Phallstricke. Tabus
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Phallstricke. Tabus

Zwei Theaterstücke aus den Welten der Naturwissenschaft

  1. 197 Seiten
  2. German
  3. ePUB (handyfreundlich)
  4. Über iOS und Android verfügbar
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Phallstricke. Tabus

Zwei Theaterstücke aus den Welten der Naturwissenschaft

Über dieses Buch

Carl Djerassi, berühmter Wissenschaftler und seit Jahren auch als Schriftsteller erfolgreich, gewährt in zwei neuen Theaterstücken einmal mehr spannende Einblicke in die Welt der Kunst und der Wissenschaft. Phallstricke bezieht sich auf eine kunsthistorische Kontroverse um eine mutmaßliche römische Statue in der Antikensammlung eines berühmten europäischen Museums. Es geht dabei um den so genannten Jüngling vom Magdalensberg, die lebensgroße Bronzestatue eines nackten Jünglings, die jahrhundertelang für ein römisches Original gehalten wurde und sich inzwischen als Guss aus der Renaissance-Zeit herausgestellt hat. Djerassi, selbst ernsthafter Kunstsammler, reflektiert und ironisiert davon ausgehend den oft leidigen Kult, der heute um viele Kunstwerke getrieben wird. Tabus greift Djerassis Hauptthema auf, das Sexualverhalten im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit, die bevorstehende Trennung von Sex und Fortpflanzung. Sex steht wie gewohnt für Liebe, Lust oder Neugier, während die Fortpflanzung zunehmend mittels "alternativer" Methoden unter dem Mikroskop stattfindet. Die tiefgreifenden soziokulturellen Veränderungen, die diese Vorgänge implizieren, stellt Djerassi, mehr denn je Agent Provocateur, in den Mittelpunkt seines neuesten Theaterstücks.

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Information

Jahr
2013
ISBN drucken
9783852185026
eBook-ISBN:
9783709976876
Auflage
1
Thema
Drama
Tabus
ERSTER AKT. ERSTE SZENE
Esther Seligmans Büro in San Francisco. Gegenwart.
ESTHER: (mit Notizblock und Stift) Also?
SALLY: Wo soll ich anfangen, Ms. Seligman?
ESTHER: Sagen Sie einfach Esther. Und fangen Sie an, wo immer Sie wollen.
SALLY: Na gut … Esther. Ich bin Sally Parker.
ESTHER: Weiß ich, Schätzchen.
SALLY: (Lacht verlegen.) Natürlich, ich sitze ja vor Ihnen.
ESTHER: Ich wusste schon vorher, wie Sie aussehen.
SALLY: Sehen Sie meine Sendung?
ESTHER: Gelegentlich. (Pause) Aber keine Angst. Sie sind nicht der einzige Promi unter meinen Klientinnen. Fahren Sie bitte fort.
SALLY: Ich bin 33 und Single.
ESTHER: (leicht ungeduldig) Was denn sonst.
SALLY: Ja … was denn sonst. Ich … ich habe an der Northwestern University Kommunikationswissenschaften studiert …
ESTHER: Und davor?
SALLY: Ach so … Aufgewachsen bin ich in Florida.
ESTHER: Ja?
SALLY: In Pensacola. Jedenfalls bin ich nach dem Diplom …
ESTHER: (Unterbricht sie ungeduldig. Sehr schnell.) An die Westküste gegangen, wo Sie Reporterin beim San Francisco Chronicle wurden.
SALLY: Woher wissen Sie das?
ESTHER: Ihr Gesicht ist vielen bekannt … und Ihr Name auch. Und wer mehr über Sie wissen will, geht zu Google.
SALLY: Sie auch?
ESTHER: Klar.
SALLY: Machen Sie das bei allen Kundinnen?
ESTHER: Bei mir heißen sie Klientinnen.
SALLY: Also bei allen Klientinnen?
ESTHER: Ich versuch’s zumindest … aber nicht alle sind so einfach zu googeln. Nicht in der Schwulen- und Lesbenszene. Und schon gar nicht die Lesben, die sich noch nicht völlig geoutet haben.
SALLY: (leicht pikiert) Ich mache kein Geheimnis aus meinen sexuellen Präferenzen.
ESTHER: Aber vermutlich gehen Sie damit auch nicht hausieren. Ich spreche ganz allgemein, obwohl viele meiner Klientinnen in diese Grauzone fallen. Sonst … würden sie ja wohl kaum zu mir kommen. Eine Lesben-Bar oder -Disco wäre billiger. Was genau suchen Sie?
SALLY: Ich denke an … an eine ernste, dauerhafte Beziehung.
ESTHER: Tun wir das nicht alle? (Pause) Und was hat Sie bisher daran gehindert? Sie sind doch nicht schüchtern … ich würde Sie sogar als ziemlich selbstbewusst bezeichnen.
SALLY: Woher wissen Sie, dass ich nicht schüchtern bin?
ESTHER: Sie halten Blickkontakt. Ich sage meinen schüchternen Klientinnen immer: Herzchen, bloß nicht auf den Boden starren! Wenn du anderen nicht in die Augen sehen kannst, dann schau auf den Mund oder das Ohr …
SALLY: Schlimmstenfalls kann ich mir immer vorstellen, es wäre die Kamera oder der Teleprompter.
ESTHER: (Beugt sich nickend vor.) Also … wo liegt das Problem? Haben Sie Schwierigkeiten, Frauen kennen zu lernen?
SALLY: Nun … ich moderiere seit einigen Jahren sowohl die Frühnachrichten als auch die 18-Uhr-Sendung. Und ich brauche meine acht Stunden Schlaf … sonst bin ich wie gerädert und sehe dementsprechend aus. Also liege ich um neun Uhr abends im Bett.
ESTHER: Das heißt, gesellschaftlich herrscht tote Hose. (freundlich) Aber das ist noch nicht alles, stimmt’s?
SALLY: Wie meinen Sie das?
ESTHER: Ich meine damit: Wonach suchen Sie wirklich?
SALLY: (Zögert.) Hören Sie. Sie sprachen vorhin von Lesben, die sich noch nicht völlig geoutet haben. Ich lüge den Leuten nichts vor … und auf eine direkte Frage gebe ich eine ehrliche Antwort.
ESTHER: Aber Sie sprechen nicht … unaufgefordert darüber.
SALLY: Nein. Jetzt nicht mehr.
ESTHER: Und dieses „nicht mehr“ ist das Problem, stimmt’s?
SALLY: Ich verstehe nicht.
ESTHER: Hm. (Pause) Sie haben an der Northwestern studiert.
SALLY: Und dort mein Diplom gemacht.
ESTHER: Chicago ist weit weg von Pensacola.
SALLY: Das war nicht der Grund, weshalb ich dort hinging.
ESTHER: Wirklich nicht?
SALLY: Die Northwestern hat eine der besten Fakultäten für Kommunikationswissenschaften des ganzen Landes.
ESTHER: Stimmt. Und dort wurde Ihnen klar, dass Sie lesbisch sind?
SALLY: Ich glaube schon.
ESTHER: Und dort haben Sie diese Tatsache zu akzeptieren gelernt?
SALLY: So ist es.
ESTHER: (nachdenklich) Und … Ihre Eltern?
SALLY: Meine Eltern?
ESTHER: Sie haben sie noch mit keinem Wort erwähnt. Ich vermute mal, dass die beiden nicht entzückt sind.
SALLY: (nach einer Pause) Ich komme aus einer sehr, sehr christlichen Familie … christlich in jeder Hinsicht. Wo ein Wort, das mit „Homo“ anfängt, ein gotteslästerlicher Frevel ist … abgesehen vielleicht von „Homo sapiens“ … und auch nur dann, wenn absolut klar ist, dass es nichts mit Evolution zu tun hat. Mein christlicher Glaube war schon in den ersten Semestern ins Wanken geraten. Jedenfalls beging ich gegen Ende meiner Studienzeit den Fehler … den katastrophalen Fehler … meine Familie in den Weihnachtsferien über meine sexuellen Neigungen zu informieren. Ich habe lediglich von Gefühlen gesprochen … nicht von Handlungen. Ich wollte nur, dass sie mich verstehen … nicht, dass sie es billigen. Stattdessen haben sie mich rausgeworfen.
ESTHER: Und so haben Sie nicht nur Ihre Familie verloren … sondern auch den letzten Rest Ihres Glaubens, stimmt’s?
SALLY: (Nickt.) Auf etwas, das so unversöhnlich und grausam ist, kann ich verzichten.
ESTHER: So ist es vielen Frauen ergangen … und vielen Männern.
SALLY: Wahrscheinlich. Aber seit damals spreche ich nicht mehr unaufgefordert darüber.
ESTHER: Senden Sie nicht einmal Signale aus?
SALLY: Das kann ich nicht beurteilen. Wie gesagt, wenn ich gefragt werde, gebe ich eine ehrliche Antwort.
ESTHER: Aber bei Ihrem begrenzten gesellschaftlichen Leben werden Sie nicht oft gefragt?
SALLY: Außer bei der gelegentlichen Anmache.
ESTHER: Die Sie immer zurückweisen?
SALLY: Dergleichen führt doch zu nichts.
ESTHER: Jetzt kommen wir der Sache schon näher. Sagen Sie … wie soll die Frau sein, die ich für Sie finden soll?
SALLY: Ich nehme an, Sie werden mir Fotos zeigen …
ESTHER: Keine Fotos! Sie werden die Frau, die ich für Sie aussuche, privat treffen und sich dann entscheiden. Und wenn es zwischen Ihnen beiden nicht funkt, versuchen wir es mit jemand anderem.
SALLY: Also, sie soll nett sein …
ESTHER: (Unterbricht sie ungehalten.) Klar doch! Und intelligent! Mit wahnsinnig viel Sinn für Humor! Und romantisch! Und sexuell kompatibel … körperlich anziehend … Nichtraucherin … keine Drogen … das übliche Blablabla. Wirklich, Sally, diese Wunschliste präsentiert doch je...

Inhaltsverzeichnis

  1. Cover
  2. Titel
  3. Impressum
  4. INHALT
  5. Phallstricke
  6. Tabus
  7. Biografischer Abriss