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Stifts- und Stadtwappen von Quedlinburg
Ein Plädoyer für mehr Phantasie und Sachkenntnis in der Kommunalheraldik
- 64 Seiten
- German
- ePUB (handyfreundlich)
- Über iOS und Android verfügbar
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Stifts- und Stadtwappen von Quedlinburg
Ein Plädoyer für mehr Phantasie und Sachkenntnis in der Kommunalheraldik
Über dieses Buch
Die jeweilige Geschichte des Stifts- und des Stadtwappens der Welterbestadt Quedlinburg sind eng miteinander verknüpft. Erst im 16. Jahrhundert erfolgte eine klare Trennung zwischen beiden Wappenbildern. Ihre Ursprünge und Entwicklungen sowie die Verbindung zum deutschen Adler werden in dieser Arbeit detailliert betrachtet und erörtert. Zur Veranschaulichung der Thematik wie auch der Formensprache der Wappen ist das Buch mit zahlreichen, auch farbigen Bildbeispielen ausgestattet.
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Information
Das alte Stiftswappen und das Stadtwappen von Quedlinburg
Bei dem Adler im Stadtwappen von Quedlinburg handelt es sich also um das bis hierher erörterte Wappenbild des Römisch-deutschen Königs und Kaisers. Doch wenden wir uns dem auf seiner Brust liegenden Wappenschild zu, welcher vielfach auch als das Stadtwappen von Quedlinburg mißdeutet wurde und wird.
Wie bereits erwähnt ist die Entstehung des Quedlinburger Stadtwappens eng mit der Entwicklung des Wappens des Stifts Quedlinburg verknüpft. Das ursprüngliche Stiftswappen wurde nämlich zu einem zentralen Bestandteil des Stadtwappens. Und dies nicht ohne Grund, denn die Änderung des Stiftswappens und des Wappens der Stadt, die sehr wahrscheinlich vorher allein den Reichsadler gezeigt hat, haben eine gemeinsame Ursache, deren Auswirkung in den erhalten gebliebenen Quellen allerdings nicht so offensichtlich wird. Das einschneidende Ereignis hierzu war die Unterwerfung des Rates von Quedlinburg durch die Äbtissin Hedwig I. von Sachsen im Jahre 1477. In den Siegeln der Stadt Quedlinburg verdrängt knapp 100 Jahre später ab spätestens 1570 der auf seiner Brust mit dem Stiftswappen belegte Reichsadler die zuvor benutzten Symbole der Alt- und Neustadt mit ihren Schutzheiligen.59
Einen durch Mauern geschützten Kirchenbau mit Türmen, bei welchem es sich offensichtlich um die Stiftskirche als Bild und Symbol für das Stift handelt, findet man in frühen Darstellungen zum Beispiel auf unter der Äbtissin Gerburg I. von Cappenberg Anfang des 12. Jahrhunderts geprägten Brakteaten. Die gezeigte Stadt oder Burg war also ursprünglich ein Münz- und dann auch Siegelbild und wurde mit Aufkommen der Heraldik möglicherweise zu einem Wappenbild. Während die Münzen auch nachfolgender Äbtissinnen in der Regel die ummauerte Kirche zeigen (Abb. 43), findet man auf ihren Siegeln ähnlich wie bei den Äbtissinnen von Gernrode seit Gerburg von Cappenberg die Darstellung der Äbtissin als Vollfigur (Abb. 41). Ab Adelheid III. von Sommerschenburg Mitte des 12. Jahrhunderts wird diese auf einem mit Löwenköpfen verziertem Thron sitzend dargestellt (Abb. 42), und rund 200 Jahre später ist es ab Agnes III. von Schraplau üblich, im Siegel neben der thronenden Äbtissin jeweils das eigene Familienwappen neben einem Wappenschild mit einer Burg zu zeigen (Abb. 44). Mit Agnes III. von Schraplau war dieses Burgmotiv als eigenes Wappenbild des Stifts etabliert und wurde fortan in der Regel neben dem Familienwappen der jeweiligen Äbtissin präsentiert. Da Siegel keine Tinkturen des gezeigten Wappens wiedergeben und bislang keine erhalten gebliebenen frühen Zeugnisse dieses Stiftswappens bekannt sind, mag über die Tinkturen des Wappens lediglich spekuliert werden. Daß die heute verwendeten Tinkturen Rot und Silber auch auf das damalige Wappen zutrafen, kann allerdings angenommen werden, wie auch Udo Glathe meint.60 Rot und Silber waren neben Gold und Schwarz alte Reichsfarben, welche auf das Blutbanner für Belehnungen durch den König und Kaiser zurückgehen. Als Reichsstift ist für Quedlinburg die Übernahme dieser Farben als Tinkturen im Wappen naheliegend.

Abb. 46: Umzeichnung der Szenerie im zwischen 1376 und 1379 verwendeten Siegel der Äbtissin Margarete I. von Schraplau.

Abb. 47: Umzeichnung der Heiligendarstellung hinter Gebäuden im 1275 verwendeten Siegel der Quedlinburger Altstadt.

Abb. 48: Umzeichnung der Heiligendarstellung hinter Gebäuden im 1298 verwendeten Siegelbild der Quedlinburger Altstadt.

Abb. 49: Umzeichnung der Heiligendarstellung im 1306 verwendeten Siegel der Quedlinburger Neustadt.

Abb. 50: Umzeichnung des Adlers im ab 1570 verwendeten Stadtsiegel von Quedlinburg.

Abb. 51: Umzeichnung des Adlers im 1616 verwendeten Stadtsiegel von Quedlinburg.

Abb. 52: Zeichnung des Wappens der Stadt Quedlinburg nach der Abbildung in der 1492 erschienen Chronecken der Sassen von Konrad Bothe. Der Schild ist aus Courteoisie nach links gewendet.

Abb. 53: Beispiel für eine heraldische sitzende Bracke. Sie hat die Merkmale eines robusten Jagdhundes. Wenn sie ein Halsband trägt, muß dieses als Beizeichen gemeldet werden.

Abb. 54: Beispiel für einen heraldischen sitzenden Rüden. Man erkennt ihn an dem nicht zu meldenden Stachelhalsband, dem schlanken Kopf und den hochstehenden Ohren.
Zwar sind für die Stadt Quedlinburg eigene Stadtsiegel erhalten, doch zeigen diese kein Wappenbild. Das älteste erhaltene prächtige Siegel der Altstadt stammt aus dem Jahre 1275 (Abb. 47). Seine Grundform wurde im Wesentlichen bis 1570 vom Rat verwendet. Es zeigt wie bei vielen Stadtsiegeln eine Stadtansicht mit Kuppeltürmen und einer aus ihr wachsenden Heiligenfigur. Diese ist als Bischof mit Mitra, Krummstab und Evangeliar dargestellt. Im Siegel von 1275 wird die Ansicht ohne Stadttor gezeigt, während es ab 1298 als geöffnetes Tor erscheint (Abb. 48). Ansonsten hat es über dreihundert Jahre hinweg keine wesentliche Änderung des Siegels der Altstadt gegeben. Bei dem dargestellten Heiligen handelt es sich nicht - wie man vermuten könnte - um den heiligen Benedikt von Nursia, den Schutzheiligen der Stadt Quedlinburg, sondern um den heiligen Servatius, den Schutzpatron des Damenstifts und dessen weltlichem Territorium, zu dem auch die Stadt Quedlinburg gehörte. Hiermit wird die Herrschaft des Stifts über die Stadt oder zumindest der diesbezügliche Anspruch angezeigt. Das ist damals übliche Praxis gewesen und zum Beispiel auch hinsichtlich der frühen Stadtsiegel von Halberstadt der Fall, welche nicht den Stadtpatron Sankt Martin, sondern den Schutzpatron des Bistums Halberstadt, den heiligen Stephanus, zeigen.
Ein Siegel für die ab 1200 als regelmäßig angelegte Ackerbürgerstadt erbaute Neustadt von Quedlinburg war ab 1306 in Gebrauch (Abb. 49). Hier wird der heilige Nikolaus auf einem Thron mit zwei Löwenköpfen gezeigt. Daß eines der Siegel von Quedlinburg auch als Wappen Verwendung fand, ist nirgendwo belegt und kann weitgehend ausgeschlossen werden. Statt dessen findet man einen anderen ersten Hinweis auf ein Wappen in den Quedlinburger Ratsrechnungen von 1460 mit folgender lapidarischer Notiz: "2 groschen vor den arn op den Roland to richen".61 Dies ist ein Beleg dafür, daß der Wappenschild des heute wieder am Rathaus stehenden Rolands damals bemalt gewesen ist. Und zwar mit einem Adler.62 Bei der Nennung handelt es sich um die erste Erwähnung des Quedlinburger Rolands. Dieser ist frühestens 1435 und spätestens 1440 errichtet worden, wobei eher von 1440 auszugehen ist.
Als zum Reichsstift gehöriger Ort, der in Ottonischer Zeit von reichspolitischer Bedeutung gewesen war und quasi als Zentrum ihrer Herrschaft galt, war Quedlinburg sehr früh bestrebt, eine reichsfreie Stadt zu werden und einzig dem Kaiser zu unterstehen. Die Städte stellten im Mittelalter große Truppenkontingente des Kaisers, auch in dessen militärischen Konflikten mit mächtigen Fürsten des Reiches. Sehr oft kamen diese Truppen hierbei vor allem in ihrer lokalen Nähe zum Einsatz. Als Zeichen der Verbundenheit mit dem Reich und dem Kaiser zeigten viele Reichsstädte den Reichsadler auf ihren Rolanden und benutzten sehr wahrscheinlich diesen auch als Feldzeichen. Zwar sind das Gold und das Schwarz aus dem Reichswappen für Quedlinburg erst für 1579 in Form einer gelb-schwarzen Siegelschnur63 belegt, doch ist anzunehmen, daß Farben und Wappen des Kaisers in Quedlinburg schon sehr viel früher Verwendung fanden. Von etlichen deutschen Städten wird auch heute noch der Reichsadler ohne jegliche Beizeichen, oder - wie im Falle Quedlinburg - mit Beizeichen, sehr häufig in Form eines Brustschildes gezeigt. Auch wenn für Quedlinburg eine diesbezügliche Praxis bis 1570 keinen Niederschlag in den Stadtsiegeln findet und der konkrete Nachweis hierzu vor erwähnter Nennung des Rolands bislang fehlt, ist die Bemerkung zum Adler auf dem Rolandsschild doch ein deutlicher Hinweis auf diese Praxis.
Auch der Sturz des Rolands infolge der Unterwerfung der Stadt Quedlinburg durch die Äbtissin Hedwig I. von Sachsen mit Hilfe ihrer Brüder Albrecht IV. der Beherzte und Ernst I. im Jahre 1477 brachte keine Änderung des Stadtsiegels, dafür aber das Ende der etwaigen Hoffnung des Rates auf den Status, eine freie Reichsstadt zu werden. Zwar wurde der Roland als Symbol dieses Strebens gestürzt, doch ist anzunehm...
Inhaltsverzeichnis
- Über den Autor
- Über das Buch
- Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Zur Heraldik
- Der deutsche Adler
- Das alte Stiftswappen und das Stadtwappen von Quedlinburg
- Das neue Stiftswappen von Quedlinburg
- Schlußbemerkung
- Bibliographie
- Personenregister
- Danksagung
- Impressum