Schule des Schreibens
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Schule des Schreibens

Was ich dem Kursbuch alles verdanke

  1. 8 Seiten
  2. German
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Schule des Schreibens

Was ich dem Kursbuch alles verdanke

Über dieses Buch

Cora Stephan hat viele Beiträge zum Kursbuch beigesteuert, von ihrem Essay "Dessouveränität", über "Im Drüben fischen" bis hin zu "Wir pfeifen auf den Fortschritt". Eine persönliche Erinnerung an ihre 50 Jahre Kursbuch. "Es ist gut, dass es das Kursbuch noch gibt. Aber ich gebe zu, dass ich nach dem Tod von Karl Markus Michel zu denen gehörte, die meinten, es sei angemessen, mit ihm eine große Tradition zu begraben."

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Information

Cora Stephan
Schule des Schreibens
Was ich dem Kursbuch alles verdanke
Die These, daß das »Ganze« in der organisierten deutschen Arbeiterbewegung häufig das Halbe-Halbe mit dem Gegner war, kann ohne Zweifel auf viele historische Beispiele zurückgreifen. Aber diese Formel verwischt einen Widerspruch: »Das Ganze« – das »Gesamtinteresse« oder auch »die« Gesellschaft und »der« Staat – hat sowohl das radikale, revolutionäre Moment verbürgt (in der sozialen »Volks«bewegung ebenso wie in der politischen Arbeiterbewegung) wie auch das Motiv verkörpert, auf dessen Grundlage die organisierte deutsche Arbeiterbewegung sich an dem beteiligte, was sie eigentlich bekämpfen wollte. Revolution war nicht vorstellbar ohne Einheit, und so war in der Vorstellungswelt der Sozialdemokratie das Einzelinteresse der Arbeiter deshalb unmittelbar mit dem Gesamtinteresse verbunden, weil das Proletariat der Fokus dieser Einheit sein sollte. Die Marxsche Trendvorhersage über den Entwicklungsgang des Kapitalismus machte diese Utopie von einer proletarischen »Einheit« zur »Wissenschaft«, die da lehrte: Alles, was der Kapitalismus tut, befördert den Fortschritt und arbeitet dem Proletariat in die Hände, heimlich schmiedet der Kapitalismus an der Herstellung des Sozialismus. Diese Utopiekritik wurde immer mehr zum Utopieverbot, je länger der Sozialismus dann doch auf sich warten ließ.
In Deutschland haben die Mahner und Warner vor ungezügelter Fortschrittseuphorie immer eher »rechts« gestanden und sind auf die erbittertste Kritik von »links« gestoßen. Der Bezug der antiautoritären Linken auf die Arbeiterbewegung Ende der 60er Jahre, das Bedürfnis, sich einer historischen Kontinuität einzuordnen, entsprang auch dem Wunsch, wissenschaftlich garantiert zu haben, daß der Sozialismus auch vor Deutschland nicht halt machen würde. Weltuntergangsstimmung angesichts des kapitalistischen Zerstörungsaufbaus paßte nicht zum neuen Heimatgefühl der Linken im Schatzkästlein des Marxismus-Leninismus.
Die Suche nach der »wirklichen«, anderen Arbeiterbewegung hingegen signalisiert einen Standortwechsel des Beobachters. Es mag einen neuen »Mythos« begründen, und es mag auch ein utopisches Vorhaben sein, mehr als nur ein paar archäologisch wertvolle Scherben finden zu wollen, die Zeugnis von den Lebensverhältnissen der »Masse« der Arbeiter früherer Zeiten abgeben könnten, oder unter den Schutthaufen parteipolitischer Haupt- und Staatsaktionen nach den Perlen der »wirklichen« Arbeiter zu stöbern. Wichtig ist vor allem, was ein solches Interesse an der »Vielfalt« sozialer Bewegungen (wo man früher das Bedürfnis nach systematischer Einordnung und Ableitung verspürte), an den »Brüchen« und »Nischen« der Geschichte (wo man vordem »Stränge«, »Linien« und »lange Wellen« verfolgte), an den »Lebenszusammenhängen« für die politischen Hoffnungen heutiger Linker aussagt.
Historische Utopien – wie etwa die Genossenschaftsidee – sind keine Bezugspunkte für heute, keine »konkrete« Utopie, kein Modell für alternatives Leben. Aber schön sind sie doch.
Aus: Kursbuch 52, »Utopien«, 1978, S. 169 f.
Erst rief Ingrid Karsunke an, mit ihrer wunderbar rauchigen Stimme, und verkündete nichts Geringeres als: Auserwähltsein. Ich sollte die Ehre haben, für die neue ...

Inhaltsverzeichnis

  1. Cover
  2. Verlag
  3. Cora Stephan
  4. Schule des Schreibens
  5. Über die Autorin
  6. Impressum

Häufig gestellte Fragen

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