Die Arbeit untersucht Genese und Rezeption eines ästhetischen Konzepts im bildungsbürgerlichen Kontext des 19. Jahrhunderts. Sie rekonstruiert die Geburt von Burckhardts ästhetischer Urteilsbildung aus dem Geiste seiner Italienerfahrung und zeigt zugleich die klassizistischen Wurzeln dieses Kunsturteils auf. Die konservativen Züge der Burckhardtschen Kunstauffassung machen den »Cicerone« zu einem Thesaurus des Bewahrenswerten in einer Zeit politischer und ästhetischer Umbrüche. Er erbingt eine klassifikatorische Syntheseleistung, die den gesamten italienischen Formenbestand einer fast museal zu nennenden Neuordnung unterwirft. Die sogenannte "Kunst nach Aufgaben" wird hierbei von Burckhardt als polemischer Begriff gegen den modernen Künstler und seine potentiell überschießende Einbildungskraft eingesetzt. Die Tradition dieses modernen Künstlertypus reicht für ihn bis in die Renaissance zu ihrem Urvater Michelangelo zurück und findet ihren Höhepunkt in seiner eigenen Gegenwart. Somit geht die Intention des »Cicerone« über seinen Untertitel »Eine Anleitung zum Genuß der Kunstwerke Italiens« hinaus: Er möchte nicht nur den gebildeten Reisenden auf den Weg der genußvollen Kunsterkenntnis führen, sondern zugleich für zeitgenössische Architekten Anleitung zur richtigen Bautätigkeit sein.

- 324 Seiten
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Über dieses Buch
Information
Thema
LiteraturInhaltsverzeichnis
- I. Vorwort
- II. Der lange Weg zum kleinen dicken Buch. Burckhardts Italienerlebnis und die Redaktion des Cicerone
- 1. Der Cicerone – ein Baedeker für Arkadien?
- 2. »Und dann will ich vor Allem arbeiten«
- 3. Gambinis Guida di Perugia als »Reisenotizheft« Burckhardts
- 4. Correggio: »... der erste ganz verbuhlte Maler«
- 4.1. Die frühen kunstgeschichtlichen Arbeiten: Brockhaus, die Malereivorlesung und Kuglers Handbücher
- 4.2. Parma 1854: die späteren Reisenotizen und der Cicerone-Text
- 4.3. Der moderne Künstler zwischen Wahrheit und Wirklichkeit
- 5. Burckhardts italienische Initiation: liebliche Madonnen und idyllische Landschaften
- III. Romano par Sehnsucht – Burckhardt und Rom
- 1. Sedimente der Vergangenheit: Römische Topographie
- 2. »Ewigungen der Kunst«
- 2.1. Differenzierungen einer Dichotomie: Raffael und Michelangelo
- 2.2. Burckhardts Versuch einer Annäherung: Michelangelo, der dämonische Beherrscher des Raums
- 2.3. Raffael, der sittliche und ästhetische Maßstabsetzer
- 3. Einbruch der Moderne: die Zerstörung des römischen Stadtorganismus
- 4. Flucht zu Claude
- IV. Nachrevolutionärer Klassizismus: die ästhetischen Grundlagen des Kunsturteils im Cicerone
- 1. Traditionslinien einer »Ästhetik von unten«
- 2. »... eine Art künstlerischer Ergänzung zu den Reisehandbüchern«
- 3. Der Hang zur Anschauung
- 4. Die Kraft der Phantasie und der Kunstgenuß
- 4.1. Die ergänzende Kraft
- 4.2. Anleitung zur richtigen Phantasietätigkeit
- 4.3. Die belebende Kraft
- 4.4. Phantasiearbeit und Genuß
- 5. Der Cicerone als Ordnungsversuch in der Anschauungsvielfalt
- 5.1. Das antike Skulpturenmuseum: Burckhardt versus Karl Otfried Müller
- 5.2. Der Cicerone als Thesaurus der italienischen Kunstformen und der Verzicht auf die Kulturgeschichte
- V. Der lange Schatten aus Weimar – Burckhardt und Goethe
- 1. Burckhardt unter Goethes Ägide
- 2. »Unter der Einwirkung Göthe’s jung gewesen«: die Goethe-Stilisierung der frühen Italienreisen
- 3. Burckhardts goethische Ästhetik
- 3.1. Spurensuche: Die Italienische Reise im Werk Burckhardts
- 3.2. Strukturelle Filiation in der nachrömischen Ästhetik
- 3.3. Leonardo als Meister des guten Gedankens und sein »Abendmahl«
- 3.4. Allegorie und Symbol
- 3.5. Noch einmal: Raffael
- VI. Die »Kunst nach Aufgaben« als Burckhardts Schutzschild gegen den modernen Künstler
- 1. Burckhardts Konzeption einer »Kunstgeschichte nach Aufgaben« im Cicerone
- 1.1. Die Harmonie des Daseins und der Kunst, »wie sie sein sollte«
- 1.2. Rumohr als Vordenker der »Aufgaben«
- 2. Burckhardts »Aufgaben« als kulturgeschichtliche Kategorie
- 3. Burckhardts Invektiven gegen das moderne Künstlertum: In Geschichte
- 4. ... und Gegenwart: Burckhardts Verhältnis zur zeitgenössischen Kunst
- 4.1. Die Besprechung der Berliner Akademieausstellung von 1842
- 4.2. Burckhardt und Böcklin
- VII. Der Cicerone als Geschmacksvormund im Reich des Schönen
- 1. »Die falschgenannte Renaissance der heutigen Meisten«: die Renaissancemode als Signum des 19. Jahrhunderts
- 2. Vom Nutzen und Nachteil der Moderne für die Architektur
- 3. Von der Ethik des richtigen Bauens
- 4. Der Architekturteil des Cicerone als Musterbuch für zeitgenössische Architekten
- VIII. Literaturverzeichnis
- A. Abkürzungen häufig zitierter Quellen und Literatur
- B. Quellen
- 1. Jacob Burckhardt
- 2. Sonstige Quellen
- C. Forschungsliteratur
- IX. Appendices
- Anhang 1: Burckhardts »Bibliothèque imaginaire« zur Zeit der Redaktion des Cicerone
- Anhang 2: Erster Entwurf der Vorrede zum Cicerone
- Anhang 3: Burckhardts Italienreisen
- Personenregister
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