
Erzählte Menschenkenntnis
Moralische Erzählungen und Verhaltensschriften der deutschsprachigen Spätaufklärung
- 416 Seiten
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Erzählte Menschenkenntnis
Moralische Erzählungen und Verhaltensschriften der deutschsprachigen Spätaufklärung
Über dieses Buch
Parallel zum Wandel von der Folgen- zur Gesinnungsethik nimmt im 18. Jahrhundert das Interesse an der Psyche des Menschen zu. Menschenkenntnis zielt so auf die moralische Beurteilung des Handelnden. Doch Moralphilosophie, Gesellschaftsethik und Anthropologie der deutschen Aufklärung diagnostizieren die Unerkennbarkeit des Individuums.
Die historische Analyse systematisiert die Argumente dieser Diskussion und verfolgt ihre Reflexion in deutschsprachigen Moralischen Erzählungen. Sie zeigt, dass die ab 1750 neu entstehende Gattung Sittenbeschreibungen mit der Didaxe der Aufklärungsmoral und des moralischen Urteilens verbindet. Auf der Basis eines breiten Quellenkorpus gelingt der Nachweis, dass Moralische Erzählungen nicht nur moralisch-normativ, sondern auch problemreflexiv und in ihrer empfindsamen Tendenz innovativ sind. Denn das "empfindsame" Verhaltensideal erweist sich als ein idealischer Ausweg, den weniger die Präzeptistik als vielmehr die Literatur aufzeigt.
Moralische Erzählungen prüfen mit psychologisch-anthropologischer Kompetenz theoretische Verhaltensvorgaben. Sie analysieren Verhaltensregeln, Tugendrigorismus, Verhaltenserwartung, -wahrnehmung und -konstituierung. Den Blick ins Innere, der real verstellt ist, kann ein "allwissender" Erzähler ausgestalten. Die narrativen Möglichkeiten der Fiktion kompensieren das Nicht-Wissen vom Menschen am Ende des 18. Jahrhunderts.
Häufig gestellte Fragen
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Information
Inhaltsverzeichnis
- I Moral und Verhalten.
- Zur Einleitung
- 1 Problemaufriß
- 1.1 Die ‚verführte Unschuld‘
- 1.2 Problemstellung
- 1.3 Quellenkorpora im Forschungskontext
- 2 Moralisierung und Regeltradierung in Verhaltensschriften der deutschen Aufklärung
- 2.1 Von der Folgen- zur Gesinnungsethik: Wandel der Verhaltensideale
- 2.2 Unveränderte Verhaltensstandards
- 2.3 Historisch flexible Regeldetails
- 2.4 Kohärenzprobleme neuer Verhaltensideale und alter Verhaltensstandards
- II Verhalten und Urteilen.
- Gemütererkenntnis in deutschsprachigen Verhaltensschriften der Aufklärung
- 1 Vom pragmatischen zum moralischen Interesse am anderen
- 1.1 Die Physiognomie der Körper und des Verhaltens
- 1.2 Die doppelte Problematisierung der Gemütererkenntnis um 1750
- 2 Anleitungen zur Gemütererkenntnis nach 1750
- 2.1 Problemkritische Verfahren
- 2.2 Problemverschiebende Verfahren
- 2.3 Problemignorierende Verfahren
- 2.4 Problemanalytische Verfahren
- 2.5 Modelle der moralischen Beurteilung
- 2.6 Lösungsdefizite
- 3 Problem Verstellung
- 3.1 Mittel zur Aufdeckung von Verstellung
- 3.2 Anweisungen zur Verstellung
- 3.3 Legitimationen höflicher Verstellung
- 3.4 Gegenentwürfe zur Verstellung
- 4 Zwischenresümee
- 4.1 Argumentationsprobleme der Verhaltensschriften
- 4.2 Moralische Erzählungen als Problemreflektoren
- III Erzählen und Erkennen.
- Moralische Erzählungen der deutschsprachigen Spätaufklärung
- 1 Beispiel und Bekehrung. Affirmationen moralischen Verhaltens
- 1.1 Exemplifizierung
- 1.2 Pädagogik
- 1.3 ‚Empfindsame‘ Moralische Erzählungen
- 2 Prüfung. Gemütererkenntnis auf Figurenebene
- 2.1 Verhaltensinterpretation
- 2.2 Gründe für Fehlurteile
- 2.3 Verstellung
- 2.4 Erzähltechnische Urteilsrevision
- 2.5 Kontrastierung diskrepanter Verhaltenserwartungen
- 2.6 Problemreflexive Urteilsanleitung
- 3 Konflikte. Problematisierung von Moral und Verhalten
- 3.1 Problematisierung der Verhaltensreglementierung
- 3.2 Problematisierung moralischer Normen
- 3.3 Problematisierung des Moralitätskonzepts
- 3.4 Problematisierung des moralischen Urteilens
- 3.5 Problematisierung der Menschenkenntnis
- 3.6 Legitimierung verstellter Höflichkeit
- IV Resümee
- V Literaturverzeichnis
- 1 Primärliteratur
- 2 Sekundärliteratur