
- 256 Seiten
- German
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Der Widerschein
Über dieses Buch
Die ungeheuerliche Geschichte des jungen Genies Ferdinand Meerten, der mit seinen Zeichnungen die Welt veränderte: Die Niederlande im 18. Jahrhundert: Als das Waisenkind Ferdinand Meerten Pfarrer Hobrecht in die Arme gelegt wird, ahnt dieser nicht, welches Genie in dem Vierjährigen steckt. Doch bald wird deutlich: Ferdinand ist kein gewöhnlicher Junge. Schon wenige Wochen nach seiner Ankunft geschehen merkwürdige Dinge in dem kleinen Dorf, die den Pfarrer verunsichern und ihn Schlimmes ahnen lassen. Als er eines Tages ein Dutzend Blätter mit Kohlezeichnungen des Jungen findet, begreift er: Diese Skizzen überragen nicht nur alles, was er bisher gesehen hat, sondern üben eine magische, geradezu gefährliche Anziehung auf ihn aus. Zu gefährlich für Hobrecht ...
David Schönherr erzählt in seinem ersten Roman die ungeheuerliche Geschichte des jungen Genies Ferdinand Meerten, der mit seinen Zeichnungen die Welt veränderte. Denn mit seinem außergewöhnlichen Talent trifft er die Menschen schon als Kind bis ins Innerste, verzaubert sie und stürzt sie ins Unglück: den Maler Bros, dem er ungeahnten Erfolg schenkt; die sagenumwobene Lucia Giannotti aus dem Wald; die schöne Magd Flora und den hartnäckigen Kunsthändler Gerlach, der sich von Ferdinands Bildern nicht weniger als Unsterblichkeit verspricht. "Der Widerschein" ist eine phantastische und geheimnisvolle Fabel über Sehnsüchte und Gier, über geheime Wünsche und Schwächen und eine unglaubliche Reise durch die Niederlande nach dem Goldenen Zeitalter.
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Den einstigen Aufstieg der Niederlande verdankten seine Bewohner vor allem zwei natürlichen Gegebenheiten: dem Wind und dem Meer. Beide hatten die Menschen jenes Landes bis vor kurzem zu unermüdlichem Tatendrang verleitet.
Noch vor wenigen Jahrzehnten hatte man gewaltige Deiche und Schutzwälle errichtet; anno dazumal verstand man es, Flüsse durch Wasserräder und Schleusen in zahllose Kanäle umzuleiten; und die stürmische Seeluft nutzte man seinerzeit im gesamten Land mit raffinierten Windmühlen – natürlich für wirtschaftliche Zwecke und schon seit ewigen Zeiten. Boote, Flöße und Schiffe schipperten früher flussauf- und flussabwärts, durchkreuzten selbst die kleinsten Wasserwege und belieferten damals sämtliche Regionen mit fremden Waren und den neusten Nachrichten.
Der Fortschritt ging in jenen vergangenen Tagen sogar so weit, dass man der See bestimmte Stellen streitig machte, indem man das Wasser in Brachflächen auffing, die neuen Gebiete mit Steinen, Erde und Sand ebnete, um dadurch Häfen und Städte weit ins Meer hineinwachsen zu lassen.
Jenseits der Landesgrenzen hielt der Ruf der Niederlande lange an: Vom Schwabenland bis weit nach Ostindien galten die Niederländer als wohlhabend, ehrgeizig und einfallsreich. Sogar auf dem neuen Kontinent wurden die Einwohner jenes flachen Landes gerühmt für ihre frühere Fortschrittlichkeit – von der im achtzehnten Jahrhundert tatsächlich kaum noch etwas zu spüren war: Deiche brachen, Häfen versandeten, zahllose Ernten fielen aus.
Allein der legendäre Ruf des Goldenen Zeitalters der Niederlande sorgte dafür, dass jene unschönen Ereignisse in der Welt glücklicherweise nahezu unerwähnt blieben.
* * *
Unendlich langsam drang der erste Schein der Dämmerung über den östlichen Horizont und eröffnete den Auftritt der kalten Frühjahrssonne. Bevor das Licht jedoch Landschaft, Dünen und Meer mit rötlichem Schimmer überziehen konnte, wurde die Helligkeit von Dunst und Nebel aufgesogen und die Küste und das Wasser in weiche, wellenartige Formen verwandelt. Allein die Mauern des ehemaligen Gefängnisses hielten den Nebel auf Abstand.
In winzigen Schritten erklommen die Sonnenstrahlen Zinne für Zinne, fielen sanft in den weitläufigen Innenhof hinein und trafen im gegenüberliegenden Gebäude die Augen des Oberaufsehers Huygens, der – in abgetragener Uniform und aufpolierten Stiefeln, mit dazugehörigem Säbel – die fasrigen Vorhänge seiner Dienststube vollends aufzog.
Nur selten verpasste Huygens sein allmorgendliches Ritual – etwa, wenn die Insassen in der Nacht mit Nachdruck zur Vernunft gebracht werden mussten, wider Erwarten ein Feuer ausbrach oder eine nächtliche Schiffsladung von Geisteskranken seine Anwesenheit notwendig machte. Huygens, als Leiter dieses Irrenhauses, nahm seine Pflicht ernst, auch wenn ihn seine Klienten regelmäßig an den Rand der Verzweiflung brachten.
Auf seine Anweisung hin teilte man die Insassen der Anstalt in drei verschiedene Gruppen.
Den größten Anteil verzeichneten die Greise und Invaliden, die in diese Institution augenscheinlich am wenigsten hineingehörten und dennoch in Scharen angeliefert wurden; sei es, weil sie nicht mehr gehen, stehen, sprechen konnten oder sonst wie unbrauchbar geworden waren. Für Huygens fielen gerade diese ausgesonderten alten Krüppel unfraglich in die Kategorie der Wahnsinnigen: Menschen, die weder für sich noch für andere zu sorgen imstande waren, konnte man kaum als normal bezeichnen.
Man servierte ihnen täglich zwei bis drei Mahlzeiten, sorgte dafür, dass Ungeziefer und Krankheiten ein stabiles Niveau einhielten und ließ sie einmal pro Woche in den Hof hinaus, was zwar enorme Geduld erforderte, jedoch meist ohne größere Zwischenfälle verlief – lediglich die anhaltenden Annäherungsversuche der alternden Herren an die kaum noch als Frauen erkennbaren Gestalten mussten von Huygens und seinem Personal fortlaufend unterbunden werden; auch dies war letztlich ein eindeutiges Indiz dafür, dass jene unsittlichen Insassen aus gutem Grund in dieser Anstalt lebten.
An manchen Tagen kam man mit einigen Veteranen ins Gespräch, erfuhr von diesen die ewig gleichen Geschichten über allgemein bekannte Kriegsschauplätze und veraltete Schlachtverläufe – allerdings erzählten sie ab und zu auch von sporadischen Plünderungen, unerlaubten Exekutionen und andere Anekdoten, mit denen man sich im Alter getrost brüsten konnte; ausgesuchte Zuhörer durften ihre Narben und Armstümpfe begutachten.
Gelegentlich spendierte man ihnen dafür eine Runde Branntwein.
Die zweite Gruppe bestand aus den Kranken und Infektiösen, die vom Kopf her oft gut begriffen, wo sie sich befanden, weshalb sie hier waren und was um sie herum geschah – glücklicherweise waren sie viel zu schwach und ungelenk, um sich gegen die Maßnahmen des Wachpersonals in irgendeiner Weise zu wehren. Man separierte sie gewissenhaft von allen übrigen Insassen im lichtlosen Keller der Institution, schob die täglichen Rationen durch einen schmalen Spalt in die jeweiligen Zellen hinein – ohne die Tür dafür öffnen zu müssen – und verbrannte die anfallenden Leichen jeweils in der Nacht zum Sonntag.
Die einzige Anstrengung bestand in der Notwendigkeit, die toten Überreste zu bergen, ohne sich bei den übrigen Insassen anzustecken oder – noch schlimmer! – einen von ihnen entkommen zu lassen. Bewaffnet mit Knüppeln und Fackeln wagte sich einmal pro Woche ein Trupp von erfahrenen oder wagemutigen Aufsehern in die entsprechenden Abteilungen vor und kontrollierte dort peinlich genau die vorhandenen Zustände: jedes verräterische Bündel wurde mit Fußtritten oder Stockhieben auf Lebenszeichen überprüft.
Waren die Reaktionen schwach oder blieben aus, stopfte man die Beute so schnell es ging in Säcke und beförderte diese zuletzt durch eine Luke heraus auf den Vorplatz, auf dem später ein beschauliches Feuer entfacht wurde, dem Huygens zu hohen Feiertagen gelegentlich beiwohnte.
Den beschwerlichsten und lautesten Teil der Arbeit verursachte jedoch die letzte und bekannteste Gruppe der Insassen: all jene jämmerlichen Schafsköpfe, geistig Verwirrten und dummen Idioten lärmten nicht nur herum wie eine losgelassene Herde von Ochsen, sie wehrten sich gegen kleinste Bestrafungen, warfen mit Essen, Tellern und Möbeln umher, sie rebellierten sogar gegen die Fürsorge, die ihnen in Form von regelmäßigen Reinigungen entgegengebracht wurde. Huygens sah sich gezwungen, auffällige Störenfriede mit Fußfesseln, Arrestzeiten und unangenehmen Sanktionen zu maßregeln – ohne Erfolg: Keine seiner Maßnahmen erwirkte Besserung oder Einsicht.
Verblüfft verfolgte Huygens etwa über mehrere Stunden hinweg die hilflosen Versuche eines kräftigen, aber offensichtlich einfältigen Burschen, der einen leeren Becher zum Mund führte, um daraus zu trinken, dann diesen schließlich wütend zu Boden schleuderte und ihn im gleichen Moment wieder ergreifen wollte, um die Prozedur von vorne zu beginnen.
Auch wenn die Idioten und Verrückten den Oberaufseher und seine Untergebenen häufig zu zusätzlichen Arbeiten und spontanen Nachtschichten verpflichteten: Huygens verbrachte freiwillig die meiste Zeit in jenem Trakt, dem diese Institution ihren Namen verdankte.
Dies lag zum einen daran, dass selbst unter diesen stumpfsinnigen Kreaturen einige Exemplare vertreten waren, die sich nicht nur klar und deutlich ausdrücken konnten, sondern phantastische Geschichten darboten.
Huygens kannte mehr als ein Dutzend Insassen, die Stein und Bein schworen, dass sie dem Leibhaftigen begegnet oder – im Gegenteil – von Unserem Herrn Jesus erleuchtet worden waren, nein, die heilige Jungfrau Maria war ihnen mehrfach erschienen, man sei einer der Heiligen Drei Könige und natürlich konnte sich niemand erklären, wie man in diese missliche Lage gekommen war.
Die Anwesenheit in diesem Haus konnte doch nur ein großer Irrtum sein!
Ein neuer Insasse namens Fischers, bis vor kurzem noch Geheimrat einer nahe gelegenen Stadt, behauptete fortwährend, einen Engel gesehen zu haben, er sei sogar hier, in diesen Hallen. Sein Begleiter Ferdinand, der sei ein begnadeter Künstler – ein wahrer Gott! – die Wiedergeburt des Allmächtigen! – der konnte mit seinen Bildern Menschen verändern!
Nein, besser noch: Verwandeln! Verzaubern! Ein wahrer Gott der Kunst! Hallelujah!
Tatsächlich schien dieser Ferdinand mit Fischers bekannt zu sein, gehörte selbst jedoch zu der stillen Art von Irren, die im Durcheinander dieser Abteilung nahezu unsichtbar wurden.
Allem Anschein nach waren der Geheimrat Fischers und besagter Ferdinand mit einer Pilgergruppe unterwegs gewesen – unter dieses Halbwissen mischten sich allerdings aber auch zahlreiche Ungereimtheiten: Von Zaubermünzen und einer grausamen Hinrichtung war die Rede, von Liebe und Eifersucht und zuletzt von Menschen, die vom Leibhaftigen besessen sein sollten.
Zu diesen seltsamen Geschichten kamen nur zwei verbürgte Nachrichten hinzu: Zum einen, dass ein weiterer Bursche namens Piet sich gegen seine Verhaftung gewehrt hatte und dabei umgekommen war. Und, dass die erwähnte Pilgergruppe wenige Tage, nachdem man diese beiden Gestalten bei den zuständigen Behörden gemeldet hatte – von einem jungen Richter mit seiner Verlobten –, in einen schlimmen Schneesturm geraten war, bei dem alle Personen ihr Leben gelassen hatten.
All diese vagen Informationen bestätigten Huygens in seiner Ansicht, dass sowohl Fischers als auch Ferdinand in dieser Anstalt besser aufgehoben waren als in der Welt da draußen.
* * *
Huygens persönlicher Favorit war ein älterer, drahtiger Mann – mit weißgrauen Haaren bis zu den Schultern und harten, aber freundlichen Gesichtszügen –, der sich schon bei seiner Einlieferung allen Wärtern mit Howard Brown vorstellte: Er sei Engländer, Abgesandter der englischen Krone und in bedeutender Mission auf dem Kontinent unterwegs, Details dürfe er leider nicht preisgeben.
Sein ganzes Wesen, sein akkurates Auftreten wie auch seine wortgewandten Äußerungen beeindruckten Huygens vom ersten Tag an. Keine n...
Inhaltsverzeichnis
- Cover
- Über dieses Buch
- Titel
- Motto
- Inhaltsverzeichnis
- Erstes Kapitel
- Zweites Kapitel
- Drittes Kapitel
- Viertes Kapitel
- Fünftes Kapitel
- Sechstes Kapitel
- Impressum
- Über den Autor