
- 248 Seiten
- German
- ePUB (handyfreundlich)
- Über iOS und Android verfügbar
eBook - ePub
Über dieses Buch
Geschichten über ein falsches Vogelkind, den Klimawechsel, eine Mogelpackung, eine Fundsache, eine unerwünschte Schwiegertochter und italienische Gastfreundschaft, um nur einige zu nennen, haben es in diese Sammlung geschafft.Tauchen Sie ein in erlebte und erdachte Begebenheiten um Liebe, Enttäuschung, Spannung und Humor, auch aus dem Augsburger Raum, von damals und heute, zum Teil tauchen auch schwäbische Dialektworte auf und werden erklärt.Unterhaltsame Geschichten für Leser im Erwachsenenalter, teilweise auch für Teenager geeignet
Häufig gestellte Fragen
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Information
Die Weihnachtswette
Freitag, erster Dezember 2017, acht Uhr, in einem Bürohaus in Augsburg.
Alle waren gespannt. In einer Stunde sollte es soweit sein. Herr Morgenroth, Chef des Consulting-Unternehmens, hatte die Belegschaft um neun in den Konferenzraum gebeten. Vor seinem Sommerurlaub hatte er angekündigt, er wolle ab Ende nächsten Jahres nur noch beratend tätig sein und sich zeitig nach einem Nachfolger umsehen.
Die Gerüchteküche brodelte bis zum Überlaufen. Henriette König aus der Rechtsabteilung klopfte an die Tür der Chefsekretärin.
„Guten Morgen Sonja. Es ist zehn vor neun! Kommst du gleich mit? Jetzt gibt es noch die besten Plätze!“
„Oh, schon so spät!“ Sie musterte die Kollegin von Kopf bis Fuß. „Hast dich ganz schön rausgeputzt.“
„Natürlich, der erste Eindruck zählt. Ich bin ja gespannt, wen uns der Chef vorstellen wird.“
Sonja wusste natürlich Bescheid, denn Bewerbungsunterlagen gingen über ihren Tisch. Als Vertraute von Herrn Morgenroth, dem sie bereits seit fünfzehn Jahren zuarbeitete und den Rücken freihielt, war sie stets loyal und hatte allen Versuchungen standgehalten und nichts verlauten lassen, obwohl sie speziell von den Mitarbeiterinnen gelöchert wurde, wer ins Unternehmen kommen würde.
Die beiden Kolleginnen Sonja und Henriette, mehr waren sie nicht, fanden im Besprechungszimmer ganz vorne freie Plätze. Der Raum füllte sich. Es wurde getuschelt, bis der Chef eintrat und ans Stehpult schritt.
„Guten Morgen, meine Herrschaften. Am Ende dieses Monats reißen wir das letzte Blatt vom Kalender ab. Ein erfolgreiches Geschäftsjahr geht zu Ende. Danke für Ihren Einsatz! So gut soll es mit meinem Nachfolger weitergehen. Die Suche war nicht einfach, denn mein Wunschkandidat verfolgte andere Pläne. Doch ich hatte Glück und er hat unterzeichnet. Herr Schönhoff, bitte treten Sie ein!“
Wie auf Kommando richteten sich sämtliche Augenpaare auf die Tür. Herr Morgenroth trat vom Stehpult zurück. Ein gut aussehender Herr mittleren Alters mit festem Schritt steuerte darauf zu. Alle Blicke begleiteten den eleganten Herrn in schwarzen, rahmengenähten Budapestern, tadellos sitzendem hellgrauen Brioni-Anzug über einem schneeweißem Hemd, dezent gestreifter Seidenkrawatte und Einstecktuch nach vorne. Anerkennendes Raunen erfüllte den Saal.
„Herzlich willkommen im Unternehmen. Bitte stellen Sie sich vor!“, bat ihn der Seniorchef.
Plötzlich war es so leise, man hätte ein Mäuschen husten hören.
„Herr Morgenroth, danke für den freundlichen Empfang in Ihrem Haus. Meine Damen, meine Herren, guten Morgen. Meinen Namen kennen Sie ja bereits, Schönhoff, Robert Schönhoff. Mehr wollen Sie bestimmt nicht wissen – oder doch?“
Zaghafte Lacher kamen von den Zuhörern.
„Falls Sie über mein Alter rätseln, ich bin gerade viermal — er machte eine Pause — elf Jahre alt geworden. Das sollte ohne Taschenrechner funktionieren!“ Sein linker Mundwinkel zuckte.
Wieder ein Schmunzeln in den Gesichtern.
„Und warum komme ich in dieses Unternehmen? Nach dem Unfalltod meiner Eltern im September musste ich in meine Heimatstadt zurückkommen und die Angelegenheiten regeln. Ursprünglich wollte ich zurück an meinen Arbeitsplatz in Macao zur Universal Holding, die ich seit fünf Jahren leite. Herr Morgenroth hatte die Todesanzeige gelesen und mich sofort angerufen. Nach meinem Studium durfte ich damals bei ihm ein Praktikum absolvieren. Wir wurden uns einig und ich bin in Augsburg geblieben. Startklar für die neue Aufgabe hoffe ich auf Ihre Unterstützung. Ach ja, eine gute Nachricht darf ich heute schon verkünden: Unsere Weihnachtsfeier findet am Freitag, den 15. Dezember statt und – ich darf dabei sein.“ Sein linker Mundwinkel zuckte. Beifall brauste auf. Der neue Mitarbeiter schaute in begeisterte Gesichter, die ihn anlächelten, besonders die Damen.
Der Seniorchef bedankte sich für die Aufmerksamkeit, schüttelte Herrn Schönfeld die Hand:
„Gut gemacht!“
Die Versammlung löste sich auf.
„Ein Bild von einem Mann! Genau mein Typ!“ Henriette stöhnte Sonja auf dem Weg zu ihren Büros an. „Und du hast das die ganze Zeit gewusst!“
„Natürlich. Er sieht allerdings wesentlich besser aus als auf dem Foto in den Personaldaten. Dieses römische Profil, die leicht gewellten dunklen Haare zu den blauen Augen, der leicht gebräunte Teint, die feingliedrigen Finger, …“
„Stopp, krieg dich wieder ein!“, unterbrach sie Henriette. „Du schwärmst ja geradezu von ihm, aber nicht als Einzige. Ob er verheiratet ist? Ring hab ich keinen entdeckt, aber das muss heutzutage nichts heißen. Ein Traum von einem Mannsbild! Trotzdem, eine Macke hat er: manchmal zuckt er mit dem linken Mundwinkel! Hast du gesehen, wie ihn alle anhimmeln? Da heißt es, schnell sein! Machen wir heute zusammen Mittagspause, vielleicht bei Flannigan`s Post?“
„Von mir aus. Gegen eins kannst du mich abholen.“ Sonja sah Henriette noch nach.
Die stöckelte unüberhörbar auf nicht enden wollenden High Heels von Giuseppe Zanotti den Gang entlang. Sonja wunderte sich immer wieder, wie man auf so hohen Absätzen das Gleichgewicht halten und die Hüften schwingen konnte wie auf einem Catwalk.
Sonja erinnerte sich: Vor zwei Jahren war Henriette die Leitung der Rechtsabteilung übertragen worden, allerdings nicht ganz ohne ihr Zutun. Gut, Frau Agnes Willmann, damals dreiundsechzig, war mit der neuesten Gesetzeslage nicht so vertraut. Mit dem PC stand sie auf Kriegsfuß. Henriette hatte die Kollegin mehrmals auflaufen lassen und sich selbst profiliert. Dann war Frau Willmann ein grober Fehler unterlaufen und Herr Morgenroth legte ihr nahe, die Rente zu beantragen, was sie auch tat. Henriettes Chance! Sie machte auch was her im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin. Frau Willmann trug stets einen exakt geschlungenen Knoten aus silbergrauem gescheiteltem Haar, eine Bluse mit blaugrauem Paisley-Muster und einem weißen Spitzenkragen, dazu einen mausgrauen Kleiderrock und schwarzen Schnürschuhe mit niedrigem Absatz — ein wenig wie Oma Eusebia von Fix und Foxi. Ganz anders trat Henriette König auf. Zum engen knallroten Lederkostüm, Größe 38, natürlich mit kurzem Rock, der beim Sitzen beängstigend weit nach oben rutschte, ließ eine schneeweiße Bluse mit weitem Ausschnitt genügend freie Sicht auf einen beachtlichen Busen. Das blondierte Haar, immer perfekt gewellt, glänzte und wippte bei jedem Schritt. Natürlich trug sie typgerechtes Make-up. Die pedikürten Hände waren mit Gelnägeln bewaffnet.
„Wie man damit eine Tastatur bedienen kann?“, wunderte sich Sonja immer wieder.
Henriette genoss die bewundernden Blicke der Kollegen und der Männerwelt überhaupt. Aber zu mehr als einigen kurzzeitigen Beziehungen war es in ihrem Leben nicht gekommen. Etwas Festes wollte sie auch nie und war mit ihren siebenunddreißig Jahren bekennender Single.
Im Büro angekommen zog sie zunächst ihre Lippen nach und überprüfte ihr Äußeres. Alles perfekt. Dann öffnete sie ihr Postfach in Outlook und las die neueste Mail:
Einladung
Werte Mitarbeiterinnen,
werte Mitarbeiter,
ich lade Sie herzlich ein zu unserer
Weihnachtsfeier:
15. Dezember 2018
18 Uhr, VIP Lounge im City-Bowling
Halderstraße 5
21 Uhr Abendessen Enchilada
Hallstraße 4
Bitte melden Sie Ihre Teilnahme
bis 5. Dezember bei Frau Sonja Nolte.
Ich freue mich auf Ihr Kommen.
August Morgenroth
Natürlich schickte sie gleich ihre Zusage an Sonja zurück. Logisch, da musste sie dabei sein! Der neue Juniorchef passte genau in ihr Beuteschema. Geschätzte eins neunzig groß, dunkles, fülliges Haar mit leichter Naturwelle und wenigen Silberfäden durchzogen, sportliche Figur, sonnengebräunter Teint mit Lachfältchen um die tiefblauen Augen, sinnliche Lippen,… sie schloss für einen Moment die Augen und entkleidete Robert schon mal in ihrer Phantasie. Bei einem Schluck Kaffee erinnerte sie sich an seine Eleganz, seine Breitling Fliegeruhr und den dezenten Siegelring. Henriette kannte sich aus. Nur das Zucken des linken Mundwinkels störte sie. Aber, es gab Schlimmeres. Darüber musste man hinwegsehen. Den Mann wollte sie sich schnappen, Bingo! Gut, bei der Besprechung in der ersten Reihe zu sitzen wie auch Sonja. Auf die hatte er auch ganz schön Eindruck gemacht, dachte Henriette. In der Mittagspause würde Herr Schönhoff Gesprächsthema sein.
Sonja Nolte musste sich stark konzentrieren. Gut, dass sie heute, am Freitag, nur bis sechzehn Uhr arbeiten musste. Herr Schönhoff geisterte unentwegt in ihrem Kopf herum. Diese Erscheinung, diese sonore Stimme, diese Aura, die ihn umgab! So einem Menschen war sie noch nicht begegnet. Mit ihren sechsunddreißig Jahren hatte es bei keiner Bekanntschaft Klick gemacht. Jetzt aber begannen Schmetterlinge im Bauch mit den Flügeln zu schlagen, wenn sie nur an ihn dachte.
Der Klingelton ihres Telefons riss sie aus dem Tagtraum:
„Frau Nolte, zehn Uhr. Haben Sie meinen Tee vergessen? Sonst sind Sie doch immer pünktlich!“ Herr Morgenroth hatte sie ertappt.
„Oh Verzeihung. Ich beeile mich.“
Sonja stürzte mit glühenden Wangen in die Teeküche und bereitete den Earl Grey zu. Auf das Tablett stellte sie Rohrzucker, ein Kännchen Sahne, dazu ein paar Scones, Butter und eine Schale mit Erdbeermarmelade. Damit betrat sie das Chefbüro.
Es war im alten Stil eingerichtet mit holzvertäfelten Wänden und dunklen Möbeln. Ein wuchtiger Schreibtisch dominierte den Raum sowie ein Ölporträt des Firmengründers. Aus dieser Zeit stammte auch die traditionelle Banker-Lampe mit grünem Glasschirm, Kettenzugschalter und blank poliertem Messingfuß. Am Fenster eine Besuchersitzgruppe, auf dem Tisch ein frisch duftendes Adventsgesteck. Sonja stellte das Tablett auf den Schreibtisch. Die Unterlage war aus Leder, ein dazu passender Köcher beherbergte Stifte und einen Brieföffner, daneben lag griffbereit ein Kolbenfüller von Mont Blanc. Der Raum flößte Respekt ein. Herr Morgenroth war eben noch ein Herr der alten Garde.
Er lehnte sich zurück, während er seine Sekretärin musterte:
„Frau Nolte, Sie sind ein Schatz. Danke für die Scones. Wie immer selbst gebacken?“
„Natürlich, Herr Morgenroth. Ich weiß doch, dass Sie die zum Tee gerne mögen.“
„Nun, Frau Nolte, was halten Sie persönlich von Herrn Schönhoff?
„Ich denke, Sie haben mit ihm eine gute Wahl getroffen. Er macht einen sympathischen Eindruck.“
„Das meine ich auch. Führen Sie ihn doch bitte nachh...
Inhaltsverzeichnis
- Inhaltsverzeichnis
- Vita
- Faszination Lesen
- Neuer Frühling
- Ein falsches Vogelkind
- Genuss
- Klimawechsel
- Die Fundsache
- Abenteuer Kühlschrankkauf
- Ein geruhsames Wochenende
- Schwiegertochter gesucht
- Heidis Kindheit
- Jetzt noch wechseln?
- Der Außenseiter
- Coffee to go
- Alte Liebe rostet nicht
- Dregg im Schächtele
- Geheimnisse
- Die Schiefertafel
- In der Nacht
- Gezeiten der Liebe
- Erkenntnis
- Der Hennaschlupf
- Gastfreundschaft
- Mogelpackung
- Die Weihnachtswette
- Ein besonderes Weihnachtsgeschenk
- Jahreswechsel in Venedig
- Danke
- Impressum