1. Zeit finden fürs Lesen
! Lesen Sie dieses Kapitel, wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie zu wenig Zeit zum Lesen finden und Sie von Informationen überschwemmt werden!
1.1 So schaufeln Sie Zeit im Tagesgeschehen frei
In diesem Kapitel identifizieren Sie Ihre Zeitpotenziale und lernen, die Lesemenge durch Selektion drastisch zu senken.
Machen Sie Lesen zu einer Priorität
Hektik und Stress brechen dann aus, wenn wir uns von kurzfristigen oder sich aufdrängenden Problemen leiten lassen. Denken Sie daran: Dringlichkeit ist nicht gleich Wichtigkeit! E-Mails, unwichtige und kleine Aufgaben können etwas warten – denn es ist das Lesen, das inspiriert, Wissen und Kompetenzen vermittelt und sich so langfristig auszahlt. Es ist Ihre Entscheidung, ob Sie sich mit Kleinkram verzetteln, Texte hin und her schieben oder sich aktiv Zeit nehmen, die Lektüre anzugehen! Also: Räumen Sie dem Lesen eine höhere Priorität in Ihrem Tagsablauf ein!
Der Lesestart in den Arbeitstag
Ein bewährter Trick ist es, sich die (Lese-)Aufgabe abends in die Mitte des aufgeräumten Schreibtisches zu legen. Am nächsten Morgen starten Sie gleich mit dem bereitgelegten Text. Verwenden Sie so die erste Konzentrationsspanne für Ihre Texte und steigen Sie erst nach der Frühstückspause ins operative Tagesgeschehen ein.
Arbeiten Sie antizyklisch, flüchten Sie
Sofern möglich nutzen Sie Ihre Gleitzeit, um Ihren Tagesplan eine Stunde vorzuziehen oder nach hinten zu verlegen: Sie umgehen nicht nur die Rushhour, sondern können vor/nach Dienstbeginn/-schluss störungsärmer lesen. Müssen Sie viele konzentrationsintensive Texte lesen? Versuchen Sie doch einmal, einen Vormittag zu Hause zu arbeiten. Das ist effizienter, als im Bürostress die Konzentration aufbringen zu müssen, und überzeugt so bestimmt auch Ihren Chef.
Geben Sie sich selbst einen Termin
Blocken Sie je nach Bedarf Ihren Outlook-Kalender, indem Sie „abwesend“ oder „Termin“ eintragen. Warum buchen Sie nicht einmal einen Konferenzraum zum Rückzug? Vielleicht zusammen mit einem Kollegen. Dann scheint es, Sie seien im Meeting, während Sie sich tatsächlich ungestört in die Texte vertiefen können.
Schritt für Schritt
Viele haben immer noch die Vorstellung, einen Text gründlich von vorn bis hinten lesen zu müssen und dabei alles 100-prozentig zu verstehen. Klar, dass das extrem zeitintensiv ist und bei einem 50-Seiten-Bericht wie eine Mammut-Aufgabe erscheint. Doch wenn Sie den Text in kleine Etappen aufgliedern, finden Sie leichter immer wieder Zeitlücken dafür und kommen so Schritt für Schritt Ihrem Ziel schneller näher, als wenn Sie auf den „richtigen Moment“ für die Lektüre des ganzen Textes hoffen.
Machen Sie Lesen zu Ihrer Priorität und organisieren Sie dementsprechend Ihren Tagesablauf neu. | |
1.2 Etablieren Sie Lese-Routinen
Etablierte Routinen sind mächtig, denn Sie brauchen nicht immer neu überlegen, wann, was und wie Sie etwas machen. Durch die Gewohnheit überwinden Sie den Widerstand, überhaupt mit einer Handlung zu beginnen. Reservieren Sie deswegen eine bestimmte Uhrzeit des Tages für Ihre Lese-Routine.
• Morgens: Nur wenige können gut gelaunt und raketenartig beim ersten Weckerklingeln aus den Federn springen. Warum nutzen Sie nicht diese Halbwachphase für die ersten morgendlichen Zeilen, bis Ihr Kreislauf in Schwung kommt?
• Zwischendurch: Ob Frühstücks-, Mittags- oder Kaffeepause – scannen Sie kurz die Tageszeitung oder dehnen Sie diese sozial akzeptierten Pausenzeiten ein wenig aus, um sich im Café um die Ecke abseits vom Tagesstress mit einem Dokument zu beschäftigen, für das Sie im Büro nicht die nötige Ruhe finden.
• Abends: Gehören Sie zu den Menschen, die abends viel über den Tag grübeln und daher schlecht einschlafen? Lesen ist die beste Ablenkung! Es macht nicht nur die Augen schwer, sondern lenkt Ihr Gehirn von den anspannenden und Schlaf verhindernden Gedanken und Sorgen ab.
Wartezeiten sind Lesezeiten!
Ob Pendelverkehr, Arzt oder Warteschlange – man verbringt leicht bis zu zwei Stunden am Tag mit stupiden Wartezeiten! Seien Sie für diese sinnlosen Zeitfresser mit Lektüre gewappnet: Seite für Seite verfliegt die Wartezeit, und Sie werden staunen, wie viel Lesestoff Sie abarbeiten können, wenn Sie immer „Material“ dabeihaben. Achten Sie darauf, bei verhofften Verspätungen anderer, Staus und Warteschlangen immer einen kleinen Text dabeizuhaben: ein kleines Taschenbuch, ein paar gefaltete A4-Seiten (lange E-Mails, Protokolle etc.), ein kleines Vokabelheft oder die News auf dem Palm. Leider kann nicht jede unproduktive Situation für das Lesen genutzt werden, z. B. kann man schlecht beim Autofahren oder Gehen lesen. Doch prüfen Sie Ihre Routinen: Sicher ist Autofahren bequemer, aber der Berufsverkehr lässt sich im Bus produktiver nutzen, und gerade bei langen Strecken empfiehlt es sich, den ICE dem Dienstwagen vorzuziehen.
Nutzen Sie konsequent Wartezeiten für Ihre Lektüre und schaffen Sie morgens, mittags oder abends weitere Zeitinseln zum Lesen! | |
1.3 Leben Sie das „Direkt-Prinzip“
Vielleicht sind Sie nach dem Lesen der ersten Zeilen etwas skeptisch geworden und sagen sich, dass man zwischendurch und in so kurzer Zeit nicht in Ruhe lesen kann. Doch denken Sie daran, dass es hier um Informationsaufnahme geht, nicht um zeilengenaues Lesen. Zeit ist Geld und eine Regel sagt, dass ein heute investierter Euro mehr wert ist als morgen, weil die Zeit für Sie arbeitet. Genauso ist eine heute gelesene Information mehr wert als morgen, denn Sie können diese eventuell schon heute im Meeting oder im Small Talk anbringen oder anderweitig für sich nutzbar machen.
Viele Menschen sind lieber Informationssammler, stapeln die Zeitschriften in ihrer „Höhle“, um sie später mal in Ruhe und gründlich (und damit wahrscheinlich nie) zu lesen. Seien Sie schneller: Scannen Sie kurze Zeitungen sofort durch, lesen Sie die Illustrierte bereits auf dem Heimweg von der Arbeit, verschaffen Sie sich sofort einen Überblick über das Inhaltsverzeichnis und lesen dann gezielt nur ausgewählte Artikel. Also: Lieber heute grob Informationen aufnehmen und gleich darüber nachdenken und nutzen, als später oder nie veraltete Texte gründlich zu lesen und sich zu ärgern, weil Sie etwas entdecken, dass Ihnen bereits geholfen hätte!
Werden Sie vom Textsammler zum Informationsjäger! | |
1.4 Trennen Sie die Spreu vom Weizen
Viele Informationen, die wir täglich konsumieren, sind nur „Nice-to-haves“: interessante, aber im individuellen Kontext unbedeutende Dinge. Spüren Sie diese Zeitfresser auf:
• Im Internet sind immer mehr Informationen zu finden, doch welche davon sind wirklich glaubwürdig?
• Zeitschriften bieten Informationen auf einem hohen Unterhaltungsniveau. Doch interessieren Sie diese bunt bebilderten Artikel wirklich?
• Tageszeitungen berichten täglich kleinlichst, welchen Satz welcher Politiker zu wem gesagt hat. Doch sind diese ganzen Details für Ihre tägliche Arbeit wichtig?
Lesen Sie selektiv
Nehmen Sie sich die Freiheit, nur die Stellen in einem Text zu lesen, die wirklich interessant, unterhaltsam und/oder wichtig sind. Lassen Sie allen Ballast beiseite! Sortieren Sie z. B. von vornherein bestimmte Beilagen Ihrer Tageszeitung aus – warum sollten Sie das Feuilleton oder den Immobilienmarkt...