1 Vorbereitung
Bevor Sie loslegen und sich als Existenzgründer betätigen, hilft Ihnen dieses Kapitel, einen ersten Überblick zu gewinnen. Ein übersichtlicher Fahrplan bietet Ihnen Orientierung bei Ihrem Vorhaben. Und alle, die es besonders eilig haben, finden kurze Antworten auf die wichtigsten und dringendsten Fragen. Darüber hinaus stelle ich Ihnen die unterschiedlichen Formen der Selbstständigkeit vor und nenne die wichtigsten Erfolgsfaktoren bei der Gründung.
1.1Fahrplan: Schritt für Schritt durch die Existenzgründung
Diese Checkliste hilft Ihnen, Prioritäten bei der Zeitplanung zu setzen. Haken Sie die Punkte (»Meilensteine«) nacheinander ab, sobald sie erledigt sind.
Grundsatzentscheidungen treffen
Ganz selbstständig arbeiten oder besser erst einmal nebenberuflich aufbauen? | |
Eigene Persönlichkeit prüfen: Bin ich reif für die Gründung? | |
Rahmenbedingungen wie Familie, Geld und Zeit checken | |
Existenzgründungsberatung oder Seminar besuchen | |
Geschäftsidee finden
Geschäftsideen sichten | |
Idee prüfen und dabei Stärken und Schwächen herausfiltern | |
Angebot definieren | |
Das Angebot in der Praxis ausprobieren | |
Wettbewerb analysieren | |
Zielgruppe analysieren | |
Mit Menschen aus der Zielgruppe sprechen | |
Geldbedarf ausrechnen
Wie viel Kapital brauche ich im ersten Jahr? | |
Wie viel brauche ich im ersten Jahr zum Leben? | |
Kommen Kredite für mich in Frage? | |
Kann ich aus der Familie heraus Geld bekommen? | |
Hilft die Bundesagentur für Arbeit? | |
Sind andere Fördermittel erhältlich? | |
Produkt entwickeln
Leistungsumfang definieren | |
Angebot beschreiben | |
Markttest unternehmen | |
Wettbewerber analysieren | |
Vertriebskanäle auswählen | |
Preise und Honorare festlegen | |
Rahmenbedingungen schaffen
Büroräume, Laden, Homeoffice oder Co-Working? | |
Passenden Standort suchen | |
Einrichtung und Arbeitsmaterial beschaffen | |
Eventuell Aushilfen und Mitarbeiter suchen | |
Rechtsberatung einholen | |
Geschäftskonto einrichten | |
Angebot kommunizieren, z. B. im Netzwerk, auf Website, Xing | |
Unterstützung an Bord holen
Steuerberater konsultieren | |
Rechtsanwalt aussuchen | |
Gespräche mit Experten führen (Branchenkenner) | |
Coach oder Berater engagieren | |
Kunden und Käufer gewinnen
Akquisestrategie festlegen | |
Werbemöglichkeiten festlegen | |
Strategisch werben | |
Empfehlungsnetzwerk aufbauen | |
1.2Die wichtigsten Fragen für Existenzgründer
Am Anfang drängen alle Gründer ganz ähnliche, scheinbar einfache Fragen. Diese Fragen betreffen die Organisation der Selbstständigkeit, die Vorgehensweise bei der Gründung und die eigene Präsentation und Selbstdarstellung. Dieses Kapitel gibt schnelle Antworten und stillt den ersten Wissenshunger. Die Themen werden im Laufe des Buches vertieft.
Voraussetzungen für die Gründung
1. Darf sich wirklich jeder selbstständig machen?
Laut § 1 der Gewerbeordnung (GewO) dürfen sich alle selbstständig machen, die das wollen: »Der Betrieb eines Gewerbes ist jedermann gestattet …« Auch in Österreich und der Schweiz ist eine Gewerbeanmeldung prinzipiell jedem möglich; in Österreich dürfen allerdings keine Vorstrafen und Insolvenzen vorliegen. Eine Ausnahme sind genehmigungspflichtige Gewerbe, bei denen der Gründer einen Befähigungsnachweis erbringen muss. Der Genehmigungspflicht unterliegen beispielsweise Omnibus- und Taxibetriebe oder Einzelhändler, die Arzneimittel vertreiben. Das örtliche Ordnungsamt verlangt den Nachweis besonderer Kenntnisse. Die meisten Handwerker müssen sich vor der Anmeldung ihres Gewerbes in die Handwerksrolle eintragen, wofür sie zuvor die Meisterprüfung abgelegt haben müssen. Freiberufliche Tätigkeiten erfordern eine bestimmte (meist akademische) Ausbildung, teilweise genügen auch autodidaktisch erworbene Kenntnisse.
2. Müssen Sie dem Finanzamt sagen, dass Sie selbstständig sind?
Dazu sind Sie verpflichtet. Einige Wochen nach der Gewerbeanmeldung erhalten Sie einen »Fragebogen zur steuerlichen Erfassung eines Gewerbebetriebes oder einer selbstständigen Tätigkeit«. Starten Sie als Freiberufler, müssen Sie diese Tätigkeit dem Finanzamt von sich aus melden. Das schickt Ihnen dann dasselbe Formular zu, wie es auch die Gewerbetreibenden nach der Anmeldung beim Gewerbeamt erhalten. Wie Sie es ausfüllen, lesen Sie in Kapitel 4.4.
3. Brauchen Sie einen Business-Plan?
Gründer, die arbeitslos sind oder von Arbeitslosigkeit bedroht werden und z. B. den Gründungszuschuss beantragen, müssen ihrer Arbeitsagentur einen Business-Plan vorlegen. Dieses Konzept beschreibt die Geschäftsidee und plant die zukünftige kaufmännische Entwicklung. Auch Jungunternehmer, die von den Banken Geld benötigen, müssen einen solchen Plan vorlegen. Alle anderen brauchen nicht zwingend ein schriftliches Unternehmenskonzept, wie ein Business-Plan auch heißt. Ratsam ist es trotzdem. Eine leicht nachvollziehbare Anleitung zur Erstellung von großen und kleinen Business-Plänen – inklusive eines Mini-Business-Plans – finden Sie im Kapitel 6.
4. Benötigen Sie einen Gewerbeschein?
Ja, sofern Sie einen Gewerbebetrieb eröffnen. Dazu zählen Einzelhandelsgeschäfte, produzierende und handwerkliche Betriebe. Zu unterscheiden sind genehmigungspflichtige und nicht genehmigungspflichtige Gewerbe (siehe Frage 1).
Der Gewerbeschein kostet in Deutschland je nach Gemeinde 15 bis 40 Euro, in Österreich in einigen Städten 150 Euro. In der Schweiz gibt es gar keinen Gewerbeschein. Diese Tatsache kann beim Handel mit Deutschland zu Schwierigkeiten führen, da manche Firmen einen Gewerbeschein fordern, bevor sie den Einkauf zu Großhandelspreisen zulassen. Alternativ können Sie statt eines Gewerbescheins auch den Handelsregistereintrag vorlegen.
5. Was ist bei einer nebenberuflichen Gründung zu beachten?
Im Grunde gibt es keine Unterschiede zur hauptberuflichen Gründung. Sie müssen die Tätigkeit anmelden, sie versteuern etc. Sie sollten auch bei den Preisen so kalkulieren, als wären Sie hauptberuflich tätig. Der einzige Punkt: Die Kranken- und Rentenversicherung ist so lange von Ihrem Arbeitgeber abgedeckt, wie Sie dort mit mehr als 20 Stunden und dem Gros Ihrer Einkünfte beschäftigt sind. Das prüft die Krankenkasse mit einem Fragebogen. Auf die nebenberufliche Selbstständigkeit fallen dann keine weiteren Beiträge an. Auch bei Unternehmensform, Mitarbeiterzahl etc. gibt es keine Unterschiede. Aber: Ihr Arbeitgeber muss wissen, was Sie nebenbei tun – und Sie dürfen ihm keine direkte Konkurrenz machen. Tun Sie das nicht und sind Sie in Ihrem Hauptjob voll einsatzfähig, darf der Chef gegen Ihr Nebenbei-Engagement nichts sagen.
Der eigene Steuerstatus
6. ...