Problem »Reformationsdialog«
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Problem »Reformationsdialog«

Untersuchungen zu einer Gattung im reformatorischen Medienwettstreit

  1. 370 Seiten
  2. German
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Problem »Reformationsdialog«

Untersuchungen zu einer Gattung im reformatorischen Medienwettstreit

Über dieses Buch

Ausgehend von auffälligen textimmanenten Strukturen formaler wie inhaltlicher Art von ca. 70 deutschsprachigen Dialogtexten, die zwischen 1521 und 1525 entstanden sind, wird nach situativen Bedingungen der Produktion dieser Flugschriften gefragt. Es wird gezeigt, wie der Reformationsdialog als funktionale Gattung primär dem genus deliberativum bzw. genus didascale als Gattung spezifisch theologisch-rhetorischer Ausprägung zugeordnet werden kann. Damit muß die tradierte gattungspoetologische Zuordnung dieses Genres neu überdacht werden: Die 'realitätsgebundene' Fiktionalität der Texte verdankt sich der Einbindung in den reformatorischen Prozeß. Neben der Volkssprachlichkeit und der Dialogizität sind Kernbegriffe, die diesen Dialogtypus als "gattungsbestimmende Dominanten" (Jauß) konfigurieren, in Begrifflichkeiten zu finden, die aus der variablen Verwendung des utile-Gedankens für Text und Autor mit Rekurs auf den antiken und christlichen ethos-Begriff (virtus-vitium-Relation) resultieren. In diesem Feld von Begriffen und Darstellungsmustern (ent)stehen die agierenden Figuren. Die Reformation erscheint als res publica des "gemain mans", des laicus, des Gemeindemitglieds. Unter dem intentionsabhängigen Gebot augustinischer Provenienz nach evidentia/perspicuitas und der Erfüllung des inneren wie äußeren aptum werden komplizierte Sachverhalte laiengerecht 'vereindeutigt', um einen hohen Wiedererkennungsgrad zu erreichen: ein Vorgang, der sich formal auch bei der Gestaltung von Titelblatt und argumentativem Ablauf wiederfinden läßt. Hier lassen sich selbst für den kurzen Untersuchungszeitraum diachrone Entwicklungstendenzen nachweisen.

Häufig gestellte Fragen

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Information

Inhaltsverzeichnis

  1. Danksagung
  2. Abkürzungsverzeichnis
  3. 1. Einleitung
  4. 2. Forschungsstand
  5. 3. Darstellung des Arbeitsvorhabens und Textkorpusbeschreibung
  6. 4. Der Dialog in Rhetorik und Poetik
  7. 4.1. Zur Interdependenz von Rhetorik und Poetik im 16. Jahrhundert
  8. 4.1.1. Gedanken zum Dichtungsbegriff, zur Wirklichkeitsdarstellung und zum Problem des Dramatischen
  9. 4.1.2. epistola, libellus, „Büchlein": Recherchen zum Begriff „Flugschrift" in den Reformationsdialogen
  10. 4.2. Definitionen von „Dialog" in historischer Sicht
  11. 4.2.1. Die Bedeutung von „Rede" und „Sprache" und das ethos-Konzept in Rhetorik und Poetik
  12. 4.2.2. Zur Beschreibung des „Dialogs" als Gattung und Struktur in den antiken und mittelalterlichen Quellen
  13. 4.3. Zusammenfassung
  14. 4.4. Reflexe und Reflexionen in den Dialogen selbst
  15. 4.4.1. „Dialog" in der Titelformulierung der Reformationsdialoge
  16. 4.4.2. Was die Bilder zeigen: Dialogsituationen und reformationsdialogische Thematik in den Titelblättern
  17. 4.4.3. Wie man sich streitet: Reflexionen über das Miteinander-Reden in den Dialogen selbst
  18. 4.5. Die Transformation der klassischen Rhetorik: die ars praedicandi - christliche Rhetorik bei Augustinus, Luther, Melanchthon und anderen
  19. 4.6. Zusammenfassung
  20. 5. Exemplarische Analysen von Strukturen und Motiven in den Reformationsdialogen
  21. 5.1. Beispiel: Zur Struktur der „Verstummung"
  22. 5.2. Beispiel: Formale Gestaltungsweise: „Die Walfart ym Grimmetal", „Die Luterisch Strebkatz" und Römers „Dialog von den vier größten beschwernüß eins jeglichen pfarrers"
  23. 5.2.1. Die „Walfart ym Grimmetal" 1523/24
  24. 5.2.2. „Die Luterisch Strebkatz" 1524/25
  25. 5.2.3. Johannes Römer: „Dialogus von den vier größten beschwernüß eins jeglichen pfarrers" 1521
  26. 5.3. Beispiel: Geschichte aus Geschichten - Geschichten und Bilder vom guten Hirten in Konsensdialogen
  27. 5.4. Beispiel: Von Hutten zu Copp: „Vereindeutigung" des Lehrerbildes -„Vereindeutigung" der reformatorischen Aussage
  28. 5.5. Das Prinzip der „Verstummung". Reflexionen zu einem polemischen Reflex eines typischen Gesprächsverlaufs im „Wolfgesang"
  29. 6. Das motivliche und argumentative Kohärenzsystem
  30. 6.1. Kohärenzsystem und Korpusdefinition: Zuordnungsmöglichkeiten von Texten, exemplarisch gezeigt an Huttens „Gespräch büchlin"
  31. 6.2. Die Erstellung eines Kategoriensystems
  32. 7. Zusammenfassung
  33. 8. Literatur
  34. 8.1. Quellen
  35. 8.1.1. Ausgaben
  36. 8.1.1.1. Sammelausgaben
  37. 8.1.1.2. Monographien
  38. 8.1.2. Textkorpus
  39. 8.1.2.1. Edierte, eingerichtete und kommentierte Dialoge
  40. 8.1.2.2. Nichtedierte Dialoge
  41. 8.1.3. Historische Sekundärliteratur
  42. 8.2. Sekundärliteratur
  43. 8.2.1. Allgemeine Nachschlagewerke
  44. 8.2.2. Bibliographien
  45. 8.2.3. Einzeldarstellungen
  46. 9. Abbildungen