
- 160 Seiten
- German
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eBook - ePub
Über dieses Buch
Anders als in Wien, wo man der Legende nach der Belagerung durch die Türken die Liebe zu diesem Getränk verdankt, äußern sich in München vielfältige Einflüsse und eine starke Bindung zum Süden. Ab dem späten 18. Jahrhundert wurde München auch in Sachen Kaffeegenuss zur "nördlichsten Stadt Italiens" und ist es bis heute geblieben. In der Geschichte der Münchner Cafés spiegelt sich das facettenreiche Gesellschaftsleben der Landeshauptstadt wider. Nicht zuletzt spielten die Cafés auch eine wichtige Rolle als Schauplatz weiblicher Emanzipation. Daneben bezeugen bayerisches Konfekt, Torten, Kuchen und Gebäck seit jeher die sinnliche Daseinsfreude, die man in der Isar-Metropole zu genießen weiß.
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„… so lang die Welt nicht ihren Gusto verändert, so wird sie auch nicht ohne Caffeehaus verbleiben.“ – Kaffee wird zum Volksgetränk
Der Aufschwung der Gastronomie
Bis Ende des 18. Jhs. bildete der unter Kurfürst Maximilian I. aufgerichtete, 1640 fertiggestellte Verteidigungsring der Stadt, in den auch der Hofgarten und die Zeughäuser einbezogen waren, die Grenze des städtischen Wachstums. In seinen letzten Regierungsjahren leitete Karl Theodor nun noch wesentliche Schritte zur Expansion Münchens ein, die neue wirtschaftliche Möglichkeiten mit sich brachten. Per Mandat legte er 1795 fest, dass München keine Festung mehr ist. Bereits vier Jahre zuvor begann die Schleifung der Bastionen mit der Niederlegung des Neuhauser Tores am westlichen Altstadtrand und der anschließenden Bebauung des davor liegenden Areals, des späteren Karlsplatzes. Im Zuge der staatlich gesteuerten Stadtentwicklung erfolgte der Abriss der Mauern und zahlreicher Turmanlagen, das Zuschütten der Gräben, die Einebnung der Wälle und das Anlegen von großzügigen Plätzen und Grünanlagen. Es entstanden neue Bau- und Wirtschaftsgebiete mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten und dem Bedarf an weiteren Gast- und Caféhäusern.
Auch die nachfolgenden Regenten trieben die Erweiterung ihrer nunmehr Königlichen Haupt- und Residenzstadt München kräftig voran. Es entstanden u. a. vier breite Alleen – Brienner, Ludwigs-, Maximilians- und Prinzregentenstraße – mit zahlreichen Staats- und Repräsentationsbauten, und nach und nach wurden die umliegenden Vororte eingemeindet. König Ludwig I. (reg. 1825–1848) verfolgte die Absicht, München zu einem Zentrum der Kunst und Kultur auszubauen, zum „Isar-Athen“ und einer „Stätte edlen Lebensgenusses“. Durch die unter seiner Regierung erfolgte Bautätigkeit und Kulturförderung erhielten Wissenschaft und Künste entscheidende Impulse. Nachdem schon unter seinem Vater 1808 die Gründung der Akademie der Schönen Künste und zehn Jahre später die Eröffnung des neuen Königlichen Hof- und Nationaltheaters erfolgt waren, wurde 1826 die Hochschule von Landshut nach München verlegt und in „Ludwig-Maximilians-Universität“ umbenannt. Am Königsplatz konnten vier Jahre später die Glyptothek mit ihrer Sammlung antiker Skulpturen und nachfolgend das neugegründete Benediktinerkloster St. Bonifaz sowie das Museum antiker Kleinkunst eröffnet werden. Die bayerische Hauptstadt sollte sich auch zu einem Anziehungspunkt für Reisende aus aller Welt entwickeln. Ludwig I. unterstützte daher alle Bestrebungen zur Erneuerung und Modernisierung von Einrichtungen, die dem Fremdenverkehr dienten und die Infrastruktur verbesserten. Dazu gehörte auch der Bau von Hotels, Vergnügungsstätten, Restaurants und Cafés. In der kurfürstlichen Hauschronik konnte man 1840 beispielsweise lesen: „Einem Wunsche Seiner Majestät König Ludwigs I. von Bayern stattgebend, ließ im Jahr 1840 Reichsrat Josef Ritter von Maffei durch den Architekten Friedrich von Gärtner das erste vornehme Hotel in München, den Bayerischen Hof, bauen.“
Ab 1839 begann die Eisenbahn ihr Netz rund um München zu ziehen: 1839 wurde die Strecke München–Lochhausen, 1840 München–Augsburg eröffnet, acht Jahre später war der Hauptbahnhof fertiggestellt, im Jahr 1854 folgte die Einweihung der Strecke München–Starnberg, 1858 gelangen die Vollendung der ersten Eisenbahnbrücke über die Isar sowie die Freigabe der Strecke München–Landshut, 1860 war bereits die Trasse München–Salzburg–Wien in Betrieb. Die Eisenbahn machte München zu einem Hauptumschlagsplatz für viele Waren im süddeutschen Raum und sorgte für einen anwachsenden Tourismus, der sich sehr positiv auf die Gastronomie auswirkte.
Die städtebaulichen Erweiterungspläne König Max’ II. (reg. 1848–1864) hinsichtlich der neuen Maximilianstraße, deren Bau 1852 begonnen wurde, beinhalteten ausdrücklich auch Cafés, wie der ausführende Architekt Friedrich Bürklein in seinen Aufzeichnungen überlieferte: „In der Hauptform eines römischen Forums angelegt ein würdiger Bauplatz für öffentliche Bauten und Monumente, ein Corso, ein Sammelplatz der gebildeten Welt. Gleich den Champs-Elysées in den entfernten Theilen zwischen Privatgebäuden: Conditoreien, Kaffee- und Speisehäuser, Säle für Musikfeste und Cirkus …“
Neben der Ausweitung des Stadtgebietes, die den Raum und Bedarf für Neugründungen schuf, wirkte sich auch eine Änderung der Gewerbeordnung positiv für die Cafébetreiber aus. Per Beschluss vom 6. Februar 1804 wurden die Kaffeesieder und die „Traiteurs“ (Speisewirte) zu einem Gewerbe zusammengelegt, gleichzeitig die Hofschutzbefreiung der Cafetiers aufgehoben und ihr Metier der bürgerlichen Jurisdiktion unterstellt. Es war ihnen nun erlaubt, auch andere Getränke, sogar Wein und Bier, sowie Essen anzubieten. Beim Bierverkauf gab es jedoch eine Mengenbeschränkung. Aus Rücksicht auf die Wirtshäuser wurde der Ausschank in Maßkrügen nicht gestattet. Durch diese neue Verordnung hatten die Cafetiers nun dennoch mehr Spielraum, um gastgewerblich weiterexistieren zu können. Auch in Wien erwirkten die Kaffeewirte 1811 die Genehmigung, zweimal am Tag warme Speisen anbieten zu dürfen. In Frankreich kam es ebenfalls ab 1800 immer häufiger zur Kombination zwischen Café und Speisegaststätte.
Um die Jahrhundertmitte zählte München rund 89.000 Bewohner. In der Stadt lebte ein Heer von Beamten und Soldaten. Im Gegensatz zu vielen anderen Großstädten gab es damals in der Landeshauptstadt vergleichsweise wenig Industrie, aber zahlreiche kleine Handwerksbetriebe. 1851 befanden sich unter den 14 reichsten Bürgern der Stadt allein acht Brauer. Dieses Gewerbe wurde zum Hauptfaktor der Münchner Wirtschaft im 19. Jh. Doch von den 62 Brauereien, die 1822 noch existierten, war bald nur noch ein halbes Dutzend Großbrauereien übrig geblieben, von denen die Löwenbrauerei bereits 1873 als erste Aktiengesellschaft auftrat.
Neben den vielen Bierwirtschaften bekamen die Caféhäuser aber noch weitere Konkurrenz. Unter Ludwigs Vater Maximilian IV. Joseph (reg. 1799–1825), der 1806 durch Napoleon I. als Maximilian I. Joseph die Königswürde erlangte, wuchs der literarische Markt weiterhin beträchtlich. 1802 erfolgte die Genehmigung eines literarischen Instituts, das sich „Museum“ nannte und dessen Initiative wiederum von Graf Rumford ausging, der auch eine führende Rolle im geistigen Leben der Stadt spielte. Die Organisation knüpfte an die aufklärerischen Lesegesellschaften an und wollte ihren Mitgliedern eine ausgiebige Lektüre ermöglichen. Nachfolgend entstanden ein ganze Reihe von Lesezirkeln und Lesebibliotheken. Der Zusammenschluss von Lesefreunden zu einem Verband brachte den Vorteil der Geldersparnis durch ein gemeinschaftliches Abonnement der teuren Zeitungen und übrigen Publikationen. Unter Max’ Vorgänger Karl Theodor waren die Lesegesellschaften noch weitgehend verboten, da sie der Obrigkeit nach dem Ausbruch der Französischen Revolution als Hort von Widerständlern galten. Anfang des 19. Jhs. änderte sich das jedoch. München wurde zu einem Zentrum dieser Bewegung. Es entstanden Lesekabinette mit eigener Gastronomie, die zur Entspannung und Diskussion bei Kaffee und Kuchen einluden und damit das Angebot der Cafés abdeckten.
Bis 1835 erhöhte sich die Zahl der Caféhäuser innerhalb von 30 Jahren nur um zehn auf insgesamt 41 Lokale. Im Jahr 1845 nannte das Münchner Adressbuch dann bereits 62 Cafébetreiber, 1892 war in einem Artikel über das Münchner Caféhaus-Leben schon von 84 Prachtcafés und unzähligen kleinen Lokalen in allen möglichen Stilarten die Rede. 1895 wurden 236 Cafés in München registriert. Dieses Wachstum hielt bis nach der Jahrhundertwende an. Nicht ohne Grund meldeten deshalb die „Münchner Neuesten Nachrichten“: „Cafés schießen wie Pilze aus dem Boden“. Zwischen 1870 und 1910 hatte die Stadt auch das bislang größte Bevölkerungswachstum seiner Geschichte zu verzeichnen; innerhalb von 40 Jahren verdreifachte sich die Einwohnerzahl auf 600.000 Münchnerinnen und Münchner.
Das Elitecafé „Tambosi“
Schon Sarti, dem Begründer des „Hofgartencafés“, war es gelungen, die bayerischen Regenten eng an sein Lokal zu binden. Auch sein Nachfolger, ebenfalls Italiener, war auf diesem Gebiet sehr erfolgreich. Der „Schokolateur“ Luigi Tambosi (1772 Rovereto–1839 München) und seine Frau Augustine (1780–1839) pachteten ab 1810 das Caféhaus an der Hofgartenmauer und zahlten dafür an die Kurfürstin-Witwe Maria Leopoldine jährlich 1.400 Gulden Zins. Das Ehepaar hatte einige Startprobleme, v. a. aufgrund fehlender Sprachkenntnisse, denn sie lebten zum Zeitpunkt der Übernahme erst seit zwei Monaten in der Stadt. Anfangs wohnten sie bei dem Weinwirt Johann Balthasar Michel in der Rosengasse, der 1801 als erster Protestant in München das Bürgerrecht erhalten hatte. Tambosi besaß, wie schon sein Vorgänger Sarti, beste Kontakte zum Herrscherhaus. Er hatte zuvor in verantwortlicher Position (als „Chef d’Office“ und „Glacier“) bei Eugène Beauharnais, dem Stiefsohn Napoleons I. gearbeitet. Der nachmalige Schwiegersohn König Max I. Josephs, der im Zuge der Vermählung zum Herzog von Leuchtenberg ernannt wurde, ließ sich durch den Architekten Leo von Klenze ab 1817 gegenüber vom Hofgartencafé das größte Palais Münchens errichten.
Die Tambosis konnten bereits nach sieben Pachtjahren so viel Kapital aufbringen, dass sie das Lokal um 22.000 Gulden in ihren Besitz bringen wollten. Doch dann stellte sich heraus, dass das Caféhaus und die angrenzende Reitschule der Neugestaltung des Platzes vor dem ehemaligen Schwabinger Tor weichen sollten. Als dies 1825 der Fall war, trat Maria Leopoldine die an Tambosi verpachtete Kaffeeschenk-Genehmigung an die königliche Finanzverwaltung ab. Hofbankier Simon Freiherr von Eichthal und Architekt Ulrich Himbsel, dem schon das „Englische Café“ am Lenbachplatz gehörte, erwarben sie und ließen bis 1827 auf dem nach dem Abriss der beiden Gebäude freigewordenen Gelände den „Bazar“ errichten, ein damals hochmodernes Kaufhaus mit zahlreichen Ladengeschäften im Erdgeschoss. Seine klassizistische Fassadengestaltung stammte wiederum von Klenze, dem Lieblingsarchitekten Ludwigs I. Im südlichen Eckbau wurde das von Tambosi weiterhin betriebene neue „Hofgartencafé“ untergebracht. Es entstand ein exklusives Lokal mit nobler Ausstattung und hochwertigen Angeboten an Süßspeisen und Getränken. Vor allem die Qualität des Röstkaffees war legendär. So dichtete der österreichische Autor Ferdinand Raimund (1790–1839): „Beim Hirsch und bei Hahn / Ißt man wie ein Gourmand. / Und dann der famosi / Kaffee beim Tambosi.“ Laut einem Bericht aus dem Jahr 1835 gelangte man durch den Eingang vom Hofgarten aus in einen Bereich, der ein großes Angebot an Konditoreiwaren und Früchten offerierte, gefolgt von drei großzügigen Räumen mit Billardtischen. Rasch entwickelte sich das Lokal zur vornehmsten Adresse unter der ständig wachsenden Zahl an Münchner Caféhäusern. Ein Grund für den großen Zulauf war sicher die gute Lage. Bei Tambosi Eis zu essen war für viele Adelige, gutsituierte Beamte und Bürger der krönende Abschluss einer Ausfahrt oder eines Spaziergangs im Hofgarten oder im Englischen Garten. Außerdem eröffnete gegenüber dem Bazar 1828 der neue Konzert- und Ballsaal, das Odeon, einer der bedeutendsten Veranstaltungssäle Münchens bis zu seiner Zerstörung im 2. Weltkrieg.
Unter der Regie des Italieners wurde das „Hofgarten-Café“, das er 1831 für 30.000 Gulden erwarb, zum Mittelpunkt der feinen Gesellschaft. Hier hatte auch der Verein der „Tambosianer“ seinen Sitz. Zu ihm gehörten über hundert meist adelige Offiziere der bayerischen Armee, die sich regelmäßig im Nebenzimmer zum Billardspiel trafen, manchmal sogar in Gesellschaft von Kronprinz Max II. Zu den Stammgästen zählten auch Ludwig I. sowie weitere Mitglieder des Hofes, daneben viele Künstler und Gelehrte aus dem Umfeld des Regenten, darunter der königliche „Central-Gallerie-Direktor“ Johann Georg von Dillis, der Hofmaler Wilhelm von Kaulbach, der österreichische Maler der Spätromantik Moritz von Schwind, der von Ludwig I. und seiner Gemahlin Aufträge erhielt, der Landschaftsmaler Carl Rottmann, Professor Friedrich Wilhelm Schelling, der Philosophielehrer des Kronprinzen, der Hofmusikintendant Franz von Pocci und viele andere. Das „Tambosi“ war „unbestreitbar das vornehmste“ Caféhaus in München „mit starker Frequenz aus den noblen Klassen, wo sich im Sommer bei Militärmusik le beau monde ausstellt“, berichtete Ludwig I. selbst in einem seiner Briefe an Klenze. Man erzählte sich, dass der König dort manchmal von Tisch zu Tisch gehe, um die Künstler und die Damen der Gesellschaft zu begrüßen. Zeitweise bot sich im Café als zusätzliche Attraktion ein Varieté mit „abnormen Sehenswürdigkeiten“. Ein Chronist schreibt, dass für das Zurschaustellen eines jungen Adlers 30 Kreuzer, für die Darbietung eines Opernsängers 40 Kreuzer zu bezahlen waren. Das Lokal errang in der Zeit des Biedermeiers einen großen Bekanntheitsgrad weit über die Stadtgrenzen hinaus. Sein Erfolg beruhte auf qualitativ hochwertigen Produkten, mit denen es auch einige Münchner Kulturstätten belieferte, und dem hervorragendem Service. August Lewald schrieb in seinem „Panorama von München“ 1835: „Der Name Tambosi hat in der Münchner Kaffeewelt den bedeutendsten Klang. Bei den Konzerten im Odeon, im Hoftheater, auf den Bällen, in der Gesellschaft ‚Frohsinn‘: überall war das Büfett von Tambosi …Gibt man ein Rendezvous, so bestellt man sich zu Tambosi im Hofgarten; will man vormittags eine gute Tasse Chocolade, so geht man zu Tambosis Chocolade-Fabrik gegenüber der Theatinerkirche; gibt die vornehme Welt ein Diner, so besorgt Tambosi Glace (= Eis) und Dessert und, wird es verlangt, auch Silber und Gedecke.“ Für Ludwig I. und seine Geliebte Lola Montez soll der Italiener Konfekt und Tafeldekorationen aus Zucker und Eis kreiert haben.

Abb. 4:
Das „Hofgartencafé Dengler“, vormals „Tambosi“, im Bazargebäude. – Fotografie, um 1885
Das „Hofgartencafé Dengler“, vormals „Tambosi“, im Bazargebäude. – Fotografie, um 1885
Am 4. April 1938 las man im „Augsburger Figaro“, Tambosi sei „der Rothschild unserer Conditors, Caffetiers und Schokolatiers. – Sie finden hier alle Journale, – die ausgenommen, welche fehlen. – Ein Blatt, daß in München erscheint und nicht bei Tambosi zu finden ist, wird sich nicht lange halten können. Es gibt keinen zweiten Ort in München, der tagtäglich ein so großes Publikum bei sich sieht, als Tambosi. – Hier ist es, wo man, und zwar noch brühheiß, die neuesten Nachrichten des In- und Auslandes erfährt. Was die allgemeine Zeitung morgen bringt, das weiß man heute schon bei Tambosi.“ Nach dem Tod Tambosis 1839 übernahm sein zweitgeborener Sohn Louis das Lokal. Zur Neueröffnung meldete die „Augsburger Abendzeitung“ am 27. August 1840: „Ausnehmenden Beifall fand gestern die Eröffnung des Tambosischen Foyers im Bazar, welches auf Eleganteste dekoriert und neu hergerichtet wurde.“ Das bezeugte damals auch der Münchner Schriftsteller Sebastian Daxenberger (1809–1878): „Wer die Eleganz der französischen und Wiener Lokale in München suchen wollte, irrt sich. Nur eins macht den Anspruch, in diesem Sinne fashionable zu sein: Tambosi unter den Arkaden am Eingang des Hofgartens. Dies ist ein von künstlerischer Hand geschmücktes Café mit allen begehrten Vorzügen. Tambosi ist das Gesellschaftshaus der jungen Leute. Dort kannst du die ausgezeichnetsten Schauspieler und Musiker, die vorzüglichsten Maler, Literaten, Studenten, vornehme Offiziere, interessante Fremde, die besten Karten- und Billardspieler kennenlernen.“ Nach der Erhöhung der Eckbauten des Gebäudes wurde laut Stadtführer aus dem Jahr 1858 im ersten Stock über dem Café eine Börse eingerichtet. Außerdem befanden sich damals im Bazar neben einigen noblen Geschäften auch die Konditorei Gampenrieder und ein weiteres Restaurant.
Der erstgeborene Sohn Giovanni/Joseph Tambosi machte am Wittelsbacher Hof Karriere. Ab 1839 diente er als Kammerdiener Ludwigs I., ab 1849 war er Hofkellermeister Maximilian II. Josephs. 1857 erhielt er den Verdienstorden des hl. Michael und wurde drei Jahre später als Herold in den Hubertusorden aufgenommen. 1863 befand er sich mit Kurfürst Max II. auf einem Segeltörn im Mittelmeer. Die Tambosi-Brüder starben beide im Jahr 1872. Nach Louis, der das Café bis 1868 leitete, wurde das Lokal nach mehrmaligem Besitzerwechsel erst ab 1920 durch Anna und Gustl Annast wieder zu einer echten Münchner Institution (siehe S. 105). Bereits um 1900 eröffneten zwei weitere Caféhäuser im Bazar, da die gute Lage viel Kundschaft anzog.

Abb. 5:
Innenansicht des „Hofgartencafé Dengler“, vormals „...
Innenansicht des „Hofgartencafé Dengler“, vormals „...
Inhaltsverzeichnis
- Buchinfo
- Haupttitel
- Impressum
- Zur Buchreihe
- Vorwort
- „… ordentlich konzessionierte und berechtigte Caffeesieder“ – Die ersten Kaffeeköche und -trinker in München
- „… unstreitig die Ursache für so viele körperliche Erschlappungen“ – Zögerliche Ausbreitung der Caféhauskultur im 18. Jahrhundert
- „… so lang die Welt nicht ihren Gusto verändert, so wird sie auch nicht ohne Caffeehaus verbleiben.“ – Kaffee wird zum Volksgetränk
- „… ein Raum, wie ihn kein anderes öffentliches Etablissement besitzt“ – Die Palastcafés der Prinzregentenzeit
- „Was zusammengehörte und zueinander strebte, fand sich in den Cafehäusern …“ – Zentren des Gesellschaftslebens
- „Eine Oase … voller vergnügter Geister“ – Caféhäuser nach dem 2. Weltkrieg bis ins neue Jahrtausend
- Anhang
- Eigenanzeigen
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