-Discontinuous Reinforced Thermoplastics
About this book
Trusted by 375,005 students
Access to over 1.5 million titles for a fair monthly price.
Study more efficiently using our study tools.