
Pathos, Ausdruck und Bewegung
Zur Ästhetik des Weimarer Klassizismus 1796-1806
- 443 Seiten
- German
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Über dieses Buch
Die interdisziplinär angelegte Studie wirft einen neuen Blick auf die Kunsttheorie des Weimarer Klassizismus. Hinter dem Klischee "edler Einfalt und stiller Größe" wird dabei eine dynamische Ästhetik erkennbar, für die die künstlerische Darstellung von Pathos, Ausdruck und Bewegung keinesfalls ausgeschlossen, sondern im Gegenteil sogar konstitutiv ist. Die Struktur der auf einer breiten Basis von Bildbeispielen argumentierenden Untersuchung ergibt sich aus den drei für den Neoklassizismus zentralen Diskursen: der Archäologie, der Kunsttheorie sowie der zeitgenössischen Kunstkritik. Herausgearbeitet wird der von den "Weimarischen Kunstfreunden" unternommene Versuch, die noch von Winckelmann und Lessing als übertrieben abgelehnte "Nachahmung des Gewaltsamen" in die Kunstlehre zu reintegrieren, um auf diese Weise den spätestens seit den 1780er Jahren in eine Krise geratenen Klassizismus theoretisch flexibler wie auch ästhetisch attraktiver zu gestalten.
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Information
Inhaltsverzeichnis
- EINLEITUNG
- KAPITEL I - ARCHÄOLOGIE: ALOYS LUDWIG HIRT
- I. „Das neueste, was im artistischen Fach in Italien vorgeht". Hirt als Mitarbeiter von Schillers Hören
- II. „Bestimmte Individualität": Hirts Versuch über das Kunstschöne
- 1. Konvention und Innovation
- 2. ,Charakteristik'. Europäischer Kontext und mögliche Quellen des Begriffs bei Hirt
- 3. Empirische Erweiterungen des Klassizismus
- III. Die „Gewalt des physischen Antstrengens und des körperlichen Leidens": Hirts Laokoon
- 1. Laokoon versus Apollo
- 2. Rekurs als Strukturprinzip – Anschauung als Methode
- 3. Entgrenzung von Form, Bewegung und Ausdruck
- 4. „Ein näherer Blik über die alten Monumente": Hirts Museum gewaltsamer Darstellungen
- 5. „Größtentheils in Ruhe"? Leidenschaftlich Gebildete Einzelfiguren
- IV. Ansichtssache: Hirts Nachtrag über Laokoon
- V. Jenseits der „neuesten Ästhetiker": Hirts produktive Empirie
- KAPITEL II - KUNSTTHEORIE: DIE WEIMARISCHEN KUNSTFREUNDE
- I. Epische, dramatische und tragische Gegenstände: Weimar – Jena – Florenz 1796/97
- 1. Schiller und das Charakteristische der griechischen Poesie und Kunst
- 2. Goethe und Meyer über tragische Gegenstände
- 3. „Nach unserer jetzigen Überzeugung": Goethes Laokoon-Aufsatz als Antwort auf Hirt
- II. Über Laokoon (1797/98)
- 1. Allgemeine Kunstbedingungen
- 2. Die Laokoongruppe als „Muster" der Kunst
- 3. Fokus: Stellung und Ausdruck der Laokoonfigur
- 4. Totale: Stellung und Ausdruck „sämtlicher Teile des ganzen Werkes"
- 5. Die Laokoongruppe als Tragödie
- 6. Prekäre Balancen
- III. Vorarbeiten zu den Propyläen
- 1. „Zu bearbeitende Materie"
- 2. „Tragische Darstellungen"
- 3. Antikes Pathos, frühklassizistische Ästhetik und zeitgenössisches Kunstwollen
- IV. Über die Gegenstände der bildenden Kunst
- 1. Grundlagen und Grundsätze: „Von den Gegenständen überhaupt"
- 2. Abwertung historischer zugunsten symbolischer Darstellungen
- 3. Vorteilhafte tragische Gegenstände
- 4. Widerstrebende tragische Gegenstände
- 5. Grenzen der Gegenstandslehre: Die künstlerische Form
- V. Rafaels Werke besonders im Vatikan
- 1. „Nichts Großes, nichts Gewaltiges" – Raffaels vorrömische Werke
- 2. „Heftige Leidenschaften sind in diesem Werk nicht gebildet." – Die Stanza della Segnatura
- 3. „Ernster, größer, kühner und gewaltiger" – Die Stanza di Eliodoro
- 4. „Der Styl ist groß", der „Ausdruck ist sehr stark" — Die Stanza dell'Incendio
- 5. „Unruhe und Getümmel" – Invention und Komposition in der Sala di Costantino
- 6. „Wie ein anderer Proteus" – Ausdruck und Wirkung in der Malerei Raffaels
- VI. Niobe mit ihren Kindern
- 1. Der „fabelhafte" Gegenstand
- 2. Antike Darstellungen und moderne Rezeptionen
- 3. Beschreibung
- 4. Distanzierung durch Inszenierung: Aufstellung/ Komposition
- 5. Deus absconditus: Apollo und Diana
- 6. Desillusionierung als Beschreibungsstrategie
- VII. Der Sammler und die Seinigen
- 1. Schönheit versus Charakteristik
- 2. Anmut und Zierde versus Schrecken und Tod
- 3. Ornament und Verbrechen
- 4. Alte Tragödie und bildende Kunst
- 5. Grenzen und Gefahren
- 6. Synthese der „Enunciationen"
- VIII. Weimarer Preisaufgaben
- 1. Zwischen Einfalt und Barbarei: Paradoxien der Homer-Rezeption
- 2. „Gefälliges" und „Pathetisches"
- 3. „Die Preisaufgabe fürs Jahr 1800"
- 4. Künstler auf Abwegen: Die „neue Energie unter David"
- 5. Der Wille zum Pathos: Außerordentlich eingesandte Stücke
- IX. „Edle Einfah, stille Größe"? - Goethes Polygnot-Aufsatz im Kontext der Weimarer Kunstausstellung von 1803
- 1. Die „Eroberung Trojas" nach einem antiken Vasengemälde auf der Kunstausstellung von 1803
- 2. Die Kopie nach einem antiken Vasengemälde mit der „Ermordung und Flucht der Familie des Priamus" im Besitz der Weimarer Kunstsammlungen
- 3. Tischbeins Nachzeichnung eines Vasengemäldes mit der „Zerstörung der Familie Priamo" für Anna Amalia
- 4. Original und Kopie: Klassizistische Antikenrezeption
- 5. Ein Königsmord im Weimarer Theater
- KAPITEL III – KUNSTKRITIK: CARL LUDWIG FERNOW
- I. Meyers Entwurf einer Kunstgeschichte des achtzehnten Jahrhunderts
- II. Fernows Monographien über Asmus Jakob Carstens und Antonio Canova
- 1. Leben des Künstlers Asmus Jakob Carstens
- 2. Über den Bildhauer Canova und dessen Werke
- III. Am Ende: Carstens' Laokoon
- AUSBLICK
- ANHANG
- Literaturverzeichnis
- Register