Lessings Theorie der Tragödienwirkung
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Lessings Theorie der Tragödienwirkung

Humanistische Tradition und aufklärerische Erkenntniskritik

  1. 257 Seiten
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Lessings Theorie der Tragödienwirkung

Humanistische Tradition und aufklärerische Erkenntniskritik

Über dieses Buch

Als Friedrich Nicolai seinem Freund Lessing 1756 schrieb, Aristoteles habe sich mit seiner Behauptung, daß die Tragödie durch die Erregung von Leidenschaften den Zuschauer bessere, geirrt, konnte er nicht ahnen, daß seine Kritik eines der originellsten Tragödienmodelle der deutschen Literaturgeschichte hervorrufen würde: Lessings Theorie nämlich, wonach die Tragödie den Zuschauer bessert, indem sie dessen Mitleid erregt. Die vorliegende Studie untersucht, aus welchen Quellen sich diese Theorie speist. Auf der Basis einer präzisen Erschließung der verschiedenartigen Probleme, mit denen sich Lessing im Rahmen seiner Überlegungen zur Tragödienwirkung auseinandersetzt, werden die Voraussetzungen für sein Modell sowohl in der humanistischen Tradition als auch in der aufklärerischen Erkenntniskritik, vor allem bei Leibniz, Wolff, Baumgarten, Mendelssohn und Hutcheson, identifiziert. Dabei wird gezeigt, daß und auf welche Weise Lessing überlieferte Vorstellungen auf der Grundlage der zeitgenössischen Philosophie in ein neuartiges Modell überführt. Um diesen Wandel zu skizzieren, untersucht die Studie vor allem die Umformung des Affekts von einem rhetorischen Mittel der Persuasion zu einer spezifischen Erkenntnisart, wobei Lessings eigenwilligem Umgang mit den hierfür relevanten Quellen, allen voran dem aristotelischen Tragödiensatz und Mendelssohns Theorie der vermischten Empfindungen, besondere Aufmerksamkeit zukommt.

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Information

Jahr
2015
ISBN drucken
9783484321168
eBook-ISBN:
9783110915181

Inhaltsverzeichnis

  1. Einleitung
  2. Erster Teil. Die sinnliche Wirkung des Trauerspiels
  3. 1. Der rhetorische Affektbegriff als Grundlage tragödienpoetologischer Wirkungsvorstellungen in Antike, Humanismus und Barock
  4. 1.1. Die Vorstellung von der Steuerbarkeit des Affekts in der Rhetorik
  5. 1.2. Der rhetorische Affektbegriff in der antiken, humanistischen und barocken Tragödientheorie
  6. 2. Entstehung und Entwicklung eines neuartigen Affektbegriffs durch die Erkenntniskritik der Aufklärung
  7. 2.1. Lessings Distanz zur Rhetorik
  8. 2.2. Die Problematisierung der Erkenntnis durch Leibniz und Wolff
  9. 2.3. Die Emanzipierung der sensitiven Erkenntnis gegenüber der Vernunft durch Baumgarten
  10. 2.4. Mendelssohns »Psychologie« des Empfindens
  11. 3. Die Tragödienpoetik der Aufklärung als Spiegelung der erkenntniskritischen Affektdiskussion
  12. 3.1. Handlungsprimat und Erkenntnishierarchie bei Gottsched
  13. 3.2. Charakterprimat und »analogon rationis« bei den Schweizern und J. E. Schlegel
  14. 3.3. Das Fühlen des Zuschauers als Kriterium in Lessings Überlegungen zur sinnlichen Wirkung des Trauerspiels
  15. 3.4. Das Fühlen des Zuschauers als Kriterium in Lessings Interpretation des aristotelischen Tragödiensatzes
  16. Zweiter Teil. Der moralische Zweck des Trauerspiels
  17. 4. Die rhetorische Einheit von sinnlicher und moralischer Wirkung des Trauerspiels in der humanistischen Tradition
  18. 4.1. Die moralische Funktionalisierung des Tragödienzwecks im rhetorischen Zusammenhang
  19. 4.2. Die Einheit von sinnlicher und moralischer Wirkung des Trauerspiels in Humanismus und Barock
  20. 5. Die Theorie des Tragödienzwecks vor dem Hintergrund der aufklärerischen Moralphilosophie
  21. 5.1. Die moralphilosophische Auseinandersetzung um den Ursprung sittlichen Verhaltens in der frühen Aufklärung
  22. 5.2. Gottscheds Rückführung des moralischen Tragödienzwecks auf einen vernünftigen Satz
  23. 5.3. Die Ausrichtung des Tragödienzwecks auf ein moralisches Empfinden durch Bodmer und Breitinger
  24. 6. Lessings Vorstellung vom sittlichen Zweck des Trauerspiels vor dem Hintergrund der aufklärerischen Moralphilosophie
  25. 6.1. Die Auseinandersetzung zwischen Lessing und Mendelssohn um den Ursprung moralischen Verhaltens
  26. 6.2. Die Differenzen von Lessings Konzept des moralischen Tragödienzwecks zur »moral sense«-Philosophie und zur Position der Schweizer
  27. 6.3. Impulse für Lessings Idee eines moralisch wirksamen Mitleids
  28. Dritter Teil. Die Quelle des ästhetischen Vergnügens
  29. 7. Die Entstehung der Auseinandersetzung zwischen Lessing und Mendelssohn um die Quelle des ästhetischen Vergnügens
  30. 8. Der Ursprung des ästhetischen Vergnügens als erkenntniskritisches Problem in der aufklärerischen Poetik
  31. 8.1. Rationalistische Modelle des ästhetischen Vergnügens
  32. 8.2. Sensualistische Modelle des ästhetischen Vergnügens
  33. 9. Die Auseinandersetzung zwischen Lessing und Mendelssohn um die Quelle des ästhetischen Vergnügens als Ausdruck eines psychologischen Bewußtseins
  34. Resümee
  35. Literaturverzeichnis
  36. 1. Quellen
  37. 2. Forschungsliteratur