
- 80 Seiten
- German
- ePUB (handyfreundlich)
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eBook - ePub
Über dieses Buch
Depressionen gehören zu den häufigsten seelischen Leiden des modernen Menschen. Was sind die Gründe für diese Krankheit? Welche Rolle spielt die Biochemie? Depressionen machen auch nicht Halt vor Christen. Verdunkelung der Glaubensgewissheit, Unfähigkeit zu beten und nagenden Schuldvorwürfe erleben sie besonders schmerzlich. Der Autor nimmt depressive Menschen in ihrer Not ernst und hilft ihnen ärztlich und seelsorglich.
Häufig gestellte Fragen
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Information
I. Leben im Schatten
Einleitung
»Wenn ich nur wüsste, was mit mir los ist!«, schrieb mir eine Frau in den mittleren Jahren. »Wenn ich aufstehe, fühle ich ein innerliches Vibrieren und eine tiefe Kraftlosigkeit. Meine ganze Kreativität ist spurlos verschwunden. Alles Planen fällt mir schwer und der Gedanke an kleinste Aufgaben erdrückt mich schon. Es ist, als würde eine Faust mein Herz umkrallen – manchmal fällt es mir schwer, tief einzuatmen. Ich wage mich nicht ›loszulassen‹, weil ich sonst sofort anfange zu weinen – ohne irgendeinen Grund! Ich funktioniere ganz gut: Haushalt, Kinder. Aber Telefongesprächen und persönlichen Begegnungen gehe ich eher aus dem Weg, weil ich zu wenig Kraft dafür habe. In die Gemeinde zu gehen, fällt mir schwer – ich hoffe dann, niemand will etwas von mir und fragt mich, wie es mir geht. Obwohl ich doch sonst Kraft aus dem Glauben schöpfe, scheint mein Gebet jetzt nur bis zur Decke zu gehen. Es ist, als hätte man mein farbiges Leben auf Schwarz-Weiß reduziert. Können Sie mir helfen?«
Depressionen sind die Krankheit unserer Zeit schlechthin geworden. Immer mehr Menschen klagen über Energielosigkeit, mangelndes Selbstwertgefühl, Niedergeschlagenheit und Hoffnungslosigkeit.
Prof. Paul Kielholz, einer der Pioniere der Depressionsforschung, schreibt dazu: »Diese Zunahme ist einerseits auf die Verbesserung der Diagnostik und der Therapien der depressiven Zustände zurückzuführen, andererseits liegen deren Ursachen in der Beziehungslosigkeit und Vereinsamung der Menschen in unserer Konsum- und Wegwerfgesellschaft.«
Der Theologe Paul Schütz bezeichnete die Schwermut als Massenerkrankung. »Die Schwermut quillt in einer Blutung, die unstillbar ist, aus jeder mit sich selbst und mit der Welt unreinen Seele.«
In der Tat zeigen die Statistiken: Jede vierte Frau unter 30 Jahren hat schon einmal mit seelischen oder körperlichen Symptomen einer Depression einen Arzt aufgesucht.
In unserer Zeit gibt es so manches neue Wort, von »Burnout« bis zum »Chronic Fatigue Syndrom«. Und doch ist Depression ein altes Phänomen, gleichsam eine Grundbefindlichkeit des Menschen in Einengungs- und Belastungssituationen. Schon in den Psalmen werden in eindringlicher Sprache depressive Symptome geschildert.
Depressionen machen auch nicht halt vor gläubigen Menschen. Die Verdunkelung der Glaubensgewissheit, die Unfähigkeit zu beten und die nagenden Schuldvorwürfe erleben sie besonders schmerzlich.
Dieses Buch soll einen Überblick über den heutigen Stand der Depressionsforschung und damit Hilfe für ein besseres Verständnis geben.
Häufigkeit und Symptome einer Depression
Depression – das bedeutet verminderte Lebensfreude, belastete Beziehungen und herabgesetzte Leistungsfähigkeit. Die Weltgesundheitsorganisation WHO spricht von »verlorenen Jahren mit Lebensqualität« (YLD). Depression ist weltweit die Hauptursache für die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit und steht an dritter Stelle derjenigen Krankheiten, an denen die Menschen am häufigsten leiden, noch vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs – Tendenz steigend. Depressionen kommen in allen Ländern und Kulturen vor – über 120 Millionen Menschen sind davon betroffen. Die folgenden Zahlen zeigen etwas von der Häufigkeit: 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung fühlen sich an einem beliebigen Stichtag depressiv. Drei Prozent erkranken im Verlauf eines Jahres an einer schweren Depression. Und ca. 0,6 Prozent erkranken im Verlauf ihres Lebens an einer manisch-depressiven Störung (vgl. Seite 29).
Frauen sind drei- bis viermal häufiger von einer Depression betroffen als Männer. Die Gründe sind vielfältig: Sind sie sensibler? Hatten sie eine schwierige Kindheit? Sind sie eher bereit, über ihre Gefühle zu reden, während die Männer ihren Zustand mit Arbeit (oder Alkohol) überdecken? Sind sie vermehrt von ihrem hormonellen Zyklus abhängig? Oder leiden sie an der Mehrfachbelastung von Familie, Haushalt und Arbeit? Schon diese wenigen Fragen zeigen etwas von der Vielgestaltigkeit möglicher Ursachen zwischen Persönlichkeit (Temperament), Familiengeschichte, biologischen Gegebenheiten und Belastungen des Alltags.
Vier Basissymptome
Wir unterscheiden vier große Basissymptome:
A. Die depressive Verstimmung der Gefühle
Freudlosigkeit, tiefe »vitale« Traurigkeit, innere Unruhe und Angst, Reizbarkeit, Gefühl der Leere, Entmutigung, Schuldgefühle, Hoffnungslosigkeit, Gefühl der Gefühllosigkeit und Abstumpfung.
B. Störungen des Denkens
Allgemeine Verlangsamung, depressive Gedankeninhalte (negative Sicht von sich selbst, der Umwelt und der Zukunft), »kognitive Denkfehler« (vgl. kognitive Verhaltenstherapie), Grübeln, Entschlussunfähigkeit, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, in schweren Fällen depressive Wahnideen (groteske Vorstellungen der Verarmung, der Versündigung und des Versagens).
C. Motorische Störungen
Bewegungsarmut, depressive Erstarrung, Verlangsamung, Maskengesicht, hängende Schultern. Oder aber: äußerlich sichtbare Unruhe (»sich die Haare raufen«), Getriebenheit, leerer Beschäftigungsdrang.
D. Körperliche/vegetative Störungen
Kraftlosigkeit und fehlende Frische, rasche Erschöpfbarkeit, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Mundtrockenheit, Druck- und Engegefühl im Hals und über der Brust, Schweißausbrüche, Herzklopfen, Herzbeklemmung, inneres Beben, Gewichtsabnahme, Magenschmerzen, Magendruck, Blähungen, Verstopfung, chronischer Durchfall, Harndrang, Unterleibsschmerzen, rheuma-ähnliche chronische Schmerzzustände, gestörte Sexualfunktion.
Schlüsselfragen zur Erfassung einer Depression
Folgende Fragen können helfen, eine Depression festzustellen. Je mehr Fragen mit Ja (bzw. im Sinne einer Depression) beantwortet werden, desto ausgeprägter ist die Depression.
• Können Sie sich noch freuen?
• Haben Sie weniger Interesse als früher?
• Sind Sie weniger initiativ als früher? Vernachlässigen Sie Dinge, die Ihnen früher wichtig waren?
• Fühlen Sie sich tagsüber erschöpft, ohne Schwung?
• Sind Sie körperlich erschöpft, ohne dass sich ein medizinischer Grund findet?
• Fühlen Sie sich nervös, innerlich gespannt, ängstlich?
• Fällt es Ihnen schwerer als sonst, Entscheidungen zu treffen?
• Leiden Sie an Schlafstörungen?
• Haben Sie Schmerzen, verspüren Sie einen Druck auf der Brust?
• Haben Sie wenig Appetit, haben Sie an Gewicht verloren?
• Haben Sie Schwierigkeiten in sexueller Hinsicht?
• Neigen Sie in letzter Zeit vermehrt zum Grübeln?
• Plagt Sie das Gefühl, Ihr Leben sei sinnlos geworden?
Diagnostische Fragebogen
Zur Messung der Depression und zur Überprüfung des Therapiefortschrittes werden verschiedene Fragebogen verwendet.
Beck’sches Depressions-Inventar (BDI): Dieser Selbstbeurteilungsbogen wurde vom Begründer der kognitiven Therapie der Depression (Aaron T. Beck) entwickelt. Die 21 Themen werden jeweils in vier Aussagen aufgeteilt, die unterschiedliche Schweregrade beschreiben. Ein Beispiel:
0 = Ich fühle mich nicht als Versager.
1 = Ich habe das Gefühl, öfter versagt zu haben als der Durchschnitt.
2 = Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, sehe ich bloß eine Menge Fehlschläge.
3 = Ich habe das Gefühl, als Mensch ein völliger Versager zu sein.
Hinweis: Der Gesamt-Fragebogen ist abgedruckt in dem Buch: Beck, A.T. et al. Kognitive Therapie der Depression, Weinheim 2001.
Hamilton Depressionsskala (HAMD): Fremdbeurteilungsbogen für Ärzte und Therapeuten. Dabei werden die oben genannten Schlüsselfragen systematisch erfasst.
Nun ist bei diesen Fragebogen zu beachten, dass der Zahlenwert allein noch nicht genügend aussagt über die Schwere des depressiven Zustandsbildes. Oft kommt es auf die zusätzlichen Problemkreise an, die den Menschen belasten. Da kommen etwa schwere Schmerzen nach einem Unfall dazu oder ein Diabetes, bei dem die depressive Person nicht mehr richtig auf die Ernährung oder die Insulindosis achtet. Bei anderen sind es Selbstverletzungen oder eine Bulimie, die das Bild komplizieren. Betroffene junge Frauen können zwar äußerlich aktiv und zeitweise fröhlich wirken, leiden jedoch innerlich viel mehr, als es der Zahlenwert eines Fragebogens erscheinen lässt.
Kriterien einer depressiven Episode (nach DSM IV)
A. Verlust von Interesse und Freude an allen oder fast allen Aktivitäten und Zerstreuungen. Gemütsverstimmung: depressiv, traurig, trübsinnig, niedergeschlagen, tief am Boden, reizbar. Rasche Gefühlsschwankungen sind hingegen nicht typisch für eine Depression.
B. Mindestens vier der folgenden Symptome müssen nahezu jeden Tag wenigstens zwei Wochen lang bestanden haben:
1. Schlechter Appetit oder erhebliche Gewichtsabnahme (ohne Diät) oder Appetitsteigerung mit Gewichtszunahme.
2. Schlaflosigkeit oder vermehrter Schlaf.
3. Innere und äußere Ruhelosigkeit oder Verlangsamung.
4. Verlust von Interesse oder Freude an allen üblichen Aktivitäten oder Nachlassen der Sexualität.
5. Energieverlust, Erschöpfung.
6. Gefühl der Wertlosigkeit, Selbstvorwürfe oder übermäßige und ungerechtfertigte Schuldgefühle.
7. Klagen über verminderte Denk- und Konzentrationsfähigkeit, Entscheidungsunfähigkeit.
8. Wiederkehrende Gedanken an den Tod, Todeswunsch, Selbstmordgedanken oder Selbstmordversuch.
C. An eine andere Krankheit muss gedacht werden, wenn nicht depressive Wahnideen und bizarres Verhalten auftreten oder wenn die Depression sich an eine vorausgegangene Psychose anschließt.
(Vereinfachte Formulierungen in Anlehnung an das DSM IV = Diagnostisches und Statistisches Manual psychischer Störungen, 4. Revision.)
Depression und Angst
Depression und Angst haben viele gemeinsame Symptome, so etwa
• Anspannung und Erregung
• Herzklopfen, Verdauungsbeschwerden
• Sorgen
• Schlafstörungen
• Energiemangel, Erschöpfung
• Konzentrationsschwierigkeiten
• chronische Schmerzen
Das gemeinsame Auftreten von Angst und Depression geht einher mit einem schwereren Verlauf, vermehrter Inanspruchnahme medizinischer Dienste und größerer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Abbildung 1 zeigt die Überlappung der Depression mit anderen Zustandsbildern (man spricht hier auch von Komorbidität).
![]() Abb. 1: Depression hat viele Berührungspunkte mit anderen Störungen. PT... |
Inhaltsverzeichnis
- Cover
- Kurz und bündig
- Vorwort des Herausgebers
- I. Leben im Schatten
- II. Therapie und Seelsorge bei depressiven Störungen
- III. Depression und Glaube
- Glossar
- Literatur
