
eBook - ePub
Circular Change
42 richtungsweisende Gespräche
- 232 Seiten
- German
- ePUB (handyfreundlich)
- Über iOS und Android verfügbar
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Circular Change
42 richtungsweisende Gespräche
Über dieses Buch
Das Projekt befragt Akteur*innen eines potenziellen Kreislaufs, um ein gemeinsames Verständnis darüber zu ermöglichen, wie man sich einer Kreislaufwirtschaft in der Bauwirtschaft nähern kann. Es ist ein erster Versuch, einen gemeinsamen Kontext zu finden sowie eine Sammlung an Forderungen, Visionen und Herausforderungen anzulegen. Beiträge von: Renaud Haerlingen, Thomas Romm, Brigitte Felderer, Clara Rosa Rindler-Schantl, Eva Maria Mair, Klaus Kodydek.
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Information
1 Kreislaufwirtschaft
in der Stadtentwicklung
Verfolgt man das Ziel, materielle Ressourcen so lange und hochwertig wie möglich zu nutzen, ist eine vernünftige Einschätzung dessen, wie Ressourcen wiederverwendet werden, welche Distanzen sie dafür zurücklegen müssen sowie welche Energie-Aufwände damit verbunden sind, unumgänglich. Besonders in städtischen Strukturen ist es aufgrund der hohen Dichte an Bauvorhaben und Materialflüssen notwendig, Lösungen zu finden, um diese Prozesse zu strukturieren: Einerseits müssen vermehrt Bemühungen in die Adaption sowie den Rückbau bestehender Gebäude fließen, andererseits müssen die Konzeption und Beschaffung von Materialien bei Neubauten überdacht werden. Ein gemeinsames und vernetztes Denken dieser beiden komplexen, meist getrennt geplanten Abläufe erfordert neue Zugänge in allzu gewohnten Prozessen. Im Interesse einer gelingenden Kreislaufwirtschaft müssen alle involvierten Akteur*innen einer Stadtentwicklung die Begutachtung und Wertschätzung von Gebäudebestand in ihre Denk- und Entscheidungsprozesse aufnehmen sowie lernen, mit Einschränkungen aber auch Potenzialen in der Wiederverwendung von Materialien umzugehen.
Beginnend bei den Einsparmöglichkeiten von Transporten, einer damit einhergehenden Reduktion von Lärm- und CO2-Emissionen, bis hin zur Schaffung von Arbeitsplätzen durch neue Anforderungen des Rück- und Neubaus, bedeutet das Wiederverwenden von Material einen unbestreitbaren Mehrwert für Umwelt, Volkswirtschaft und Gesellschaft.
Die Implementierung einer Kreislaufwirtschaft im städtischen Kontext sieht sich aktuell (noch) mit rechtlichen wie ökonomischen Hürden konfrontiert. Das Hinterfragen des „business as usual“ führt unweigerlich zu einer Umverteilung von Zuständigkeiten, Expertise und Kapital. In der Diskrepanz einer starken Regulierung durch Normen, starren Zuständigkeitsbereichen und einer zunehmenden Neoliberalisierung der Stadtentwicklung, sieht sich eine solche Veränderung vor große Herausforderungen gestellt.
Um unnötigen Abfall zukünftig zu reduzieren wird es erforderlich sein, Antworten darauf zu finden, wie Materialströme zwischen Rück- und Neubauten hergestellt werden können. Der Kostenaufwand einer eventuellen Materiallagerung sowie die Koordination von Baustellen sind noch ungelöste Punkte. Zudem gilt es, in Zukunft nur mehr Materialien zu verbauen, die für unser Ökosystem keine Gefährdung darstellen und diese so zu verbauen, dass sie möglichst wiederverwendbar bleiben. Für künftige architektonische Entwurfsaufgaben werden die Adaptierbarkeit und Flexibilität von Grundrissen im Vordergrund stehen müssen, um Nutzungsänderungen und damit eine verlängerte Lebensdauer von Gebäuden zu ermöglichen. Soll das Ziel verfolgt werden, Ressourcen maximal zu schonen, müssen künftige Entscheidungen auch darauf hinauslaufen, nicht zwingend neu zu bauen.
Zweifellos ist der Übergang hin zu einer Praxis der Kreislaufwirtschaft mit Hindernissen verbunden. Alte Modelle aufzubrechen und bewährte Ansätze loszulassen, um neue zu wagen, stellt eine Herausforderung dar. Die Lehren aus der Kreislaufwirtschaft häufen sich jedoch und sie zeigen auf: Die Vorteile eines Übergangs überwiegen gegenüber Aufwand und Risiko. 7
2 Cahiers de doléances
- Beschwerden und Wünsche
Die grundsätzliche Frage danach, was gesellschaftliche Veränderungen auslöst, begleitet unseren Projektprozess seit Beginn an. Die dabei stets nahezu herbei beschworene „notwendige Krise“, die es für ein Umdenken im Umgang mit Ressourcen brauche, verdeutlicht nur die Dringlichkeit des Themas.
Um uns möglichen Alternativen im Umgang mit Ressourcen in der Bauwirtschaft anzunähern, haben wir in den Gesprächen versucht, den „state of mind“ jener zu erfassen, die in ihrem Arbeitsalltag Entscheidungen über den Umgang mit Ressourcen treffen oder auch neue Wege einschlagen. Gesprochen wurde darüber, worin Hürden und Herausforderungen bestehen, was gebraucht wird, um in Zukunft bessere Entscheidungen im Sinne einer Kreislaufwirtschaft treffen zu können und welche Veränderungen aus Sicht unserer Gesprächspartner*innen ausstehen.
Das Modell, individuelle Perspektiven zu sammeln und zu veröffentlichen, um so eine gesellschaftliche Veränderung anzustoßen, kann auf historische Vorbilder zurückgreifen. Bereits 1789 entstanden – noch vor Ausbruch der Französischen Revolution – die so genannten cahiers de doléances. In diesen Heften konnte und sollte die Bevölkerung Beschwerden und Wünsche protokollieren. Die Abgeordneten der Generalstände fanden darin Anleitungen, welche Probleme und Aufgaben als besonders dringliche zu lösen wären. So wurden politische Vertreter*innen ausgesandt, um Anregungen aus allen Bevölkerungsschichten in solch öffentlichen Beschwerdeheften zusammenzutragen. Für die Revolution selbst spielten die cahiers de doléances keine große Rolle mehr, der Umsturz war nicht mehr aufzuhalten, und wurde durch die Inhalte der Beschwerden wohl noch vorangetrieben.
Den cahiers de doléances vergleichbar entstand auch dieses Projekt durch eine Reihe persönlicher Gespräche, die sich zu einer Diskussion und Darlegung unterschiedlicher Argumente fügen.
Im Unterschied zu den einstigen cahiers de doléances, die von Ludwig XVI. mit der Absicht beauftragt wurden, die absehbare Revolution zu verhindern, möchte dieses Buch jedoch dazu beitragen, durch die aus den Gesprächen entstandenen Fragen eine folgenreiche Diskussion zu befeuern und konstruktiv voranzutreiben.

„Sollten wir tatsächlich
weniger als unsere Vorfahren
in der Lage sein,
unsere Interessen,
unsere Forderungen,
unsere Beschwerden
konkret zu formulieren?“
Bruno Latour2
2 Bruno Latour: „Terrestrisches Manifest“, S. 113
3 Zweiundvierzig
richtungsweisende
Gespräche
Während der Monate Mai und Juni 2018 haben wir 42 Gespräche geführt, die nach einer ersten Kontaktaufnahme kurzfristig vereinbart werden konnten. Den Verabredungen gingen Anfragen per E-Mail voraus, in denen wir ankündigten, gemeinsam Schritte zu einer Kreislaufwirtschaft sowie aktuelle Einschränkungen ausfindig machen zu wollen.
Im nun folgenden werden 42 Gesprächspartner*innen vorgestellt, die sich bei all ihrer Unterschiedlichkeit sechs Handlungsbereichen im großen Themenfeld der Kreislaufwirtschaft zuordnen lassen:
Material-Wiederverkauf,
Struktur und Diskurs,
Projektentwicklung,
Ausführung, Architektur
und nicht zuletzt Wegbereitung.
Mit dem Ziel, die verschiedenen Perspektiven auf das Thema abzubilden, werden die 42 Gesprächspartner*innen jeweils kurz vorgestellt. Die nachfolgenden Fragen sind Extrakte der Gespräche und Diskussionen. Sie stellen keine direkten Zitate dar. Vielmehr bilden sie die Essenz der Gespräche ab, übersetzt in Anregungen und Gedankenexperimente, die den Weg in Richtung Kreislaufwirtschaft andeuten.
Material-Wiederverkauf
Struktur und Diskurs
Projektentwicklung
Ausführung
Architektur
Wegbereitung

Material-Wiederverkauf

Die Wiederverkäufer*innen von Material stehen am Beginn und Ende jedes Lebenszyklus von Bauwerken. Sie sind es auch, die dafür sorgen, dass Ressourcen nicht zu Müll verkommen, sondern in den neuen Lebenszyklus eines Gebäudes einfließen. Manche Geschichten der Wiederverkäufer*innen beginnen damit, dass sie ein Projekt in den eigenen vier Wänden starteten und dabei feststellen mussten, dass es keinen Markt für gebrauchtes Material gibt. Sie handeln aus unterschiedlichen Motivationen heraus: Steht bei den einen Akteur*innen die Vorliebe für historisches Material im Vordergrund, fokussieren andere eher auf Aspekte der Ressourcenschonung und des Umweltschutzes.
Die Gruppe der Materialwiederverkäufer*innen ist besonders stark auf Netzwerke angewiesen. Sie benötigt zum einen den Austausch mit den Abbruchunternehmen, um zu erfahren, bei welchen Baustellen zu welchem Zeitpunkt welches Material zu erwarten ist. Andererseits braucht sie Kontakte zu Architekt*innen, die das Material für den Neu- bzw. Umbau nachfragen. Auch die Bereitschaft seitens der Architekt*innen, mit nicht normierten Bauteilen zu arbeiten, ist ein wichtiger Faktor für diese Berufsgruppe, denn bei der Verkaufspalette der Material-Wiederverkäufer*innen handelt es sich um Originale. So wichtig ihre Rolle in einer Kreislaufwirtschaft auch ist, so unsichtbar sind diese Akteur*innen speziell in der Wiener Stadtentwicklung – selbst bei jenen, die bereits Pionierarbeit in diesem Feld leisten. Auch Architekt*innen wissen wenig über das Berufsbild der Wiederverkäufer*innen sowie deren Angebote.
Es handelt sich um eine Gruppe, ohne die der Kreislauf nicht geschl...
Inhaltsverzeichnis
- Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- 1 Kreislaufwirtschaft in der Stadtentwicklung
- 2 Cahiers de doléances
- 3 42 richtungsweisende Gespräche
- 4 Momentaufnahme
- 5 Kontaktdaten
- 6 Epilog
- Dank
- Anmerkungen
- Bibliographie
- Impressum