Wie bleiben mittelständische Unternehmen konkurrenzfähig? Wie behaupten sie sich im Wettbewerb um knapper werdende Fachkräfte? Angesichts des demografischen Wandels müssen sie in Zukunft mehr tun, um junge Mitarbeiter an sich zu binden und gesund und leistungsfähig zu halten.
Die Autoren des Praxishandbuchs zeigen, dass Betriebliche Gesundheitsförderung dazu einen wichtigen Beitrag leisten kann, wenn sie systematisch entwickelt wird. Ein für kleine bis mittlere Unternehmen geeignetes, pragmatisches Vorgehen kennzeichnet die Auswahl der beschriebenen Instrumente. Erläutert werden wichtige Zusammenhänge z.B. zwischen Arbeitsbelastungen und -beanspruchungen der Mitarbeiter sowie zwischen Kosten und Nutzen. Damit der organisatorische Aufwand überschaubar bleibt, bieten sich Kooperationen mit anderen Unternehmen und Dienstleistern an: Die Autoren haben als Leiter eines Forschungsprojekts zu innovativem Gesundheitsmanagement mit Kleinunternehmen, Gesundheitsdienstleistern und Sozialversicherungsträgern erfolgreich eine modellhafte Netzwerklösung umgesetzt und erläutern das Modell in ihrem Praxishandbuch.
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Kapitel 1 Potenziale und Herausforderungen kleiner Unternehmen
Potenziale kleiner Unternehmen
Anders als in großen Unternehmen liegt das unternehmerische Risiko, die Führungsverantwortung und die Ausrichtung der Unternehmenskultur in einer Hand – in Ihrer. Sie schaffen den Arbeitsplatz für Ihre Mitarbeiter und sorgen sich persönlich um sie. Durch diese „Nähe“ haben Sie die Chance, individuelle Bedürfnislagen zeitnah wahrzunehmen. Sie können auf kurze und persönliche Kommunikationswege zurückgreifen und Ihre Mitarbeiter bei Bedarf direkt unterstützen. Sie kennen die Prozesse, die Zwänge und die Herausforderungen im Arbeitsprozess, häufig auch das private Umfeld.
Viele gesundheitsförderliche Rahmenbedingungen, die sich große Unternehmen mühevoll erarbeiten, haben Sie dadurch bereits geschaffen. Vielleicht nicht bewusst und manchmal vielleicht intuitiv. Die im Rahmen des Forschungsprojektes InnoGema vom Projektteam befragten Unternehmer und Mitarbeiter berichten über ein angenehmes kooperatives Betriebsklima, in dem der wertschätzende Umgang miteinander und der ressourcenorientierte Einsatz von Mitarbeitern eine wichtige Rolle spielen und das Thema Gesundheit und die Vereinbarkeit von Familie und Job einen hohen Stellenwert einnehmen.
„Wir versuchen [...], dass sich jeder so ein bisschen in die Richtung entwickelt, dass er Dinge tut, die er gern tut.“
(Geschäftsführerin eines kleinen IT-Unternehmens)
Durch die persönliche Nähe zwischen Ihnen und Ihren Mitarbeitern praktizieren Sie, allein durch Ihre Vorbildwirkung und durch Ihr Handeln, einen sorgsamen Umgang mit der Gesundheit der Einzelnen.
„Ein gesunder Mitarbeiter ist ausgeglichen, es geht ihm gut und er achtet auf Ausgleich zum Job.“
(Geschäftsführerin eines kleinen IT-Unternehmens)
Wenn Ihr Unternehmen zur Kreativwirtschaft zählt, arbeiten Sie in einem Wirtschaftszweig, dem im Mai 2007 vom „EU-Kulturministerrat“ eine bedeutende Rolle für die Beschäftigung und das Wirtschaftswachstum in Europa zugesprochen wurde. Zur Kreativwirtschaft gehören z. B. IT-Dienstleister, Multimedia, Werbung, Film-, Rundfunk- und Filmwirtschaft und Medien- und Kommunikationsdienste. In Berlin beispielsweise stellen die Medien-, Informations- und Kreativbranchen einen der größten Wirtschaftzweige dar. Mit rund 24.500 Unternehmen, einem jährlichen Umsatz von über 20 Mrd. Euro und rund 190.000 Beschäftigten haben sie einen Anteil von ca. 16 % am Bruttoinlandsprodukt der Berliner Wirtschaft (vgl. Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen et al., 2008, S. 42,
I 04).
Kennzeichnend für die Kreativwirtschaft ist, dass hoch qualifizierte Mitarbeiter (überwiegend mit Fachhochschul- oder Universitätsstudium) häufig projektbezogen in Teams und weitgehend eigenverantwortlich, komplexe Arbeitsaufgaben bewältigen. Durch Anwendung von Informations- und Kommunikationstechnologien besteht für Unternehmen und Mitarbeiter die Möglichkeit, Arbeitsprozesse flexibel zu gestalten und unternehmensspezifische und individuelle Anforderungen zu berücksichtigen. Dieses Potenzial birgt auch Gefahren und es ist wichtig, sie im Blick zu haben. Gefahren sind beispielsweise die örtliche und zeitliche Vermischung der betrieblichen und privaten Interessen (Entgrenzung von Arbeits- und Wohnwelten sowie Entgrenzung von Unternehmensstrukturen und Arbeitsorganisationen) und die Ausdehnung der Arbeitszeiten. Denn vielfach wird die Verantwortung für die Arbeitsgestaltung vom Unternehmer an den Mitarbeiter abgegeben. Forschungsergebnisse zeigen, dass die Arbeitsbedingungen in diesen Branchen für Mitarbeiter oft hochgradig psychisch belastend sind.
Auch wenn zeitliche und fachliche Flexibilitätsanforderungen Ihre Mitarbeiter zeitweise belasten, muss dies noch keine negativen Auswirkungen haben. Wenn Mitarbeiter auf Hilfe und Ihre Unterstützung (z.B. beim Lösungsweg) und die ihrer Kollegen zurückgreifen können, ist dies für sie oft kompensierbar. Sie können darin auch unterstützt werden, indem Sie Ihnen ermöglichen, Verhaltensweisen zu verändern, um ihre eigenen Grenzen früher zu spüren, Handlungsstrategien zu entwickeln und besser für sich selbst zu sorgen.
„Ein gesunder Mitarbeiter hat einen Weg gefunden, mit dieser Stressbelastung, die ich halt nicht vermeiden kann, einigermaßen gut, für ihn gut und gesund umzugehen.“
(Geschäftsführerin eines kleinen IT-Unternehmens)
Vor welchen Herausforderungen stehen Geschäftsführer und Mitarbeiter kleiner Dienstleistungsunternehmen?
Im Folgenden nehmen wir drei zentrale Aufgabenstellungen für die Unternehmen in den Fokus:
Innovationsfähigkeit erhalten
Psychische Belastungen wahrnehmen und reduzieren
Fachkräftemangel ernst nehmen
Herausforderung: Innovationsfähigkeit erhalten
Unternehmer in der Kreativbranche haben insgesamt einen starken Innovationsdruck. Es ist ihnen bewusst, dass ihre Wettbewerbsfähigkeit davon abhängt, dass es gelingt, ihr Kreativpotenzial auszuschöpfen und innovative Produkte oder Dienstleistungen anzubieten. Hinzu kommt, dass die Halbwertzeit von Wissen dramatisch sinkt. „Lebenslanges Lernen“ gehört zum „Tagesgeschäft“. Um auf die dynamischen Marktanforderungen reagieren zu können, müssen sich Mitarbeiter in immer kürzeren Zeitspannen eigenverantwortlich neue Themenfelder aneignen.
„Der Erfolg hängt davon ab, dass wir die Nase vor dem Kunden haben. [...] Es gibt nicht den Standardjob, die Standardabläufe. Jobs, die wir vor 10 Jahren gemacht haben, gibt es nicht mehr, sie verändern sich jährlich. [...] Weil jeder Job eineneue Herausforderung und in der Regel überaus komplex ist, gi...
Inhaltsverzeichnis
Deckblatt
Titelseite
Impressum
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Kapitel 1 Potenziale und Herausforderungen kleiner Unternehmen
Kapitel 2 Warum ist Betriebliche Gesundheitsförderung sinnvoll?
Kapitel 3 Umsetzung der Gesundheitsförderung im Unternehmen
Kapitel 4 Unterstützung für Kleinunternehmen
Kapitel 5 Gesundheitsförderung – eine Frage von Kultur und Führung
Kapitel 6 Gesundheitsförderung ganz praktisch
Kapitel 7 Geeignete Partner finden
Kapitel 8 Ein Praxisbeispiel: Das InnoGema-Netzwerk
Kapitel 9 Methoden der Gesundheitsförderung
Anhang
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