In John Miltons Gedicht "Paradise Lost", dem vielleicht größten und schwierigsten Text der englischen Literatur, werden am Ende der spät verlaufenden englischen Renaissance noch einmal Kunst, Wissenschaft, Religion und Philosophie wie in einem poetischen Kompendium gebündelt. Die historische Rekonstruktion dieses Einschmelzungsvorganges wird in der vorliegenden Studie im Sinne einer literarischen Ikonologie unternommen, was zu einer grundsätzlichen Neubewertung der englischen Renaissanceliteratur führt; Grundfragen der Frühen Neuzeit werden im Rahmen einer Genealogie der Moderne neu aufgeworfen. Für Martin Windisch schält sich Miltons Musenfigur Urania aus der Sprache und dem Figurenapparat als vexierendes Denkbild und als Emblem für den Selbstbehauptungswillen der Frühen Neuzeit heraus. Einmal auf die Spur gesetzt, erscheint sie am Ende einer Traditionslinie der multiperspektivischen Form anamorphotischer Denkbilder der Selbstbehauptung, die von Shakespeare und Spensers großer Ikone über den mächtigen Leviathan des Thomas Hobbes reicht und noch für die Perspektivität der Leibnizschen Philosophie bestimmend ist. Der interdisziplinäre Zugriff des vorliegenden Buches ermöglicht eine dichte Vernetzung der behandelten Einzelfragen. Sie reichen von der Geschichte des Erhabenen über Probleme der Allegorisierung bis hin zum kunstgeschichtlichen Idea-Konzept im Gefolge Panofskys und zu Grundfragen der frühneuzeitlichen Wissenschafts- und Philosophiegeschichte.

- 304 Seiten
- German
- PDF
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Information
Thema
LiteraturThema
LiteraturkritikInhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Formen der Übersetzbarkeit: Zum Prozeß der Similisierung und Dissimilisierung
- Die Aufgabe des Übersetzers
- Milton als Übersetzer
- Sprachmetamorphosen
- Die Sprache des Sublimen
- Das biblische Sublime
- Die Ikonoklasmen des Sublimen
- Der unaussprechliche Gottesname
- Shi’ur Koma – Die mystische Gestalt der Gottheit
- Dantes Thronwagen
- Macht und Illusion: Der Thronwagen auf der Bühne
- Babylonische Einschmelzung
- Bruno – Galilei – Milton
- John Donnes Melancholie
- Milton und Galilei
- Quasi tellus altera
- Formen der Lesbarkeit
- Die Projektion einer neuen Welt
- Pluralisierung der Welten
- Pluralisierung der Sichtweisen: Kosmoshermeneutik und Multiperspektivität
- Jenseits aller Phantasie
- But nigh hand seemed other worlds, / Or other worlds they seemed
- Destabilisierung der Formen: Idea am Abgrund des Chaos
- Dunkle Gegenkräfte?
- Idea
- Bruno – Spenser: Spensers Idea–Zentren
- Spensers Verwandlungsmaschine
- Gardin of Adonis
- An Huge Eternali Chaos
- In the wide womb of the world - Chaosmächte und Materie bei Bruno
- Il trapassar del segno
- The womb of nature and perhaps her grave
- Psyché – Pandora – Sin
- A Goddess armed
- Eine Schöpfung vor der Schöpfung: Das Wunderbare
- Die dialektische Präsenz der Urania: Ein Hauchen auf den Spiegel des Universums
- Die Figur gewordene Übersetzbarkeit der Kulturen und Traditionen
- Specchio sanza macula de la maestà di Dio – Die Spiegelfigur
- Die Paradiesesquelle im Rosenroman
- Raison
- Beatrice
- Dantes Convivio
- Der Eine und die Vielen
- Omnia uniter und die vielen Namen bei Nikolaus
- Similisierung und Figurwerdung bei Apuleius - Dea multinomia & deorum dearumque facies uniformis
- Ikonologische Vernetzung, Überlagerung und Wandlung - Brunos Zeus am Götterhimmel der Renaissance
- Memory is the world, though not really, yet so as in a looking glass
- Manieristische Formen
- Optionalität
- Indistinct as water is in water– Bilder auf dem Rad der Wandlungen
- Black Staid Wisdom's Hue: Miltons Melancholie
- Dictamen Rationis: Im Hinblick auf Kant
- Schechina
- Die Spiegelachse
- Die Gestalt in der Maschine
- With mighty wings outspread
- Ein Hauchen auf dem Spiegel des Universums
- Literaturverzeichnis
- Verzeichnis der Abbildungen
- Abbildungen
- Personenregister
- Sachregister
Häufig gestellte Fragen
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