VIIEinführung in die Differentialrechnung
Im vorliegenden Kapitel beschäftigen wir uns mit einem der Hauptthemen der Mathematik in der Schule und zu Beginn eines entsprechenden Studiums: Einer ausführlichen Behandlung der Differentialrechnung. Von Newton und Leibniz entwickelt, ist sie aus den Naturwissenschaften und der Mathematik nicht mehr wegzudenken. Wir wollen uns hier Schritt für Schritt an dieses interessante Gebiet heranwagen und versuchen, gewisse Fertigkeiten zu entwickeln und zu schulen, welche wichtige Grundlagen für ein Fortschreiten in der mathematischen Welt darstellen.
VII.1Vom Differenzen- zum Differentialquotienten
Möchten wir die Steigung einer Funktion in einem Intervall [a; b] ermitteln, so verwenden wir die Formel für die Steigung, die schon bei den linearen Funktionen zum Einsatz kam.
Die (durchschnittliche) Änderungsrate
Im Intervall [a; b] hat eine Funktion, beschrieben durch ihren Funktionsterm f(x), die Steigung
Diese Steigung nennen wir die (durchschnittliche) Änderungsrate der Funktion f im Intervall [a; b] oder einfach nur den Differenzenquotienten.
Wenn wir uns das in einem Beispiel anschauen (Abbildung VII.1.1), erkennen wir, dass der Graph der Funktion f von der Geraden, die durch die Punkte K(b/f(b)) und S(a/f(a)) geht, in mindestens zwei Punkten, den eben genannten, geschnitten wird. Möchten wir eine genauere Steigung bzw. Änderungsrate haben, so müssen wir das Intervall kleiner wählen. Dieses Vorgehen können wir auf die Spitze treiben, indem wir den einen der beiden Punkte immer näher an den anderen heransetzen. Diesen Vorgang nennen wir dann Grenzübergang. Sofern der Grenzwert existiert, bezeichnen wir ihn als die Ableitung der Funktion f an der gewählten Stelle x0 des festgehaltenen Punktes. Allgemein lässt sich so die Ableitung einer Funktion berechnen.
Abbildung VII.1.1: Skizze zur durchschnittlichen Änderungsrate einer Funktion f auf dem Intervall [a; b].
Anmerkung
Eine Gerade, die den Graphen einer Funktion schneidet, nennen wir Sekante, eine die ihn in einem Punkt berührt Tangente an das Schaubild der Funktion in diesem Punkt.
Zum Merken – Der Weg zum Differentialquotienten
Wir legen einen Punkt K (x0/ f(x0)) fest. Anschließend setzen wir den zweiten Punkt immer näher an diesen heran. Wir schreiben: x → x0. Wir können den Differenzenquotienten nun auf zwei Arten bilden, um ihn dann mittels eines Grenzübergangs zum Differentialquotienten umzuwandeln und somit die Ableitung der Funktion zu erhalten.
•Die x-Methode
Wir bilden den Differenzenquotienten auf folgende Weise:
Dann machen wir den Grenzübergang und schreiben deswegen:
Existiert der Grenzwert (muss nicht immer so sein), dann erhalten wir den Differentialquotienten/die Ableitung f′(x0) (lies: f Strich von x0).
•Die h-Methode
Wir bilden den Differenzenquotienten auf folgende Weise:
Dabei ist h ∈ R. Nun machen wir den Grenzübergang:
Existiert der Grenzwert, so haben wir wieder die Ableitung von f an der Stelle x0 erhalten:
Beispiele – Beide Methoden im Ver...