Johann Balthas Bäuerle Schultheiß von 1834 bis 1892 im ehemals woellwarthschen Essingen Der Wegbereiter für die heutige Realgenossenschaft
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Johann Balthas Bäuerle Schultheiß von 1834 bis 1892 im ehemals woellwarthschen Essingen Der Wegbereiter für die heutige Realgenossenschaft

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Johann Balthas Bäuerle Schultheiß von 1834 bis 1892 im ehemals woellwarthschen Essingen Der Wegbereiter für die heutige Realgenossenschaft

Über dieses Buch

Bisher ist über das Leben von Johann Balthas Bäuerle, der fast sechs Jahrzehnte lang das Schultheißenamt im ehemaligen woellwarthschen Essingen ausübte, kaum etwas bekannt; genannt wird er meist nur im Zusammenhang mit der Realgenossenschaft Essingen.2018 feiert die Realgenossenschaft Essingen ihr 150-jähriges Jubiläum. Dies war der Anlass, nach vielen Jahren der Recherche diese Schrift über den Schultheißen Johann Balthas Bäuerle, ohne dessen Wirken die Realgenossenschaft zumindest in der heutigen Form nicht entstanden wäre, abzuschließen.In dieser Biografie wird dem Leser neben dem Kampf des Schultheißen Bäuerle um die Selbstständigkeit der Realgenossen auch über die sehr interessante Geschichte des Ortes sowie über die Lebensbedingungen der damaligen Einwohnerschaft während der Ära Bäuerle berichtet.

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Aktivitäten des Schultheißen Bäuerle für die politische Gemeinde Essingen

Aus den 57 Jahren als Schultheiß zu Essingen ist über Johann Balthas Bäuerle natürlich noch viel mehr zu berichten als nur über seine Doppelrolle im Kampf um die Selbstständigkeit der Mark- oder Realgenossen. Bäuerle war von Anbeginn seiner langen Amtszeit als Ortsvorsteher sehr aktiv und „tanzte gleichzeitig auf verschiedenen Hochzeiten.“
1834 ungenehmigter Baubeginn des Hofes auf dem Falkenberg durch widerrechtliche Zusage von Schultheiß Bäuerle
Der Falkenberg wird bereits 1365 im Zusammenhang mit einer Zinszahlung genannt. Inhaber der forstlichen Oberherrlichkeit auf dem Falkenberg war bis 1777 die Reichsstadt Ulm. 1772 wurden die Forstgrenzen neu gezogen. Das Jagdrecht war an die Familie derer von Rechberg verpachtet. Das Holzrecht auf dem Falkenberg hatte die Reichsstadt Schwäbisch Gmünd 1595 von Ulm erkauft, es gab daraufhin immer wieder Differenzen wegen der Weideansprüche im Wald Falkenberg.61
Der Hof auf dem Falkenberg wird vom Bauern Abel Baßler aus Essingen um 1834 neu errichtet. Zur Erbauung des Hofes gibt es ein Nachspiel, indem am 18. August 1839 das Königliche Oberamt Aalen von Schultheiß Bäuerle und den namentlich aufgelisteten Mitgliedern des Gemeinderats eine Stellungnahme anfordert, da die Baumaßnahme durch eine nicht legitimierte Zusage von Bäuerle gleich zu Beginn seiner Amtszeit offensichtlich bereits vor der Genehmigung durch das Oberamt begonnen wurde.62
Dieses Vorgehen zeigt deutlich, dass der erst 22- jährige Schultheiß von Anfang seiner Amtszeit an auch gegenüber dem Königlichen Oberamt Aalen keinen besonderen Respekt an den Tag legte.
Bald nach der Erbauung übernimmt Sohn Caspar Baßler käuflich den väterlichen Hof. Die Bezahlung der Schulden erfolgt durch ein woellwarthsches Darlehen in Höhe von 5.000 Gulden gegen Verpfändung des Hofes an das Rentamt Essingen.
Wegen rückständiger Hypothekenzinsen erfolgt die Inbesitznahme des Hofes durch das Rentamt Essingen, später wird der Hof aus der Konkursmasse des Bauern Baßler gekauft und 1845 an Johannes Carle (*1780†1859) verpachtet. 1873 wird der Hof aufgegeben und die Gebäude vom Rentamt Essingen zum Abbruch verkauft. Die Idee eines Hofes auf dem Falkenberg hatte wohl nicht den gewünschten Erfolg. Rentbeamter Friedrich Franz Prinz, der im selben Jahr 1873 einen Hof auf dem Prinzeck erbaut, verwendet dazu die Abbruchsteine des Hofguts auf dem Falkenberg.
1835 Schultheiß Bäuerle und die Cholera
Über Spanien und Südfrankreich erreicht die asiatische Cholera (Brechruhr) 1835 Italien, um von dort aus nach Deutschland einzudringen. Ungesunde, unreinliche und kalte Wohnungen sowie Mangel an Bekleidung und gesunder Nahrung sind die Hauptursachen für die schnelle Verbreitung dieser Krankheit. Die Cholera ist eine Erkrankung der Darmschleimhaut, die zu permanentem Erbrechen und Durchfall führt. Die stetige Wasserverminderung bedingt eine innere Austrocknung des Körpers, den Verlust der lebenswichtigen Mineralien, Kollaps mit Blaufärbung sowie Kälte von Haut und Gliedmaßen. Bei starker Ausprägung der Krankheit führt die Cholera binnen weniger Stunden zum Tod. In Europa bricht die Cholera erstmals Anfang der 1830er Jahre aus; dieser folgen weitere Pandemien, die zu hohen Bevölkerungsverlusten führen. Nachdem auch Essingen von der Brechruhr nicht verschont bleibt, setzt Schultheiß Bäuerle am 23. November 1836 eine Kommission zur Bekämpfung dieser Krankheit ein, um entsprechende Maßnahmen ergreifen zu können. Neben Schultheiß Bäuerle gehören Pfarrer Eduard Jordan, Gemeindepfleger Greß, Stiftungspfleger Binz und der Obmann des Bürgerausschusses Stegmayer dem Gremium an.
Dem Schultheißen gelingt es auch, Rittmeister Karl Ludwig Freiherr von Woellwarth (#228) als beratendes Mitglied in die Kommission einzubinden. Neben dessen Ehefrau Sophie geborene Gräfin von Scheler, Hofdame der Königin von Württemberg, erklären sich noch mehrere Frauen im Ort bereit, den Kranken mit Rat und Tat beizustehen.
Die Unterbringung der Kranken, die in ihrer Wohnung nicht den entsprechenden Raum haben, soll der ungünstigen und ungesunden Lage wegen nicht im dafür vorgesehenen leerstehenden Armenhaus erfolgen, sondern im gräflich degenfeldschen Schloss. Schultheiß Bäuerle verhandelt deshalb mit der Herrschaft wegen der Überlassung eines Teils des Gebäudes.
„Im Ganzen genommen werden die in der Gemeinde wohnenden erkrankten Personen mit den nötigen Nahrungsmitteln und Kleidungsstücke versehen. Ganz arme Gemeindeangehörige werden zusätzlich von der öffentlichen Armenkasse unterstützt. Die Verwaltung dieser Kasse erfolgt durch Pfarrer Eduard Jordan. Die ärztliche Behandlung erfolgt durch den Essinger Chirurgen und Leichenbeschauer Anton Förster“, wie im Protokoll vom 23. November 1836 zu lesen ist.
Protokollbuch über die Verhandlungen der Cholera-Kommission, angefangen am 23. November 1836

1838 weitere Klagen gegen Schultheiß Bäuerle vor dem Oberamtsgericht Aalen

Wie bereits mehrfach beschrieben, führten das Rentamt Essingen und Schultheiß Bäuerle zahlreiche Prozesse. Nachfolgend einige weitere Beispiele:
1835 läuft ein Prozess der Gemeinde Essingen unter Federführung des Schultheißen Bäuerle vor dem Kreisgerichtshof Ellwangen gegen die Gutsherrschaft von Woellwarth wegen Schadenersatz für vermeintlich zu Unrecht geleistete Abgabe von Besoldungsholz und Reisig. Die nachfolgende Berufungsklage von Schultheiß Bäuerle vor dem Obertribunal Stuttgart wird abgewiesen.63
1838 klagt das Rentamt gegen Bäuerle vor dem Oberamtsgericht Aalen wegen Verweigerung des Zehntsurrogatgeldes für Grünfutter.64
1838 erfolgt eine weitere Klage des Rentamtes gegen den Schultheißen wegen Beleidigung der Gutsherrschaft von Woellwarth.
1842 kommt es zum Rechtsstreit vor dem Oberamtsgericht Aalen wegen Nichtentrichtung des Graszehnten von den Gemeindeplätzen Sauburren und Altburren.65
1847 erfolgen Untersuchungen des Oberamtes Aalen gegen das Rentamt Essingen wegen angeblich falscher Angaben über die woellwarthschen Getreidevorräte, ungenehmigter Getreideabgaben an Essinger Bürger sowie eines unerlaubten Dinkelverkaufs an den Aalener Bäcker Martin Krauß. Nach Abschluss dieser Untersuchungen reicht das Rentamt Essingen beim Oberamtsgericht Aalen eine Verleumdungsklage gegen den „Denunzianten Schultheiß Johann Balthas Bäuerle“ ein.66
Die Schuld für die fast unendliche Klageflut lag aber nicht allein beim Schultheißen Bäuerle, auch Rentamtmann Carl Friedrich Wagner, bis 1840 im Amt, sowie dessen Nachfolger Friedrich Franz Prinz waren sehr klagfreudig. So werden wegen Verweigerung von Abgaben und Frondiensten an die woellwarthsche Gutsherrschaft zahlreiche Lehensinhaber, Wirte und Zehntpflichtige verklagt; selbst die Bader und Chirurgen sind davon nicht ausgenommen.
Die Realfrondienste werden durch Vermittlung von Schultheiß Bäuerle bereits 1839 abgelöst.

1838 erfolgt die Erweiterung des Friedhofes auf dem Berg67

Ein ebenfalls jahrelanger Streitpunkt für den Schultheißen ist die durch oberamtliche Verfügung vom 22. Oktober 1837 angeordnete Erweiterung des Friedhofes auf dem Berg außerhalb des Ortes, welcher auch für die nach Essingen eingepfarrten Evangelischen vom Großdölzerhof Gemeinde Dewangen, von Forst, Sandberg und Sofienhof Gemeinde Unterrombach zuständig ist.
Für die Friedhofserweiterung werden der königliche Kreisbaurat Dilenius und Werkmeister Walther, beide aus Ellwangen, beauftragt, Plan und Überschlag zu fertigen. Der Geometer Höfle aus Wasseralfingen nimmt die Vermessung des zur Erweiterung bestimmten Platzes vor, der Taglöhner Kaspar Baßler bricht die alte Kirchhofmauer im Akkord ab. Nach den abgesteckten Linien wird die neu zu errichtende Mauer unter Abzug der Tore und den zwei Ecken insgesamt 475 Fuß lang, 2 ½ Fuß breit und ungefähr 3 ½ Fuß tief. Zu den Materialien wird im Kostenanschlag vermerkt, dass die Steine direkt an dem Begräbnisplatz gewonnen werden können und daher keine Auslage für Fuhrlohn nötig sein wird.
Von der alten Mauer können noch 220 Deckelsteine gebraucht werden, für rund 400 Fuß Länge und 2 ¼ Fuß Breite sind 800 neue Deckelsteine nötig. Die Gesamtkosten werden mit 844 Gulden 5 Kreuzer veranschlagt.68
Staatsarchiv Ludwigsburg PL 9/3 Büschel 143, Skizze von 1838
Auch während dieser Arbeiten kommt es zu heftigen Differenzen zwischen Bäuerle und der Patronatsherrschaft, die wieder zu mehreren Klagen des Rentamtes vor dem Oberamtsgericht Aalen führen.

1838 Prozess gegen Schultheiß Bäuerle wegen Beleidigung der Gutsherrschaft

1838 läuft ein Prozess vor dem Oberamtsgericht wegen Beleidigung der Gutsherrschaft im Zusammenhang mit der Friedhofserweiterung. In diesem Streit zwingt Schultheiß Bäuerle den auf Hohenroden wohnhaften Rittmeister und ritterschaftlichen Abgeordneten der württembergischen Landesstände Freiherr Karl Ludwig Christian von Woellwarth (#228) zur Ablegung eines Eides, den Rentamtmann Friedrich Franz Prinz mit allen Mitteln zu verhindern versucht:
„Dem hiesigen Schultheißenamt. Es ist bereits bekannt, dass in der Kirchhof - Streitsache der erwähnte Gutsherr einen Eid schwören solle, dass ihm von der Verlegung des Begräbnisplatzes auf seinen jetzigen Platz aus dem Ort nichts bekannt sei und dass er diesen Eid darum für überflüssig erachte, weil es jedermann hier bekannt ist, dass niemals eine Verlegung stattgefunden hat und in früheren Zeiten beide Kirchhöfe zum Begraben benützt wurden. Da nun auf übermorgen die Beeidigung angeordnet ist, so müsste er zuvor wissen, ob der Gemeinderat darauf beharrt, dass der Eid abgegeben wird […] Rückäußerung erbittet sich
Essingen, 17. Dezember 1844, Rentamtmann Prinz.“69
Schultheiß Bäuerle ist aber unnachgiebig, wie aus dem Gemeinderatsprotokoll vom 18. Oktober 1844 ersichtlich ist:
„Verhandelt 17. Dezember 1844 unter Nr. 1213. Den beiden Kollegien wird der oberamtsgerichtliche Erlass vom 9. des Monats, wonach der in der Begräbnisplatzsache dem Freiherrn Karl von Woellwarth auferlegte Eid am Donnerstag, dem 19. dieses Monats um 11 Uhr bei dem Königlichen Oberamtsgericht abgenommen wird...

Inhaltsverzeichnis

  1. Inhaltsverzeichnis
  2. Grußwort von Heinz Kolb, Realgenossenschaft
  3. Vorbemerkung
  4. Johann Balthas Bäuerle - Familiendaten
  5. Der lange Weg der Realgenossen zur Selbstständigkeit - Das Lebenswerk des Schultheißen Bäuerle
  6. Aktivitäten des Schultheißen Bäuerle für die politische Gemeinde Essingen
  7. Die Ära des Johann Balthas Bäuerle geht zu Ende
  8. Quellenverzeichnis
  9. Impressum