
- 200 Seiten
- German
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Der Diamantenfluß
Über dieses Buch
Das Werk "Der Diamantenfluß" ist ein 1937 veröffentlichter Afrikaroman von Edgar Wallace. Der Originaltitel lautet "The River Of Stars".Richard Horatio Edgar Wallace (geboren 1. April 1875 in Greenwich, London; gestorben 10. Februar 1932 in Hollywood, Kalifornien) war ein englischer Schriftsteller, Drehbuchautor, Regisseur, Journalist und Dramatiker. Wallace gehört zu den erfolgreichsten englischsprachigen Kriminalschriftstellern.
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Information
Whitey am Werk
Amber erschien die Landstraße von Maidstone nach Rochester ein höchst angenehmer Weg. Möglich, daß sich manche im Vorfrühling beklagten, sie ziehe sich allzu monoton hin – diese sich mühsam windende Straße, die bald bergauf, bald bergab führte, auf der einen Seite den armseligen Kentischen Landrücken, der sich nur dürftig zu einer bescheidenen Anhöhe erhob, und auf der anderen das Tal des Medway, das nur mühsam durch einen weißen Nebel zu erkennen war.
Doch Amber ging den Weg gern und fand den Spaziergang kräftigend; weder die grauen Wolken droben, noch die scharfe, stürmische Brise, die von der See hereinwehte und einen bis ins Mark auskühlte, konnte ihm die Straße verleiden.
»Wir hätten ausfahren können,« sagte das junge Mädchen, das bei ihm war – ihre Gegenwart erklärte seine Vergeßlichkeit für alles andere. »Ich habe Bange, daß das Wetter –«
»Gesundheitsstörungen bei dem armen Afrika-Reisenden hervorruft,« spöttelte er und lachte. »Peter hielt mir ein langes Privatissimum über denselben Gegenstand. Es läge auf der Hand, daß bei einem Helden wie ihm eine Gehirnentzündung als Ergebnis des plötzlichen Klimawechsels zum Ausbruch kommen müsse – doch das kann nicht wahr sein, denn Helden unterliegen nicht dem Wetter.«
»Ich habe deinen Peter gern,« bekannte sie nach einer Pause.
»Er ist ein sonderbarer Vogel,« gab Amber zu.
»Vater hat ihn auch gern,« fuhr sie fort und seufzte. »Glaubst du, daß Vater wieder gesund wird?«
Amber brauchte lange zu seiner Antwort, so daß sie erwartungsvoll stehen blieb.
»Ich wünschte, du würdest es mir sagen,« meinte sie ruhig.
»Ich will es dir sagen,« erwiderte er. »Ich versuchte, meine verborgenen Gedanken in Worte zu kleiden. Ja,« er überlegte wieder. »Ja, ich glaube, daß mit der Zeit Besserung eintritt.«
»Er ist doch nicht – « sie vollendete den Satz nicht.
»Nein, er ist nicht – verrückt, was man gewöhnlich unter Verrücktheit versteht. Er leidet an Zwangsvorstellungen – ein einziges Ereignis füllt ihn so ganz aus, daß seitdem sein Verstand stillsteht.«
»Er hat sein Gedächtnis verloren – und doch erinnert er sich meiner und des Diamantenflusses.«
Sie gingen schweigend weiter; beide waren zu sehr mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt, um sich unterhalten zu können.
Wie ein Problem nahm Sutton, der Forscher, ihr Denken gefangen. Das Haus, welches Cynthia gekauft hatte, stand abseits vom Wege. Es war ursprünglich eine Meierei gewesen, aber seine verschiedenen Besitzer hatten es nach und nach in ihrer Mußezeit zu einem behaglichen Landhaus umgewandelt, so daß es jetzt mit seinen vier Morgen bewaldeten Bodens ein wundervoller Ruheort war.
Francis Sutton saß vor einem knisternden Holzfeuer, ein Buch auf den Knien. Er blickte lächelnd auf, als sie eintraten.
Die Erfahrung hatte einen Mann aus ihm gemacht – diese Tatsache war Amber nie so sehr aufgefallen wie eben in diesem Augenblick. Sein Gesicht war gebräunt und schmal, die knabenhafte Rundung seiner Wangen war verschwunden, und auch die Ungeduld, die für sein Wesen bezeichnend war, als Amber ihn zuerst getroffen, hatte er abgelegt.
»Was gibt's Neues?« fragte er.
Amber hielt seine Hand an das lodernde Feuer.
»Morgen wird das Kolonialamt Lambaire auffordern, die Stelle, wo seine Mine liegt, zu bezeichnen,« sagte er. »Ich fürchte, mein Lambaire wird auf Schwierigkeiten stoßen.«
»Ich glaube, das wird er,« bestätigte der andere trocken. »Wieviel Zeit wird man ihm lassen?«
»Eine Woche, und wenn bis dahin keine Erklärung erfolgt ist, wird das Kolonialamt einen Tatbestand aufnehmen, der in Lambaires Treu und Glauben Zweifel setzen wird.«
»Ein ungewöhnliches Verfahren,« wandte Sutton ein.
»Ein ungewöhnlicher Fall, mein unerschrockener Forscher,« erwiderte Amber.
Sutton grinste.
»Spotte nicht,« verteidigte er sich, »ich weiß jetzt, daß ich noch ein Grünschnabel bin.«
Amber sah väterlich auf ihn herab.
»Wir müssen alle an die Kandare genommen werden,« bemerkte er. »Wirklich, ich glaube eher, daß du ein wundervoller Junge bist.«
Der Jüngling errötete, denn er fühlte die Aufrichtigkeit in des andern Worten.
»Wo ist dein Vater?« fragte Amber plötzlich.
»Im Park mit deinem Freund; es war wirklich ein glücklicher Einfall von dir, unseren Freund herzusenden – wie ist sein Name – Musk?«
»Peter – du mußt ihn Peter nennen,« sagte Amber. Er stand auf und ging auf die Flügeltür zu, welche auf den großen Grasplatz vor der Villa führte.
»Peter kann gar kein Ende finden mit seinem Interesse für Vater,« fuhr Sutton fort. »Er ist eine vollkommene Romanbibliothek.«
»Wir wollen sie aufsuchen,« schlug Amber vor.
Sie gingen in den kleinen, mit einer Mauer umgebenen Park, wo der Forscher zu seiner Erholung weilte, und kamen den beiden unerwartet.
Peter illustrierte mit einem Spazierstock eine Geschichte, die er erzählte, und der vom Schicksal gebeugte Mann mit dem wilden, struppigen Bart und dem gefurchten Antlitz stand daneben und nickte bei der Erzählung ernsthaft mit dem Kopfe.
»Sir Claude,« so plauderte Peter gerade, »hielt die Brücke hier, wollen wir annehmen, und Sir Reginald setzte dort über den Festungsgraben; die Bewaffneten warfen Steine von den Zinnen herab, und Lady Gwendoline, das Schwert in der Hand, verteidigte den weißen Turm. In dem Augenblick, als der heldenhafte Jüngling seine Bogenschützen vorwärtsdrängte, erhob sich ein lautes Geschrei: ›St. Georg und England!‹ – Sie verstehen mich, Herr Sutton? Sie hatten keine Ahnung, daß des Königs Armee so nahe war.«
»Vollkommen,« erwiderte der Forscher, »vollkommen, Herr – ja – vollkommen. Ich erinnere mich, etwas Ähnliches erlebt zu haben, als wir die Mashangonibis vor vielen Jahren angegriffen – ich – ich glaube, ich erinnere mich.«
Er strich mit der Hand müde über seine Augen.
»Vater,« sagte Frank zärtlich, »hier ist unser Freund, Kapitän Grey.«
Der Forscher drehte sich heftig herum.
»Kapitän Grey?« sagte er halb fragend und hielt ihm seine Hand entgegen.
In seinem Kopfe flackerte eine flüchtige Erinnerung an Amber auf.
»Kapitän Grey, ich fürchte, mein Sohn hat auf Sie geschossen!«
»Das ist ganz belanglos, Herr Sutton,« betonte Amber.
Der Kranke hatte die einzige Gedankenverbindung mit Amber im Zusammenhang mit jener dramatischen Begegnung, und obgleich sie sich fast täglich sahen, hatte der ältere Sutton keine andere Bemerkung zu machen als immer wieder diese.
Tag für Tag, ob er ihn morgens beim Frühstück begrüßte oder sich abends von ihm verabschiedete, war der Anfang und das Ende jeder Unterhaltung die Bemerkung des Forschers: »Ich fürchte, mein Sohn hat auf Sie geschossen.«
Sie gingen langsam in das Haus zurück. Amber und Peter folgten den anderen.
»Er ist vernünftiger, Herr Amber,« sagte Peter. »Sein Zustand scheint sich in den letzten zwei Tagen gebessert zu haben.«
»Wie lange hat er die Wohltat deiner Gesellschaft genossen, mein Peter?« fragte der andere.
»Zwei Tage,« erwiderte Herr Musk ahnungslos.
Amber hatte Gelegenheit, den alten Herrn zu studieren, als sie beim Tee saßen – die Mahlzeiten in dem ›weißen Haus‹ hatten einen demokratischen Charakter.
Alt war er nicht, wenn man seine Jahre in Betracht zog, aber der Urwald hatte sein Haar gebleicht und in sein Gesicht tiefe Furchen gegraben. Amber schätzte ihn mit Lambaire gleichaltrig.
Er sprach nur, wenn er angeredet wurde. Die meiste Zeit über saß er wie in Gedanken verloren da, den Kopf tief auf die Brust herabgesenkt, und seine Finger spielten nervös auf seinem Knie.
Bei einem Gegenstand war sein Geist klar, und das war der Gegenstand, den jeder sich scheute mit ihm zu erörtern – der Diamantenfluß.
Mitten in eine allgemeine Unterhaltung platzte er zuweilen mit hastigen Reden hinein und stockte nicht dabei, wie es sonst seine Gewohnheit war; und zum Schluß jeder Rede brach immer wieder die fixe Idee mit den Diamanten durch.
Amber berichtete von seinem Besuch in London, als ihn der Alte plötzlich unterbrach. Zuerst war seine Stimme kaum stärker als ein Flüstern, aber sie gewann an Kraft – je länger er sprach, desto mehr.
»... es lagen eine Anzahl Granaten auf dem Boden,« sagte er leise, als ob er mit sich selbst spräche. »Es waren auch noch andere Anzeichen vorhanden, daß eine Diamantgrube existieren müsse ... die Erde war ähnlich beschaffen wie die in Kimberley und in der Nähe des Vaal-Flusses ... blaue Erde, unzweifelhaft diamanthaltige Erde ... natürlich war es überraschend, diese Anzeichen in einer Gegend zu finden, die so weit entfernt war von der Stelle, wo, wie wir nach unseren Nachforschungen glauben mußten, die Mine festgestellt werden würde.«
Alles schwieg, als er eine Pause machte. Später fuhr er wieder fort:
»Die Gerüchte von einer Mine und die Proben, die ich gesehen hatte, brachten mich dahin, zu vermuten, daß die Mine selbst nach dem Nordwesten des großen Waldes wiese; daß sie wirklich eher an der Schwelle des Landes sein sollte als an der äußersten Grenze, das illustriert die Ungenauigkeit der Forschung ... Ungenauigkeit ... Ungenauigkeit? Das ist schwerlich das Wort, ich glaube ...«
Er bedeckte seine Augen mit der Hand.
Obgleich alles schwieg, sagte er nichts mehr. Es war das gewöhnliche Ende, wenn er so erzählte; irgendein ...
Inhaltsverzeichnis
- Die Vorgeschichte
- Amber
- Im Klub der Whistlers
- Peter, der Romandichter
- Lambaire braucht eine Karte
- Amber gesteht seine Schuld
- Auf der Straße
- Amber begibt sich nach Scotland Yard
- Francis Sutton stellt eine Frage
- Amber sieht die Karte
- Der Mann in Sträflingskleidung
- Kapitän Ambrose Grey
- Amber tritt die Ausreise an
- Im Wald
- Eine Handvoll Kiesel
- Im Bett des Flusses
- Amber und die Prospekte
- Whitey hat einen Plan
- Whitey am Werk
- Amber reißt aus
- Das Ende
- Impressum
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