
Rabelais zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit
Gargantua: Literatur als Lebensführung
- 190 Seiten
- German
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Rabelais zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit
Gargantua: Literatur als Lebensführung
Über dieses Buch
Spätestens seit Michael Bachtins Lektüre stellt François Rabelais (1494-1553) eine zentrale Referenz für die literarturwissenschaftliche Theoriebildung dar. Der Verfasser der ab 1532 erscheinenden Pentalogie erscheint als Autor von faszinierender Modernität, als Ahnherr von Intertextualität, Selbstreferenz oder Dekonstruktion. Solcherart Etiketten haben allerdings nur den Methodenstreit befördert, so daß zahllose Fragen, die Rabelais` Romanwerk stellt, von der Forschung unbeantwortet sind. Exemplarisch läßt sich das am "Gargantua" zeigen. Schwierigkeiten bereiten dort u.a. die Abschlußkapitel mit der Beschreibung einer imaginären Architektur. Die Funktion der hier greifbaren mnemotechnischen Verfahren wird nicht ansatzweise erkannt.
Die vorliegende Arbeit verfolgt daher das Ziel, den Blick weg von modernen Identifikationen zu lenken, um die historische Differenz eines zeitlich fernen wie habituell fremden Literaturkonzepts paradigmatisch sichtbar zu machen, dessen Funktion Literatur als Lebensführung benennt. Sie beschreitet dazu ein von der Rabelais-Forschung weithin unbetretenes Gebiet: Der Text des 1534/5 publizierten Romans wird zum einen im mediengeschichtlichen und paradigmatischen Rahmen seiner Entstehungssituation gelesen. Mit dieser Kontextualisierung ist eine weitere methodische Option verbunden.
Die Kategorien der Mündlichkeits-/Schriftlichkeitsforschung eröffnen die Möglichkeit, pragmatische, mediale und materiale Faktoren in die Analyse einzubeziehen, die einem eng gefaßten Textbegriff entgehen. Für den "Gargantua" heißt dies, daß hier erstmals die literarische Relevanz von Praktiken des Lesens und Schreibens sowie der ihnen komplementären Techniken der kulturellen Übermittlung ins Blickfeld geraten. Dies betrifft vor allem die unter dem Begriff der Semi-Oralität gefaßten, für mediale Übergangssituationen typischen Rezeptions- und Produktionsformen von Literatur.
Nicht zuletzt wird ein altes Problem der Rabelais-Forschung gelöst: Die Studie weist erstmals den hohen Stellenwert der ars memorativa in der literarischen Konzeption nach und liefert damit einen Schlüssel für den Bau der Abtei von Theleme.
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Information
Inhaltsverzeichnis
- Danksagung
- Einleitung
- ERSTER TEIL: PROBLEME DER RABELAIS-FORSCHUNG
- 1. Rabelais’ Mythos: Plaisir und Idee
- 2. Die Querelle des Gargantua
- 3. Rabelais im Problembereich der Renaissance
- 4. Mündlichkeit und Schriftlichkeit
- ZWEITER TEIL: PRAGMATISCH-MEDIALER HORIZONT
- 1. Rabelais’ editorische Strategie und der Buchmarkt als Faktor schriftstellerischen Bewußtseins
- 2. Die Schriftkultur im europäischen Druckerzentrum Lyon
- DRITTER TEIL: DER GARGANTUA IM SPANNUNGSFELD DER ORALITÄT
- 1. Schrift und Buch
- 2. Inszenierte Mündlichkeit
- 3. Architektur und Gedächtnistopik
- Ausblick
- Abbildungen
- Abbildungsnachweis
- Literaturverzeichnis
- 1. Abkürzungen
- 2. Zitierte Ausgaben
- 3. Ausgewählte Literatur
- Register