In dem vorliegenden Buch werden Ergebnisse alter und neuer Forschung zur Geschichte des Kirchenbergs von Bad Deutsch-Altenburg zusammenfassend dargelegt.
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Bernardo Bellotto (genannt Canaletto): „Das kaiserliche Lustschloß Schloßhof, Ansicht von Norden“, 1758/61. Detail: Blick auf die Hainburger Berge; rechts der Pfaffenberg, an seinem Fuß der Kirchenberg. Kunsthistorisches Museum, Wien.
Joseph Ritter von Arneth
ARCHÄOLOGISCHE ANALEKTEN
Aus: Sitzungsberichte der philosophisch-historischen Classe der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Sitzung vom 13. Juli 1853. In: Band 11, Jahrgang 1853, Heft I–V. Wien 1854, S. 330–335.*
II.
[330] Bei Erwähnung dieser Inschriftsteine die, wie ich [im vorangegangen Abschnitt des Originals, S. 308–330, Erg. d. Red.] dargethan zu haben glaube, auf eine lehrreiche Weise die Alterthümer unserer Gegend aufklären, muss ich noch in Kürze die neuesten Funde der Art besprechen. Her Widter aus Klein-Schwechat dem, wie den Herren Dreher und Miesbach, das k. k. Münz- und Antiken- [331] Cabinet manche sehr werthvolle Monumente verdankt, welche diese auf ihre Kosten bis zum Aufstellungsorte ungeachtet ihrer bedeutenden Schwere führen liessen1, brachte zuerst Nachricht, dass in Deutsch-Altenburg mehrere antike Steine gefunden wurden und dass sich die Bezirkshauptmannschaft zu Bruck derselben sorgsam annahm, wesshalb ich mich an die Bezirkshauptmannschaft wandte, um über diese vorläufige Nachricht Erkundigungen einzuziehen. Die löbl. Bezirkshauptmannschaft und vorzüglich deren Vorsteher, Herr Waidele, der schon oft Beweise seiner Aufmerksamkeit auf Wissenschaft- und Kunstgegenstände gegeben, äusserte sich dienstfreundlichst, schickte Zeichnungen ein, wornach sich der Fund als nicht unbedeutend herausstellte; desshalb entsendete ich den Amanuensis des k. k. Münz- und Antiken-Cabinettes, Hrn. Baron von Sacken, nach Deutsch-Altenburg, um an Ort und Stelle Erkundigungen einzuziehen, etwaige nothwendig befundene Ausgrabungen zu beginnen und darüber zu berichten, da die Entdeckung eines Mithraeums in Aussicht stand. Die ersten Entdeckungen, deren Einsendung die Bezirkshauptmannschaft unverweilt bewerkstelligte, liessen um so mehr dies hoffen, weil die copirten Inschriften sich auf Mithras bezogen. Die angestellten Ausgrabungen bestätigten allerdings die Hoffnung auf Entdeckung eines Mithraeum’s; hierüber wird Baron Sacken umständlicher berichten. Ich war schon mehrmals2 im Falle, auf Mithras-Monumente aufmerksam zu machen; das k. k. Münz- und Antiken-Cabinet besitzt einige der wichtigeren derselben, ich nenne nur die Monumente von Mauls, von Stixneusidel u. d. gl.3, – desshalb füge ich auch wegen des auffallenden Interesses die Abschrift eines der neu aufgefundenen und ins k. k. Münz- u. Antiken-Cabinet überbrachten Steine hier bei4. Ara. 20" hoch, 9½" breit.
PETRAE GE
TRI
P · Æ NIGRI NVS SACR
V · S
[332] Petrae Genetrici Publius Aelius Nigri Nus Sacerdos Votum Solvit
Noch ursprünglich rothe Farbe in den Buchstaben.
Diese Petra hat Bezug auf die Felsgrotte, innerhalb welcher Mithras den Stier opfert. Also: Petra, der Erzeugerinn, der Mutter, (nämlich des Mithras), löset der Priester P. Aelius Nigrinus das Gelübde.
Es gibt nicht leicht ein erhabeneres menschliches System, als das welches Zoroaster in den Zendbüchern niederlegte. Wie alles Menschliche einen, oft kläglichen, Ausgang nimmt, so erscheint hier diese Inschrift als der letzte Klang einer volltönenden Harfe welche Zoroaster über das Wesen des Menschen, über die Religion, über den Staat auf den hohen Gebirgen Iran’s anstimmte. Als das römische Religionssystem allen Halt verloren, suchten die welterobernden Römer überall wo sie hinkamen, nach neuen Göttern, so in Ägypten, in Asien, in Griechenland. Vom asiatischen Mithrasdienste sind allenthalben Monumente bekannt, sie sind in unseren Gegenden ziemlich häufig.
Dieser alleinige Fund brachte ein freilich sehr verwittertes Mithras-Monument, kaum des Transportes werth, den eben besprochenen Stein, ferner andere vier Steine, als:
Deo Invicto Magno? Conservatori? Titus Flavius Verecundus Colonia Savaria Centurio Legionis XIIII Geminae Martiae Victricis Votum Solvit Libens Lubens Merito.
Auf beiden Seiten die Genien des Auf- und Niederganges.
3.
DEO . IN VICTO VAL . VICT ORNIVS OP TIO LEG X G V . L . S .
Deo In victo Valerius Vict orinus Op tio Legionis X Geminae Votum Libens Solvit
4.
Sehr beschädigte Ara, auf beiden Seiten die Mütze des Mithras und unten bloss RESTITVIT erhalten.
Ferner wurde noch mitgefunden ein Conus mit einer Schlange umwunden, zwei Genien des Auf- und Niederganges, beschädigt; ein Löwenkopf. Auch unser verehrter Herr College, Baron Hammer-Purgstall, der Herausgeber des interessanten Werkes über Mithras- [334] Monumente5, war vor drei Jahren Veranlassung, dass Herr v. Brevilliers zwei, freilich auch beschädigte, bei Schwadorf gefundene Mithras-Monumente ins k. k. Münz- und Antiken-Cabinet gab; sie sind:
Mithras dem Stiere den Dolch in den Nacken stossend. Sehr beschädigtes Relief, 2' 10'' hoch, 5' breit.
Ein Torso mit einer Schlange umwunden, auf beiden Seiten die Genien des Auf- und Niedergangs der Sonne. So dass durch diese Funde die Zahl der schon vorhandenen Mithras-Monumente erfreulich vermehrt wurde.
Die Beweisstellen die vorzüglich geeignet sind, den Stein mit PETRAE GENETRICI zu erklären sind folgende:
Der christliche Dichter Commodianus, welcher zu den Zeiten Constantinus des Grossen (regierte v. J. 306–337 n. Chr.) lebte, sang die Verse:
Invictus de petra natus, si deus habetur Nunc ergo retro vos de istis date priorem Vicit petra deum, querendus est petrae creator.
Der h. Hieronymus schreibt gegen Jovinianus: Narrant et gentilium tabulae Mithram et Erichthonium, vel in lapide vel in terra, de solo aestu libidinis esse generatos. Ideo in Mithrae mysteriis enunciari solitum erat
Noch mehrere Stellen haben gesammelt Philippus a Turre6), Creuzer7) und Röth8).
[335] Ich würde sehr froh sein, wenn das Mitgetheilte geeignet wäre, in Ihnen abermals die Ueberzeugung hervorzubringen, wie wichtig zu unserer Geschichte oft auch unscheinbare Monumente, wie die vorgenannten, sind; sie sind Zeugen entweder eines grossen untergegangenen Religionssystemes, diesfalls vielleicht des reinsten des heidnischen Alterthumes, welches die Gemüther zur Empfänglichkeit der christlichen Lehre vorbereitete, oder sie sind Zeugen einer grossen untergegangenen Weltregierung welche ähnliche Monumente von der africanischen Wüste bis nach Caledonien, von da an den Rhein, an die Weser, an die Donau, bis an die Ufer des Euphrats hinterliess. Es sind also die Monumente so groser Zeiten zu bewahren; werden sie auch nicht immer verstanden, so kann es doch Menschen und Zeiten geben, sie sind oder werden kommen, welche sie verstehen, damit nicht gesagt werden könne: Diese Monumente, „dem Vandalen sind sie Stein,“ denn es gibt „unempfängliche Zeiten, das Ewige findet immer seine Zeit.“
* Anm. d. Red.: Die Anmerkungsziffern des folgenden Auszugs entsprechen nicht dem Original.
1 Wiener Zeitung, 1844.
2 W. J. B. d. L. 1834, Bd. LXVI.
3 Arneth, Beschreibung der Statuen, Büsten u. s. w. des k. k. M. u. A. C. Nr. 45, 51, 230.
4 Arneth, l. c. Nr. 216. d.
5 Mémoire sur le Culte de Mithra. Paris 1833. Mémoire sur les rapports des doctrines de Mithra avec celles de l'Inde. Mémoires de l'Institut Nat. de France, XV, 1, p. 132. Paris 1850.
6 Monumenta Veteris Antii. Romae 1700. p. 162 etc.
7 Symbolik, I. 743.
8 Die Ägyptische und Zoroastrische Glaubenslehre, S. 407, 415 – wo die Idee ausgesprochen ist, dass unter der jugendlichen Gestalt, welche dem Stier den Dolch in den Nacken stösst, Ahriman gemeint sei. Dies ist mir nicht wahrscheinlich, denn keine Inschrift spricht von Ahriman, sondern alle nennen Mithras.
Eduard Freiherr von Sacken
ÜBER DIE NEUESTEN FUNDE ZU CARNUNTUM BESONDERS ÜBER DIE RESTE EINES MITHRAEUMS UND EIN MILITÄR-DIPLOM VON KAISER TRAJAN
Aus: Sitzungsberichte der philosophisch-historischen Classe der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Sitzung vom 20. Juli 1853. In: Band 11, Jahrgang 1853, Heft I–V. Wien 1854, S. 336–348.*
[336] Ich habe im verflossenen Jahre über den Reichthum an Denkmalen des römischen Alterthums, welche an der Stelle der römischen Stadt Carnuntum, 6 Meilen östlich von Wien an der Donau gelegen, zu Tage kamen, berichtet und versucht, aus der Geschichte der Stadt und den bisher gefundenen Objecten darzuthun, dass hier eine reiche Fundgrube von Denkmalen aus der Römerzeit sei, und dass einigermassen geordnete Ausgrabungen lohnende Resultate liefern würden. Das heurige Jahr hat diese Ansicht gerechtfertiget, denn die gefundenen Gegenstände sind von hohem Interesse, und ich glaube nicht zu viel zu sagen, wenn ich sie einen wahren Gewinn für die Wissenschaft nenne. – Ich gebe hier die nähere Beschreibung und Erklärung derselben als Nachtrag zu meiner früheren Abhandlung (Sitzungsberichte der phil. hist. Cl. IX. Bd. S. 662 ff.).
Orte welche auf einmal durch Feinde zerstört wurden und dadurch als römische Colonien untergingen, bieten, wenn auch bei einem solchen Überfalle vieles zertrümmert und verwüstet wurde, doch in der Regel mehr Ausbeute, als solche die sich durch alle Zeiten forterhielten, weil da alles Vorhandene stets mit Sorgsamkeit gebraucht oder zu den, neuen Bedürfnissen entsprechenden Zwecken umgearbeitet wurde, z. B. die Gebäude bis auf den Grund abgetragen und neu gebaut, Metallgegenstände eingeschmolzen, Utensilien bis zu ihrer gänzlichen Zerstörung gebraucht, während bei ersteren doch nicht alles zu Grunde gerichtet werden konnte, wenigstens die Fundamente der Bauwerke blieben, eine Masse von Objecten aber im Schutt begraben wurde. – Ohne Zweifel würden Nachgrabungen zu Carnunt eine ungemein reiche Ausbeute geben, die Grundmauern eines guten Theiles der Stadt liessen sich noch bloslegen, im Cimeterium und ...
Inhaltsverzeichnis
Cover
Impressum
Titel
Inhalt
VORWEG
ZUM GELEIT
VORWORT
DER KIRCHENBERG VON BAD DEUTSCH-ALTENBURG UND SEINE ARCHÄOLOGISCHEN DENKMÄLER
ARCHÄOLOGISCHE UND BAUHISTORISCHE BEOBACHTUNGEN AN DER PFARRKIRCHE MARIÆ HIMMELFAHRT
NOCHMALS VOM NUTZEN UND NACHTEIL DER HISTORIE FÜR DAS LEBEN
KOLLEKTANEEN
AUSBLICK
BILDNACHWEIS
AUTORINNEN UND AUTOREN
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