
- 304 Seiten
- German
- ePUB (handyfreundlich)
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eBook - ePub
Die Liebe zu den nicht perfekten Dingen
Über dieses Buch
Sei glücklich – nicht perfekt!Immer wieder verstellt unsere Suche nach Perfektion unseren Blick auf die Schönheit des Jetzt. Es sind gerade die kleinen, unperfekten Momente, die unser Leben zu etwas Besonderem machen. Nicht die Suche nach Perfektion, sondern die Suche nach den stillen, glücklichen Augenblicken sollte uns antreiben. Wenn es uns gelingt, den gegenwärtigen Moment mit Nachsicht und Liebe zu betrachten, können wir die Fülle und den Reichtum unseres Lebens wirklich spüren. Sei es die Erinnerung an die Liebe unserer Mutter, das Glück, unsere Kinder aufwachsen zu sehen – unsere Leben sind voller Quellen der Wärme und Freude. Nichts muss perfekt sein. Es muss echt sein.
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Information
KAPITEL EINS
Selbstliebe

Sei nicht zu nett

WARST DU FRÜHER eines jener Kinder, denen man oft sagte, sie seien brav? Hast du deinen Eltern, Lehrern und älteren Geschwistern selten widersprochen und dich stets zurückgenommen, anstatt dich zu beschweren? Gibst du auch jetzt als Erwachsener stets dein Bestes, um es anderen recht zu machen, und vermeidest es, anderen zu nahezutreten? Lässt du alles über dich ergehen, selbst wenn du auf Menschen triffst, die dich belästigen oder ungerecht behandeln? Und äußerst du ungern Worte, die anderen Menschen wehtun oder deine Beziehung zu diesen belasten könnten?
Ich habe viele solcher »braven« Menschen getroffen, die unter Depressionen, Angstzuständen oder Verbitterung leiden – innere Zustände, die ihren Ursprung in schwierigen zwischenmenschlichen Beziehungen haben. Solche Menschen sprechen stets in ruhigem Ton, sind sanftmütig und fürsorglich gegenüber ihren Mitmenschen. Sie opfern sich regelmäßig auf und verzichten auf eigene Vorhaben und Pläne, sobald andere Menschen sich das wünschen. Ich fragte mich, warum ausgerechnet so gutherzige Menschen oft Opfer mentalen und emotionalen Leids werden.
TATSÄCHLICH BIN AUCH ich von klein auf introvertiert und sanftmütig gewesen, weshalb man mich öfter als folgsames Kind gelobt hat. Ich war überzeugt, dass es richtig ist, ein braver Sohn zu sein, der seinen Eltern keinen Kummer bereitet, und ein guter Schüler, der den Lehrern gehorcht. Doch als ich in Amerika studierte, wurde mir zum ersten Mal bewusst, dass es Probleme mit sich bringt, immer nur gutmütig zu sein. Bei Gruppenarbeiten musste ich mit klugen und selbstbewussten Studenten zusammenarbeiten, wobei an mir meist die Aufgaben hängen blieben, die sonst niemand übernehmen wollte. Um Konflikte zu vermeiden, nahm ich das hin. Auf Dauer geriet ich deswegen enorm unter Stress. Als ich mein Herz öffnete und über meine Probleme mit einem älteren amerikanischen Kommilitonen sprach, gab er mir folgenden Rat:
»Sei zuerst gut zu dir selbst – und erst dann zu anderen!«
ICH WAR WIE vom Donner gerührt. Bis dahin hatte ich mich ständig darum gesorgt, was meine Mitmenschen über mich dachten. Nicht eine Sekunde hatte ich darauf verwendet, mir vorzustellen, was es hieße, mich selbst zu lieben.
Ich glaube, als »gut« oder »brav« bezeichnen wir im Allgemeinen Menschen, die ihre Meinung nicht stark vertreten und den Wünschen anderer schnell nachgeben. Mit anderen Worten: Menschen, die es gewohnt sind, ihre eigenen Bedürfnisse zugunsten anderer zu unterdrücken. Wenn mir jemand immer zuhört und sich nach mir richtet, mag ich ihn oder sie und spreche von einem »guten Menschen«. Es scheint, dass »gut« damit zusammenhängt, zu viel an andere zu denken und sich selbst wenig Ausdruck zu verschaffen.
Natürlich trifft es nicht immer zu, aber bei diesen Menschen kann man häufig das gleiche Muster in der Erziehung entdecken. Viele sind in einem Elternhaus mit einem besonders strengen Vater oder einer dominanten Mutter aufgewachsen. Anderen wurde inmitten mehrerer Geschwister zu wenig elterliche Aufmerksamkeit zuteil, weshalb sie ein starkes Bedürfnis nach Anerkennung entwickelten. Um diese zu erhalten, versuchten sie, den Eltern alles recht zu machen. In anderen Fällen hatten Mutter und Vater keine gute Beziehung miteinander, oder die finanzielle Situation der Familie war angespannt, wodurch die Betroffenen sich besonders bemühten, ihren Eltern keine zusätzlichen Sorgen zu bereiten.
Das Problem dabei ist, dass wir unsere Interessen und unsere Emotionen vernachlässigen, wenn wir uns allzu sehr auf das Leben und die Wünsche anderer fokussieren. Wer seine Gefühle von klein auf für nicht wichtig erachtet, verdrängt und ignoriert, hat auch später als Erwachsener kein Bewusstsein für die eigenen Bedürfnisse und für das eigene Selbst. Dann begegnen uns vielleicht Menschen, die uns ungerecht behandeln oder uns das Leben schwer machen, doch anstatt unser Gegenüber damit zu konfrontieren, fressen wir unseren gerechten Zorn in uns hinein und machen uns schließlich selbst Vorwürfe: »Warum bin ich so ein Idiot, dass ich nicht anspreche, was mich ärgert?«
NIMM DIR diesen Punkt bitte unbedingt zu Herzen: Die eigenen Emotionen sind zu keiner Zeit gering zu achten. Niemand sollte sie leichtfertig übergehen, vielmehr sind sie etwas Wertvolles, das die volle Aufmerksamkeit verdient. Führe dir vor Augen, dass Gefühle nicht verschwinden, nur weil du sie verleugnest. Viele psychische Probleme entstehen dadurch, dass die Energie unterdrückter Emotionen keinen gesunden Weg findet, aus dem Herzen hinauszufließen, während das Verdrängen zur Gewohnheit wird. Wasser, das gestaut wird, anstatt zu fließen, wird faulig. Diese Aussage lässt sich auch auf Gefühle übertragen.
Es ist nie zu spät. Versuche von nun an, zuerst auf deine innere Stimme zu hören und darauf, was du dir wünschst, bevor du die Erwartungen anderer erfüllst. Du wirst es auf Dauer nicht aushalten, den Bitten deiner Mitmenschen zu entsprechen, obwohl du es eigentlich nicht tun willst. Überwinde dich stattdessen dazu, offen zu sagen, was du fühlst, damit dein Gegenüber dich verstehen kann. Mache dir zuvor keine Gedanken darüber, ob dir der andere das verübeln könnte oder ob es eure Beziehung belasten würde. Vielleicht hätte derjenige den Wunsch nicht geäußert, wenn er deine Abneigung gekannt hätte.
Wenn andere einen Kaffee trinken möchten, du aber Lust auf einen Chai Latte hast, dann sage: »Ich will lieber einen Chai Latte«, ohne dich dabei schlecht zu fühlen. Du darfst das sagen. Natürlich ist es begrüßenswert, wenn wir uns gegenüber unseren Mitmenschen rücksichtsvoll verhalten, aber wir haben auch die Pflicht, uns selbst wertzuschätzen.

Die eigenen Wünsche formulieren zu können,
ohne dass man sich dazu durchringen muss,
ist eine Fähigkeit, die so unverzichtbar ist,...
ohne dass man sich dazu durchringen muss,
ist eine Fähigkeit, die so unverzichtbar ist,...
Inhaltsverzeichnis
- Cover
- Titel
- Impressum
- Inhalt
- VORWORT
- Kapitel 1 SELBSTLIEBE
- Kapitel 2 FAMILIE
- Kapitel 3 MITGEFÜHL
- Kapitel 4 ZUSAMMENLEBEN
- Kapitel 5 MUT
- Kapitel 6 HEILUNG
- Kapitel 7 ERLEUCHTUNG
- Kapitel 8 AKZEPTANZ