Schwarzweiß-Fotografie
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Schwarzweiß-Fotografie

Die zeitlose Kunst des Monochromen

  1. 192 Seiten
  2. German
  3. ePUB (handyfreundlich)
  4. Über iOS und Android verfügbar
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Schwarzweiß-Fotografie

Die zeitlose Kunst des Monochromen

Über dieses Buch

Großartig illustriert durch Freemans eigene Werke sowie derer von Anselm Adams bis zu Brett Weston Entdecken Sie die stilistische Variationsbreite von Schwarzweiß und ihren Einfluss auf die Bildinterpretation Inklusive eines Schritt-für-Schritt-Tutorials zum Entwickeln eines Schwarzweiß-Films Dieses wunderschön illustrierte Buch ist Michael Freemans Standardwerk zur Schwarzweiß-Fotografie und eine umfassende Quelle für alles, was Monochrom ausmacht. Nach einer umfangreichen Einführung in die Historie und Tradition von Schwarz & Weiß widmet sich Michael Freeman allen erforderlichen digitalen Techniken wie Farbton- und Kontrastkorrektur, Bildbearbeitung, Infrarot, Hauttoneinstellungen und Filtern. Sie erfahren, was Sie bei der Umwandlung von Farbfotos in Schwarzweiß beachten müssen und wie Sie dabei die Kontrolle behalten. Die Feinheiten der Bearbeitung können Sie in kleinen Tutorials Schritt für Schritt nachvollziehen. Zudem geht Michael Freeman auf Stil und Ästhetik dieses ausdrucksstarken Mediums ein, indem er sich berühmter Fotografien bedient, und liefert aufschlussreiche Analysen, warum ein Foto seine individuelle Wirkung entfaltet. Ob Low-Key, High-Key, HDR, Farbstiche oder Tonemapping – den kreativen Varianten sind keine Grenzen gesetzt. Beleben Sie Ihre Fotos mit der Schwarzweiß-Kunst und erhalten Sie die besten Bilder, die Sie jemals fotografiert haben. Aus dem Inhalt: Die technische Tradition von Schwarz & Weiß Wellenlänge und Empfindlichkeit Farbe entfernen Tonwertnuancen und Textur Rauschen, Bit-Tiefe & Schattierung Arbeitsablauf für die Bildbearbeitung Umkehrung der Helligkeit Hauttöne und besondere Farben Schwarzweiß denken Der Umfang des Lichts: Ansel Adams Der lange Weg des Grau: Paul Strand Mitteltöne und Kontrast verändern Low-Key und High-Key Das digitale Zonensystem HDR in Schwarzweiß Schwarzweißfilm entwickeln

Information

Jahr
2017
ISBN drucken
9783958454606
eBook-ISBN:
9783958457621
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KAPITEL 1:
DIE TRADITION VON SCHWARZ & WEISS

Die digitale Fotografie war ein deutlicher Umbruch für die Art und Weise, wie wir schwarzweiß fotografieren. Der wichtigste praktische Unterschied zwischen Film und Sensor besteht natürlich darin, dass wir jetzt dieselbe Aufnahme monochrom oder in Farbe entwickeln können. Sie müssen sich nicht vorher entscheiden, denn Sie brauchen keinen Schwarzweiß- oder Farbfilm einzulegen, bevor Sie das Haus verlassen.
Darum konzentrieren sich die meisten Äußerungen zur Schwarzweiß-Fotografie auf die praktischen Seiten – wie man Bilder umwandelt, wie man Kanäle anpasst, um die Helligkeit verschiedener Farben in der Graustufenumsetzung zu beeinflussen, wie man den »Look« und die Körnung beliebter Schwarzweiß-Emulsionen erzielt etc.
All dies sind wichtige und wertvolle Themen, aber zwei wichtige Probleme fehlen: Viel entscheidender, als zu fragen »Wie fotografiere ich schwarzweiß«, ist die Frage »Warum« und vor allem »Wann«. Wie sich die verschiedenen Monochrom-Effekte aus einem Digitalbild erzeugen lassen, ist nicht allzu schwer zu erklären – natürlich finden Sie auch das alles in diesem Buch –, interessanter ist jedoch die Entscheidung, ob ich das Bild in Schwarzweiß umwandele oder in Farbe belasse.
Diese Entscheidung geht über den Unterschied zwischen Sensor und Film hinaus und führt uns geradewegs in die lange, reiche Tradition der Schwarzweiß-Fotografie. Film und frühere Entwicklungen wiegen in dieser Tradition natürlich schwer, darum entschuldige ich mich auch nicht für meinen Blick in die Vergangenheit. Aus der Schwarzweiß-Fotografie, ihrer Bildqualität und ihren Prozessen, können wir viel lernen. Nicht nur das: Die Schwarzweiß-Fotografie wird eher mit Kunst assoziiert als die Farbfotografie, und auch aus der monochromen Malerei können wir lernen. Das Thema, das sich wie ein roter Faden durch all das zieht, ist, die Farbpalette einzuschränken. Schließlich unterscheidet sich die Schwarzweiß-Fotografie nicht zuletzt dadurch von der Farbfotografie, dass wir die Welt nicht schwarzweiß sehen, und sie gibt auch nicht vor, die Realität darzustellen. Sie ist eine Interpretation des Blicks in ein besonderes Medium mit besonderer Charakteristik. Wie wir sehen werden, hat sich die Wahrnehmung der Schwarzweiß-Fotografie als Medium der Fotografie gewandelt. Was als Notwendigkeit begann, wurde als Normalität akzeptiert und ist jetzt – mit der Auswahl an allen Farben (und jeder Farbe) und mit unendlichen Möglichkeiten der Digitalbilder – eine kreative Entscheidung geworden.

DAS NEUE SCHWARZ & WEISS

Hätte die Fotografie – durch eine Laune der Wissenschaft – in Farbe begonnen, hätte sich dann die Schwarzweiß-Fotografie besser entwickelt? Abgesehen davon, dass wir die Geschichte kurzerhand etwas verdrehen müssten, ist diese Frage angesichts des wandelvollen Lebens der Schwarzweiß-Fotografie durchaus berechtigt. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Fotografen und Verleger jahrzehntelang nach Farbfotos gelechzt haben, und dann sofort Ablehnung einsetzte, als sie mit Kodachrome und später mit Fujichrome zu haben war. Sicher gab es unterschiedliche Ansichten, aber die Filmtechnologie und später die Sensortechnik haben die beiden Fotomedien nicht kontrollieren können. Es geht eben nicht nur darum, was eine Kamera kann und was nicht.
Die erste fixierte Fotografie – die nicht verblasste, wenn man sie Licht aussetzte – entstand 1824 auf lichtempfindlichem Stein, angefertigt von Nicephore Niepce, einige Jahre vor der berühmten, bis heute erhaltenen Arbeit auf Zinn. Es war monochrom, denn es zeichnete nur das auf die Oberfläche auftreffende Licht auf. Das erste Farbfoto gab es bereits 37 Jahre später, eine Aufnahme von Thomas Sutton. Nach einer wissenschaftlichen Arbeit des schottischen Physikers James Clerk Maxwell von 1855 half ihm Sutton 1861, eine Vorlesung mit dem Foto eines farbigen Bandes zu illustrieren. Die Technik, auch als Dreifarbprozess bekannt, bildet die Grundlage aller Farbreproduktion. Dabei wurden drei Platten angefertigt, die jede eine andere Farbe filterten – rot, grün und blau. Richtete man die drei Platten aus und projizierte sie zusammen, erhielt man das Farbbild.
Die Farbfotografie benutzt also Monochromtechnik. Vielleicht noch wichtiger ist, dass selbst die moderne Schwarzweiß-Fotografie eine Neuanordnung der Farben darstellt – was sehr wichtig ist. Es ist also unmöglich, über Schwarzweiß zu sprechen, ohne Farbe mit einzubeziehen, vor allem in der Digitalfotografie. Wie Niépces lithografischer Stein bzw. die beschichtete Zinntafel ist ein Kamerasensor empfindlich für alles sichtbare Licht (und etwas darüber hinaus), und ohne Hilfsmittel würde er nicht zwischen den Wellenlängen trennen. Und durch die Wellenlängen unterscheiden sich die Farben.
Die Farbkomponente eines Digitalfotos kommt von einem transparenten Schachbrettfilter vor dem Sensor – der Bayer-Matrix –, die ein Pixelmuster aus roten, grünen und blauen Filtern aufweist. Das Bild wird in diesen drei Kanälen aufgezeichnet und kombiniert, um ebenso wie Maxwells Dia- und Farbfilm Vollfarbbilder aufzunehmen. Der Unterschied ist, dass mithilfe der Digitaltechnik auch Schwarzweiß-Bilder aus diesen drei Kanälen hergestellt werden können, und zwar auf verschiedenste Weise. Jede Farbe der Originalszene kann in mehr oder weniger jede Graustufe umgewandelt werden, von sehr dunkel bis sehr hell. Dieser Prozess ist in der Schwarzweiß-Fotografie völlig neu und lässt sich für verschiedenste Effekte endlos untersuchen.
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SCHATTENSPIEL
Genauso einfach lässt sich jedoch auch ein Bild aufnehmen, das man von vornherein in Schwarzweiß umwandeln will.
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TULOU-HÄUSER
Natürlich liegt das Original dieses Fotos in Farbe vor, aber ich kann immer wieder zum Original zurückkehren und eine andere Umwandlung vornehmen. Dabei lässt sich sogar die Stimmung jedesmal wieder komplett ändern.

DIE TECHNISCHE TRADITION

Fairerweise tauche ich gleich tief in die Geschichte ein, denn die Historie der Schwarzweiß-Fotografie ist lang und reichhaltig. Film und ältere Prozesse nehmen dabei viel Raum ein, und wir können viel von der Schwarzweiß-Fotografie, ihrer Bildqualität und den Prozessen lernen. Im Grunde entwickelten sich Farb- und Schwarzweiß-Fotografie parallel. Die eine Geschichte berichtet von dem, was möglich war, die andere davon, was verschiedene Fotografen wollten. Natürlich sind diese technische und die ästhetische Historie eng miteinander verflochten.
Niépces Foto von 1826 ist das erste, das bis heute erhalten ist. Es verwendete eine Art Asphalt, den man bereits von der Gravur kannte, als Überzug für eine Zinnplatte. Dieser härtete sich eher, als dass er nachdunkelte, wenn er in der Kamera Licht ausgesetzt war, was mindestens 8 Stunden dauerte. Nach einer Wäsche mit Lösungsmitteln verblieben die harten, helleren Bereiche.
Zwölf Jahre später hatte Niépces Partner, Daguerre, eine lichtempfindlichere Platte entwickelt. Kupfer mir Silberbeschichtung wurde mit Jod aus erhitzten Jodkristallen bedampft. Nach der Aufnahme wurde das Bild, das bis dahin nicht sichtbar war, mit Quecksilberdampf entwickelt – ein gefährliches Verfahren. Schließlich wurde das Bild mit Natriumhyposulfit fixiert. Es entstand ein sehr detailreiches, feines Foto. Durch das spiegelähnliche Finish musste es jedoch aus einem bestimmten Winkel betrachtet werden, und da es sich um ein Positiv handelte, konnte man nicht mehrere Abzüge anfertigen. Dennoch wurde die Belichtungszeit von 8 Stunden auf 20 bis 30 Minuten reduziert – was für Porträts jedoch noch zu lang war. Dennoch wurde die Fotografie damit auch praktisch möglich.
Die Daguerreotypie erhielt schnell Konkurrenz von einem neuen Verfahren, der Kalotypie oder auch Talbotypie, die statt Metalltafeln Papier verwendete und dem modernen Film näher kam, weil sie ein Negativbild erzeugte, mit dem man so viele Positivabzüge wie gewünscht erzeugen konnte. Damit bot die Kalotypie einen enormen Vorteil, auch wenn die Bildqualität hinter der Daguerreotypie zurückstand. Erfunden wurde sie vom Engländer Henry Fox Talbot (1800-1877), der hochwertiges Schreibpapier mit Silbernitrat und Natriumjodid beschichtete, gefolgt von einer Lösung aus Gallussäure und Silbernitrat, um das Papier lichtempfindlich zu machen. Nach der Belichtung wurde das Papier mit einer weiteren Anwendung dieser Lösung entwickelt. Nach dem Trocknen konnte man vom Papiernegativ Kontaktabzüge anfertigen. Der nächste wichtige Schritt in dieser Entwicklung war 1851 die Erfindung des Kollodiumverfahrens durch Frederick Scott Archer (1813-1857). Auch als Nassplatten-Verfahren bezeichnet, setzte es sich trotz der aufwändigen Vorbereitung der Platten schnell durch. Die Platten mussten zwar direkt vor der Aufnahme vorbereitet werden, dann waren jedoch Kurzbelichtungen von bis zu 10 s möglich. Diese hohe Empfindlichkeit erzielte der Fotograf, indem er auf die Platte Kolodium goss, eine natriumjodidhaltige Lösung, die Platte in verschiedene Winkel neigte, bis sich die Lösung gleichmäßig verteilte, und sie dann schnell in eine Silbernitratlösung tauchte. Weil die Empfindlichkeit verloren war, sobald das Kollodium trocknete, musste die Platte nass belichtet werden, ein großes Hindernis für die Arbeit vor Ort.
Bis in die 1870er Jahre hinein war eine Emulsion bestehend aus Gelatine und Silberbromid als trockener Ersatz für das Kollodium erfunden worden, schnell gingen die Platten in Massenproduktion. Zwar ist das voluminöse und zerbrechliche Glas inzwischen durch flexiblen Film ersetzt worden, die Schwarzweiß-Emulsion ist jedoch noch immer dieselbe: die lichtempfindlichen Kristalle, die Körnung, sind in eine Schicht Gelatine eingebettet. Ursprünglich bestand Film aus Zelluloid, wurde zwischendurch aus Nitro-Zellulose und Zellulose-Azetat hergestellt, bevor er heute aus äußerst stabilen synthetischen Polymeren gemacht wird. Welche Zusammensetzung man auch verwendete, durch den Film wurde es möglich, lange Emulsionsstreifen aufzurollen – die Grundlage für den Kinofilm, 35-mm- und Rollfilm.
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DAGUERREOTYPIE
Eine einfache Daguerreotypie-Kamera aus Holz mit einem Fokusmechanismus, bei dem der hintere Plattenhalter weiter rückwärts verschoben werden kann (links).
KOL...

Inhaltsverzeichnis

  1. Umschlag
  2. Titel
  3. Impressum
  4. Inhalt
  5. Einführung
  6. KAPITEL 1: DIE TRADITION VON SCHWARZ & WEISS
  7. KAPITEL 2: DIGITALES SCHWARZWEISS
  8. KAPITEL 3: KREATIVE VARIANTEN
  9. Glossar
  10. Index
  11. Bildnachweise

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