Im Zuge der verstärkten Auseinandersetzung mit globalgeschichtlichen Ansätzen hat die Erforschung von Verflechtungsprozessen in den letzten Jahren eine Konjunktur erlebt. Allerdings sind die meisten Arbeiten, die sich mit wechselseitigen Austauschprozessen zwischen verschiedenen Bevölkerungs- und Religionsgruppen befassen, der Moderne gewidmet. Zur Schließung dieser Lücke möchte der Sammelband beitragen, indem er neuere Forschungsansätze zur transkulturellen Verflechtung vorstellt und daraus abgeleitete Fragestellungen auf das Mittelalter und die Frühe Neuzeit anwendet. Die einzelnen Beiträge gehen dabei der Frage nach, unter welchen Voraussetzungen sich Verflechtungen zwischen unterschiedlichen 'Kulturen', Regionen und sozialen Gruppen ereigneten, worin sich diese Verflechtungen zeigten und ob bzw. wie diese wahrgenommen wurden. Ferner richten die Beiträge den Blick auf Trägergruppen von Verflechtungsprozessen sowie auf Objekte, die als Bedeutungsträger solche Prozesse konstituierten. Somit ist der Band für all diejenigen von Interesse, die sich für die Erforschung der vielschichtigen Beziehungen zwischen Christen, Juden und Muslimen sowie zwischen Europa und der außereuropäischen Welt in der Vormoderne interessieren.

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Transkulturelle Verflechtungsprozesse in der Vormoderne
- 310 Seiten
- German
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Transkulturelle Verflechtungsprozesse in der Vormoderne
Über dieses Buch
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Information
Fußnoten
| 1 | Vgl. Andrea KOMLOSY, Globalgeschichte. Methoden und Theorien (UTB 3564), Wien, Köln, Weimar 2011, S. 63. |
| 2 | Zur Geschichte des Historischen Vergleichs vgl. Hartmut KAELBLE, Der internationale Vergleich seit den 1970er Jahren, in: Thies SCHULZE (Hg.), Grenzüberschreitende Religion. Vergleichs- und Kulturtransferstudien zur neuzeitlichen Geschichte, Göttingen 2013, S. 26–40. Zur vergleichenden Geschichtswissenschaft als Ganzer vgl. den Sammelband Heinz-Gerhard HAUPT u. Jürgen KOCKA (Hgg.), Geschichte und Vergleich. Ansätze und Ergebnisse international vergleichender Geschichtsschreibung, Frankfurt a. M., New York 1996; zum Historischen Vergleich in der Mediävistik Michael BORGOLTE, Mediävistik als vergleichende Geschichte Europas, in: Hans-Werner GOETZ u. Jörg JARNUT (Hgg.), Mediävistik im 21. Jahrhundert. Stand und Perspektiven der internationalen und interdisziplinären Mittelalterforschung (MittelalterStudien des Instituts zur Interdisziplinären Erforschung des Mittelalters und seines Nachwirkens, Paderborn 1), München 2003, S. 313–323. |
| 3 | Vgl. Hannes SIEGRIST, Perspektiven der vergleichenden Geschichtswissenschaft. Gesellschaft, Kultur und Raum, in: Hartmut KAELBLE u. Jürgen SCHRIEWER (Hgg.), Vergleich und Transfer. Komparatistik in den Sozial-, Geschichts- und Kulturwissenschaften, Frankfurt a. M., New York 2003, S. 305–339, hier S. 314. |
| 4 | Vgl. KAELBLE (Anm. 2), S. 35. |
| 5 | Vgl. SIEGRIST (Anm. 3), S. 316f. Fortan untersuchte die vergleichende Geschichtswissenschaft u. a. „Prozesse der Nachahmung, umdeutenden Aneignung und Hybridisierung von institutionellen Mustern, sozialen Formen und Praktiken sowie von Begriffen, Deutungshorizonten und Diskursen, die von einem Raum bzw. Sinnzusammenhang in einen zweiten oder dritten transferiert werden.“ |
| 6 | Vgl. zur Kombination von Vergleich und Transfer Hartmut KAELBLE, Die Debatte über Vergleich und Transfer und was jetzt?, in: H-Soz-u-Kult, 08.02.2005, URL: http://www.hsozkult.de/article/id/artikel-574 [letzter Zugriff: 20.02.2015]. |
| 7 | Vgl. aus der Fülle der Literatur zur Kulturtransferforschung zusammenfassend und mit Beispielen aus dem Bereich der mittelalterlichen bzw. byzantinischen Geschichte versehen Stamatios GEROGIORGAKIS, Roland SCHEEL u. Dittmar SCHORKOWITZ, Kulturtransfer vergleichend betrachtet, in: Michael BORGOLTE u. a. (Hgg.), Integration und Desintegration der Kulturen im europäischen Mittelalter (Europa im Mittelalter 18), Berlin 2011, S. 385–466. Eine Gesamtstudie zur mittelalterlichen Geschichte, die das Konzept des Kulturtransfers fruchtbar anwendet, ist Dominik WASSENHOVEN, Skandinavier unterwegs in Europa (1000–1250). Untersuchungen zu Mobilität und Kulturtransfer auf prosopographischer Grundlage (Europa im Mittelalter 8), Berlin 2006, die aus dem Erlanger Graduiertenkolleg 516 „Kulturtransfer im europäischen Mittelalter“ hervorgegangen ist. |
| 8 | Vgl. Christiane EISENBERG, Kulturtransfer als historischer Prozess. Ein Beitrag zur Komparatistik, in: KAELBLE u. SCHRIEWER (Anm. 3), S. 399–417, hier S. 402f. |
| 9 | Matthias MIDDELL, Von der Wechselseitigkeit der Kulturen im Austausch. Das Konzept des Kulturtransfers in verschiedenen Forschungskontexten, in: Andrea LANGER u. Georg MICHELS (Hgg.), Metropolen und Kulturtransfer im 15./16. Jahrhundert. Prag – Krakau – Danzig – Wien, Stuttgart 2001, S. 15–51, hier S. 17. |
| 10 | Vgl. Peter BURKE, Kultureller Austausch (Erbschaft unserer Zeit 8), Frankfurt a. M. 2000, S. 16: „Ob nun der Schwerpunkt auf Tradition oder Rezeption gelegt wurde, stets setzte man voraus, dass dasjenige, was aufgenommen wird, dasselbe sei wie das Abgegebene.“ |
| 11 | Ebd., S. 17. |
| 12 | Thomas von Aquin, Summa Theologica. Vollständige, ungekürzte deutsch-lateinische Ausgabe, Bd. 6, Salzburg, Leipzig 1937, I, 75, 5: Manifestum est enim quod omne quod recipitur in aliquo, recipitur in eo per modum recipientis. |
| 13 | MIDDELL (Anm. 9), S. 18. |
| 14 | Ebd. und EISENBERG (Anm. 8), S. 399: „Wie sie [= die Empfänger] dem ‚fremden‘ Import Bruchstücke entnehmen, bearbeiten und derart mit der ‚eigenen‘ Kultur zusammenfügen, dass insgesamt etwas Neues, Traditionen Veränderndes hergestellt wird: das zu rekonstruieren, ist das Anliegen dieser Forschungsrichtung.“ |
| 15 | Vgl. EISENBERG (Anm. 8), S. 399. |
| 16 | BURKE (Anm. 10), S. 13. |
| 17 | Vgl. zu diesem Kritikpunkt Florian HARTMANN u. Kerstin RAHN, Kulturtransfer – Akkulturation – Kulturvergleich. Reflexionen über hybride Konzepte, in: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken 90 (2010), S. 470–492, hier S. 482. |
| 18 | EISENBERG (Anm. 8), S. 399. Hervorhebung W. D. / C. S. |
| 19 | Vgl. BURKE (Anm. 10), S. 13. |
| 20 | Vgl. Hans-Jürgen LÜSEBRINK, Kulturtransfer – methodisches Modell und Anwendungsperspektiven, in: Ingeborg TÖMMEL (Hg.), Europäische Integration als Prozess von Angleichung und Differenzierung, Opladen 2001, S. 211–226. |
| 21 | Unter diesem offenen und weiten Verständnis von ‚Kulturtransfer‘, das auch Ansätze der Verflechtungsgeschichte und der histoire croisée einschließt, wird das Konzept beispielsweise im Sammelband SCHULZE (Anm. 2) gefasst. Vgl. dazu DERS., Einleitung, in: ebd., S. 9–25, hier S. 19f. Dass die Transferforschung jedoch auch mit dieser Erweiterung der Perspektive noch längst nicht ihr Ende erreicht hat, konstatierte 2005 Hartmut KAELBLE. In diesem Zusammenhang wies er auch noch auf weitere offene Fragen im Zusammenhang mit Transfer- und Vergleichsforschung hin, vgl. DERS. (Anm. 6), ohne Paginierung: „Bisher hat in dieser Debatte auch noch niemand eingehend versucht, die Wissenschaftsgeschichte des historischen... |
Inhaltsverzeichnis
- Cover
- Titelseite
- Impressum
- Inhaltsverzeichnis
- Transkulturelle Verflechtungsprozesse in der Vormoderne. Zur Einleitung
- Transkulturelle Wahrnehmungsprozesse und Diskurse
- Transkulturelle Verflechtungsprozesse in der materiellen Kultur
- Konzeptionelle Überlegungen
- Autorenverzeichnis
- Register
- Fußnoten
Häufig gestellte Fragen
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