Teil 1 – Heiratsantrag,
Standesamt, Kirchliches
Die ersten Schritte
„Nun gebe ich mir einen Ruck!“
Ich bin offen gesagt, kein Freund langer Verlöbnisse. Sie geben den Brautleuten Gelegenheit,
ihren Charakter schon vor der Hochzeit zu entdecken, was wie ich meine, niemals ratsam ist.
Oscar Fingal O' Flahertie Wills Wilde, ir. Schriftsteller
(1854 - 1900)
Heiratsantrag
Der junge Mann hat sich in Schale ‚geschmissen‘. Er besucht die Eltern der Angebeteten. Und dort überreicht er einen ansehnlichen Blumenstrauß, über den sich die Mutter besonders freut.
Schließlich, nach Kaffee und Kuchen, kommt es zur entscheidenden Frage an den Vater – oft in Abwesenheit von Tochter und Mutter, die just in diesem Moment Dringendes zu erledigen haben. Er hält um die Hand der Tochter an.
Nachdem der Vater bejaht hat – früher wurde geklärt, ob der Anwärter auch für die Tochter sorgen kann – werden die Frauen wieder dazu gerufen. Der Vater fragt seine Tochter, ob sie den Kandidaten heiraten will. Und sie sagt „Ja“. Hoffentlich!
Vater und Kandidat beschlossen mit Handschlag diesen „Handel“. Daher der Spruch „Um die Hand anhalten“.
So zumindest war der strenge Ablauf.
In der heutigen Zeit ist die junge Frau selbstbewusst genug, selbst über den Heiratskandidaten zu entscheiden. Deshalb wird der Anwärter die Ausgewählte direkt fragen und zwar vor dem Besuch bei ihren Eltern.
Unabhängig davon ist es ein prickelndes Gefühl für alle, trotzdem den oben beschriebenen formalen Weg zu gehen, nachdem die zukünftige Braut bereits zugesagt hat.
„Willst du mich heiraten?“
Da die Frage „Willst du mich heiraten“ eher selten derselben Person gestellt wird, ist dieser Moment im Leben etwas ganz Besonderes.
Dieser einmalige Moment sollte deshalb gut überlegt sein und in einer passenden ‚Dramaturgie‘ gestaltet werden.
Nachdem die Zukünftige ihr „Ja“ gehaucht hat, präsentiert der zukünftige Verlobte die Verlobungsringe, die er in passender Größe besorgt hat. Er steckt seiner Partnerin den Ring an den Ringfinger der linken Hand – die Hochzeitsringe werden später am rechten Ringfinger getragen.
Im Magazin ‚24 Stunden Gastlichkeit 4/2010’ wird von einer Umfrage berichtet, in der ein Drittel der befragten Frauen ein erstes Rendezvous auch bei einem Fastfood-Essen als angebracht sehen.
Allerdings nur etwa ein Viertel der befragten Männer. Sind nun doch die Männer romantischer veranlagt?
Drum prüfe, wer sich ewig bindet
Heinrich Christian Wilhelm Busch, dt. Dichter, (1832 – 1908) meinte:
Sie hat nichts und du desgleichen,
dennoch wollt ihr, wie ich sehe, zu
dem Bund der heil'gen Ehe euch
bereits die Hände reichen.
Kinder, seid ihr denn bei Sinnen?
Überlegt euch das Kapitel! Ohne die
gehör'gen Mittel soll man keinen Krieg
beginnen.
Hören wir uns zum Thema Verlobung Johann Christoph Friedrich von Schiller, dt. Dichter (1759 – 1805) an:
Wo Starkes sich und Mildes paarten,
da gibt es einen guten Klang. Drum
prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich
das Herz zum Herzen findet! Der
Wahn ist kurz, die Reu‘ ist lang.
Lieblich in der Bräute Locken spielt
der jungfräuliche Kranz, wenn die
hellen Kirchenglocken laden zu des
Festes Glanz.
Ach! des Lebens schönste Feier endigt
auch den Lebensmai, mit dem Gürtel,
mit dem Schleier reißt der schöne
Wahn entzwei.
Die Leidenschaft flieht! Die Liebe muss
bleiben, die Blume verblüht, die
Frucht muss treiben ...
Und auch das ist zu hören: Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht was Bess'res findet.
Verlobung
Nun sind beide verlobt. Sie befinden sich im sogenannten Brautstand. Die Verlobung stellt das – zumindest moralische – Versprechen dar, einander zu heiraten.
Deshalb soll die Verlobung wohl überlegt eingegangen werden.
Wie lange der Brautstand anhält, kommt auf die Entscheidung der beiden Verlobten an. Diese Zeit wird dafür genutzt, die Hochzeit vorzubereiten.
Vor über 100 Jahren ging das dann so weiter: „Nach Veröffentlichung der Verlobung hat sich das Brautpaar in großer Toilette in den bekannten Familien vorzustellen, denn jeder der beiden Verlobten hat andere Kreise, in die nun einerseits der Bräutigam, andererseits die Braut eingeführt werden muss.“
(Quelle: Takt und Ton, Osw. Marschner, Verlag Otto Maier, Leipzig, 1901) Sinnvollerweise sollte in der heutigen Zeit vor der Verlobung das Verlieben stattfinden.
Auch wenn wir annehmen, dass es sich um eine Herzensangelegenheit handelt, soll wohl die Hirnanhangdrüse, die Hypophyse für das Sichverlieben verantwortlich sein.
Heiratsantrag
Und wie sieht es heute aus? Heiratsantrag per E-Mail oder im Chat? Nein, die meisten wünschen sich nach wie vor, dass der Heiratsantrag dem besonderen Augenblick Rechnung trägt. Gefühl, prickelnde Stimmung, Romantik gehören dazu. Das meinen zumindest 4 von 5 Befragten.
Die Statistik zeigt dazu Folgendes auf:
- 79,4 % der Befragten sind der Meinung, dass der Heiratsantrag romantisch und gefühlvoll durchgeführt werden soll.
- 77,3 % wünschen sich, dass der Heiratsantrag als Überraschungsmoment empfunden werden soll.
Also heißt das, dass eine gute Vorbereitung notwendig ist. Wann ist der geeignete Moment, diesen wichtigen und stark emotionalen Antrag vorzutragen? Es muss ja nicht immer gleich eine TV-Show sein, um seiner Partnerin oder seinem Partner den Antrag zu übermitteln. Nehmen Sie sich Zeit und suchen Sie einen für beide angenehmen Ort aus, um den Heiratsantrag zu stellen.
Sie müssen nicht zwangsläufig auf die Knie fallen, wenn Sie Ihren Antrag machen – aber es spricht auch nichts dagegen.
Um das Überraschungsmoment zu behalten, lässt sich schwerlich im Vorfeld absprechen, wann und wie der Antrag vorgetragen werden soll. Etwas Heimlichkeit ist hier schon notwendig. Dabei stellt sich dann allerdings die Frage, wer, Frau oder Mann, den Heiratsantrag stellen soll. Nun könnten wir uns vorstellen, dass das immer Sache des Mannes ist. Falsch! Immerhin geht etwa ein Drittel der Befragten davon aus, dass die Frau den Heiratsantrag stellen soll:
- 62,6 % meinen: Die Initiative soll vom Mann ausgehen.
- 35,4 % meinen: Die Initiative soll von der Frau ausgehen.
Wie lässt sich aus so einer Zwickmühle rauskommen?
Nun, reden Sie irgendwann lange vor dem tatsächlichen Ereignis mit der in Frage kommenden Person, wie Sie sich einen Heiratsantrag vorstellen könnten. Dann wird sich schnell klären, wer auf den anderen wartet.
Damit Sie nicht riskieren einen ‚Korb’, also eine Absage zu erhalten, sollten Sie sich deutlich Gedanken darüber machen, ob und wann der Antrag erfolgen soll. Und hoffentlich haben Sie geklärt, ob Sie als Partner/in überhaupt in Frage kommen.
So wünschen sich die meisten Frauen, dass Männer treu, humorvoll, intelligent, aber auch zärtlich sind.
Interessanterweise wünschen sich die meisten Männer das gleiche von Frauen. Dann dürfte es kein Problem für Sie geben, wenn diese Eigenschaften auf Sie zutreffen.
Falls nicht, haben Sie trotzdem gute Chancen, eine Partnerschaft einzugehen. Denn die oben aufgelisteten Eigenschaften beziehen sich lediglich auf ‚die meisten Frauen/Männer’.
Demnach: Kopf nicht hängen lassen. Wie ein altes Sprichwort richtigerweise behauptet: „Jeder Topf findet seinen Deckel.“
Übrigens, in diesem Sinne: Erst seit dem 1. Juli 1958 gilt in Deutschland die Gleichberechtigung zwischen Frau und Mann. Vorher hatte eindeutig der Mann das Sagen.
Die italienische Variante
Als klassisch italienisch gilt, dass der Angebeteten ein Abendständchen, eine sogenannte ‚Serenata’ gebracht wird. Hoffen wir, dass sich die Frau des Herzens am geöffneten Fenster zeigt und damit ihr Einverst...