50 Wege zur kreativen Fotografie
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50 Wege zur kreativen Fotografie

  1. 224 Seiten
  2. German
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  4. Über iOS und Android verfügbar
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50 Wege zur kreativen Fotografie

Über dieses Buch

Gute Fotografen haben ihre Einstellungen im Griff. Großartige Fotografen wissen ihre Bilder zu komponieren. Die besten Fotografen finden ihren eigenen Weg, den wahren Charakter ihres Motivs zu enthüllen. Dieses Buch handelt von diesen Wegen und wie Sie Ihren finden. Wenn Sie gerne fotografieren und unbedingt verstehen möchten, wieso einige Fotografen aus den Übrigen hervorstechen, sollten Sie nach diesem Buch greifen. Hier werden die Werke von mehr als zwanzig Fotografen – neben denen von Freeman selbst – präsentiert. Damit erhalten Sie einen umfassenden Blick u.a. auf die frühen surrealistischen Streetfotos von Eugene Atget über die bahnbrechenden Fashion-Bilder von Guy Bourdin und Art Kane bis hin zu den Fine-Art-Dokumentationen von Alec Soth sowie die bemerkenswerten Stadtlichter von Trent Parke. Jedes Foto repräsentiert einen der 50 Wege zur kreativen Fotografie und wird von Michael Freeman umfassend erläutert. Ob »Bisoziieren«, »Das ikonische Detail«, »Hommage« oder »Rätsel & Mysterien« – die kreativen Ansätze sind so vielfältig wie nachvollziehbar. Dies ist garantiert kein Buch zu Kameratechnik oder Blendenzahlen. Erfolgreiche Fotografen können ihr Handy, hochwertigste Spiegelreflexkameras oder sogar Film einsetzen. Was sie brauchen und was dieses Buch offenlegt, sind Wege, um den entscheidenden Funken Kreativität zu finden und ihn vollkommen zu entflammen. Das ist etwas, das jeder lernen kann: »Von Plato bis Kant«, schreibt Freeman, »gibt es traditionell die Auffassung, dass Kreativität nicht erlernbar und dem Genie vorbehalten sei. Du hast sie oder du hast sie nicht. Ende der Geschichte. Ich sehe das anders.« Die Wege zur Kreativität existieren für jeden. Sie müssen nur wissen, wo Sie sie finden. Hiermit erfahren Sie es. Inklusive der Arbeiten von: Guy Bourdin Art Kane Trent Parke Ernst Haas Paul Strand Robert Golden Jacob Aue Sobol Bruce Gilden Richard Avedon Richard Kalvar Siegfried Hansen Alan Brooking Gueorgui Pinkhassov Alex Webb Stuart Franklin Harry Gruyaert Eugene Atget Natalie Dybisz Frans Lanting Alec Soth Fu Yongiun Dennis Stock Pablo Inirio

Information

Jahr
2018
ISBN drucken
9783958454583
eBook-ISBN:
9783958458017

 1.KEINE REGELN

Dies hier ist kein Techniktraining. Hier gibt es kein Richtig oder Falsch, und Sie können sicher sein, dass Ihre Bilder von vornherein langweilig aussehen, wenn Sie sich an alle Regeln halten. Wenn es jedoch etwas Schlimmeres gibt, als sich stur an alle Regeln zu halten, dann ist es, die Regeln unter allen Umständen zu brechen. Doppeltes Desaster.
Warum sollte es Regeln für eine rein kreative Tätigkeit geben? Durch Regeln werden Dinge akkurat, vorhersagbar und wiederholbar, also genau das, was ein interessantes, überraschendes Foto nicht sein soll. Nun fragen Sie sich vielleicht, woher unpassende Regeln für kreative Tätigkeiten überhaupt kommen. Leute, die selbst nicht kreativ sind, denken sie sich aus, um eine einfache, logische Formel zu haben … um vielleicht doch noch kreativ zu sein.
Nehmen wir den Ursprung einer der besser bekannten Regeln, der Drittelregel. Der Name wurde 1797 von John Thomas Smith erfunden, einem Graveur und Zeichner. Smiths Regel basierte auf einer Fehlinterpretation des Künstlers Sir Joshua Reynolds, der einmal geäußert hatte, dass bei zwei Bildbereichen unterschiedlicher Helligkeit einer dominieren und der andere nicht gleich groß sein sollte. Smith schrieb: »Analog zu dieser Drittelregel (wenn ich sie so nennen darf), erlaube ich mir …« Leider hat ihm niemand entgegnet: »Nein, darfst du nicht!«
Seitdem halten sich mittelmäßige Künstler und Fotografen mit begrenzter Fantasie manisch an diese merkwürdige Anleitung, ein Bild in Drittel zu unterteilen. Dabei ist doch offensichtlich, dass Fotos zwangsläufig langweilig wären, würden alle anhand derselben Regeln erstellt. Denken Sie nur an die Fotos, die Sie wirklich inspirieren. Wie viele sind in Drittel unterteilt? Die eigentliche Frage ist doch: Warum wird die Regel so oft wiederholt, und nie mit lohnenswerten Ergebnissen?
Allerdings gibt es durchaus einige visuelle und psychologische Effekte, aber hier liegt der Fall anders. Das menschliche Sehen ist darauf trainiert, Vorhersagen anhand dessen zu treffen, was das Auge wahrnimmt. Es ist darauf trainiert, zu erkennen, sich etwas vorzustellen und zu extrapolieren.
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Charles Jourdan, Frühling 1978
Dieses Bild, höchst stilisiert und aufs Wesentliche reduziert, gehört zu einer Serie von Werbeaufnahmen von Guy Bourdin für den französischen Schuhfabrikanten Charles Jourdan.
EINIGE LAHME ALTE »REGELN«
▶ Drittelregel
▶ Nicht gegen die Sonne fotografieren
▶ Nichts in der Bildmitte platzieren
▶ Keine Köpfe beschneiden
▶ Überbelichtungen vermeiden
▶ Zugelaufene Schatten vermeiden
Guy Bourdin 1928–1991
Unter dem Einfluss des Surrealismus und der modernen Arbeiten von Helmut Newton durfte Bourdin bei Vogue und von seinem Kunden Charles Jourdan nichts Geringeres tun, als die Modefotografie auf den Kopf zu stellen. Wie zufällig platzierte er das Produkt in unerwarteten und merkwürdig wirkenden Bildkompositionen, mit denen er ungewöhnliche Geschichten erzählte.
»Ich habe die Regeln nicht gemacht, warum soll ich mich also daran halten?«
W. EUGENE SMITH
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Die Dreiecksstruktur bringt Ordnung in diese Szene aus einem Flussdelta in Vietnam, denn so funktioniert das Auge. Sie ist aber lediglich ein Werkzeug und sollte nicht als kompositorische Regel angesehen werden.
WAS DAS AUGE ANZIEHT
▶ Augen
▶ Gesichter
▶ Text (in jeder Sprache)
▶ Scharfe Kanten
▶ Kontrast
Zum Beispiel stellt es gern Verbindungen her. In der Flussszene aus Vietnam auf den Bild gegenüber erkennen die meisten sofort das Dreieck. Es fällt sofort als eine Struktur auf, die dem Bild Stabilität verleiht. Tatsächlich gibt es hier zwei sich überlagernde Dreiecke, eines davon der Hut auf dem Kopf der Frau. Aber das sind genau die Details, die einem Fotografen auffallen.
Ein weiteres Beispiel: Das menschliche Auge wird automatisch von bestimmten Dingen in einem Bild angezogen, als da wären das Gesicht eines Menschen, vor allem die Augen, und Schrift (in welcher Sprache auch immer). Wenn Sie sich auskennen, welche Anordnungen und Gegenstände die meiste Aufmerksamkeit erregen, können Sie die Auswahl des Bildausschnitts und die Komposition für Ihre Zwecke einrichten. So können Sie sich einigermaßen sicher sein, dass der Blick des Betrachters zum Gesicht und den Augen wandern wird, also können sie ruhig klein sein, wenn Sie wollen. In der Aufnahme von der Cocteleria (da gibt es Austern-Cocktails, keine Martinis) erregt das Schild natürlich am meisten Aufmerksamkeit. Und obwohl das Gesicht einen weit kleineren Bildbereich einnimmt, erkennt das Auge irgendwann das Gesicht und die Augen, denn der Fotograf hat das Mädchen mit einem Seitenblick aufgenommen, der das Weiß in den Augen erkennen lässt.
Wie erwähnt, das sind keine Regeln, sondern Effekte. Sie können sie einsetzen, wenn Sie wollen, aber keiner dieser Effekte allein wird ein Bild besser oder interessanter machen.
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Ein weiterer Effekt funktioniert gut, sollte aber nicht als Regel stilisiert werden: Manche Dinge ziehen das Auge eher an als andere, darunter das menschliche Gesicht, vor allem die Augen. Dieses Bild aus Cartagena, Kolumbien, nutzt diesen Effekt bewusst. Beim Blick zur Seite wird das Weiß in den Augen des Mädchens deutlich und garantiert die Aufmerksamkeit des Betrachters, obwohl das Gesicht nur ca. 1/400 der Bildfläche einnimmt.

2.ARBEITEN STUDIEREN

Um in der Welt der Fotografie erfolgreich zu sein, gehört es einfach dazu, zu wissen, was bereits erreicht wurde und von wem. Sie sollen nicht kopieren, sondern es verstehen. Studieren Sie die Arbeiten anderer, sowohl bekannter als auch moderner Künstler. Entscheiden Sie, welche Arbeiten Ihnen gefallen, und überlegen Sie, warum das so ist. Bemühen Sie sich, die zugrundeliegenden Ideen zu verstehen, die Sie auch selbst einsetzen können. Die meisten Fotografen investieren viel Aufwand in ihre Aufnahmen, davon können Sie profitieren.
Manche nähern sich ihren Motiven lieber unvoreingenommen. Das mag durchaus berechtigt sein, dennoch kommen Sie damit vermutlich nicht weit. Nehmen wir das Äquivalent in der Malerei: Naive Kunst wie die Streichholzmännchen von L. S. Lowry funktioniert, weil sie kindhaft ist und die Arbeiten anderer komplett ignoriert. Aber sie funktioniert nur in kleinen Dosen. Die fotografische Version verwendet Spielzeugkameras – je mehr Plastikobjektiv, desto besser. Für uns, die wir unseren Platz in der Welt der echten Fotografie finden wollen, ist es ein guter Anfang, sich in dieser Welt etwas auszukennen. Oder anders ausgedrückt: Entdecken Sie die Meisterwerke in dieser Welt. Schauen Sie sich an, was bereits geschaffen wurde und was gerade los ist – nicht einmal unbedingt zur Inspiration (obwohl das ein netter Nebeneffekt ist), sondern um zu wissen, was gute Fotografie ist. Zumindest werden Sie nun nicht weiter extrem zufrieden mit sich sein, weil Sie glauben, eine neue Art des Fotografierens erfunden zu haben – das hat bestimmt schon jemand vor Ihnen so gemacht. Darum verwenden Philosophen die Begriffe H-Kreativität (historische) und P-Kreativität (psychologische). H-Kreativität bedeutet, niemand hat das vor Ihnen so gemacht und Sie sind der Erste. P-Kreativität heißt, die Person glaubt, etwas neu erfunden zu haben,weil sie nicht weiß, was vorher passierte.
Allerdings ist es gar nicht unbedingt nötig, etwas neu zu erfinden. Das wird klar überbewertet, denn wie der Werbeguru John Hegarty es in seinem Buch Hegarty on Creativity: There are no Rules formulierte: Im Grunde hängt es von der Genauigkeit Ihrer Quellen ab. So wird das Wort »einzigartig« ebenso zu oft, zu häufig und ungerechtfertigt verwendet wie »original«. Was ist denn wirklich »original«, wurde also wirklich niemals vorher getan? Nun könnten Sie behaupten, jeder Moment in der Fotografie ist einzigartig, aber das ist Haarspalterei. Nehmen Sie irgendein Bild, das völlig neuartig zu sein scheint, und wenn Sie lange genug suchen, werden Sie feststellen, dass es durch ein bereits dagewesenes inspiriert wurde. Das kommt in allen kreativen Medien vor und ist völlig in Ordnung. So ist K...

Inhaltsverzeichnis

  1. Umschlag
  2. Titel
  3. Impressum
  4. Inhalt
  5. Einführung
  6. 1 Keine Regeln
  7. 2 Arbeiten studieren
  8. 3 Eine Idee einbetten
  9. 4 Bisoziieren
  10. 5 Ein Schritt weiter
  11. 6 Erfahrungen misstrauen
  12. 7 Zen & Fotografie
  13. 8 Das ikonische Detail
  14. 9 Volles Eintauchen
  15. 10 Seele & Meinung
  16. 11 Neugierig sein
  17. 12 Das Übersehene
  18. 13 Ihr eigenes Leben, Ihre eigene Welt
  19. 14 Crossover
  20. 15 Inspiration über kulturelle Grenzen hinweg
  21. 16 Hommage
  22. 17 Schock
  23. 18 Bekanntes Motiv, andere Sichtweise
  24. 19 Gegenüberstellen
  25. 20 Dinge geschehen lassen
  26. 21 Unmaskierter Ausdruck
  27. 22 Fehl am Platz
  28. 23 Zufall
  29. 24 Comedy
  30. 25 Der unerwartete Gast
  31. 26 Die Enthüllung
  32. 27 Ornamentale Handlung
  33. 28 Passen Sie es an Ihre Geometrie an
  34. 29 Ausrichtung
  35. 30 Ausbrechen
  36. 31 Die Komposition verstärken
  37. 32 Reduzieren
  38. 33 Ausführlicher sein
  39. 34 Nicht alles zeigen
  40. 35 Unsicherheit
  41. 36 Rätsel & Mysterien
  42. 37 Das Repertoire ausnutzen
  43. 38 Das Beiläufige kultivieren
  44. 39 Surrealismus & Das Gefundene
  45. 40 Fotoillustration
  46. 41 Verliebt in ein Objektiv
  47. 42 Das Licht nutzen
  48. 43 Extremes Licht
  49. 44 Licht als Motiv
  50. 45 Farbe als Motiv
  51. 46 Das ganze Werk
  52. 47 Eine Typologie ausprobieren
  53. 48 Variationen
  54. 49 Der dritte Effekt
  55. 50 Kreative Bildbearbeitung
  56. Zum Weiterlesen
  57. Bildnachweise

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