
Schau-Spiele des Geldes
Die Komödie um die Entstehung der Marktgesellschaft von Shakespeare bis Lessing
- 603 Seiten
- German
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Schau-Spiele des Geldes
Die Komödie um die Entstehung der Marktgesellschaft von Shakespeare bis Lessing
Über dieses Buch
Ökonomisch zu handeln heißt in der westlichen Moderne, den eigenen Vorteil zu verfolgen, aber - so das übliche Vertrauen in eine produktive Eigendynamik des Marktes - mit dem Ergebnis eines indirekten Nutzens für alle. Analysiert wird, wie sich ein solches Marktvertrauen in der "späten Frühen Neuzeit" herausbildete. Den literarischen Bezugspunkt bildet die Komödie, deren Geldaffinität nicht nur motivisch hervorsticht. Vielmehr lassen sich ihre Handlungsstrukturen als Modelle marktwirtschaftlichen Verhaltens und der entsprechenden Weltverlaufserwartungen interpretieren, denn die Komödie basiert auf Lizenzen zu normwidrigem Verhalten, vermittelt trotzdem aber das Vertrauen in einen guten Ausgang. Methodisch setzt die Studie mit einer gattungstheoretischen Explikation der Strukturhomologie von Komödie und Geldwesen an. Historisch verfolgt werden beider Interferenzen in mehreren Wissens- und Sozialbereichen: in der Wirtschaftstheorie bis zu Adam Smith, im Konzept des kaufmännisch-strategischen Politicus sowie im Spiel (mit einem Spektrum von der Mutwilligkeit bis zum Providenzvertrauen). Besondere Berücksichtigung finden die (Denk-)Formen sozialer Theatralität sowie die Marktsituation des Theaters. Einzelanalysen von »The Merchant of Venice« bis »Minna von Barnhelm« fächern die Vielfalt der Komödientypen im Schul- und Wandertruppentheater, unter moraldidaktischer Zwecksetzung oder in der Commedia dell'arte-Tradition, im Dienste höfischer Repräsentation oder bürgerlicher Sozialprogrammatik exemplarisch auf, zentriert auf das Reich, aber unter Einbezug französischer und englischer Vorlagen. Anhand der Komödie des Barocks und der Aufklärung wird damit zugleich die Möglichkeit einer post-sozialgeschichtlichen Gattungsgeschichtsschreibung erprobt.
Häufig gestellte Fragen
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Information
Inhaltsverzeichnis
- 1. Geld in/und Literatur – Forschung, Theorie, Methoden
- 1.1 Nathan der Reiche
- 1.2 Geld und Komödie: Möglichkeiten ihrer theoretischen Relationierung
- 1.3 Das „Verknüpfungsproblem“ in der post-sozialgeschichtlichen Literaturgeschichtsschreibung
- 1.4 Historische Fokussierungen
- 2. Agent des Geldes: der Kaufmann
- 2.1 Eingang: Worlds Apart?
- 2.2 Ethik der Gabe: Shakespeares Merchant of Venice
- 2.3 Verkleidung, Täuschung, Betrug: Blümeis Jude von Venetien
- 2.4 Stände(neu)ordnung in Gryphius’ Horribilicribrifax
- 2.5 Gelehrtes Amt statt Händel: Schochs Comoedia. Vom Studenten-Leben
- 2.6 Die Sächsische Reformkomödie zwischen merkantilen Leitbildern und gelehrter Marktfeindschaft
- 2.7 Sozialgruppenformierung und Gesellschaftsdifferenzierung auf dem Theater
- 2.8 Ausgang: Gebende Kaufleute, Verausgabung der Komödie
- 3. Das Laster des Geldes: Geiz
- 3.1 Eingang: Komödie als Lasterkritik und Gesellschaftsordnung
- 3.2 Irdische und himmlische Schätze im Jesuitendrama
- 3.3 Molières L’Avare zwischen Merkantilismus und monarchischer Zentrierung
- 3.4 Unberechenbarer Geiz, unbegreifliche Geschenke: Der Geitzige der Wanderbühne und die (geld)historischen Hindernisse eines französisch-deutschen Komödientransfers
- 3.5 Komische Bewegung und monetäre Stabilität in Weises Betrogenem Betrug
- 3.6 Borkensteins Bookesbeutel: Heiratsmarkt mit Sinnlichkeitsverknappung
- 3.7 Ausgang: Komik wird knapp
- 4. Spiele ums Geld
- 4.1 Eingang: Spiel und Komödie
- 4.2 Christian Reuters Dramatisierungen lebensweltlicher Spiele
- 4.3 Providentielle Garantien strategischer Selbstermächtigung
- 4.4 Marktwirtschaft und Theater
- 4.5 Die Merkantilität des komischen Spiels: Krügers Candidaten. Mit einem Überblick zum Verhältnis gelehrter und ludischer Komödientypen zum Markt
- 4.6 Rettung der Komödie als Reflexionsspiel: Lessings Minna von Barnhelm
- 5. Komödie und Marktwirtschaft: Das erwartete Soziale
- Literaturverzeichnis
- Quellen
- Texte (dramatisch)
- Kontexte (historisch, ökonomisch, philosophisch, poetologisch)
- Darstellungen
- Register