Mythenkorrekturen
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Mythenkorrekturen

Zu einer paradoxalen Form der Mythenrezeption

  1. 494 Seiten
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Mythenkorrekturen

Zu einer paradoxalen Form der Mythenrezeption

Über dieses Buch

Der Begriff der Mythenkorrektur ist innerhalb der Literaturwissenschaft (noch) nicht etabliert. Ziel des Bandes ist es, ihn vorzustellen und anhand exemplarischer Interpretationen seine Erschließungskraft zu dokumentieren. Denn in zahlreichen Werken der Literatur wird ein tradierter Zusammenhang von Mythen als bekannt vorausgesetzt, aber an einer bestimmten Stelle wird das überlieferte Geschehen negiert. Die Frau des Kandaules sei nicht schön gewesen, die Sirenen hätten nicht gesungen, Ödipus sei von der Nachricht nicht überrascht worden (Brecht) usw. Die Berichtigungen setzen jeweils an einem markanten Punkt ein, so dass der Eingriff die wohlbekannten Geschichten in ein ganz neues Licht rückt, den Kern des Mythos aber prinzipiell unangetastet lässt.

Der vorliegende Band untersucht eingehend die Formen und Funktionsweisen solcher Mythenkorrekturen. Dabei werden einschlägige Werke der europäischen Literatur behandelt und deren Interpretationen mit Überlegungen zum antiken Mythos, zur christlichen Mythenkorrektur, zur Neuen Mythologie und zur Mythenkorrektur vom Existenzialismus bis zur Postmoderne verbunden. Das Spektrum der untersuchten Texte ist weit gehalten, um den Begriff der Korrektur nicht unangemessen zu verkürzen. Untersucht werden z.B. Texte von Heiner Müller, Thomas Brasch, Christa Wolf und Volker Braun ebenso wie von Shakespeare, Goethe und Kleist.

Pluspunkte:

  • Innovativer Sammelband mit einem neuartigen literaturwissenschaftlichen Konzept zur Mythenrezeption
  • Komparatistische Perspektive: Verschiedene europäische Literaturen werden einbezogen
  • Einschlägig ausgewiesene Herausgeber und Autoren

Häufig gestellte Fragen

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Information

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort
  2. Zum Begriff der Mythenkorrektur (Einleitung)
  3. „Ich aber“. Mythenkorrekturen in Pindars 1. Olympie
  4. Mythenkorrekturen in der griechischen Tragödie
  5. Zwischen Kolosseum und Olymp. Adaption und Transformation griechischer Mythen in Rom
  6. Odysseus und Orpheus christlich gelesen
  7. Dantes Odysseus
  8. „Merry Greeks“: Die Spiele der Elisabethaner mit den antiken Mythen
  9. Zum Deutungsspielraum der Ikarus-Figur in der Frühen Neuzeit
  10. Über Freiheit und Grenzen poetischer Mythengestaltung
  11. „Wir müssen die Mythe [...] beweisbarer darstellen.“ Hölderlins moderne Rezeption der Antigone
  12. Mythenbildende Phantasie im Kontext des deutschen Idealismus: Dionysos, Christus
  13. Kopflose Jagd. Zu Heines Inszenierung der Salome-Figur
  14. Mythische Rede als Echo-Rede: die Lorelei (Ovid – Brentano – Heine)
  15. Mythenkorrektur als Öffnung des theatralischen Raums: Ariadne auf Naxos
  16. Rahel. Esther. Ruth. Zu Gedichten von Else Lasker-Schüler und Gottfried Benn
  17. Winfried Menninghaus (Berlin): Kafkas Klartext
  18. Odysseus in korrigierter Haltung. Entstellungen des Mythos bei Kafka, Brecht, Benjamin und Adorno/Horkheimer
  19. Mythen-Bricolage in Film und Theater Frankreichs – das Beispiel Jean Cocteau
  20. Revolte gegen das Absurde: Sisyphos nach Camus
  21. Aus dem Reich der Toten. Korrekturen der Nekyia von Hans Erich Nossack und Arno Schmidt
  22. Ödipus in Österreich. Mythische Motive und mythisches Erzählen in Heimito von Doderers. Ein Mord den jeder begeht und Ingeborg Bachmanns Ein Wildermuth
  23. Dürrenmatt in Delphi. Korrekturen des Ödipus-Mythos im Sterben der Pythia
  24. Entzauberung – Wiederverzauberung. Die Maschine Mythos im 20. Jahrhundert
  25. Elektra vor dem Palast. Elfriede Jelinek und die Atriden
  26. Zerstörung, Rettung des Mythos im Trivialen. Über die Travestie der Tradition in Literatur und Film, in Fernsehen und Comic
  27. Biobibliographische Hinweise
  28. Abbildungsnachweise
  29. Register der Autoren, Werke, biblischen und mythologischen Figuren