Mit dem nur wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg unternommenen Versuch einer Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) unter westdeutscher Beteiligung betraten die sechs Mitgliedstaaten der Montanunion völliges Neuland. Es sollte eine mit umfassenden Kompetenzen ausgestattete multinationale Rüstungsverwaltung entstehen, um gleichermaßen die westdeutsche Aufrüstung zu kontrollieren und die Rüstungsanstrengungen der Westeuropäer zu koordinieren - mit dem Ziel, hohe Stückzahlen und maximale Qualität zu günstigen Preisen zu produzieren. Florian Seiller untersucht aus deutscher und französischer Perspektive die teilweise gegenläufigen Interessen der Akteure: Regierungen, Militärs, Rüstungsfachleute und Wirtschaftsverbände. Die in den Plandokumenten niedergelegten Kompromisse vermitteln einen bis heute unerreichten Grad europäischer Integration. Mit der Weiterentwicklung der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GSVP) der Europäischen Union steht das Thema der Militär- und Rüstungsintegration wieder auf der Tagesordnung.

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Rüstungsintegration
Frankreich, die Bundesrepublik Deutschland und die Europäische Verteidigungsgemeinschaft 1950 bis 1954
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Rüstungsintegration
Frankreich, die Bundesrepublik Deutschland und die Europäische Verteidigungsgemeinschaft 1950 bis 1954
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20th Century HistoryZum Autor
Dr. phil. Florian Seiller, Jahrgang 1977; 1997/98 Bundeswehr; 1998−2004 Studium der Mittleren und Neueren Geschichte, Politikwissenschaft und Anglistik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der University of Glasgow (Magister Artium); 2005−2008 Promotionsstipendiat der Hanns-Seidel-Stiftung e.V.; seit 2010 Wissenschaftlicher Mitarbeiter in einem Abgeordnetenbüro des Deutschen Bundestages; 2011 Promotion zum Dr. phil. an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.
Veröffentlichungen u.a.: »Zusammenarbeit kann man das nicht nennen!«? Die Anfänge der deutsch-französischen Rüstungskooperation im konventionellen Bereich, 1955−1966. In: Militärgeschichtliche Zeitschrift, 67 (2008), 1, S. 53−104; Les négociations sur la production de licences des avions Fouga Magister et Noratlas: Un exemple concret des débuts de la coopération franco-allemande en matière d’armement dans les années 1950. In: Histoire, Économie & Société, 29 (2010), 4, S. 19−36; Zwischen » Indépendance nationale« und »Europe de la Défense«: Die Rüstungspolitik Frankreichs nach 1945. In: Militärisch-industrieller Komplex oder Rüstungsinterventionismus –Rüstung in Nordamerika und Europa nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Auftrag des ZMSBw hrsg. von Dieter H. Kollmer, erscheint 2015.
1
Seit 1.10.2012 Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw).
2
Seit 13.1.2010 Secrétariat Générale de la Défense et de la Sécurité Nationale (SGDSN).
3
Vertrag von Amsterdam, S. 173; Vertrag von Nizza, S. 165 f. Im Vertrag über die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (1957) und im Vertrag von Maastricht (1992) war der betreffende Art. als Art. 223 enthalten. Vgl. Vertrag von Maastricht, S. 263. Im Vertrag von Lissabon (2007) lebte Art. 296 als Art. 346 fort. Vgl. Eisenhut, Europäische Rüstungskooperation, S. 127.
4
Vgl. Algieri/Bauer, Die Festschreibung mitgliedstaatlicher Macht, S. 146 f.; Eisenhut, Europäische Rüstungskooperation, S. 87; Küllmer, Die Umgestaltung der europäischen Streitkräfte, S. 112 f.
5
So bereits in Bezug auf Art. 223 EWG-Vertrag: Eisenhut, Europäische Rüstungskooperation, S. 129.
6
Vgl. Enders/Rohde, Europäischer Rüstungsmarkt, S. 282−284; Grams, Transatlantische Rüstungskooperation, S. 64−68.
7
Siehe Bauer, Armoured Fighting Vehicles; Bertges, Der fragmentierte europäische Verteidigungsmarkt, S. 167−195; Masson/Paulin, Perspectives d’évolution de l’industrie, S. 104−108, 124−126; Paulin, L’industrie européenne des véhicules blindés; Paulin, L’industrie terrestre européenne.
8
Siehe Masson, Le cadre institutionnelle; Burigana/Deloge, Standardisation et production coordonnée, S. 338−341; DeVore, Organizing International Armaments Cooperation.
9
Einen guten Einblick in die vielschichtigen Probleme bieten der Sammelband Histoire de la coopération européenne, und Grams, Transatlantische Rüstungskooperation.
10
Aus der mittlerweile kaum noch überschaubaren Fülle an Literatur zur Entwicklung der ESVP/ GSVP seien an dieser Stelle genannt: Algieri, Die Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EU; Argenson, The Future of European Defence Policy; Chancen und Grenzen; Diedrichs, Die gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EU; Die europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik; Die Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EU; Heisbourg, European Defence; Europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik; Howorth, European Integration and Defence; Kielmansegg, Die Verteidigungspolitik; Koutrakos, The EU Common Security; Salmon/Shepherd, Toward a European Army.
11
Zu Aufgaben und Arbeitsweise von OCCAR siehe Küllmer, Die Umgestaltung der europäischen Streitkräfte, S. 102−109; Neve/Mathieu, Les Armées d’Europe, S. 158−163; Eisenhut, Europäische Rüstungskooperation, S. 68−76; Sauvaget, L’OCCAR a dix ans.
12
Zur EDA vgl. Bátora, European Defence Agency; Chang, European Defence Agency; Eisenhut, Europäische Rüstungskooperation, S. 108−111, 245−257; Küllmer, Die Umgestaltung der europäischen Streitkräfte, S. 124−138; Masson/Paulin, Perspectives d’évolution de l’industrie, S. 177−182.
13
Siehe dazu Eisenhut, Europäische Rüstungskooperation, S. 111−120; Mölling/Brune, The Impact of the Financial Crisis, S. 29 f.; Koutrakos, The EU Common Security, S. 264−276; Lambsdorff, EU Rüstungsbeschaffung, S. 232−235.
14
Vgl. DeVore, Organizing International Armaments Cooperation, S. 442; Eisenhut, Europäische Rüstungskooperation, S. 60-63.
15
Vgl. Art. 101−111 EVG-Vertrag. Der EVG-Vertrag ist abgedruckt in: Bundesgesetzblatt (BGBl.) 1954, II, S. 345−410; Die Vertragswerke von Bonn und Paris vom Mai 1952, S. 181−342. Zur Vereinfachung der Zitierweise werden in der vorliegenden Arbeit lediglich die betreffenden Vertragsartikel angegeben.
16
Vgl. EA 1953, S. 935−937, hier S. 937: Europarede Schuman an der Johannes Gutenberg–Universität Mainz, Teil 2, 21.5.1953.
17
Lappenküper, Die deutsch-französischen Beziehungen, Bd 1, S. 498.
18
Siehe ebd., S. 1141−1144; Lefèvre, Les relations économiques franco-allemandes, S. 376−386.
19
Zur Bedeutung der Rüstungszusammenarbeit in den deutsch-französischen Beziehungen in den 1950/60er Jahren siehe Bossuat, Armements et relations franco-allemandes; Lappenküper, Die deutsch-französischen Beziehungen, Bd 1, S. 1139−1199; Seiller, »Zusammenarbeit kann man das nicht nennen!«? – Eine Betrachtung der deutsch-französischen Rüstungskooperation in ökonomischem und strategischem Kontext: Kollmer, German-French Armaments Cooperation; Kollmer, Zwischen Zahlungsbilanzüberschuss und Skalenerträgen.
20
Die komplizierten und langwierigen Verhandlungen über den Rüstungspool und den Ständigen Rüstungsausschuss der WEU (September 1954 bis Mai 1955) können im Rahmen dieser Arbeit nicht in allen Facetten behandelt werden. Einen guten Überblick bieten Lappenküper, Die deutsch-französischen Beziehungen, Bd 1, S. 1145−1151, und Calandri, The Western European Armaments Pool. Äußerst umfangreiche Aktenbestände finden sich in: Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch), BW 9/165, 166, 652, 987, 989, 2665-1, 2665-2, 2665-3, 2666-1, 2666-2, 2667-1, 2667-2, 2668-1, 2668-2, 2668-3, 2668-4, 2668-5, 2669; Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes (PA-AA), B 14-211/41, 58, 80−97.
21
Mit dem Inkrafttreten des EU-Vertrags von Lissabon am 1.1.2010 wurde die ESVP in Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GSVP) umbenannt.
22
Krüger/Eisenecker, Auf dem Weg zu einer europäischen Armee?, S. 201.
23
Vgl. Eisenhut, Europäische Rüstungskooperation, S. 63.
24
Siehe dazu die zahlreichen Beiträge von Politikern, (Ex-)Militärs, Wissenschaftlern und Industrievertretern im Sammelband Eine einsatzfähige Armee für Europa.
25
Vgl. Clemens/Reinfeldt/Wille, Geschichte der europäischen Integration, S. 15−22; Jütten, Europäische Integration, S. 17−23; Thiemeyer, Europäische Integration, S. 9. Zur Begriffsgeschichte in der Frühphase des Integrationsprozesses (1947−1950): Herbst, Die zeitgenössische Integrationstheorie.
26
Siehe Hughes, Turkey’s Accession; Öner, Turkey and the EU; Paasche, Europa und die Türkei.
27
Bieling/Lerch, Theorien der europäischen Integration, S. 13.
28
Vgl. Giering/Metz, Integrationstheorie...
Inhaltsverzeichnis
- Entstehung und Probleme des Atlantischen Bündnisses
- Titel
- Widmung
- Impressum
- Inhaltsverzeichnis
- Vorwort
- Danksagung
- I. Einleitung
- II. Das Projekt einer Europäischen Verteidigungsgemeinschaft, 1950–1954
- III. Militärische und rüstungswirtschaftliche Rahmenbedingungen
- IV. Die Verhandlungen über die Rüstungsklauseln des EVG-Vertrags, 1950–1952
- V. Rüstungskooperation in Westeuropa, 1949-1954
- VI. Zwischen Integrationszwang und nationalen Interessen: Die Haltung der französischen Streitkräfte zur EVG-Rüstungsintegration
- VII. Die Positionen der Wirtschaftsverbände
- VIII. Die Rüstungsplanungen im EVG-Interimsausschuss,1952–1954: Ein Überblick
- IX. Rüstungsintegrationspläne in der Endphase und nach dem Scheitern der EVG
- X. Ausblick: Die Europäische Union auf den Spuren der EVG?
- XI. Schlussbetrachtung
- Abkürzungen
- Quellen- und Literaturverzeichnis
- Personenregister
- Zum Autor
Häufig gestellte Fragen
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