Wie wird geschlechtliche und sexuelle Vielfalt im Rahmen der (schulischen) Sexualerziehung thematisiert?Wie kann Sexualerziehung an Schulen die existierende Vielfalt der Geschlechter, Sexualitäten und Lebensformen aufgreifen und damit allen Schüler_innen gerecht werden? Welchen Herausforderungen sieht sich Sexualerziehung inner- wie außerhalb von Schulen in Anbetracht von geschlechtlicher und sexueller Diversität gegenüber? Und was können die Aufgaben von Sexualpädagogik in Hinblick auf lesbische, schwule, trans- und intergeschlechtliche Lebensweisen sein?Diese Fragen greifen Elisabeth Tuider und Martin Dannecker auf. Tuider analysiert die neue Salonfähigkeit von Homophobie und Antifeminismus am Beispiel der medialen und öffentlichen Debatten über die Sexualpädagogik der Vielfalt unter dem Stichwort »#HateSpeech". Martin Dannecker erörtert die Frage, was theoretisch mit dem Begriff Sexualisierung gemeint ist und welche Aufgaben für die Sexualpädagogik durch die Sexualisierung unserer Kultur entstehen.

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Das Recht auf Vielfalt
Aufgaben und Herausforderungen sexueller Bildung
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Das Recht auf Vielfalt
Aufgaben und Herausforderungen sexueller Bildung
Über dieses Buch
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Information
Anmerkungen
Elisabeth Tuider: #hatespeech
[1] Butler, Judith: Haß spricht. Zur Politik des Performativen. Berlin 1997, S. 230.
[2] Gegenwärtige sexualwissenschaftliche Analysen sprechen nicht mehr von Sexualität sondern im Plural von Sexualitäten (Vgl. z. B. Schmidt, Gunter/Matthiesen, Silja/Dekker, Arne/Starke, Kurt: Spätmoderne Beziehungswelten. Report über Partnerschaft und Sexualität in drei Generationen. Wiesbaden 2006; Lenz, Karl/Funk, Heide: Sexualitäten: Entgrenzung und soziale Problemfelder. Eine Einführung. In: Funk, Heide/Lenz, Karl (Hg.): Sexualitäten. Diskurse und Handlungsmuster im Wandel. Weinheim/München 2005, S. 7-54; Hartman, Jutta: Dimensionen sexueller Diversität – queere und intersektionale Perspektiven. In: Klein, Alexandra/Tuider, Elisabeth [Hg.]: Sexualität und Soziale Arbeit. Hohengehren 2015). Denn sexuelle Begehren, sexuelle Praktiken, Stile und Präferenzen, Phantasien sowie Liebes-, Beziehungs- und Lebensformen sind divers und vervielfältigt, und diese Vielfalt hat sich auch normalisiert. So fassen zeitdiagnostische Analysen zum soziogesellschaftlichen Wandel von Sexualitätsnormen und -verständnissen sowie zu den Transformationen aktueller Sexualitätenverhältnisse dieselben u. a. unter den Konzepten »Metrosexualität« (Simpson, M.: It’s a Queer World. London 1996), »Postsexualität« (Berkel, Irene [Hg.]: Postsexualität. Zur Transformation des Begehrens. Gießen 2009) oder »Neosexualität« (Sigusch, Volkmar: Neosexualitäten. Über den kulturellen Wandel von Liebe und Perversion. Frankfurt a. M. 2005) zusammen. Dabei sei auch die Grenze zwischen Norm und Abnormität sowie zwischen Privatheit und Öffentlichkeit verschoben, die »alten Perversionen« (Sigusch, Neosexualitäten, S. 101) seien entmystifiziert, enttabuisiert, aber auch kommerzialisiert und banalisiert worden: »Sexuelle Empfindungsweisen, die früher der Heterosexualität, der Homosexualität oder der Perversion zugeschlagen worden sind, weil keine anderen Raster zur Verfügung standen, treten aus deren Bannkreis heraus, definieren und pluralisieren sich selbst als Lebensweisen. Alte Krankheitsidentitäten wie Sadomasochismus oder Transsexualismus zerfallen und treten als Neosexualitäten oder Neogeschlechter auf den Plan.« (ebd., S. 36)
[3] Foucault, Michel: Der Wille zum Wissen: Sexualität und Wahrheit. Band 1. Frankfurt a. M. 1983, S. 38 f.
[4] Diskurse wirken auf einzelne Äußerungen anordnend, strukturierend und regulierend, da sie Aussagen, Konzepte und Begriffe, Sprecher_innenpositionen und Perspektiven zueinander in Beziehung setzen und darüber formatieren, d. h. Wahrnehmungen generieren und Wissensgegenstände kreieren.
[5] Butler, Haß spricht.
[6] Kluge, Norbert: Sexuelle Bildung: Erziehungswissenschaftliche Grundlegung, in: Schmidt, Renate-Berenike/Sielert, Uwe (Hg.): Handbuch Sexualpädagogik und sexuelle Bildung. 2. Aufl., Weinheim 2013, S. 116-124, hier S. 119.
[7] Vgl. Schmidt/Sielert (Hg.), Handbuch Sexualpädagogik und sexuelle Bildung.
[8] Schetsche, Michael/Schmidt, Renate-Berenike (Hg.): Sexuelle Verwahrlosung. Empirische Befunde – Gesellschaftliche Diskurse – Sozialethische Reflexionen. Wiesbaden 2010.
[9] Vgl. Henningsen, Anja: Sexualpädagogik als Profession – ein Zustandsbericht. In: Sozialmagazin »Sexualpädagogik« 1/2 (2015), S. 48-55; sowie Henningsen, Anja (2015b): Sexualpädagogik und Gewaltprävention – eine Verhältnisbestimmung. In: dies./Tuider, Elisabeth/Timmermanns, Stefan (Hg.): Sexualpädagogik kontrovers. Weinheim 2016.
[10] Valtl, Karlheinz: Sexuelle Bildung: Neues Paradigma einer Sexualpädagogik für alle Lebensalter, in: Schmidt/Sielert (Hg.), Handbuch Sexualpädagogik und sexuelle Bildung, S. 125-140.
[11] Ebd., S. 128.
[12] Z. B. Sigusch, Volkmar: Sexualitäten. Eine kritische Theorie in 99 Fragmenten. Frankfurt a. M. 2013; Schmidt u. a., Spätmoderne Beziehungswelten.
[13] Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Jugendsexualität. Wiederholungsbefragung von 14- bis 17jährigen und ihren Eltern. Köln 2010; Weller, Konrad: Partner 4. Sexualität & Partnerschaft ostdeutscher Jugendlicher im historischen Vergleich. 2013. URL: http://www.ifas-home.de/downloads/PARTNER4_Handout_06%2006.pdf (abgerufen am 15.9.2015). Hinsichtlich der sexuellen Orientierung/Identität zeigen sexualwissenschaftlichen Studien eine Veränderung hin zu einem »doing sexual biography« auf, sodass eine ein für allemal festgelegte sexuelle Identität nun als biographisch veränderbar angesehen wird: Charakterisierten sich 1990 noch 73 % aller jungen Frauen als »ausschließlich heterosexuell«, so sind es gegenwärtig 58 %, d. h. 42 % der befragten Mädchen verorten sich multisexuell und schließen unterschiedliche sexuelle Orientierungen in ihre Lebens- und Sexualitätsentwürfe mit ein. Jungen definieren sich konstanter und ausschließlicher über den Vergleichszeitraum hinweg mit 85 % als ausschließlich heterosexuell (Vgl. Weller, Partner 4). Nicht nur die mediale und alltägliche Präsenz sondern auch die Akzeptanz gegenwärtiger sexueller Vielfalt ist dabei deutlich gestiegen: 1990 konnten sich 29 % der Jungen und 56 % der Mädchen, 2013 62 % der befragten Jungen und 91 % der jungen Frauen eine Freundschaft mit einem Homosexuellen vorstellen (vgl. ebd.). Homosexualität scheint also gerade für Mädchen nicht mehr bedrohlich zu sein, sondern vielmehr ein Faktum im Spektrum der gelebten Sexualitäten.
[14] Hartmann, Jutta: Queere Professionalität als Haltung des Infragestellens und Dynamisierens – zur Dekonstruktion geschlechtlicher und sexueller Identität in der Sozialen Arbeit, in: Sozialmagazin 3/4 (2014): Queerfeldein durch die Soziale Arbeit, S. 22-29.
[15] Z. B. LesMigras: Gewalt- und Mehrfachdiskriminierung von lb_fT*. Zusammenfassung der Ergebnisse, 2010. URL: http://www.lesmigras.de/tl_files/lesmigras/kampagne/Studie_Zusammenfassung_LesMigraS.pdf (abgerufen am: 20.9.2015).
[16] IPPF (International Planed Parenthood Federation): Sexuelle Rechte: Eine IPPF-Erklärung. Eine Welt voll Möglichkeiten durch Entscheidungsfreiheit. London 2009.
[17] Vgl. dazu Claus, Robert (2014): Maskulismus. Antifeminismus zwischen vermeintlicher Salonfähigkeit und unverhohlenem Frauenhass. URL: library.fes.de/pdf-files/dialog/10861.pdf; Rosenbrock, Hinrich: Die antifeministische Männerrechtsbewegung. Denkweisen, Netzwerke und Online-Mobilisierung. Band 8., Berlin 2012; sowie Teidelbaum, Lucius: »Kein Bildungsplan unter der Ideologie des Regenbogens«. Homo- und transphobe Straßenproteste gegen den Entwurf eines neuen Bildungsplans in Stuttgart. In: Billmann, Lucie (Hg.): Unheilige Allianzen. Das Geflecht von christlichen Fundamentalisten und politisch Rechten am Beispiel des Widerstands gegen den Bildungsplan in Baden-Württemberg. Berlin 2015, S. 6-14.
[18] Claus, Maskulismus, S. 79.
[19] Frey, Regina/Gärtner, Marc/Köhnen, Manfred/Scheele, Sebastian: Gender, Wissenschaftlichkeit und Ideologie. Argumente im Streit um Geschlechterverhältnisse. Berlin 2014.
[20] Vgl. Lang, Juliane: Familie und Vaterland in der Krise. Der extrem rechte Diskurs um Gender. In: Hark, Sabine/Villa, Paula (Hg.): Anti-Genderismus. Sexualität und Geschlecht als Schauplätze aktueller politischer Auseinandersetzungen. Bielefeld 2015, S. 167-181; Kemper, Andreas: Keimzelle der Nation? Familien- und geschlechterpolitische Positionen der AfD – eine Expertise. URL: library.fes.de/pdf-files/dialog/10641-20140414.pdf (abgerufen am 15.9.2015). Die AfD hat Anti-Feminismus seit jeher im Parteiprogramm: »Gender-Wahn stoppen!!« (Wahlkampfslogan 2013).
[21] Die diskursiven Anlässe im EU-Kontext des Antifeminismus in Deutschland wurden von Andreas Kemper (siehe Anm. 20) beschrieben.
[22] https://www.openpetition.de/petition/online/zukunft-verantwortung-lernen-kein-bildungsplan-2015-unter-der-ideologie-des-regenbogens (abgerufen am 16.11.2015).
[23] Glück, Gerhard/Scholten, Andrea/Strötges, Gisela: Heiße Eisen in der Sexualerziehung. Wo sie stecken und wie man sie anfaßt. Weinheim 1990.
[24] Der Titel der Sendung lautete: »Homosexualität auf dem Lehrplan: Droht moralische Umerziehung?« (8.2.2014)
[25] Mit der »Kasseler Soziologin« war die Autorin des vorliegenden Beitrag...
Inhaltsverzeichnis
- Umschlag
- Titel
- Impressum
- Inhalt
- Geleitwort der Reihenherausgeberin
- Vorwort
- Elisabeth Tuider: #hatespeech: Wenn antifeministisches und rassistisches Sprechen zur Norm(alität) wird
- Martin Dannecker: Was heißt Sexualisierung? Aufgaben der Sexualpädagogik in Zeiten des Internets
- Anmerkungen
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