|
Ohne Vordergrund keine Landschaft |
Manchem erscheint die Landschaft als Motiv als einfaches Sujet, da sie ja hübsch anzusehen und stets verfügbar ist, doch der Schein trügt gewaltig. In einem guten Landschaftsfoto kommt meist vieles zusammen: Licht und Stimmung, eine eindrucksvolle Bildkomposition, das Wissen über den Aufnahmeort und die -technik, sorgfältiges Arbeiten und offene Augen. Dem Vordergrund kommt dabei eine tragende Rolle zu.
Die Eisschollen sorgen für hübsche Strukturen im Vordergrund. Stellen Sie sich dazu im Vergleich nur eine eintönige, dunkle Wasserfläche vor. | Ardennen | 29.02.2018 | Bob Luijks | Canon 5D Mk IV, Canon 16 – 35 mm 1:4 bei 16 mm, 1,4 s, Blende 16, ISO 100
Beim klassischen Landschaftsfoto denkt man unweigerlich an den Einsatz eines Weitwinkelobjektivs. Bei einer Vollformatkamera sind das Brennweiten unter 24 mm. Bei solch großen Bildwinkeln kommt viel auf das Foto, was einerseits das Gefühl von Weite erzeugt, andererseits aber Gefahren mit sich bringt. Da alles, was sich dann mehr als einige Meter weit weg befindet, ziemlich klein abgebildet wird, passiert es nur allzu leicht, dass in großen Anteilen des Bilds nichts los ist.
Vordergrund
Hier kommt nun die wichtige Rolle des Vordergrunds zum Tragen. Ist dieser fürs Auge interessant, sorgt er dafür, dass im unteren Bildteil genug zu sehen ist. Das kann so weit gehen, dass der Rest der Landschaft auf einen kleinen schmuckvollen oberen Bildrand reduziert wird, da der Vordergrund viel Raum einnimmt.
Damit der Vordergrund deutlich genug in Erscheinung tritt, sollte er sich genügend vom restlichen Bildinhalt absetzen. Dies kann sowohl durch eine andere Struktur als auch farblich oder durch das auftreffende Licht der Fall sein. Typische Beispiele sind markante Steine in Bächen, Seerosen auf Teichen oder Farne in einem Wald. Diesen Vordergrundbildelementen gilt es dann meist sehr nah zu kommen, damit die gewünschte Bildwirkung erzielt wird. Oftmals sind damit auch tiefe Kameraperspektiven von unter einem Meter über dem Boden verbunden.
Schärfentiefe
Der Abstand zum Vordergrund ist also meist gering und der zum Rest der Landschaft eher groß. Um nun alles ausreichend scharf zu bekommen, brauchen Sie eine große Schärfentiefe. Dazu müssen Sie stark abblenden, also mit hohen Blendenwerten arbeiten. Der genaue Wert hängt vom Abstand zum Vordergrundmotiv und der verwendeten Brennweite ab. Im Internet und den App-Stores finden Sie zahlreiche sogenannte DOF-Calculators (Schärfentieferechner), die Ihnen genaue Auskunft über die Ausdehnung der Schärfenzone in Abhängigkeit von Brennweite, Blende und Aufnahmeformat liefern. Reicht das Abblenden nicht mehr aus, können Sie mehrere Aufnahmen mit unterschiedlicher Fokussierung (Focus-Stacking) machen und zu einem Bild kombinieren.
|
Bildrauschen zum Vorteil nutzen |
Die Technik wird stets weiterentwickelt. Vor allem in den letzten Jahren haben sich die Kameras in Sachen Bildrauschen bei hohen ISO-Zahlen deutlich verbessert. Wer hätte früher jemals gedacht, dass man bei ISO 12800 oder darüber hinaus noch brauchbare Fotos bekommen könnte. Ein Ende scheint hier noch nicht in Sicht und ISO-Zahlen im Millionenbereich sind greifbar nah…
Es ist noch sehr dunkel, sodass man mit dem bloßen Auge kaum etwas entdecken kann, doch die Kamera ist bereits imstande, das Rotwild zu erfassen. Das ausgeprägte Bildrauschen trägt unmittelbar zur mystischen Stimmung des Fotos bei. Nederweert | 19.09.2016 | Bob Luijks | Canon 5D Mk III, Sigma 150 – 600 mm 1:5,0 – 6,3 bei 569 mm, 1,6 s, Blende 8, ISO 1600
Lernen Sie Ihre Kamera kennen
Um mit dem Bildrauschen experimentieren zu können, sollten Sie zunächst von Ihrer Kamera wissen, wo sich deren Übergang von schwachem (aber hinnehmbarem) zu (übermäßig) starkem Bildrauschen befindet. Nehmen Sie dazu eine Bilderserie mit allen verfügbaren ISO-Zahlen auf und betrachten Sie die Ergebnisse in der 100 %-Ansicht auf Ihrem Computermonitor. Danach wissen Sie, wie weit Sie für wenig Bildrauschen gehen dürfen und ab wann Sie mit Kompromissen leben müssen.
Bildrauschen bewusst einsetzen
Sie können das Bildrauschen wie früher das Filmkorn auch absichtlich zur Unterstreichung der Bildstimmung einsetzen. Dazu zählen folgende Situationen:
- Dämmerungslicht
Zum Tagesanfang und -ende wird die Landschaft oft in geheimnisvolles Licht getaucht. Bildrauschen kann die Bildstimmung dann unterstreichen, da Details verdeckt werden und man das Hauptmotiv mehr suchen muss.
- Schwarz-Weiß
Farbliche Abweichungen, etwa durch Farbrauschen, spielen in Schwarz-Weiß-Fotos keine Rolle. Das Rauschen trägt dann direkt zur Bildstimmung bei.
- Die raue Wirklichkeit
Rauschen kann ein Foto auch etwas »ungehobelt« erscheinen lassen, was gerade bei groben Motiven wie toten Bäumen, urigen Felsen oder extremen Wetterbedingungen sehr gut wirken kann.
Arten des Bildrauschens
Farbrauschen
Das Farbrauschen erkennt man an Pixeln mit falschen Farben, oft Grün oder Rosa. Druckt man diese Bilder groß aus, sodass man jedes Pixel sieht, kann das schon sehr stören, vor allem vor dunklen Hintergründen.
Luminanzrauschen
Bei dieser Form des Bildrauschens gibt es abweichende Helligkeitswerte bei einigen Pixeln, was dem Filmkorn in der Wirkung am nächsten kommt. Es fällt im Vergleich zum Farbrauschen weniger ins Gewicht und wirkt sich hauptsächlich auf die Detailzeichnung aus.
| Es gibt kein schlechtes Wetter |
Nur zu gern beklagen sich Fotografen über schlechtes Wetter. Scheint die Sonne, ist ihnen das Licht zu hart. Ist es hingegen bewölkt und grau, ist das Licht zu flach. Es ist daher eine Kunst, sich den Wetterbedingungen anzupassen und immer etwas zum Fotografieren zu finden. Schließlich bringt jedes Wetter seine eigenen Qualitäten mit.
Wirklich schlechtes Wetter ist oftmals das beste Fotowetter. Dunkle Wolken, die sich mit aufklarendem Himmel mischen, in Verbindung mit starkem Wind, der den Sand vor sich hertreibt, ergeben zusammen einen fotografischen Leckerbissen. | Texel | 25.04.2017 | Bob Luijks | Canon ...