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Das freie Spiel: Emmi Pikler und Maria Montessori im Vergleich
Über dieses Buch
Dieses Buch beinhaltet eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Reformpädagogik Emmi Piklers und Maria Montessoris im Bereich des freien Spiels. Ziel der Untersuchung ist es, die von Emmi Pikler und Maria Montessori entwickelten Richtlinien einer optimalen Erziehung darzustellen, miteinander zu vergleichen und anhand wissenschaftlicher Untersuchungen zu beurteilen. Die grundlegende Frage ist, auf welche Details Eltern und Erzieher im kindlichen freien Spiel achten müssen, um eine ideale Entwicklung des Kindes zu ermöglichen, und welche Vorteile eine solche Erziehung für das Kind bringen kann.
Anhand einer Inhaltsanalyse wird versucht, die entsprechenden Konzepte zur Darstellung der pädagogischen Annahmen einzubringen. Des Weiteren wird über die Parallelen und Unterschiede in den erzieherischen Theorien Piklers und Montessoris diskutiert. Bei jenen Annahmen, in denen Pikler und Montessori unterschiedliche Ansichten vertreten, sollen wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, welche Theorie tatsächlich im Interesse des Kindes ist. Anhand mehrerer empirischen Studien werden die Konzepte der beiden Pädagoginnen verglichen und beurteilt. Anhand eines Literaturreviews werden die sechs Studien und ihre Forschungsergebnisse zusammengefasst. Der Leser erhält dadurch einen Überblick über Art und Vorgehensweise der Untersuchung, was die Interpretation der Ergebnisse nachvollziehbar macht. Weiter bietet das Buch einen Überblick über Gestaltung und Organisation von Pikler- beziehungsweise Montessorispielgruppen, eine Betrachtung des freien Spiels aus entwicklungs-psychologischer Sicht und biographische Angaben Der beiden Reformpädagoginnen.
Häufig gestellte Fragen
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Information
1. Ziele, Methode und Fragestellungen der Untersuchung
Dieses Buch beschäftigt sich mit dem Vergleich der Erziehungsmethoden von Emmi Pikler und Maria Montessori. Insbesondere beziehe ich mich hierbei auf das freie Spiel und die Rahmenbedingungen dieser beiden reformpädagogischen Ansätze.
Durch mein Praktikum, welches ich im Zuge meines Studiums Anfang des Jahres 2005 im Eltern-Kind-Zentrum in Wels absolvierte, konnte ich die Arbeit der ungarischen Pädagogin Emmi Pikler, deren Konzept im Eltern-Kind-Zentrum als Leitmotiv gilt, direkt in der Praxis miterleben und war begeistert. Ich entdeckte dort meine Begeisterung für die Säuglings- und Kleinkinderziehung. Mein gesteigertes Interesse an der Säuglingsarbeit überraschte mich sehr, da ich vorher nicht sehr viel Zeit mit Kleinkindern verbracht habe, geschweige denn in Verbindung mit einem methodischen Ansatz. Nach Beendigung des Praktikums war mir klar, dass ich zu all diesen neuen Erfahrungen und Wissen über die Praxis der Pikler-Pädagogik, noch viel mehr theoretische Details wissen wollte. So suchte ich nach im deutschen Sprachraum erhältlicher Literatur und studierte diese. Das mir vorliegende Material stellte eine ideale Basis für diese Untersuchung dar. Das Verlangen dieses neu erworbene Wissen anderen zugänglich zu machen motivierte mich zusätzlich. Ich bin sehr froh, diese Thematik bearbeitet zu haben, denn ich sehe dieses Wissen als bedeutendes Geschenk. Alle Kinder, ob meine eigenen oder die Kinder auf die ich in Zukunft beruflich treffen werde, sollen von diesem Wissen profitieren können.
Während ich mich mit dem theoretischen Hintergrund der von Emmi Pikler entwickelten Erziehungsmethoden beschäftigte, stieß ich auf die Pädagogin Maria Montessori, welche durch ähnliche erzieherische Ansichten bekannt wurde. Hierbei entstand die Idee zu diesem Buch.
Ziel dieser Studie ist es, die von Emmi Pikler und Maria Montessori entwickelten Richtlinien einer optimalen Erziehung darzustellen, miteinander zu vergleichen und anhand wissenschaftlicher Untersuchungen zu beurteilen.
Die grundlegenden Fragen, die sich stellen sind, auf welche Details Eltern und Erzieher im kindlichen freien Spiel achten müssen, um eine ideale Entwicklung des Kindes ermöglichen zu können und welche Vorteile eine solche Erziehung für das Kind bringen kann. Anhand der Methode einer Inhaltsanalyse wird versucht, die entsprechenden Konzepte zur Darstellung der pädagogischen Annahmen einzubringen.
Des Weiteren wird über die Parallelen und Unterschiede in den erzieherischen Theorien Piklers und Montessoris diskutiert. Bei jenen Annahmen, in denen Pikler und Montessori differenzierte Ansichten vertreten, sollen wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, welche Theorie tatsächlich im Interesse des Kindes ist. An-hand mehrerer empirischen Studien werden die Konzepte der beiden Pädagoginnen verglichen und beurteilt.
Die grundlegenden Fragen, die sich stellen sind, auf welche Details Eltern und Erzieher im kindlichen freien Spiel achten müssen, um eine ideale Entwicklung des Kindes ermöglichen zu können und welche Vorteile eine solche Erziehung für das Kind bringen kann. Anhand der Methode einer Inhaltsanalyse wird versucht, die entsprechenden Konzepte zur Darstellung der pädagogischen Annahmen einzubringen.
Des Weiteren wird über die Parallelen und Unterschiede in den erzieherischen Theorien Piklers und Montessoris diskutiert. Bei jenen Annahmen, in denen Pikler und Montessori differenzierte Ansichten vertreten, sollen wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, welche Theorie tatsächlich im Interesse des Kindes ist. An-hand mehrerer empirischen Studien werden die Konzepte der beiden Pädagoginnen verglichen und beurteilt.
Da sich Emmi Pikler vorwiegend mit Säuglingen und Kleinkindern beschäftigt hat, Maria Montessori sich aber mit Kindern geringen Alters bis hin zu Jugendlichen im Alter von 18 Jahren auseinandersetzte, entschloss ich mich in dieser Untersuchung nur jene Studien heranzuziehen, deren Zielgruppe zwischen null und maximal fünf Jahre alt ist. Das heißt, es kamen für mich nur jene Studien in Frage, die sich mit Kindern vor dem Schuleintritt beschäftigen. Untersuchungen im Schulbereich werden deshalb in diesem Buch nicht behandelt.
2. Gegenüberstellung der Lebensgeschichte
Um ein besseres Verständnis für die Arbeit von Emmi Pikler und Maria Montessori entwickeln zu können, ist es hilfreich, sich mit dem Lebensweg der beiden Erziehungswissenschaftlerinnen zu beschäftigen. Dadurch wird der Zusammenhang zwischen persönlichem Werdegang und den erziehungsmethodischen Ansätzen verdeutlicht.
2.1 Biographie Emmi Pikler und Grundlagen ihrer Arbeit
Emmi Pikler wurde am 9. Jänner 1902 in Wien geboren. Sie verbrachte dort die ersten Jahre ihrer Kindheit mit ihrer Mutter, einer Wienerin, Kindergärtnerin von Beruf und ihrem Vater, gebürtiger Ungar, einem gelernten Handwerker. Sie hatte keine Geschwister. 1908 zog sie mit ihren Eltern nach Budapest. Als Emmi Pikler zwölf Jahre alt war starb ihre Mutter.
Nach der Schulausbildung beschloss Emmi Pikler Kinderärztin zu werden. Das Medizinstudium führte sie nach Wien zurück. Sie promovierte im Jahr 1927 und erhielt ihre Fachausbildung an der Wiener Universitäts-Kinderklinik bei Professor von Pirquet und an der Kinderchirurgie bei Professor Salzer. Emmi Pikler berichtet in einem Interview:
Nach der Schulausbildung beschloss Emmi Pikler Kinderärztin zu werden. Das Medizinstudium führte sie nach Wien zurück. Sie promovierte im Jahr 1927 und erhielt ihre Fachausbildung an der Wiener Universitäts-Kinderklinik bei Professor von Pirquet und an der Kinderchirurgie bei Professor Salzer. Emmi Pikler berichtet in einem Interview:
Die Pirquet-Klinik war eine interessante Klinik. Sie hatte eine so gute Heilungsstatistik, dass man aus der ganzen Welt kam, um dort zu lernen. Es wurden wenige Medikamente verwendet, man beschäftigte sich mehr mit der Erziehung des Kindes. Jeder angehende Arzt hatte sechs Wochen Pflegedienst und lernte außerdem zwei Wochen lang in der Milchküche für die Säuglinge zu kochen. Professor von Pirquet legte bei der Ausbildung der Kinderärzte Wert darauf, dass sie lernten, das gesunde Kind gesund zu erhalten und sich nicht auf das Erkennen und Heilen von Krankheiten zu beschränken. Nicht die Krankheit war die Hauptsache, sondern das Kind. (Pikler, 1988, S. 241)
Ähnlich dachte Professor Salzer in der Kinderchirurgie. Für ihn war wichtig, dass die Kinder nicht weinten, während sie untersucht wurden.
Dazu muss man so nett und freundlich zu ihnen sein, und sie soweit beruhigen, dass sie nur dann weinen, wenn es wirklich weh tut, aber nicht vor Angst. Und er hat uns gezeigt, wie man das macht. Er war imstande, bei einem Kind mit Verdacht auf eine akute Blinddarmentzündung solange mit ihm zu sprechen, bis der Bauch ganz weich war und er gut durchtasten konnte, ob es wirklich eine Blinddarmentzündung war. Dadurch hat er weit weniger operiert. Er hat das so ernst genommen, dass er einmal einen Assistenten, einen guten Operateur, entlassen hat, weil er unfreundlich zu den Kindern war. (Pikler, 1988, S. 241)
Emmi Piklers dritter Lehrer war ihr eigener Mann, ein Mathematiker und Pädagoge. Durch seine Erfahrungen wurden ihre entwicklungsphysiologischen Überlegungen bestätigt. Sie waren sich bei der Geburt ihres ersten Kindes einig, ihm freie Bewegung zu ermöglichen und die Entwicklung mit Geduld abzuwarten.
Damit hatte sie den Grundstein ihres pädagogischen Konzeptes gelegt. Sie geht davon aus, dass jeder Mensch von Anfang an über Fähigkeiten wie eigenständiges Denken und Handeln verfügt, von denen man eigentlich annahm, dass diese erst im Laufe des Lebens entwickelt werden. Sie widersprach auch der Meinung, dass Babys schneller lernen, sich zu setzen, stellen oder laufen, wenn man sie dazu anleitet. Sie war überzeugt, dass man in den aktiven Entwicklungsvorgang des Kindes nicht eingreifen dürfe. Anstatt Hilflosigkeit und Abhängigkeit des Babys beziehungsweise Kleinkindes, sah sie deren Fähigkeiten und Kompetenzen. (vgl. Müggelräuber, o. J.)
Gelebt hatte sie mit ihrer Familie zuerst in Triest, später in Budapest.
1935 war Emmi Pikler auch in Ungarn als Kinderärztin anerkannt. Sie eröffnete schließlich eine Privatpraxis als Kinderärztin in Budapest. Diese führte sie völlig unkonventionell in den zwei Zimmern, die sie mit ihrer Tochter im Haus der Schwiegereltern bewohnte. Diese nutzte sie jeden Nachmittag für eine Stunde als Praxis. Dort wurden Impfungen für Kleinkinder vorgenommen. Ebenso erhielt sie dort öfters Besuch von älteren Kindern, die Emmi Pikler nicht mehr zu Hause besuchte. Denn sie führte ihre Tätigkeit vorwiegend in Form von Hausbesuchen durch, in denen sie Kleinkinder ärztlich versorgte. Pikler beschränkte sich nicht auf die Behandlung von kranken Kindern oder Vorsorgemaßnahmen wie Impfungen und Routineuntersuchungen. Ihr Hauptaugenmerk legte sie auf die Prophylaxe. Während ihrer regelmäßigen Hausbesuche beobachtete sie auch die Säuglinge und Kleinkinder in ihrer alltäglichen Umgebung. Sie gab den Eltern Ratschläge zur Gestaltung des Tagesablaufs ihrer Kinder, deren Ernährung und der räumlichen Bedingungen.
Sie verdeutlichte den Eltern die selbstständige Aktivität ihrer Kinder. Ebenso wurde die Pflegesituation genauestens vorbereitet, um zu ermöglichen, dass sich die Eltern während dem pflegenden Zusammensein ohne Ablenkung dem Kind widmen konnten. (Wege der Entfaltung, o. J.)
Sie verfolgte ihr Ziel, die gesunde Entwicklung des Kindes zu ermöglichen. Aufgrund der Erfahrungen mit ihrer Tochter wusste sie, dass Kinder weder zur Bewegung, noch zum Spiel angeregt werden müssen. Jedes Detail im Umgang mit dem Kind ist wichtig, sei es die Fürsorge der Eltern zu ihrem Kind während der Pflege, oder die Notwendigkeit der Zurückhaltung der Erwachsenen in der Bewegungsentwicklung und dem freien Spiel der Kinder.
Im Laufe der Jahre hatte Emmi Pikler immer wieder Vorträge über die Pflege und Erziehung von Babys und Kleinkindern gehalten, sowie verschiedene Artikel verfasst. 1940 veröffentlichte sie sodann ihr erstes Buch, das in Ungarn, sowie auch im Ausland großes Interesse erweckte. Die Arbeit als Familienärztin war für Emmi Pikler sehr schwer. Zum einen war ihre jüdische Herkunft ein Grund, zum anderen war ihr Mann von 1936 bis 1945 in Kriegsgefangenschaft. Aufgrund der großen Hilfe der Eltern der von ihr betreuten Kinder, konnten sie und ihre Familie die Judenverfolgung im zweiten Weltkrieg überstehen.
Nach dem Krieg bekam Emmi Pikler zwei weitere Kinder. Die Privatpraxis wurde nicht wieder eröffnet. Sie entschloss sich stattdessen, für eine ungarische Organisation für unterernährte, verlassene Kinder zu arbeiten. 1946 gründete sie schließlich das Säuglingsheim Lóczy, welches sie bis 1979 leitete. (Danach übernahm ihre Tochter Anna Tárdos die Leitung des Lóczy). Aufgrund der Verhütung des Hospitalismus, die Herausgabe von Fachbüchern, sowie wissenschaftliche Veröffentlichungen wurde es zu einem international bekannten Methodologischen Institut.
Die Psychologin Margit Hirsch vom Akademischen Psychologischen Institut in Budapest, führte 1964 eine Untersuchung über Heimkinder durch. Dabei fielen ihr einige Kinder aus dem Säuglingsheim (Lóczy) positiv auf. Sie analysierte die Frage, wie die Persönlichkeit von Kindern durch eine von den Eltern getrennte Erziehung in einer Einrichtung beeinflusst wird. Sie untersuchte achtjährige Kinder, die zu diesem Zeitpunkt in Familien lebten. Jene beiden Kinder, die keinen Hospitalismus (Erscheinungen des Hospitalismus äußern sich durch Symptome der Entwicklungsverzögerung und Entwicklungsstörungen, beispielsweise einer motorischen Verlangsamung, ungenügende Reaktionsfähigkeit, Störungen der Wahrnehmung, Kontaktstörungen, Aggressivität, Passivität, Angstzustände, Lernstörungen und Depression) aufwiesen, hatten früher im Emmi-Pikler-Institut gelebt. Sie interessierte sich für die Entwicklung von ehemaligen Lóczykindern und untersuchte 30 weitere. Daraus entstand die erste Nachuntersuchung dieser Kinder.
100 weitere ehemalige Lóczykinder, im Alter zwischen 13 und 23 Jahren, wurden in den Jahren zwischen 1968 und 1970 bei einer weiteren Nachuntersuchung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) untersucht. Das Ergebnis war, dass bei keinem dieser Kinder ein Unterschied zu in Familien aufgewachsenen Kindern deutlich wurde. Das heißt, dass keines der Kinder Merkmale des Hospitalismus aufwies.
Emmi Pikler konnte nun die Meinung, dass Hospitalismus unausweichlich ist, widerlegen, indem sie das in Familien entwickelte Konzept, Kinder in einer vorbereiteten Umgebung frei entwickeln zu lassen, in die institutionellen Bedingungen der Heimerziehung übernahm. So hatten die Heimkinder die Möglichkeit, sich frei von Symptomen des Hospitalismus zu entwickeln. (Wege der Entfaltung, o. J.)
Damit hatte sie den Grundstein ihres pädagogischen Konzeptes gelegt. Sie geht davon aus, dass jeder Mensch von Anfang an über Fähigkeiten wie eigenständiges Denken und Handeln verfügt, von denen man eigentlich annahm, dass diese erst im Laufe des Lebens entwickelt werden. Sie widersprach auch der Meinung, dass Babys schneller lernen, sich zu setzen, stellen oder laufen, wenn man sie dazu anleitet. Sie war überzeugt, dass man in den aktiven Entwicklungsvorgang des Kindes nicht eingreifen dürfe. Anstatt Hilflosigkeit und Abhängigkeit des Babys beziehungsweise Kleinkindes, sah sie deren Fähigkeiten und Kompetenzen. (vgl. Müggelräuber, o. J.)
Gelebt hatte sie mit ihrer Familie zuerst in Triest, später in Budapest.
1935 war Emmi Pikler auch in Ungarn als Kinderärztin anerkannt. Sie eröffnete schließlich eine Privatpraxis als Kinderärztin in Budapest. Diese führte sie völlig unkonventionell in den zwei Zimmern, die sie mit ihrer Tochter im Haus der Schwiegereltern bewohnte. Diese nutzte sie jeden Nachmittag für eine Stunde als Praxis. Dort wurden Impfungen für Kleinkinder vorgenommen. Ebenso erhielt sie dort öfters Besuch von älteren Kindern, die Emmi Pikler nicht mehr zu Hause besuchte. Denn sie führte ihre Tätigkeit vorwiegend in Form von Hausbesuchen durch, in denen sie Kleinkinder ärztlich versorgte. Pikler beschränkte sich nicht auf die Behandlung von kranken Kindern oder Vorsorgemaßnahmen wie Impfungen und Routineuntersuchungen. Ihr Hauptaugenmerk legte sie auf die Prophylaxe. Während ihrer regelmäßigen Hausbesuche beobachtete sie auch die Säuglinge und Kleinkinder in ihrer alltäglichen Umgebung. Sie gab den Eltern Ratschläge zur Gestaltung des Tagesablaufs ihrer Kinder, deren Ernährung und der räumlichen Bedingungen.
Sie verdeutlichte den Eltern die selbstständige Aktivität ihrer Kinder. Ebenso wurde die Pflegesituation genauestens vorbereitet, um zu ermöglichen, dass sich die Eltern während dem pflegenden Zusammensein ohne Ablenkung dem Kind widmen konnten. (Wege der Entfaltung, o. J.)
Sie verfolgte ihr Ziel, die gesunde Entwicklung des Kindes zu ermöglichen. Aufgrund der Erfahrungen mit ihrer Tochter wusste sie, dass Kinder weder zur Bewegung, noch zum Spiel angeregt werden müssen. Jedes Detail im Umgang mit dem Kind ist wichtig, sei es die Fürsorge der Eltern zu ihrem Kind während der Pflege, oder die Notwendigkeit der Zurückhaltung der Erwachsenen in der Bewegungsentwicklung und dem freien Spiel der Kinder.
Im Laufe der Jahre hatte Emmi Pikler immer wieder Vorträge über die Pflege und Erziehung von Babys und Kleinkindern gehalten, sowie verschiedene Artikel verfasst. 1940 veröffentlichte sie sodann ihr erstes Buch, das in Ungarn, sowie auch im Ausland großes Interesse erweckte. Die Arbeit als Familienärztin war für Emmi Pikler sehr schwer. Zum einen war ihre jüdische Herkunft ein Grund, zum anderen war ihr Mann von 1936 bis 1945 in Kriegsgefangenschaft. Aufgrund der großen Hilfe der Eltern der von ihr betreuten Kinder, konnten sie und ihre Familie die Judenverfolgung im zweiten Weltkrieg überstehen.
Nach dem Krieg bekam Emmi Pikler zwei weitere Kinder. Die Privatpraxis wurde nicht wieder eröffnet. Sie entschloss sich stattdessen, für eine ungarische Organisation für unterernährte, verlassene Kinder zu arbeiten. 1946 gründete sie schließlich das Säuglingsheim Lóczy, welches sie bis 1979 leitete. (Danach übernahm ihre Tochter Anna Tárdos die Leitung des Lóczy). Aufgrund der Verhütung des Hospitalismus, die Herausgabe von Fachbüchern, sowie wissenschaftliche Veröffentlichungen wurde es zu einem international bekannten Methodologischen Institut.
Die Psychologin Margit Hirsch vom Akademischen Psychologischen Institut in Budapest, führte 1964 eine Untersuchung über Heimkinder durch. Dabei fielen ihr einige Kinder aus dem Säuglingsheim (Lóczy) positiv auf. Sie analysierte die Frage, wie die Persönlichkeit von Kindern durch eine von den Eltern getrennte Erziehung in einer Einrichtung beeinflusst wird. Sie untersuchte achtjährige Kinder, die zu diesem Zeitpunkt in Familien lebten. Jene beiden Kinder, die keinen Hospitalismus (Erscheinungen des Hospitalismus äußern sich durch Symptome der Entwicklungsverzögerung und Entwicklungsstörungen, beispielsweise einer motorischen Verlangsamung, ungenügende Reaktionsfähigkeit, Störungen der Wahrnehmung, Kontaktstörungen, Aggressivität, Passivität, Angstzustände, Lernstörungen und Depression) aufwiesen, hatten früher im Emmi-Pikler-Institut gelebt. Sie interessierte sich für die Entwicklung von ehemaligen Lóczykindern und untersuchte 30 weitere. Daraus entstand die erste Nachuntersuchung dieser Kinder.
100 weitere ehemalige Lóczykinder, im Alter zwischen 13 und 23 Jahren, wurden in den Jahren zwischen 1968 und 1970 bei einer weiteren Nachuntersuchung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) untersucht. Das Ergebnis war, dass bei keinem dieser Kinder ein Unterschied zu in Familien aufgewachsenen Kindern deutlich wurde. Das heißt, dass keines der Kinder Merkmale des Hospitalismus aufwies.
Emmi Pikler konnte nun die Meinung, dass Hospitalismus unausweichlich ist, widerlegen, indem sie das in Familien entwickelte Konzept, Kinder in einer vorbereiteten Umgebung frei entwickeln zu lassen, in die institutionellen Bedingungen der Heimerziehung übernahm. So hatten die Heimkinder die Möglichkeit, sich frei von Symptomen des Hospitalismus zu entwickeln. (Wege der Entfaltung, o. J.)
Nach ihrer Pensionierung verrichtete sie weiter wissenschaftliche und beratende Tätigkeiten im Lóczy-Institut.
Am 6. Juni 1984 starb Emmi Pikler nach kurzer, schwerer Krankheit in Budapest. (vgl. Pikler, 1988, S. 242)
Am 6. Juni 1984 starb Emmi Pikler nach kurzer, schwerer Krankheit in Budapest. (vgl. Pikler, 1988, S. 242)
2.2 Biographie Maria Montessori und Grundlagen ihrer Arbeit
Maria Montessori kam am 31. August 1870 in Chiaravalle, der Provinz Ancona, Italien zur Welt. Es war eine Zeit, in der politische Veränderungen, wie auch technischer Wandel stattfanden. Für die meisten Menschen führten diese Veränderungen jedoch nicht zu einer Verbesserung ihrer Lebenssituation. Sie lebten als kleine Bauern in Armut oder erhofften sich in den Städten eine bessere Möglichkeit, dem Elend zu entkommen. Die Städte waren rasch überbevölkert. Etwa fünf Prozent der männlichen Bevölkerung besaß das Wahlrecht, wenige verfügten über schulische Bildung, da die Kinder früh für den Unterhalt der Familie mitsorgen mussten. All jene, die einer Schulbildung nachgehen konnten, waren einem strengen Schulalltag ausgesetzt. Man hatte züchtig und bewegungslos in den Schulbänken zu sitzen. Ebenso herrschte in den Familien das Patriarchat. Kinder wurden als minderwertig beziehungsweise als die „noch nicht Erwachsenen“ gesehen. Man war der Meinung, dass Eltern ihre Kinder formen müssten.
Um die Jahrhundertwende folgte eine Zeit des Wandels, „das Jahrhundert des Kindes“ wurde es genannt. Reformpädagogen setzten sich für eine Pädagogik ein, die vom Kind ausging.
Maria Montessori war das einzige Kind einer bürgerlich-katholischen Familie. Ihr Vater war Finanzbeamter, ihre Mutter die Tochter eines Gutsbesitzers. Aufgrund der beruflichen Versetzung des Vaters, verbrachte Maria Montessori den Großteil ihrer Kindheit in Rom. Sie kam dort in eine Schule, in der noch altes Lehrverhalten praktiziert wurde. Hier zeigte sie bereits ihr kritisches Denken, indem sie sich gegen die Schranken zwischen Jungen und Mädchen, sowie gegen das unreflektierte Auswendiglernen einsetzte. (Schäfer, 2002, S. 15ff)
Bereits während der Schulzeit hatte sie großes Interesse an naturwissenschaftlichen Fächern, besonders der Mathematik. Aufgrund ihrer Begabung wollte sie Ingenieurin werden, obwohl dieser Berufszweig zur damaligen Zeit für Frauen völlig verschlossen war.
Trotz starker Widerstände konnte sie dennoch zu einem der technischen Institute wechseln. Sie interessierte sich neben der Mathematik auch für die Biologie, sowie das wissenschaftliche Studium des Menschen. (Fuchs, 1992, S. 104)
Neben logischem Denken verfügte Maria Montessori wohl auch über ein ausgeprägtes Vertrauen in sich selbst. Einige ihrer Lebensentscheidungen hatte sie ganz spontan getroffen. Zum Beispiel beschloss sie mit Ende ihres technischen Studiums, ein Medizinstudium zu beginnen, obwohl das Frauen in Italien zu dieser Zeit noch gar nicht erlaubt war. Bei ihrer ersten Anmeldung wurde sie abgelehnt. Sie schrieb sich für Physik, Mathematik und Naturwissenschaften ein und bestand zwei Jahre darauf alle Prüfungen. Wieder versuchte sie die Aufnahme für das Medizinstudium. Sie suchte sogar bei öffentlichen Stellen um Unterstützung an. Es wird behauptet, dass sogar Papst Leo VIII. hinter ihr stand und so wurde sie die erste weibliche Medizinstudentin Italiens. (Montessori, 2002, S. 18)
Bereits mit jungen Jahren wurde Montessoris stark ausgeprägte soziale Gesinnung erkennbar, indem sie sich für sozial benachteiligte Gruppen einsetzte. Neben ihrem Engagement in der italienischen Frauenbewegung, kämpfte sie gegen die Kinderarbeit, sowie gegen die fürchterlichen Bedingungen, unter denen sizilianische Kinder in den Bergwerken arbeiten mussten.
Als sie im Jahre 1896 ihr Studium abschloss, arbeitete sie für zwei Jahre als Assistentin in der Psychiatrischen Klinik der Universität in Rom. (vgl. Fuchs, 1992, S. 105)
Zur Pädagogik fand Maria Montessori durch die Arbeit mit behinderten Kindern, mit denen sie sich in der Psychiatrischen Klinik beschäftigte. In den Irrenanstalten mussten die geistig zurückgebliebenen Kinder auf engstem Raum, ohne Möglichkeit auf Betätigung, zusammenleben. Montessori erkannte, dass es nicht nur medizinische, sondern auch pädagogische Probleme zu bewältigen gab. Sie studierte die Werke der beiden französischen Ärzte Jean-Marc Itard (1775- 1838) und Édouard Séguin (1812- 1880) und entwarf dann ein pädagogisches Förderprogramm für diese Kinder.
Maria Montessori übernahm dann die Leitung eines Instituts für Sonderschullehrer im Rom mit einer angeschlossenen Schule, in der sie auch selbst intensiv unterrichtete. Es war ihr schließlich gelungen, dass einige ihrer geistig zurückgebliebenen Kinder bei öffentlichen Prüfungen mit nicht behinderten Kindern einer regulären Volksschulgruppe mithalten konnten. Später beschäftigte sie sich mit der Erziehung und Bildung „normal“ entwickelter Kinder, gab ihre Leitung im Institut auf und begann 1904 das (pädagogische) Anthropologiestudium. (Ludwig, 1997, S. 11)
Die Impulse für die Weiterentwicklung ihrer Pädagogik erhielt sie von der praktischen Erfahrung mit Kindern. Denn als 1907 im römischen Elendsviertel San Lorenzo ein Kinderhaus (Casa dei Bambini) für vernachlässigte Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren der dort wohnenden Arbeiterfamilien entstand, nahm sie das Angebot für die Leitung und pädagogische Gestaltung an. In dieser Arbeit machte Maria Montessori viele neue Erkenntnisse, wie die „Polarisation der Aufmerksamkeit“, in der Kinder die Fähigkeit zur außergewöhnlich lang- anhaltenden Konzentration besitzen, wenn sie sich mit einem frei gewählten Gegenstand auseinandersetzen. Sie studierte daraufhin gewissenhaft die Bedingungen für diese Konzentration und versuchte diesen Ansatz als Grundlage für eine neuartige Erziehungsmethode heranzuziehen, welche rasch bekannt wurde. Weitere Kinderhäuser wurden gebaut. Da sich Maria Montessori ab diesem Zeitpunkt ausschließlich der Weiterentwicklung ihrer pädagogischen Ideen widmen wollte, gab sie ihre Lehrtätigkeit und ihre Praxis als Kinderärztin auf. Sie hielt Vorträge, verfasste Publikationen und gab Kurse zur Ausbildung von Pädagogen. 1909 erschien ihr erstes Buch. Sie interessierte sich mittlerweile fü...
Um die Jahrhundertwende folgte eine Zeit des Wandels, „das Jahrhundert des Kindes“ wurde es genannt. Reformpädagogen setzten sich für eine Pädagogik ein, die vom Kind ausging.
Maria Montessori war das einzige Kind einer bürgerlich-katholischen Familie. Ihr Vater war Finanzbeamter, ihre Mutter die Tochter eines Gutsbesitzers. Aufgrund der beruflichen Versetzung des Vaters, verbrachte Maria Montessori den Großteil ihrer Kindheit in Rom. Sie kam dort in eine Schule, in der noch altes Lehrverhalten praktiziert wurde. Hier zeigte sie bereits ihr kritisches Denken, indem sie sich gegen die Schranken zwischen Jungen und Mädchen, sowie gegen das unreflektierte Auswendiglernen einsetzte. (Schäfer, 2002, S. 15ff)
Bereits während der Schulzeit hatte sie großes Interesse an naturwissenschaftlichen Fächern, besonders der Mathematik. Aufgrund ihrer Begabung wollte sie Ingenieurin werden, obwohl dieser Berufszweig zur damaligen Zeit für Frauen völlig verschlossen war.
Trotz starker Widerstände konnte sie dennoch zu einem der technischen Institute wechseln. Sie interessierte sich neben der Mathematik auch für die Biologie, sowie das wissenschaftliche Studium des Menschen. (Fuchs, 1992, S. 104)
Neben logischem Denken verfügte Maria Montessori wohl auch über ein ausgeprägtes Vertrauen in sich selbst. Einige ihrer Lebensentscheidungen hatte sie ganz spontan getroffen. Zum Beispiel beschloss sie mit Ende ihres technischen Studiums, ein Medizinstudium zu beginnen, obwohl das Frauen in Italien zu dieser Zeit noch gar nicht erlaubt war. Bei ihrer ersten Anmeldung wurde sie abgelehnt. Sie schrieb sich für Physik, Mathematik und Naturwissenschaften ein und bestand zwei Jahre darauf alle Prüfungen. Wieder versuchte sie die Aufnahme für das Medizinstudium. Sie suchte sogar bei öffentlichen Stellen um Unterstützung an. Es wird behauptet, dass sogar Papst Leo VIII. hinter ihr stand und so wurde sie die erste weibliche Medizinstudentin Italiens. (Montessori, 2002, S. 18)
Bereits mit jungen Jahren wurde Montessoris stark ausgeprägte soziale Gesinnung erkennbar, indem sie sich für sozial benachteiligte Gruppen einsetzte. Neben ihrem Engagement in der italienischen Frauenbewegung, kämpfte sie gegen die Kinderarbeit, sowie gegen die fürchterlichen Bedingungen, unter denen sizilianische Kinder in den Bergwerken arbeiten mussten.
Als sie im Jahre 1896 ihr Studium abschloss, arbeitete sie für zwei Jahre als Assistentin in der Psychiatrischen Klinik der Universität in Rom. (vgl. Fuchs, 1992, S. 105)
Zur Pädagogik fand Maria Montessori durch die Arbeit mit behinderten Kindern, mit denen sie sich in der Psychiatrischen Klinik beschäftigte. In den Irrenanstalten mussten die geistig zurückgebliebenen Kinder auf engstem Raum, ohne Möglichkeit auf Betätigung, zusammenleben. Montessori erkannte, dass es nicht nur medizinische, sondern auch pädagogische Probleme zu bewältigen gab. Sie studierte die Werke der beiden französischen Ärzte Jean-Marc Itard (1775- 1838) und Édouard Séguin (1812- 1880) und entwarf dann ein pädagogisches Förderprogramm für diese Kinder.
Maria Montessori übernahm dann die Leitung eines Instituts für Sonderschullehrer im Rom mit einer angeschlossenen Schule, in der sie auch selbst intensiv unterrichtete. Es war ihr schließlich gelungen, dass einige ihrer geistig zurückgebliebenen Kinder bei öffentlichen Prüfungen mit nicht behinderten Kindern einer regulären Volksschulgruppe mithalten konnten. Später beschäftigte sie sich mit der Erziehung und Bildung „normal“ entwickelter Kinder, gab ihre Leitung im Institut auf und begann 1904 das (pädagogische) Anthropologiestudium. (Ludwig, 1997, S. 11)
Die Impulse für die Weiterentwicklung ihrer Pädagogik erhielt sie von der praktischen Erfahrung mit Kindern. Denn als 1907 im römischen Elendsviertel San Lorenzo ein Kinderhaus (Casa dei Bambini) für vernachlässigte Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren der dort wohnenden Arbeiterfamilien entstand, nahm sie das Angebot für die Leitung und pädagogische Gestaltung an. In dieser Arbeit machte Maria Montessori viele neue Erkenntnisse, wie die „Polarisation der Aufmerksamkeit“, in der Kinder die Fähigkeit zur außergewöhnlich lang- anhaltenden Konzentration besitzen, wenn sie sich mit einem frei gewählten Gegenstand auseinandersetzen. Sie studierte daraufhin gewissenhaft die Bedingungen für diese Konzentration und versuchte diesen Ansatz als Grundlage für eine neuartige Erziehungsmethode heranzuziehen, welche rasch bekannt wurde. Weitere Kinderhäuser wurden gebaut. Da sich Maria Montessori ab diesem Zeitpunkt ausschließlich der Weiterentwicklung ihrer pädagogischen Ideen widmen wollte, gab sie ihre Lehrtätigkeit und ihre Praxis als Kinderärztin auf. Sie hielt Vorträge, verfasste Publikationen und gab Kurse zur Ausbildung von Pädagogen. 1909 erschien ihr erstes Buch. Sie interessierte sich mittlerweile fü...
Inhaltsverzeichnis
- Das freie Spiel: Emmi Pikler und Maria Montessori im Vergleich
- Inhaltsverzeichnis
- 1. Ziele, Methode und Fragestellungen der Untersuchung
- 2. Gegenüberstellung der Lebensgeschichte
- 3. Bedeutung des Spiels in der Entwicklungspsychologie
- 4. Bedeutung des freien Spiels nach Pikler und Montessori
- 5. Darstellung der empirischen Studien
- 6. Das freie Spiel nach Emmi Pikler und Maria Montessori
- 7. Gestaltung und Vergleich von Spielgruppen
- 8. Kritische Bewertung
- 9. Zusammenfassung
- 10. Literaturverzeichnis