Streitbare Ästhetik
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Streitbare Ästhetik

Goethes kunst- und literaturtheoretische Schriften 1771–1789

  1. 576 Seiten
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Goethes kunst- und literaturtheoretische Schriften 1771–1789

Über dieses Buch

Die Studie bemüht sich um eine genaue Rekonstruktion des ästhetischen Denkens Goethes von den frühesten Äußerungen bis zu den Ergebnissen der italienischen Reise. Dieses Untersuchungsgebiet ist insbesondere deshalb von großem transdisziplinärem Interesse, als sich hier schon sehr früh Tendenzen zur Autonomisierung der Künste und zur theoretischen Reflexion dieses Prozesses abzeichnen. Darüber hinaus stellen die lakonischen, genialisch-rhapsodischen oder manifestartig verknappten Essays Goethes auch in formaler Hinsicht ein Spezifikum dar: Sie thematisieren und reflektieren ihren theoretischen Gehalt selbst in ihrer textuellen Performanz. In methodischer Anlehnung an Pierre Bourdieus Theorie des literarischen Feldes unternimmt der Verfasser eingängige intertextuelle Mikroanalysen paradigmatischer und programmatischer theoretischer Schriften (»Zum Schäkespears Tag«, »Von deutscher Baukunst«, »Einfache Nachahmung der Natur, Manier, Styl«) und berücksichtigt dabei erstmals auf systematische Weise sowohl die unmittelbaren Entstehungsumstände und künstlerischen Bezugspunkte als auch v.a. die epistemologischen und ideengeschichtlichen Voraussetzungen im übernationalen europäischen Kontext. Ein Ergebnis der Studie ist die genauere Differenzierung zwischen Kontinuitäten und Diskontinuitäten im ästhetischen Denken Goethes auf epistemologischem und auf kognitivem Niveau. Des weiteren wird die kultursoziologische und diskurshistorische Funktionalität zahlreicher Phänomene in den Blick genommen. Die Spezifik wie auch die Exemplarität des (häufig geringgeschätzten) nicht-systematischen "Ästhetikers" Goethe können somit vor einem erweiterten Horizont neu diskutiert werden.

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Information

Jahr
2015
ISBN drucken
9783484350816
eBook-ISBN:
9783110932621

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorbemerkung
  2. Einführung
  3. 1. Leitlinien der Untersuchung
  4. 2. Die Spezifik der ästhetischen Reflexionen Goethes
  5. 3. Literarisches Feld und polemisches Denken: Zur Methode
  6. TEIL 1: 1771/72
  7. I. Genieästhetik in genialischer Form: Die Inszenierung charakteristischer Subjektivität in Goethes Rede Zum Schäkespears Tag (1771)
  8. 1. Zu einigen ideengeschichtlichen Voraussetzungen der Shakespeare-Rede im europäischen Genie-Diskurs des 18. Jahrhunderts
  9. 1.1 Vorläufer
  10. 1.2 Zentrale Texte
  11. 1.3 Wende der Aufklärung
  12. 2. Emphatik, Rhapsodik und Opazität als Pensum einer Anthropologie des Genies
  13. 2.1 Die epistemologische Grundlage des Darstellungsproblems
  14. 2.2 Spontaneität als inszenierte Textstrategie
  15. 3. Die Epiphanie des gottgleichen Genies als Problem der Ästhetik
  16. 3.1 Radikale Immanenz und schöpferische Autonomie
  17. 3.2 Symbolische Verdichtung als ästhetische Vermittlung
  18. 4. Auratische Originalität als Darstellungsprinzip und polemische Strategie im literarischen Feld
  19. 4.1 Grundpositionen der Genieästhetik
  20. 4.2 Die Attacke auf Wieland
  21. 4.3 Die Attacke auf Voltaire
  22. 4.4 Originalitätspostulat und Verzicht auf Publikation
  23. 5. Bruchstücke einer revolutionären Dramenpoetik aus der Konsequenz des Genie-Diskurses
  24. 5.1 Kunst als Natur
  25. 5.2 Kunst und Geschichte
  26. 5.3 Der ›geheime Punkt‹ und das Böse
  27. II. Ästhetische Konzeption und Konzeption der Ästhetik im Essay Von deutscher Baukunst (1772). Mit Blick auf die Frankfurter gelehrten Anzeigen
  28. 1. Performanz als polemisches und kompositorisches Kalkül
  29. 1.1 Die polemische Funktion des genialischen Darstellungsprinzips
  30. 1.2 Die Komposition von struktureller Tektonik und motivischer Textur
  31. 2. Ein Abschied vom Prinzipiellen aus dem Geist sensualistischer Vernunftkritik
  32. 2.1 Ästhesiologie und Kunstwahrnehmung
  33. 2.2 Stellenwert der Baukunst in der Ästhetik
  34. 2.3 Das ästhetische Erkenntnismodell des jungen Goethe
  35. 3. Die Vergötterung des kreativen Genies als Instrument der Autonomisierung
  36. 3.1 Methode der Ambivalenz
  37. 3.2 Verabschiedung der Wirkungsästhetik
  38. 3.3 Zur sozialen Funktion säkularisierter Frömmigkeitsformen in der Kunstreligion
  39. 4. Die Proklamation der charakteristischen Kunst gegen die Doktrin des Schönen. Eine Revolution im Feld der Ästhetik
  40. 4.1 Verdrängung der Nachahmung durch die Schöpfung
  41. 4.2 Depotenziemng der klassizistischen Schönheitsdoktrin
  42. 4.3 Goethes ›Begriff‹ des Erhabenen
  43. 4.4 Der organische Zusammenhang ›charakteristischer Kunst‹
  44. TEIL 2: 1788/89
  45. III. Goethes italienische Ästhetik als Fanal des kallistischen Objektivismus: Einfache Nachahmung der Natur, Manier, Styl (1789) im Kontext der Reiseschriften
  46. 1. Sprachliche Transparenz als Pensum und Darstellungsprinzip klassischer Ästhetik
  47. 1.1 Adelungs klassizistische Stillehre und Goethes klassisches Stilideal
  48. 1.2 Die Bedeutung Wielands
  49. 1.3 Die Bedeutung Winckelmanns
  50. 1.4 Der klassische Stil als Medium ›etablierter Avantgarde‹
  51. 2. Die Begriffsarchitektur von Einfache Nachahmung der Natur, Manier, Styl
  52. 2.1 Entwicklungsgeschichte und Typologie
  53. 2.2 Differenzierung des Nachahmungsbegriffs
  54. 2.3 Goethes Konzept der Manier als Revokation der ›charakteristischen Kunst‹
  55. 2.4 Die Inszenierung des ›Styls‹ als Synthese
  56. 3. Der theoriegeschichtliche Ort von Goethes klassischer Begriffsarchitektur
  57. 3.1 Naturnachahmung und Manier in der kunsttheoretischen Idea-Tradition
  58. 3.2 Der Diskussionshorizont der zeitgenössischen Kunsttheorie
  59. 3.3 Die historische Leistung von Goethes Stil-Begriff
  60. IV. Der objektive ›Styl‹ zwischen Naturwissenschaft und Kunstautonomie. Versuch einer Rekonstruktion mit Ausblicken bis zur Winckelmann-Schrift (1805)
  61. 1. Das Verhältnis von Kunst und Natur
  62. 1.1 Italienische Erfahrungen
  63. 1.2 Die ›hochklassische‹ Position
  64. 1.3 Morphologische Differenzierungen
  65. 2. Die klassische Adaption des sensualistischen Wahrnehmungs- und Erkenntniskonzepts
  66. 2.1 Schule des Sehens
  67. 2.2 Gegenständliches Denken
  68. 2.3 Ästhetische und anthropologische Implikationen
  69. 3. Die Neubegründung des normativen Schönheitspostulats im Rahmen klassischer Kunstautonomie
  70. 3.1 Reinstallation einer klassizistischen Schönheitsdoktrin
  71. 3.2 Innere Vollkommenheit des Kunstwerks
  72. 3.3 ›Uneigennützigkeit‹ des Rezipienten
  73. 3.4 ›Uneigennützigkeit‹ des Künstlers
  74. 3.5 Differenzen zwischen Goethe und Moritz
  75. 4. Subjekt, Objekt und Methode des ›Styls‹
  76. 4.1 Geistige Disposition
  77. 4.2 Gegenstandsbereich und methodisches ›Prinzip‹
  78. Schlußbetrachtung
  79. Literaturverzeichnis
  80. Register

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