Mielke, Macht und Meisterschaft
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Mielke, Macht und Meisterschaft

Dynamo Dresden im Visier der Stasi

  1. 304 Seiten
  2. German
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  4. Über iOS und Android verfügbar
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Mielke, Macht und Meisterschaft

Dynamo Dresden im Visier der Stasi

Über dieses Buch

Zehn Tage im Januar 1981 erschütterten die DDR-Fußballwelt. Kurz vor der Abreise der Nationalmannschaft nach Südamerika wurden Gerd Weber, Peter Kotte und Matthias Müller verhaftet. Auslöser war der Bericht eines Inoffiziellen Mitarbeiters des Staatssicherheitsdienstes, dass die drei Spieler der SG Dynamo Dresden »bei einem der nächsten Spiele in der BRD bleiben« würden und beim 1. FC Köln unter Vertrag kämen. Die Folgen waren Arrest, Verhöre, Spielsperren, gezielt gestreute Gerüchte. Die Hintergründe aber blieben im Dunkeln.
Jahrzehnte später hat Ingolf Pleil das Aktenmaterial gesichtet, Zeitzeugen befragt und die Ereignisse um Dy­na­mo Dresden umfassend rekonstruiert. Seine Recherchen decken die enge Verknüpfung von Politik, Fußball und Geheimdienst in der DDR auf und zeigen, wie der national und international erfolgreiche Fußballclub Dynamo Dresden in den siebziger und achtziger Jahren durch die Stasi infiltriert wurde. Die Verstrickungen von Spielern, Trainern, Medizinern und Funktionären sorgten auch nach der Wende noch für Turbulenzen rund um den legendären Verein, über dessen Entwicklung bis in die Gegenwart hinein Pleil berichtet.

Information

Verlag
Links, Ch
Jahr
2013
eBook-ISBN:
9783862842636

Die »Bearbeitung« des Fußballclubs durch das MfS

Die Stasi wirbt um geheime Zuträger

»Natürlich konnte der Kandidat auch die Bereitschaft zur Mitarbeit verweigern – zumeist war das eine Frage des Mutes, der Standfestigkeit und der persönlichen Lebensumstände«, stellte Joachim Gauck fest.21 Einer habe bei seiner Ablehnung den Evangelisten Matthäus 16,26 zitiert: »Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?«
Bei Dynamo Dresden klangen die Ablehnungen in den Ohren der MfS-Leute vielleicht weniger bibelfest, aber sie bekamen auch dort welche zu hören. Nach eigenem Bekunden lehnte beispielsweise der Spieler Gerd Heidler eine Zusammenarbeit ab. Aus jugendlicher Opposition habe er das Ansinnen des MfS zurückgewiesen, sagt er. »Reine Gefühlssache« sei dies seinerzeit gewesen. Nach seiner Erinnerung war er damals 20, 21 Jahre alt. Im Verein war er bei einem Gespräch praktisch beiläufig gefragt worden, »ob ich nicht ein bisschen rumhorchen« könne. Heidler wusste zunächst »gar nicht richtig, was die wollen«. In diesem Klima der Ungewissheit wurden die Gespräche offensichtlich gern belassen. Schließlich wurde der Versuch mit dem Hinweis, dass es nicht gelinge, »den IM-Vorlauf von seinem falschen Standpunkt abzubringen«, zu den Akten gelegt.22 Ähnlich waren die Umstände auch bei Spielern, die erfolgreich geworben worden sind.
Etwas anders stellt sich offenbar die Situation bei Matthias Müller dar. Anlass für Müllers Kontaktierung und die Registrierung als IM-Vorlauf durch die Stasi war das Europacupspiel in Liverpool im Frühjahr 1976 »und die damit verbundene Gefahr einer Kontaktierung der jüngeren Spieler durch feindliche Kräfte«23. Die Umstände einer zurückliegenden Republikflucht dienten als Anlass. Zum ersten Kontaktgespräch mit der Stasi suchte der MfS-Offizier Wiedner den damals 21-jährigen Müller in seiner Wohnung auf. Müllers Äußerungen wurden von Wiedner so gedeutet, dass er notierte: »Im ersten Kontaktgespräch erklärte sich der Kandidat bereit, das MfS bei der Durchführung seiner Aufgaben zu unterstützen.«24 Es wurde eine Vorlauf-Akte angelegt und ein weiterer Treff im Rat des Bezirkes geplant.
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Abschlussbericht des MfS zur missglückten Anwerbung des Spielers Gerd Heidler, 11. Oktober 1974
Generell erfolgten die Kontakte außerhalb der Bezirksverwaltung des Ministeriums. »Die Firma« hatte ihren Dresdner Sitz in der Bautzener Straße. Heidler: »Das kannten wir damals gar nicht.« Keiner der befragten Spieler oder Trainer gibt an, jemals den Bürokomplex des Ministeriums in Dresden betreten zu haben.
Heidler und Müller sind der Ansicht, dass irgendwann einmal mit jedem Gespräche geführt worden sind, um ihn für eine MfS-Mitarbeit zu werben. Dieser Sachverhalt wird von anderen Spielern (Häfner, Dörner) so nicht bestätigt. Wobei sich heute sicher nicht jedes Gespräch aus dieser Zeit rekonstruieren und dahingehend überprüfen lässt. Aus Heidlers und Müllers Angaben geht hervor, dass die Stasi das Thema Mitarbeit spätestens beim zweiten oder dritten Treff deutlich ansprach. In beiden Fällen genügte es offenbar, geradeheraus die Mitarbeit abzulehnen. Nach eigenem Bekunden ist auf keinen daraufhin Druck ausgeübt worden. Gaucks These, dass ein solches Verhalten etwas mit Mut, Standfestigkeit und den persönlichen Lebensumständen zu tun hatte, findet sich in den Aussagen der beiden Spieler wieder. »Sicherlich sind sie auf die Leute zugegangen, die gerade vielleicht ein Problem hatten, ob das jetzt familiär war, … oder was weiß ich«, erinnert sich Heidler. »Das Beste war schon, man hatte eine reine Weste und konnte keine Anhaltspunkte bieten … Da hatten sie dann Schwierigkeiten und haben es gelassen.«
Im »Abschlußbericht« zum IM-Vorlauf notiert Führungsoffizier Wiedner, Müller habe im zweiten Gespräch in seiner Wohnung zum Ausdruck gebracht, dass er sich nicht für geeignet hält, das MfS dauernd zu unterstützen. Er sei jedoch bereit, so Wiedner in seinem Bericht, bei Starts im nichtsozialistischen Ausland das MfS bei der Sicherung der Mannschaft zu unterstützen. Um solche Passagen eindeutig bewerten oder mit den heutigen Aussagen vergleichen zu können, fehlt eine wichtige Voraussetzung. Es ist in den wiedergegebenen Äußerungen nicht feststellbar, was der jeweilige Gegenüber dem MfS-Mitarbeiter wörtlich sagte. Es lässt sich deshalb nicht klären, welche Formulierungen der Stasi-Mitarbeiter möglicherweise in seinem Sinne interpretierte oder als unpassend wegließ.

Dekonspiration als Gegengift

Es hat sich in den Akten kein Beispiel gefunden, bei dem der MfS-Offizier Aspekte der politischen Einstellung oder die Prägung durch das Elternhaus, wie sie Müller heute benennt, als Ablehnungsgrund notierte. Zum einen hätten sich Spieler damals mit solchen Äußerungen wohl eher ein Eigentor geschossen. Zum anderen war offenbar auch den MfS-Mitarbeitern daran gelegen, möglichst Gründe für das Scheitern einer Anwerbung zu benennen, die ihnen nicht selbst als Fehler ausgelegt werden konnten. Auf diese Weise finden sich in den Akten Argumente, die der Kandidat, ohne sich zu gefährden, vorgetragen haben konnte, die aber gleichzeitig für den Mitarbeiter nicht kompromittierend waren, weil sie sich seinem Einflussbereich entzogen. So wird in Müllers Akten25 festgehalten, er hätte Angst davor geäußert, dass seine Mannschaftskameraden durch Zufall von einer Mitarbeit erfahren könnten, er habe aber nicht über die zugesicherte »unbedingte Einhaltung der Konspiration« reden wollen. Das Gespräch wurde abgebrochen, zum nächsten Treff erschien der Kandidat nicht. Es könne also eingeschätzt werden, stellte Wiedner daraufhin fest, dass der Kandidat nicht gewillt sei, mit dem MfS inoffiziell zusammenzuarbeiten. Als Ursache wurde vermutet, dass er nach dem ersten Kontaktgespräch mit einer dritten Person über die Zusammenarbeit gesprochen und die ihn negativ beeinflusst habe. Damit sei Wiedner ganz aus dem Schneider, durch die Dekonspiration würde der IM-Vorlauf für die Stasi uninteressant.
Wiedners Vorgesetzte gaben sich damit jedoch noch nicht zufrieden, die Ablage (Archivierung) des IM-Vorlaufs wurde zunächst abgelehnt. Der MfS-Mann Gutte musste sich der Sache annehmen. »Unter Legende« wurde Müller im Stadion kontaktiert, von dem »freundschaftlichen Gespräch« war schon die Rede. Eine Dekonspiration konnte nicht festgestellt werden, schrieb Gutte daraufhin. Womöglich hatte sich Wiedner tatsächlich nur dieser Vermutung bedient, um die Ablage des widerborstigen Kandidaten zu erreichen. Nach seinen Aufzeichnungen vom 29. Mai 1979 gelang es Gutte, Müller eine Schweigeverpflichtung abzunehmen, »die er (Müller – d. A.) bereitwillig unterschrieb«. Doch weitere Treffversuche blieben auch für Gutte erfolglos: Müllers Bedenken würden seine moralischen Schwächen zeigen und widerspiegelten seine ablehnende Haltung zum MfS. So griff auch Gutte schließlich zum Argument Dekonspiration: »Bei weiteren Versuchen der Aktivierung besteht die Möglichkeit einer negativen Beeinflussung seines physischen und psychischen Zustandes, was im Gefüge der Oberligamannschaft zu Diskrepanzen führen kann und damit eine Dekonspiration zur Folge haben kann.«26 Am 20. August 1979 wurde der Vorgang abgelegt, mehr als drei Jahre hatte sich die Stasi inzwischen mit Müller befasst. Gutte schlug vor, Müller weiter in einer Operativen Personenkontrolle (OPK) zu bearbeiten. Mit Beschluss vom 10. Januar 198027 geschah das auch. Obwohl Müller nicht zu einer Zusammenarbeit bereit war, sind in der IM-Vorlauf-Akte insgesamt 95 Seiten über ihn zusammengetragen worden.

Jörg Stübner wollte nur Fußballer sein

Nicht alle Spieler konnten in Zeitzeugen-Interviews befragt werden. So stützen sich die folgenden Ausführungen zu den Motiven, nicht mit der Stasi zu arbeiten und zu den spürbaren Folgen dieser Entscheidung, vor allem auf die Angaben in den Stasi-Akten selbst. Ob mit den Notizen des jeweiligen Führungsoffiziers die Beweggründe umfassend dargestellt sind, muss aus den bereits genannten Gründen offenbleiben.
1984 soll der »talentierte und perspektivvolle« Spieler Jörg Stübner kontaktiert worden sein. Wie meistens in solchen Fällen notierte die Stasi, der Spieler sei im Rahmen der Aufklärung der NSW-Reisekader bekannt geworden. Bei der Kontaktierung im Dienstzimmer des Kaderoffiziers der SGD erklärte Stübner zwar eine grundsätzliche Zustimmung zur Unterstützung des MfS, notierte Oberleutnant Schlage, doch er wolle sich eine Zusammenarbeit zunächst noch mal überlegen. Es liege ihm nicht, über Personen zu berichten. Ungeachtet der offenen Situation bat Schlage Stübner zum nächsten Treff bereits in eine konspirative Wohnung (IMK/W »Speer«). Sein Vorgesetzter, Hauptmann Rainer Krahl, notierte auf dem Bericht: »Vor der Registrierung als IM-Vorlauf ist ein weiteres Kontaktgespräch mit dem Ziel der eindeutigen Klärung der Bereitschaft zur Zusammenarbeit zu führen.«28 Zu diesem Gespräch kam es wenige Tage später. Stübner hatte sich inzwischen durchgerungen, die Mitarbeit abzulehnen. »Gut einstudiert«, so Lothar Schlage, brachte er seine Argumente vor: Er sei zu jung; möchte nur Fußballer sein und ungestört Fußball spielen; bei der Geheimdienstarbeit entdeckt zu werden, würde ihn unmöglich machen; er wolle mit allen im Kollektiv im guten Einvernehmen leben. Das Klima des Gesprächs verschärfte sich offenbar: Mit seinem Standpunkt »Nur-Fußballer« werde er nicht weit kommen, hielt ihm Schlage entgegen. In der Zukunft müsse er sich diesbezüglich umstellen, »wenn er politisch nicht Schiffbruch erleiden will«. Doch der 18-Jährige ließ sich nicht einschüchtern. Schlage musste erkennen, »daß der […] diese inoffizielle Tätigkeit nicht ausüben will«.29

Direkte negative Konsequenzen für Stübner, der sich den Fans mit seiner tief ins Gesicht hängenden Locke und als Wühler zwischen den Strafräumen eingeprägt haben dürfte, sind aus dem Aktenmaterial nicht ersichtlich. Später wurde einmal bei Stübner der Spind im Stadion auf mündliche Weisung des Böhm-Stellvertreters Paul Bormann nach einem Brief durchsucht, allerdings vergeblich. Im Februar 1987 durchleuchtete die Stasi den damals 21-Jährigen im Rahmen einer »Wer-ist-wer?«-Aufklärung, seinen Freizeitbereich und seine Familienverhältnisse ebenfalls. Alle innerhalb der SGD vorhandenen IM seien dazu heranzuziehen, hieß es. IM »Werner« und »Schubert« wurden speziell instruiert. Die Ergebnisse sind den Akten nicht zu entnehmen. Mit der Ablehnung einer inoffiziellen Mitarbeit jedoch dürften diese Ereignisse bei Stübner nichts zu tun gehabt haben, es gibt jedenfalls keinerlei Hinweise auf einen Zusammenhang.

Privilegien auf Zuteilung?

Die Probleme, die Spieler bekommen konnten, waren sehr vielfältig. Schwierigkeiten gab es zum Beispiel bei einem Nichteintritt in die SED. Heidler verweist auf verschiedene Vorfälle, die er im Zusammenhang mit seiner Ablehnung, in die Partei einzutreten, sieht: »… eine Reise nicht genehmigen oder keine Wohnung kriegen, kein Auto, was andere Spieler schnell gekriegt haben. Es gab ja Vergünstigungen für Leistungssportler, und diese Vergünstigungen wurden dann dementsprechend verteilt.«
Während sich der 53-jährige Heidler beim Interview hauptsächlich auf seine Erinnerung stützte, die durch Gespräche mit Spielerkollegen nach der Wende hier und da ihre Modifizierung erfahren haben mag, ist dagegen beispielsweise bei Müller offensichtlich, dass er sich mit seiner Vergangenheit in Bezug auf das MfS inzwischen bereits viel stärker auseinandergesetzt hat. Er hat seine Stasi-Akte gelesen und ist schon mehrfach zu seiner Geschichte befragt worden. Zweifellos kann das seine Sicht auf die Dinge nicht unbeeinflusst gelassen haben.
Mehrmals sollte offenbar der langjährige Torhüter von Dynamo Dresden, Claus Boden, für die Stasi geworben werden. Ein Anlauf ist für Ende August 1978 aktenkundig. Dabei wäre Bodens Karriere beinahe schon 1970 wieder zu Ende gewesen, bevor sie richtig begonnen hatte. Nach einer umfassenden Aufklärung hatte die Stasi irgendetwas bei ihm beargwöhnt. Sie wollte dem Torhüter zunächst die Ausreise nach Österreich zu Spielen mit der Juniorenauswahl versagen. Aus den Akten wird nicht ganz klar, warum, aber offenbar kam es zum Sinneswandel. Boden stand für Dynamo Dresden in 153 Spielen zwischen den Pfosten. 1978 geriet er erneut ins Blickfeld des MfS. Die Postkontrolleure hatten einen Brief aus dem Westen abgefangen. Eine im Frühjahr 1978 ausgesiedelte Bekannte von Boden schilderte darin ihrer Mutter unter anderem Gedanken zu einigen Dynamo-Spielern. (»Die armen Kerle haben auch ganz schön was abzuhalten.«) Die Stasi zitierte Boden daraufhin zu einem Gespräch in das Zimmer von Parteisekretär Legner. »Daß diese Verbindung für ihn zu einigen Konsequenzen führen kann als Fußballspieler, war ihm bewußt und (er) erklärte sich bereit mit dem unterzeichnenden MA zusammenzuarbeiten, um zur Klärung des Problems beizutragen«, notierte Stasi-Mann Gutte anschließend in seinem Bericht. Boden habe die Frau bei einer Tanzveranstaltung kennengelernt und anschließend nach Hause gebracht, wundere sich aber, warum gerade er mit dieser Person in Verbindung gebracht werde beziehungsweise sie sich für ihn interessiere. Angaben zur Trainingsgestaltung oder zur Struktur der SGD habe er ihr gegenüber nicht gemacht, hieß es weiter. Boden habe sich gegenüber dem MA höflich und zuvorkommend verhalten, er sei »nicht versucht gewesen, die von ihm bekannte überhebliche und arrogante Art und Weise gegenüber dem MA auszuspielen und die Situation durch Großmäuligkeit zu überspielen«30. Nach 45 Minuten sah sich Gutte offenbar am Ziel, er glaubte, ihm sei es gelungen, das Vertrauen »absolut zu gewinnen«. Boden bekam eine Legende mit auf den Weg. Er sollte den anderen Spielern etwas von einem westdeutschen Besucher erzählen, der »versucht ist, die Bevölkerung nach der SGD abzuschöpfen«. Außerdem sollte sich Boden bei den ledigen Spielern nach der Person erkundigen. »Damit wird gesichert«, frohlockte Gutte, »zu welchen Spielern die […] noch Kontakt hatte.« Abschließend schlug er vor, »den […] als IM-Vorlauf zu gewinnen und ihn für Ende 1979 als IMS zu verpflichten«. Die Sache verlief aber offenbar im Sande. Es sind keine weiteren Schritte in diese Richtung aktenkundig. Zehn Jahre später wurde Boden plötzlich wieder interessant. Der damals 37-Jährige war aus dem Leistungssport ausgeschieden. Von Beruf Ingenieur-Ökonom, arbeitete er nun in der Dresdner Gaststätte »Maygarten«. Da er ein enges Verhältnis zu einer OPK-Person – womit ein bekannter Dresdner Kneipier mit wallendem Schnauzbart gemeint war, den die Stasi »Bello« nannte – besitze und er perspektivisch in die unmittelbare Geschäftsführung einbezogen werden solle, seien günstige Voraussetzungen für »das Erreichen der operativen Zielstellung« gegeben. Bei der »Kontaktierung« lehnte es Boden aber ab, seine Bekannten »auszuhorchen und gegeneinander auszuspielen«. Niemand habe »etwas Derartiges verlangt«, versuchte ihm der Stasi-Mann klarzumachen. Vielmehr gehe es um eine »auf Sachkenntnis beruhende Bewertung und Einschätzung von Problemen, die mit der Ka...

Inhaltsverzeichnis

  1. Cover
  2. Titel
  3. Impressum
  4. Inhalt
  5. Vorbemerkung
  6. Die Akteure
  7. Das »Staatsorgan« MfS
  8. »Sicherheitsinteressen« im Sport
  9. Die »Bearbeitung« des Fußballclubs durch das MfS
  10. Fluchtpläne und die Folgen – Der Fall Weber, Kotte und Müller
  11. Das MfS als Sponsor und Fürsorger
  12. Die anderen Interessengruppen rund um die Mannschaft
  13. Die Rolle der Dresdner in Mielkes SV Dynamo
  14. Nachwort
  15. Anhang

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