Herr und Knecht in der literarischen Diskussion seit der Aufklärung
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Herr und Knecht in der literarischen Diskussion seit der Aufklärung

Figurationen interdependenter Herrschaft

  1. 525 Seiten
  2. German
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Herr und Knecht in der literarischen Diskussion seit der Aufklärung

Figurationen interdependenter Herrschaft

Über dieses Buch

The series "QUELLEN UND FORSCHUNGEN ZUR LITERATUR- UND KULTURGESCHICHTE" (Sources and Research in the History of Literature and Culture), with a rich tradition stretching back to 1874, is an established feature among the renowned publications for German Literary Studies. Edited by Mark-Georg Dehrmann and Christiane Witthöft, the series presents examples of high-quality scholarship examining literary texts in conjunction with historical cultural phenomena, particularly with the other arts. There is an explicit demand for literary studies with a transdisciplinary approach. German literature from the Middle Ages to the present day forms the main focus of the series.

As the historical cultural thrust of the series includes aspects of intercultural experience and national perceptions of the other, Quellen und Forschungen is also open to occasional comparative studies. The publications of the series include monographs, doctoral and professorial theses. Works presented for acceptance in the series are required to display scholarly relevance and excellence in method and presentation.

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Information

Jahr
2016
ISBN drucken
9783110441468
eBook-ISBN:
9783110434835

Fußnoten

1Vgl. Sagarra 1992. Natürlich gibt es auch im empfindsamen Drama komische Figuren; sie sind aber nicht mehr unbedingt mit den Dienerfiguren kongruent.
2Wie Elias argumentiert auch Max Weber aus handlungs- bzw. akteursbezogener Perspektive. Er definiert den Begriff der Macht als „jede Chance“, „innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht.“ (Weber 1972: 28) Wie Katharina Inhetveen hervorhebt, sind für Webers Machtdefinition vier Aspekte zentral. Erstens wird der Begriff auf soziale Beziehungen bezogen. Weber „fasst Macht als einen relationalen Begriff. Sie ist nicht Eigenschaft oder Besitz eines isoliert betrachteten Individuums, sondern kennzeichnet das Verhältnis zwischen Menschen“ (Inhetveen 2008: 253) – in dieser Arbeit das Verhältnis zwischen Herr und Knecht. Zweitens ist Macht als ‚Chance‘ – als Potential – zu begreifen. Die tatsächliche Durchsetzung des eigenen Willens ist nicht so entscheidend wie die Möglichkeit des Subjekts A, seinen Willen auch gegen das Widerstreben von Subjekt B durchsetzen zu können. Der Widerstand von B – und das ist der dritte Aspekt – ist möglich, „aber keine Bedingung dafür, dass Macht im Sinne Webers vorliegt. Mit der Formulierung ‚durchsetzen gegen‘ hebt die Machtdefinition allerdings den Aspekt des Konfliktiven – im Gegensatz zur bloßen Beeinflussung hervor.“ (Inhetveen 2008: 253) Viertens betont Weber mit der Formulierung ‚gleichviel worauf diese Chance beruht‘ die Allgegenwart und Vielfältigkeit von Machtbeziehungen.
3Vgl. dazu auch Elias 1983: 54. In der philosophischen und literaturwissenschaftlichen Debatte sind solche interdependenten Herrschaftsbeziehungen im Rekurs auf Georg Wilhelm Friedrich Hegel – dem „philosophische[n] Gewährsmann dieser Denkfigur“ (Krajewski 2012: 79) – häufig als dialektische Herr-Knecht-Beziehungen bezeichnet worden (zu Hegels Herr-Knecht-Dialektik vgl. I.2.1). In dieser Arbeit wird dagegen bewusst von ‚Figurationen interdependenter Herrschaft‘ gesprochen – und zwar deshalb, weil nur wenige der in dieser Arbeit analysierten Texte auf das Hegel’sche Herr-Knecht-Modell rekurrieren und weil die Denkfigur der wechselseitigen Abhängigkeit von Herr und Knecht nicht von Hegel entwickelt worden ist.
4Elias plädiert deswegen für den Begriff der Figuration, weil er es möglich macht, die häufig anzutreffende gedankliche Unterscheidung zwischen Individuum und Gesellschaft aufzuheben. Denn die Gesellschaft ist laut Elias das von den Individuen gebildete Interdependenzgeflecht. „Die Tatsache, daß sich die Figurationen, die Menschen miteinander bilden, oft weit langsamer ändern als die Menschen, die sie jeweils bilden, und daß dementsprechend jüngere Menschen in die gleichen Positionen eintreten können, die ältere verlassen haben, kurzum, daß gleiche oder ähnliche Figurationen oft genug geraume Zeit hindurch von verschiedenen Individuen gebildet werden können, läßt es so erscheinen, als ob diese Figurationen eine Art von ‚Existenz‘ außerhalb von Individuen haben. Mit dieser Augentäuschung hängt der verfehlte Gebrauch der Begriffe ‚Gesellschaft‘ und ‚Individuum‘ zusammen, der es so erscheinen läßt, als ob es sich hier um zwei getrennte Gegenstände mit verschiedener Substanz handle“ (Elias 1983: 47).
5Vgl. u. a. Bauer 1985, Boom 1979, Borchmeyer 1980, Buchal 1997, Franzbecker 1972, Hoffmann 1998, Hutier 1999, Klenke 1992, Koebner 1995, Rogers 1985, Rüsch 1983, Saggara 1989, Saggara 1987, Saggara 1985, Scott-Prelorentzos 1982, Spranger 1961, Wagner 1980, Wang 1999, Warning 1989, Wichert 1989.
6Vgl. u. a. Hölzl 1999, Brandt 2000, Wagner 1980.
7Vgl. u. a. Boom 1979, Solbach 1987.
8Vgl. dazu u. a. Bluhm 2004, Rothe 174.
9Vgl. dazu Kuch 2012: 171–222, hier 172.
10Eine Ausnahme ist freilich Diderots philosophischer Roman Jacques der Fatalist und sein Herr.
11Vgl. exemplarisch den nichtsdestotrotz instruktiven Beitrag von Andreas Solbach (1987).
12Es sei darauf hingewiesen, dass die philosophischen Texte mit Hilfe eines literaturwissenschaftlichen Instrumentariums analysiert werden, um die literarischen Texte in ihrem historischen Kontext verstehen zu können.
13Zum textorientierten Intentionalismus vgl. Kindt 2008: 24f.
14Zur Wirkungsästhetik vgl. Iser 21984. Zum Wirkungspotential literarischer Texte in kritischer Auseinandersetzung mit Wolfgang Iser vgl. Hillebrandt 2011.
15Als Beispiele für ersteren Fall lassen sich unter anderem folgende Texte anführen: Diderots Roman Jacques der Fatalist und sein Herr, der von Brecht und Volker Braun produktiv rezipiert worden ist; Strindbergs Drama Fräulein Julie, mit dem sich Brecht kritisch auseinandergesetzt hat; Leo N. Tolstois Erzählung Herr und Knecht, auf die Braun im Hinze-Kunze-Roman verweist; oder Beaumarchais’ Komödie Der tolle Tag oder Die Hochzeit des Figaro, die nachweislich von Hugo von Hofmannsthal zur Kenntnis genommen worden ist.
Beispiele für zweiteren Fall wären etwa Strindbergs Fräulein Julie und Robert Walsers Jakob von Gunten, die sich beide an Nietzsches Herr-Knecht-Modell abarbeiten; Marie von Ebner-Eschenbachs Božena und Tolstois Herr und Knecht, die sich auf Arthur Schopenhauers Aufhebungsmodell von Herr- und Knechtschaft durch die Überwindung des ‚Individuationsprinzips‘ (principium individuationis) beziehen; oder Brechts Herr Puntila und sein Knecht Matti und Brauns Hinze-Kunze-Roman, die sich mit Hegels Überlegungen zur Herr- und Knechtschaft auseinandersetzen.
16Vgl. Lamping 2007: 219f.
17Zu Recht hat Carsten Zelle darauf hingewiesen, dass Ďurišins Kategorisierungen unterbestimmt bleiben. (Vgl. Zelle 2004/05)
18Zur Rezeptionsgeschichte des Romans vgl. Loy 1950: 1–24.
19Er [Diderot] ist unfähig zu schreiben. Jeden Moment sind Abschweifungen, Geschwafel und Faseleien zu erleben. Jacques le fataliste ist ein Gewirr von verschiedenartigen Erzählungen.“ (Übersetzung N.B.)
20Vgl. u. a. Kavanagh 1973, Warning 1988.
21Vgl. u. a. Mayer 1971, Mayer 1955.
22Vgl. u. a. Bailey 2000, May 1980, Richards 1972, Savater 1984.
23Vgl. u. a. Crocker 1961.
24Vgl. u. a. Mauzi 1964.
25Vgl. u. a. Conroy 1990, Didier 1982, Didier 1978.
26Vgl. u. a. Baasner 1988a.
27Diese Position teilt u. a. Heinz Thoma, der in seinen Ausführungen zum Roman konstatiert: „Produktiver als solche thematisch oder narratologisch zentrierten Vereinseitigungen sind jene Interpretationen, die versuchen, Form und Inhalt dialektisch aufeinander zu beziehen.“ Zu Recht betont er, dass jede systematische Darstellung trotz aller Versuche, Sinnverkürzungen zu vermeiden, dennoch Gefahr läuft, „Struktur und Dialektik dieses hochorganisierten und interpretatorisch nicht auszuschöpfenden Textes zu simplifizieren, wo nicht zu zerstören. – Vom notwendigen Verlust an Leichtigkeit ganz zu schweigen“ (Thoma 2006: 213, 215).
28Vgl. u. a. Groh 1984, Treskow 1...

Inhaltsverzeichnis

  1. Cover
  2. Titelseite
  3. Impressum
  4. Inhaltsverzeichnis
  5. Einleitung
  6. I. Koalitionen zwischen Herr und Knecht
  7. II. Herr und Knecht als Gegner
  8. III. Grenzfälle: Aufhebung und Umkehrung von Herr- und Knechtschaft (Strindberg, Tolstoi)
  9. IV. Pflichttreue Knechte
  10. V. Freiwillige Knechte
  11. Schluss
  12. Literaturverzeichnis
  13. Namensregister
  14. Fußnoten

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