Modul 2.1
Makroökonomie
1 Makroökonomische Analyse
1.1 Definition von Makroökonomie
Bevor wir uns eingehender mit der Makroökonomie beschäftigen, möchte ich einen kurzen Rückblick auf Band I geben und resümieren, was dort „passiert“ ist und in Abgrenzung oder auch Erweiterung dessen die Überleitung in diesen Band zum Themenbereich ‚Makroökonomie, Geld und Währung‘ vornehmen.
Band I: Einführung in die Volkswirtschaftslehre, Mikroökonomie und Wettbewerbspolitik
Inhalt von Band I ist eine Einführung in die Grundlagen und Grundbegriffe der volkswirtschaftlichen Welt sowie eine Schwerpunktsetzung in der mikroökonomischen Analyse und der Wettbewerbspolitik.
Modul 1.1: Einführung in die Volkswirtschaftslehre
- Bedeutung und Grundlagen der Ökonomie
- Das Marktmodell
- Marktversagen und öffentliche Güter
- Adam Smith und die Entstehung und Entwicklung der Volkswirtschaftslehre
- Das Konzept des abnehmenden Grenznutzens (mikroökonomischer Ansatz)
- John Maynard Keynes und der Arbeitsmarkt (makroökonomischer Ansatz)
- Ludwig Erhard und die Soziale Marktwirtschaft
- Stabilitätsgesetz und magisches Viereck
Modul 1.2: Mikroökonomie und Wettbewerbspolitik
- Bestimmungsfaktoren der Nachfrage
- Bestimmungsfaktoren des Angebots
- Produktions- und Kostentheorie
- Entscheidungs- und Maximierungsstrategien der Unternehmen
- Die Spieltheorie
- Unternehmenskonzentration
- Wettbewerbspolitik
Die Mikroökonomie und die Makroökonomie haben eine große Gemeinsamkeit und sind doch so verschieden. Beide gehören zur Theorie der Volkswirtschaftslehre – im Gegensatz zur Wirtschaftspolitik (wobei es auch eine Theorie der Politik gibt!) und sind wegen ihrer Theorielastigkeit oft auch gefürchtet. Doch trotz dieser Gemeinsamkeit in der Theorie erstaunen immer wieder die unterschiedlichen Welten von Mikro und Makro. Man könnte meinen, das eine habe mit dem anderen nichts zu tun, wo sie doch ohne das jeweils andere nicht sein können.
Abbildung 1.1: Gegenüberstellung von Mikro- und Makroökonomie.
Um was geht es? Mikro und Makro behandeln zwar beide das gleiche Thema – nämlich die Wirtschaft, aber sie tun es aus völlig unterschiedlichen Perspektiven!
Im Gegensatz zur Mikroökonomie, bei der man „in das einzelne Haus hineingeht“ (Nachfrageverhalten eines privaten Haushalts), um zu sehen, wie die Akteure dort planen und entscheiden, betrachtet die Makroökonomie die Wirtschaft aus der Vogelperspektive. Nicht das Verhalten des einzelnen „Hauses“ ist Thema, sondern die Gesamtsicht aller „Häuser“ (alle privaten Haushalte einer Volkswirtschaft) und deren Aggregation zu größeren Einheiten und deren Verbindung untereinander – zum Beispiel mittels der Konsumneigung oder des Zinsniveaus.
Untersuchungsgegenstand der Makroökonomie sind volkswirtschaftliche Aggregate wie Bruttoinlandsprodukt und Volkseinkommen, Konsum und Sparen, Investitionen sowie Staatsausgaben und Außenhandel. Hinzu kommen Beschäftigung und Lohnniveau sowie Preisniveau und Zinsniveau – also die Größen, von denen auf Seite 1 der Wirtschaftsteile der großen Zeitungen die Rede ist.
Untersuchungsgegenstände (Größen) der Makroökonomie:
- Bruttoinlandsprodukt und Volkseinkommen
- Konsum, Sparen und Investitionen
- Staatsausgaben
- Außenhandel
- Preis-, Lohn- und Zinsniveau
Diesen makroökonomischen Größen lassen sich nun Akteure zuordnen. Konsumieren und Sparen ist eine Sache der privaten Haushalte, Investieren eine Sache der Unternehmen. Weitere wirtschaftliche Akteure sind der Staat als öffentlicher Sektor und das Ausland.
Akteure der Makroökonomie:
- Konsumenten (Private Haushalte)
- Unternehmen
- Staat (Öffentliche Haushalte)
- Ausland
Hinweis zum folgenden Kapitel: Die Kapitel „Makroökonomische Modelle und Variablen“ sowie „Makroökonomische Analysemethoden“ sind für die Leser gedacht, die sich über die „Spielregeln“ der makroökonomischen Theorie informieren möchten. Thematisiert werden Modelle, Analysemethoden und Variablen, die generell für die Volkswirtschaftslehre und speziell für die Makroökonomie von Bedeutung sind. Für das inhaltliche Verständnis der Makroökonomie ist dieses Kapitel nicht Voraussetzung!
1.2 Makroökonomische Modelle und Variablen
Je komplexer Zusammenhänge sind, desto größer ist das Bedürfnis, diese Zusammenhänge in einem vereinfachten und übersichtlichen Modell darzustellen. Ist ein Modell in der Lage, diese Komplexität der Wirklichkeit schlüssig abzubilden, hat dieses Modell seinen wesentlichen Zweck schon erfüllt, nämlich die Vielfalt der Realität passend und Nutzen bringend darzustellen.
Ein Stadtplan beispielsweise ist keine verkleinerte Abbildung der Wirklichkeit, sondern eine andere Wirklichkeit, die auf Wesentliches reduziert und als einfaches Schema hilft sich in der „wirklichen“ Wirklichkeit zurechtzufinden (wobei auch Stadtpläne ihre Tücken haben können, ganz abgesehen von den Schwierigkeiten des Auseinander- und Zusammenfaltens der Pläne). Punkte entsprechen Orten; Linien und Kurven entsprechen Straßen; und Entfernungen werden im Verhältnis richtig dargestellt. Ein Stadtplan hilft sich zurechtzufinden – vorausgesetzt man versteht ihn zu lesen.
Auch die Volkswirtschaftslehre verwendet „Karten und Pläne“, um wirtschaftliche Zusammenhänge nachvollziehbar darzustellen. Und gerade die Makroökonomie, deren Sinn in der vereinfachenden Beschreibung und Darstellung dieses „Molochs“ Wirtschaft besteht, bedarf der Einsatzes und der Hilfe von Modellen. Das können relativ einfache Modelle sein, wie die Darstellung einer Konsumfunktion; das können aber auch anspruchsvollere Modelle sein, wie die Vier-Felder-Matrix des IS-LM-Modells.
Modell:
Vereinfachte, passende und nützliche Abbildung der Realität.
Je nachdem, welcher Zweck mit einem Modell verfolgt wird, lassen sich drei grundlegende Typen von Modellen charakterisieren, nämlich Beschreibungs-, Erklärungs- und Prognosemodelle.
Modelltypen:
- Beschreibungsmodelle
- Erklärungsmodelle
- Prognosemodelle
1.2.1 Beschreibungsmodelle
Beschreibungsmodelle sind deskriptiver Natur, das heißt sie beschreiben Dinge, so wie sie sind. Dass die Beschreibung von Tatsachen gar nicht immer so einfach, geschweige denn objektiv ist, ließe sich an vielen Beispielen demonstrieren. Allein der Versuch einen Konjunkturzyklus zu beschreiben, kann zu einem schwierigen Unterfangen werden: Welche Variablen und Definitionen sind zu wählen: reale oder nominale Wachstumsraten, monatliche oder jährliche Zeitintervalle, absolute oder relative Größen, etc.?
Beschreibungsmodelle enthalten Daten, Zahlen und Größen, die ermittelt und erfasst worden sind, zur Verfügung stehen und in einen bestimmten Kontext gebracht werden sollen. Solche Daten können beispielsweise die realen Wachstumsraten des Bruttoinlandsproduktes seit den 50er Jahren in Deutschland sein. Die Darstellungsform kann in Worten, tabellarisch oder auch anhand einer Grafik erfolgen. Wählen wir die Grafik, könnte das folgendermaßen aussehen:
Beschreibungsmodelle:
Beschreibungsmodelle sind deskriptiver Natur, das heißt sie beschreiben Dinge, so wie sie sind.
- z. B. Darstellung der Konjunktur in Deutschland seit 1945
- z. B. Kursentwicklung des Euro seit Einführung im Jahr 1999
Abbildung 1.2: Der Konjunkturverlauf [Globus 5727 / Quelle: StBA]
Eine solche Grafik beschreibt die Konjunktur, also den Verlauf der Wirtschaft, und diese Darstellung ist „nüchtern“, objektiv und wertneutral.
1.2.2 Erklärungsmodelle
Daten und Ergebnisse sind in einem zweiten Schritt zu erklären und zu deuten. Es bedarf also der Interpretation der Dinge, die beschrieben worden sind. Solche Interpretationen und Deutungen können einfacher Art sein (monokausal), wie zum Beispiel die Ölpreiskrise als Hauptursache für Wachstumseinbrüche in den siebziger Jahren. Erklärungen können aber auch umfassender sein (multikausal) und den Charakter eines eigenständigen Theoriegebäudes haben. Ökonomen versuchen da...