Die Meisterung des Ichs
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Die Meisterung des Ichs

Budo zur Gewaltprävention?

  1. 200 Seiten
  2. German
  3. ePUB (handyfreundlich)
  4. Über iOS und Android verfügbar
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Die Meisterung des Ichs

Budo zur Gewaltprävention?

Über dieses Buch

Die Frage, ob die Kampfkünste zur Gewaltprävention dienen können, beschäftigt die Öffentlichkeit und die Wissenschaft nun schon seit langem. Es deuten sich tatsächlich unter bestimmten Bedingungen positive Effekte an.Der vorliegenden Band 8 der Reihe Geist-Körper-Technik gibt einen aktuellen Überblick und führt mit namhaften Autoren die Diskussion weiter.

Häufig gestellte Fragen

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Macht Kampfsport gewalttätig?

Matthias von Saldern

1Einleitung

Die Frage, ob Kampfsport gewalttätig macht, ist bewusst einseitig und provokativ formuliert. Die sachliche Auseinandersetzung wird allerdings diese Frage nach den Risiken des Kampfsports erweitern müssen hin zur Frage, wo die Chancen einer Gewaltprävention durch Kampfsport liegen bzw. liegen könnten. Es gibt Vermutungen, die sogar noch weiter gehen: Kampfsport werde betrieben, um eigene Gewalterfahrungen aufzuarbeiten (Ohms, 1997).

2Definitionen

Nach Nolting (1997) muss man die Gewalt von der Aggression unterscheiden. In der folgenden Abbildung wird deutlich, dass die in diesem Artikel angesprochene personale Gewalt eine Schnittmenge ist zwischen gewaltsamer Aggression und nicht aggressiver struktureller Gewalt. Nicht gewaltsame Aggression ist zum Beispiel in der Tierwelt zu beobachten: ein Fuchs reißt ein Huhn. Hier haben wir es zwar mit Aggression zu tun, allerdings würde man diese alleine nicht als gewalttätig bezeichnen. Man kann also unterscheiden in:
  • Aggression als Primärziel: Feindselige (hostile/emotional aggression) als Verhalten mit dem primären Ziel der Schädigung des Gegenübers.
  • Aggression als Sekundärziel: Instrumentelle Aggression als Verhalten bei dem die Schädigung nur Mittel zur Erreichung nicht-aggressiver Ziele ist.
Nicht aggressive strukturelle Gewalt hingegen sind die starken Beeinflussungen, die durch die Umwelt bedingt sind. Hierzu zählen beispielsweise in der Schule die Notengebung, die zu großen Klassen oder im Berufsleben der Arbeitsdruck usw. Hier in diesem Falle würde man nicht von Aggressionen sprechen, da strukturelle Gewalt per definitionem nicht zwischen Personen stattfindet.
Abbildung 1: Abgrenzung von Formen der Gewalt (nach Nolting, 1997)
In der Literatur wird oft auch der Aggressionsbegriff noch einmal unterteilt in eine gerichtete, offensive Aktivität (wie z. B. es in zahlreichen menschlichen Handlungssituationen zu beobachten ist). Davon wird das aggressive Verhalten im engeren Sinne unterschieden, unter den das schädigende, gewalttätige Angriffsverhalten zählt. Wichtig ist, dass die erste Form durchaus positiv bewertet wird, die zweite hingegen negativ.
„Das Wort "Aggression" lässt sich aus dem lateinischen Verb "aggredior" ableiten, das bei den Römern sowohl eine friedliche als auch eine feindliche Bedeutung (sich nähern, sich wenden an, angreifen, überfallen) hatte. Im Verlauf der Zivilisationsprozesse (Kriege) verliert nun das Wort "aggreddere" immer mehr seinen friedlichen Sinn. In der Psychologie meint "Aggression" vorwiegend ein Verhalten, für dessen Gefühlskomponente und zu dessen motivationaler Erklärung andere Begriffe herangezogen bzw. gebildet werden. Doch ist Aggression nichts eindeutig im Verhalten Vorfindbares. Jede Zuschreibung von Aggression ist bereits eine Interpretation von Verhalten. Dem psychologischem Sprachgebrauch ist jedoch weitgehend gemeinsam, dass mit "Aggression" ein Austeilen schädigender Reize gemeint ist.“ (Katz, 1994)
Abbildung 2: Abgrenzung von Formen der Aggression
Macht bedeutet dabei die Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance besteht (Max Weber). Macht ist die Fähigkeit, beabsichtigte Wirkungen im Verhalten oder in den Gefühlen einer anderen Person zu erzeugen (David Winter).
Winkel (in Heemeyer, o.J.) stellt in Erweiterung der genannten Definitionsansätze unterschiedliche Formen kindlicher und jugendlicher Aggression vor, die durchaus sinnhaft sind. Diese fünf sind Perspektiven, werden vom Autor wie folgt eingeteilt:
„Aggressionen sind weder "gut" noch "böse", sondern in sich recht ambivalent. Erst in ihrem Vollzug und ihren Wirkungen sind sie destruktiv oder konstruktiv und: Jede aggressive Einstellung oder Handlung will mir etwas sagen, leider häufig in entstellter Form.“ (Heemeyer, o.J.)
Diese wissenschaftliche Analyse wurde bereits von großen Budô-Meistern vorweggenommen. So schreibt Morihei Ueshiba, Begründer des Aikido:
„Wenn du keine Aggressionen hast, kannst du nicht überleben ... Wenn dich jemand angreift, und du kannst keine Aggressionen aufbauen, kannst du dich nicht verteidigen, stimmt's? Aber: Wenn der Angriff kommt, baust du Harmonie auf. Diese Form von Gleichgewicht findet man in vielen Systemen. Aggression ist die Möglichkeit, ein System zu handhaben durch Rückkoppelung und Ausgleich.
Tabelle 1: Fünf Sinnperspektiven kindlicher und jugendlicher Aggression (Rainer Winkel, zit. n. Heemeyer, o.J.)
SinnperspektiveZielGefahr
Aggression alsAusprobieren von Stärke,Aus Spaß wird Ernst,
spielerischer KampfFreude am Siegen u. ä. moft blutiger Ernst
Aggression als Abwehr einer BedrohungBeseitigung von Angst Vermeidung von Verletzungen u. ä. m.Vernichtung des Gegners
Aggression als ReaktionAusgleich für eine Nieder-Bloße Ersatz
aufgrund von Frustrationlage, Demütigung u.ä.mbefriedigung
Aggression als AuskundschaftenFreiräume und Grenzen erforschen, eigene und fremde Terrains abstecken u.ä.m.Egoistisches Machtstreben
Aggression als entstellte LiebessehnsuchtGewinnen von Aufmerksamkeit, Zuwendung, Liebe u. a. m.Befriedigung durch ,,negative" Zuwendungen
Die Schwierigkeit bei der Aggression ist, dass sie gesehen wird als Krankheit, als Wahnsinn, als egoistisch und unausgewogen. Wenn du auf der Matte eine Technik mit zu viel Aggression ausübst, verlierst du dein Gleichgewicht, dein Zentrum. Deshalb meinen die Menschen, Aggression sei nicht gut. Aber das ist falsch. Wenn Aggression durch Rückkoppelung reguliert wird, ist Harmonie da. Das ist AIKI.“
Man muss also zusammenfassend festhalten, dass für Kinder und Jugendliche Aggression und Gewalt durchaus „normale“ Verhaltensweisen sind, die anthropologisch als „Probierverhalten“ interpretiert werden können. Nach derzeitigen Erkenntnissen erscheint es falsch, moralisierend jede Form der Aggression von vornherein zu verurteilen. Man wird vielmehr fragen müssen, wie man den Kindern und Jugendlichen beibringen kann, mit ihren Aggressionen umzugehen, denn
  • Gewalt ist spannend und wirkt der Langeweile entgegen,
  • Gewalt ist ein Mittel zur Ausübung von Macht und Kontrolle,
  • Gewaltinhalte sind ein Tabu, daher für Kinder interessant (Protestkonsum),
  • Gewalt gilt als Mutprobe besonders unter Gleichaltrigen.

3Ursachen

Nun stellt sich im Weiteren die Frage, warum nicht jedes Kind oder jeder Jugendliche auffällig gewalttätig ist. Dies hängt damit zusammen, dass man häufig einen Zusammenhang mit einem Ursachen-Wirkungs-Verhältnis verwechselt. Ein Beispiel soll dies verdeutlichen: Wie in der Abbildung 3 ersichtlich, wird vermutet, dass mehr Störche zu mehr Babys führen. Empirisch kann man tatsächlich feststellen, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Störchen und der Geburtenrate gibt. Der kausale Zusammenhang ist allerdings eine falsche Vermutung.
Abbildung 3: Vermutete Wirkung
In der nächsten Abbildung 4 wird deutlich, dass beide Beobachtungen beeinflusst werden durch eine so genannte Moderatorvariable, hier die Qua...

Inhaltsverzeichnis

  1. Titelseite
  2. Über den Autor
  3. Hinweise
  4. Vorwort
  5. Inhaltsverzeichnis
  6. Zur Einführung
  7. Budo – was ist das?
  8. Der Beitrag des Judo zur Erziehung
  9. Japanisches Denken für Europa?
  10. Karate-Do und Resilienz/Kohärenz als Ausdruck psychischer Gesundheit
  11. Macht Kampfsport gewalttätig?
  12. Ein Prozess wurde nicht in Gang gesetzt
  13. Gewaltprävention und -therapie durch Karate an Schulen
  14. Zum Beispiel Behindertensport
  15. Kämpfen als Gewaltprävention? – ein Umriss
  16. Wie alles anfing
  17. Autorengruppe
  18. GEIST – TECHNIK – KÖRPER
  19. Impressum