1. Wie lernt unser Gehirn?
Bei der Wissensaufnahme sind heute die Zusammenhänge im Gehirn weitgehend erforscht. Neue Informationen verankern sich mit innerem Interesse und mit Emotionen schneller und stärker im Langzeitgedächtnis und lassen sich auch daraus leichter abrufen.
1.1 Gehirn und Gedächtnis
So ist zum Beispiel die Basis aller Lesetechniken die Empfehlung, vorher Fragen zu formulieren, um das innere Interesse und die Aufmerksamkeit zu wecken. Durch Gefahren ausgelöster Stress ist ein direkter Garant für Interesse, sofortiges Lernen und neue Verhaltensweisen. Bei zu starkem Stress besteht jedoch die Gefahr, dass zugleich Denkblockaden ausgelöst werden.
Die Metapher vom Wissensnetz (Vera F. Birkenbihl) zeigt auf, dass sich neue Informationen leichter verankern, wenn schon alte „Verknüpfungen“ für dieses Thema da sind. Deshalb ist es speziell am Anfang sinnvoll, geeignete Lernmethoden zu wählen, die erste sinnvolle Fäden für den Aufbau des neuen Wissensnetzes knüpfen. Dadurch haben Erwachsene auch im hohen Alter Vorteile gegenüber jüngeren Menschen beim Lernen – haben Sie das gewusst?
Bei allem Interesse sind Wiederholungen nötig, die jedoch mit der Zeit seltener werden können. Sie wirken dem Vergessen entgegen. Auf diesem Prinzip beruht die weiter unten dargestellte äußerst wirksame Methode der Lernkartei von Sebastian Leitner.
Ihre Erinnerungen werden im Laufe des Lebens immer wieder umgeschrieben. Durch das häufige Abrufen von Erinnerungen können Sie diesen Umschreibungsprozess abschwächen.
Um erst gar keine Langeweile bei Wiederholungen entstehen zu lassen, machen Sie es spannend, indem Sie dabei innere Bilder der Lerninformationen erzeugen. Je greller die Farben und je verrückter die Ideen sind, desto besser bleibt der Lernstoff im Gedächtnis haften! Das ist die Grundlage für alle Gedächtnistechniken. Vor allem das Langzeitgedächtnis mag gerne mit Bildern gefüttert werden.
Diese Bilder kommen wie von selbst, wenn Sie Analogien finden. Unser Gehirn arbeitet so ähnlich wie ein Computer. Wenn Sie nur eine Textverarbeitung installieren, dann können Sie keine Videos abspielen. Aber wenn Sie Ihre Videosoftware einschalten und mit Bildern arbeiten, erhöht sich Ihre Lernkapazität innerhalb kürzester Zeit um ca. 300 Prozent! Besonders erfolgreich sind Sie mit lebendigen Bildern. Sobald Ihre Vorstellungen emotional werden, Sie also freudige, traurige, aggressive oder auch sexuelle Bilder mit dem Lernstoff verknüpfen, werden Sie sich besser erinnern. Sadalla und Loftness wiesen bereits 1972 nach, dass es für die Gedächtniswirkung egal ist, ob es sich um positive oder negative Emotionen handelt. (Sadalla E. & Loftness S.: Emotional images as mediators in one-trial learning. Journal of experimental Psychology, 1977, 95, S. 295 – 298).
Interessanterweise gibt es weitere Steigerungsmöglichkeiten. Sobald Sie das Lernmaterial räumlich anordnen können, wird es besser erinnert. Stellen Sie sich Ihre Küche vor und speichern Sie z.B. den Namen dieses Buchverlages GABAL als Gabel ab, die ein A aufspießt. Sollte dieses „A“ masochistisch-lustvoll ächzen, dann haben Sie noch die emotionale Komponente dabei. Hmm, der Name GABAL wird Ihnen von jetzt an im Gedächtnis bleiben. Fantasierte Bilder erhöhen den Reiz auf Ihr Gehirn. Da Sie diese Bilder selbst erzeugen, ist es logisch, dass Sie sie behalten wie etwas Eigenes. Stellen Sie sich jetzt die vier Autoren dieses Buches vor, wie sie in der Küche um die GABAL mit dem aufgespießten „A“ sitzen.
Sie haben uns noch nie gesehen – umso besser! Ihre eigenen Bilder sind besser als unsere Fotografien, zumindest für Ihr Gedächtnis. E...