
- 64 Seiten
- German
- ePUB (handyfreundlich)
- Über iOS und Android verfügbar
eBook - ePub
Im Garten des Propheten
Über dieses Buch
"Im Garten des Propheten" berichtet von der Rückkehr des Propheten auf die Insel seiner Geburt und in den Garten mit den Gräbern seiner Eltern, die in seiner Abwesenheit gestorben sind. Die erstmals 1934 postum veröffentlichte Erzählung setzt Gibrans Welterfolg "Der Prophet" fort. Es ist ein nachdenklich stimmendes und zutiefst poetisches Buch, das nach dem Sinn des Leidens, nach der Einsamkeit und nach Gott fragt.
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Information
ALMUSTAFA, DER ERWÄHLTE UND GELIEBTE, der seiner Zeit als Mittag des Lebens galt, kehrte im Monat Tischrin* auf die Insel zurück, wo er das Licht der Welt erblickt hatte.
Als sein Schiff den Hafen erreichte, stand er am Bug, umgeben von den Seeleuten. Und Freude über die Heimkehr erfüllte sein Herz.
Mit einer Stimme, in der das Meer nachhallte, sagte er: Seht die Insel unserer Geburt! Hier hat uns die Erde hervorgebracht – als Lied und als Rätsel; als Lied für den Himmel und als Rätsel für die Erde. Und welche Macht zwischen Himmel und Erde könnte das Lied emportragen und das Rätsel lösen, wenn nicht die Liebe?
Einmal mehr bringt uns die See an diese Küste zurück. Wir sind nur eine ihrer Wellen. Sie sendet uns aus, ihre Botschaft zu verkünden; doch wie sollen wir dies tun, ohne die Symmetrie unseres Herzens aufzubrechen zwischen Felsen und Sand?
Denn dies ist das Gesetz der Seefahrer: Wenn ihr die Freiheit sucht, müsst ihr zu Nebel werden. Das Formlose strebt immer nach Form, so wie die zahlreichen Nebel danach streben, Sonnen und Monde zu werden. Und wir, die wir lange suchten und nun in fest umrissener Gestalt auf diese Insel zurückkehren, müssen wieder zu Nebel werden und von den Anfängen lernen.
Was könnte leben und sich zu den Höhen aufschwingen, wenn es nicht zuvor gebrochen wird vom Leid und von der Freiheit? Immer werden wir auf der Suche nach den Küsten sein, wo wir singen und wo unser Gesang gehört wird. Doch was ist mit der Welle, die bricht, ohne dass ein Ohr es vernimmt? Es ist das Ungehörte in uns, das uns Kummer bereitet. Und es ist das Ungehörte, das unserer Seele Form verleiht und unser Geschick gestaltet.
Da trat einer der Seeleute auf ihn zu und sagte: Meister, du hast unsere Sehnsucht nach diesem Hafen entfacht und bestärkt. Und siehe da, kaum sind wir hier, da sprichst du von Leid und gebrochenen Herzen.
Er entgegnete: Sprach ich nicht auch von Freiheit und vom Nebel, der unsere größere Freiheit ist? Doch gebe ich zu, dass ich auch Trauer empfinde auf meiner Pilgerfahrt zu der Insel meiner Geburt, und ich fühle mich wie der Geist eines Erschlagenen, der zurückkehrt, um vor denjenigen zu knien, die ihn erschlugen.
Ein anderer Seemann sagte: Sieh die Menschen am Kai. Sie haben den Tag und die Stunde deines Kommens vorausgeahnt, und sie verließen ihre Felder und Weinberge in dem Verlangen, dich willkommen zu heißen.
Almustafa schaute auf die Menschenmenge in der Ferne; er wurde sich ihrer großen Sehnsucht bewusst und schwieg.
Da erhob sich ein Schrei aus der Menge, ein Schrei der Wiedersehensfreude und der Erwartung.
Er blickte auf die Seeleute und sprach: Was habe ich ihnen mitgebracht? Ich war ein Jäger in fernen Landen. Zielsicher und kraftvoll verschleuderte ich die goldenen Pfeile, die sie mir gaben, und machte doch keine Beute. Ich folgte nicht einmal den Pfeilen. Vielleicht fliegen sie jetzt unter der Sonne, in den Flügeln verwundeter Adler, die nicht auf die Erde fallen wollen; oder sie sind in die Hände von Menschen gelangt, die ihrer bedurften, damit sie Brot und Wein hätten. Ich weiß nicht, was ihnen während des Fluges widerfahren ist, aber ich weiß, sie haben ihre Bahnen am Himmel gezogen.
Doch die Hand der Liebe ruht auf mir und ihr Seeleute habt mich und meine Vision an diese Küste gelenkt, darum werde ich nicht stumm bleiben. Ich werde laut reden, wenn sich die Hand der Jahreszeiten auf meine Kehle legt, und ich werde meine Worte singen, wenn meine Lippen brennen.
Sie waren ergriffen in ihren Herzen, als er so sprach, und einer von ihnen sagte: Meister, lehre uns alles! Vielleicht werden wir dich verstehen, denn dein Blut fließt in unseren Adern, und in unseren Atem mischt sich dein Wohlgeruch. Darauf antwortete er ihnen mit einer Stimme, in der man den Wind wehen hörte: Habt ihr mich auf die Insel meiner Geburt zurückgebracht, damit ich euer Lehrer sei? Bis jetzt bin ich noch kein Gefangener der Weisheit. Zu jung und unerfahren bin ich, um von etwas anderem zu sprechen als von mir selbst und meinem Herzen, das nach mehr Tiefe ruft.
Lasst den, der nach Weisheit sucht, sie in der Butterblume finden oder in einer Hand voll Tonerde. Ich bin immer noch ein Singender. Immer wieder werde ich die Erde besingen wie unsere verlorenen Träume, die unsere Tage heimsuchen zwischen einem Schlaf und dem anderen.
Und das Schiff lief in den Hafen ein und erreichte die Kaimauer. Almustafa betrat die Insel seiner Geburt und stand wieder unter seinen Landsleuten. Aus ihrer Menge erscholl lautes Rufen, so dass die Einsamkeit in seinem Herzen verflog.
Alle warteten gespannt auf ein Wort, doch er schwieg, denn die Erinnerung überfiel ihn und stimmte ihn traurig. Und er sagte zu sich: Habe ich geglaubt, dass ich singen werde? Nein, ich kann nur meinen Mund öffnen, damit die Stimme des Lebens daraus hervortrete und sich mit dem Wind vermische zur Freude und zum Trost der Zuhörer.
Da sagte Karima, mit der er im Garten seiner Mutter gespielt hatte, als sie Kinder waren: Zwölf Jahre lang hast du dein Antlitz vor uns verborgen, und zwölf Jahre lang haben wir nach deiner Stimme gehungert und gedürstet.
Er sah sie mit unermesslicher Zärtlichkeit an, denn sie hatte die Augen seiner Mutter geschlossen, als die weißen Schwingen des Todes sie umfingen.
Und er antwortete ihr: Zwölf Jahre? Sagtest du zwölf Jahre, Karima? Ich maß meine Sehnsucht nicht mit dem Sternenrohr und ihre Tiefe nicht mit dem Lot. Denn die Liebe und erst recht das Heimweh denken nicht daran, Zeit zu messen oder auszuloten.
Es gibt Momente, die erscheinen uns wie Ewigkeiten der Trennung. Doch was ist Abschied anderes als eine Erschöpfung des Geistes, und vielleicht waren wir gar nicht getrennt?
Almustafa blickte auf die Menschenmenge, und er sah sie alle: die Jungen und die Alten, die Starken und die Schwachen, die von Sonne und Wind Gebräunten und solche blasser Hautfarbe. Und auf all ihren Gesichtern leuchtete die Sehnsucht neben fragenden Blicken.
Einer von ihnen sagte: Meister, das Leben hat unsere Hoffnungen und Wünsche bitter enttäuscht. Wir sind beunruhigt, und wir verstehen nicht warum. Ich flehe dich an, tröste uns und enthülle uns den Sinn unseres Leids!
Sein Herz war von ...
Inhaltsverzeichnis
- NAVIGATION
- HAUPTTITEL
- INHALT
- Vorwort
- Im Garten des Propheten
- ÜBER DAS BUCH
- IMPRESSUM
- HINWEISE DES VERLAGS