Suchen und Finden: Wir googeln nicht zu viel, sondern zu schlecht
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Suchen und Finden: Wir googeln nicht zu viel, sondern zu schlecht

Journalismus Atelier: Recherche im Netz

  1. 12 Seiten
  2. German
  3. ePUB (handyfreundlich)
  4. Über iOS und Android verfügbar
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Suchen und Finden: Wir googeln nicht zu viel, sondern zu schlecht

Journalismus Atelier: Recherche im Netz

Über dieses Buch

Kapitel aus dem Band 'Recherche im Netz'Recherche ist eines der wichtigsten Handwerkszeuge der journalistischen Praxis. Doch wie recherchiert man richtig? Welche Techniken muss man beherrschen – speziell bei der Recherche im Netz? Welche rechtlichen Rahmenbedingungen gilt es zu beachten? Wie fundiert sind die Suchergebnisse von Google und anderen Suchmaschinen? Wie geht man mit Leaking und Fakes um? Welches Recherchepotential birgt das Soziale Netz? Wie funktionieren Crowdfounding, Crowdsourcing und Crossborder-Reporting, welche Rolle können diese Herangehensweisen in Zukunft spielen?Und: Worin besteht die Herausforderung für die demokratische Öffentlichkeit in der modernen Mediengesellschaft? Diese und weitere fragen werden in diesem Band von Medienexperten, Juristen und Journalismusforschern erörtert und beantwortet.

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Information

Jahr
2014
eBook-ISBN:
9783906272139
HEKTOR HAARKÖTTER

SUCHEN UND FINDEN: WIR GOOGELN NICHT ZU VIEL, SONDERN ZU SCHLECHT

KURZZUSAMMENFASSUNG
Die Internetsuchmaschine Google ist heute für Journalisten am Computer das Arbeitswerkzeug Nummer eins. Wegen des monopolartigen Charakters wird auch von der »Googleisierung des Journalismus« gesprochen. Dennoch kennen viele Journalisten die grundlegenden Funktionen der Suchmaschine zur Verfeinerung und Effektivierung der Internetrecherche nicht. Auch ist das Wissen unter Journalisten nicht sehr weit verbreitet, dass Google nur einen kleinen Ausschnitt des Wissensspektrums im weltweiten Datennetz abdeckt. Die Kenntnis alternativer und spezieller Suchmaschinen ist darum für Journalisten dringend notwendig.
LERNZIELE
  • Sich der wichtigsten Suchoperationen und Einschränkungsmöglichkeiten für die Google-Recherche bewusst werden.
  • Weitere journalistisch relevante Programme und Werkzeuge aus dem »Googleversum« kennenlernen.
  • Alternative und spezielle Suchmaschinen für die Internetrecherche nutzen können.

1. DIE »GOOGLEISIERUNG DES JOURNALISMUS«

1.1 Die Bedeutung von Google

»Don’t be evil« – »Tue nichts Böses«, das ist das Firmenmotto des kalifornischen Suchmaschinenanbieters Google. Dies kann überprüfen, wer statt der gewöhnlichen Suchseite der Internetfirma aus Mountain View/California die Internetadresse www.google.org eingibt. Hier zeigt Google seine soziale Ader, führt Hilfs- und Umweltprojekte vor, die die Firma unterstützt, zeigt, wie Nichtregierungsorganisationen Unterstützung von dem Suchmaschinenbetreiber erhalten können, und demonstriert das eigene Engagement für Kultur- und Bildungseinrichtungen. Ja, Google tut Gutes. Dennoch hat das Image von Google so stark gelitten, dass es schon Buchtitel gibt, die geradewegs fragen: »Ist Google böse?« (Kilgenstein 2011), und in denen der Suchmaschinenbetreiber sich als »Datenkrake« oder »weltgrößte Detektivagentur« schmähen lassen muss (ebenda, 11). Selbst Apologeten kommen nicht umhin festzustellen: »Googles Sammelwut, was Daten betrifft, ist legendär« (Kiefer 2010, 478).
Die Onlineforschung hat herausgefunden, dass 76 Prozent aller Internetnutzer wenigstens einmal in der Woche eine Suchmaschine nutzen: Google & Co. sind nach E-Mail-Diensten die zweitwichtigste Anwendung im Internet (Eimeren & Fress 2007, 370). Die Wichtigkeit der Suchmaschinen hat auch mit den allgemeinen Zielen der Internetnutzung zu tun: In der ARD/ZDF-Onlinestudie 2007 überwog bei 72 Prozent der Befragten der Aspekt der Informationsgewinnung als wichtigster Nutzungsgrund (ebenda, 368).

1.2 Suchmaschinen als journalistisches Arbeitswerkzeug

Unter Journalisten hat sich die Google-Suchmaschine als Arbeitswerkzeug Nummer eins etabliert. Nach einer Erhebung von Machill, Beiler & Zenker (2007, 333) bezeichnen 99,3 Prozent der befragten Journalisten Google als am meisten genutzte Suchmaschine. Auch unter Schweizer Journalisten aller Sprachgruppen ist nach einer Umfrage von Bernet & Keel (2009, 4) die Suchmaschine von Google mit 99,8 Prozent aller Suchanfragen der Quasi-Monopolist: »Was Google nicht findet, gelangt sehr schwer in die journalistische Themenfindung oder Recherche.« Für den Journalismus hat das durchaus nicht nur Nachteile. Machill u.a. (2007, 52) weisen darauf hin, dass gerade kleinere Redaktionen, die keine finanziellen Mittel für die Abonnements teurer Datenbanken oder Ausschnittdienste haben, durch Google erst in die Lage gesetzt werden, »Fact Checking« zu betreiben oder Originalquellen zu recherchieren.
Diesen fraglos positiven Seiten stehen negative Entwicklungen gegenüber wie etwa die Tatsache, dass die Google-Suchmaschine sich selbst zum »Gatekeeper« und damit Journalisten ihren ureigensten Zweck streitig gemacht hat. Wyss und Keel (2007, 144) sprechen darum schon von der »Googleisierung des Journalismus«. Damit meinen sie nicht nur, dass unter einer derart einseitigen Fokussierung auf ein einziges Suchwerkzeug die Recherche leidet, sondern auch, dass die Objektivität des Journalismus insgesamt infrage gestellt ist. Hinzu kommt, dass zwar Computer und Internetrecherchen sich im journalistischen Arbeitsalltag längst etabliert haben, Journalisten aber andererseits die grundlegenden Fertigkeiten im Umgang damit häufig vermissen lassen. Experimente haben gezeigt, dass nur 20 Prozent der Nutzer ausgefeiltere Recherchemöglichkeiten wie Suchoperatoren verwendeten, 51 Prozent der Nutzer kannten diese nicht einmal (Machill u.a. 2003, 233). Journalisten haben nicht nur große Probleme, die richtigen Suchbegriffe für eine effiziente Suche auszuwählen, sie verlieren sich anschließend auch in der großen Zahl von Suchergebnissen, indem sie erfolglos einer Vielzahl von Links folgen (Machill u.a. 2007, 14). Was Journalisten lernen müssen, ist, mit den richtigen Suchbegriffen unter Nutzung einer verfeinerten Suchmethodik eine handhabbare Zahl von Suchergebnissen zu erzielen. Googeln kann jeder. Wollen Journalisten mit ihren Internetrecherchen ihren eigenen Lesern und Nutzern etwas vorau...

Inhaltsverzeichnis

  1. [Cover]
  2. [Titel]
  3. [Inhaltsübersicht]
  4. SUCHEN UND FINDEN: WIR GOOGELN NICHT ZU VIEL, SONDERN ZU SCHLECHT
  5. AUTOREN UND HERAUSGEBER
  6. HERAUSGEBER UND KONTAKT
  7. Kontakte
  8. Über dieses Buch
  9. Impressum

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