Clavis Scientiae
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Clavis Scientiae

Studien zum Verhältnis von Faktizität und Fiktionalität am Fall der Schlüsselliteratur

  1. 309 Seiten
  2. German
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Clavis Scientiae

Studien zum Verhältnis von Faktizität und Fiktionalität am Fall der Schlüsselliteratur

Über dieses Buch

In der diachronen Studie werden Texte vom 17. bis zum 20. Jahrhundert untersucht, mit dem Ziel, die literarische Verschlüsselung als eine Form der Vermittlung von Faktizität und Fiktionalität im größeren Kontext zweier kultureller Praktiken, der kabbalistisch inspirierten Steganographie sowie der Kryptographie, zu erfassen. Am höfisch-historischen Roman (u.a. M. Opitz/J. Barclay, »Argenis«; Anton Ulrich von Braunschweig und Lüneburg, »Die römische Octavia«) wird der Verlauf der referentialisierenden Lektüre untersucht. Im 18. Jahrhundert verbindet sich das 'Prinzip Schlüssel' mit der Satire bzw. dem Pasquill (Chr.F. Hunold, »Satyrischer Roman«, Chr.M. Wieland, »Die Geschichte der Abderiten«). Entschlüsselnde Lektüre entfaltete sich im Rezeptionsprozeß der »Leiden des jungen Werthers« mit unerwarteter Direktheit. Die Rolle der Zensur für das Weiterbestehen des 'Prinzips Schlüssel' läßt sich an E.T.A. Hoffmanns Märchen »Meister Floh« zeigen; an Klaus Manns »Mephisto« erweist sich, wie das Konzept gegen den Roman instrumentalisiert werden konnte. Thomas Mann, der in allen Phasen seines Werkes mit dieser Lektüre auf Modelle und Vorbilder hin konfrontiert wurde (untersucht werden »Buddenbrooks« und »Doktor Faustus«), reagierte nicht nur mit Verteidigungen (»Bilse und ich«) und wenig zutreffender Abwehr (als er sein narratives Prinzip im »Doktor Faustus« als Montage beschrieb), sondern auch mit ironischer Gegenwehr: In »Lotte in Weimar« inszenierte er die Entschlüsselungslust der Werther-Zeitgenossen wie der späteren Philologen. Die Einzeluntersuchungen laufen darauf zu, die Referentialisierung als >legitime Form der Lektüre< herauszustellen.

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Information

Inhaltsverzeichnis

  1. I. Grundlegung
  2. 1. Drei Teilansichten eines Themas
  3. 1.1 Die Narbe des Odysseus
  4. 1.2 Caligula
  5. 1.3 Die Botschaft des entführten Jan Philipp Reemtsma
  6. 2. Historische Herleitung des Konzepts
  7. 2.1 Die alte Kunst der verrätselten Botschaft: Steganographie und Kryptographie
  8. 3. Methodische Grundlegung der literarischen Ver- und Entschlüsselung
  9. 3.1 Textexterne Strategien: Schlüssel innerhalb der Paratexte
  10. 3.2 Die Entschlüsselung als Applikation eines semantischen Teilpotentials
  11. 3.3 Textinterne Strategien: Die Explikation durch die Narration
  12. 3.4 Äsopisches Reden: Verschlüsselung und Zensur
  13. 3.5 Identität versus Ähnlichkeit: Abgrenzung zur Autobiographie
  14. 3.6 Zur Anlage der Studie
  15. II. Historische Entwicklung des Konzepts
  16. 1. Das 17. Jahrhundert: Politische Geschichte und Hofarkana
  17. 1.1 Diskursive Schlüssel als »sehr große Thore« zum Roman: ›Argenis‹ (1621/1626)
  18. Exkurs: Christoph Forstners Briefdiskurs über ›Argenis‹
  19. 1.2 Conclusio I: Die Verschlüsselung im Kontext der Romanpoetik
  20. 1.3 »Pro confidentioribus«: Schlüsselromane als kommunikatives Medium adliger Eingeweihter: ›Die römische Octavia‹ (1707/1714)
  21. 1.4 Verschlüsselung und höfische Kommunikation
  22. 1.5 Vorgetäuschtes Geheimwissen: ›Der Europäischen Höfe Liebes- und Heldengeschichte‹ (1705)
  23. 1.6 Conclusio II: Das Verschwinden der Claves und die Durchsetzung der geschlossenen Fiktionalität nach 1700
  24. 2. Das 18. Jahrhundert: Weiterbestehen und Ironisierung des ›Prinzips Schlüssel
  25. 2.1 Problemaufriß I: Verschlüsselung, Satire und Pasquill
  26. 2.2 Problemaufriß II: Mimesis und »mahlende Poesie« als umschreibende Konzepte
  27. 2.3 Der ironische Schlüssel: ›Die Geschichte der Abderiten‹ (1774/1778/1781)
  28. 2.4 »Nach der Natur zeichnen, um Wahrheit in das Gemälde zu bringen«: ›Die Leiden des jungen Werthers‹ (1774)
  29. 3. Das 19. Jahrhundert: Verschlüsselung, Zensur und Realismus
  30. 3.1 Verschlüsseln und Entschlüsseln in Zeiten der Zensur: ›Meister Floh‹ (1822)
  31. 3.2 Skizze einer verschütteten Problemlage: Verschlüsselung und Realismus
  32. 4. Das 20. Jahrhundert: Biographie, politische Geschichte, intertextuelles Spiel
  33. 4.1 Problemaufriß: Die Modellphilologie und die Durchsetzung des ›Prinzips Schlüssel vor der Jahrhundertwende
  34. 4.2 Verschlüsselung nach 1900 als dichterische Praxis
  35. 4.3 Die Rechte der empirischen Leser: ›Buddenbrooks‹ (1901)
  36. 4.4 Eine »erfundene Figur«: ›Mephisto‹ (1936)
  37. 4.5 Montage und Entschlüsselung des Schlüssels: ›Doktor Faustus‹ (1948)
  38. III. Konsequenzen
  39. Bibliographie
  40. 1. Quellen
  41. 2. Forschungsliteratur