Gihad
Meine Flucht aus Syrien
Der 28.12.2015 war der erste Tag meiner Reise. Sie hatte um 6.00 Uhr begonnen. Meine Eltern waren bei mir. Wir warteten auf den Bus und aßen Süßes. Nach kurzer Zeit kam der Bus. Er fuhr von Damaskus bis zur türkischen Grenze. Dort kamen wir um 23.00 Uhr an. Als ich mich von meinen Eltern verabschieden musste, war ich sehr traurig. Ich fühlte mich wie zerstört. In diesem Moment sind mein Verstand und mein Herz Feinde geworden. Dies war das größte Elendsgefühl. Alle folgenden Gefühle waren niemals mehr so stark.
Ich versuchte über die türkische Grenze zu kommen. Der erste Versuch scheiterte, was mich sehr enttäuschte, aber ich hatte mir sofort vorgenommen, es noch einmal zu versuchen. So wurde ich in der Türkei ins Gefängnis gebracht. Es war schrecklich! Kein Essen, kein Trinken, dafür Schläge und üble Beschimpfungen. Als sie mich in der Nacht darauf frei ließen, ging ich zurück nach Syrien. Ich war sehr enttäuscht, dass ich die Grenze nicht überqueren konnte und fühlte mich genervt und hoffnungslos, mich meiner Würde beraubt.
Direkt am nächsten Tag versuchte ich es noch einmal. Ich stieg auf die Berge, überquerte sie in vier Stunden und war in einem türkischen Dorf angekommen. Ich wechselte meine Kleidung, stand an der Grenze und verabschiedete mich von meinem Heimatland. Mein Weg musste weitergehen, nach Izmir! In diesem Moment war ich sehr glücklich, dass ich die Grenze überschritten hatte.
Ich lernte eine syrische Familie kennen. Dies war ein schwieriger Moment. Ich wusste nicht, ob ich dieser Familie vertrauen und mich auf sie verlassen konnte. Ich versuchte, mich in die Wärme meines Herzens und meiner Gedanken zu bringen. Mit dieser Familie ging ich zur Bushaltestelle, wechselte Geld und kaufte ein Ticket nach Izmir. Ich war sehr froh, dass mich die türkische Polizei nun nicht mehr zurück nach Syrien schicken konnte. Es war ein schöner Moment, dass ich den ersten Schritt geschafft hatte. Ich machte mir keine Gedanken und keinen Kopf über den zweiten Schritt. Ich entspannte mich und schlief an der Haltestelle ein.
Am nächsten Morgen stiegen wir gemeinsam in den Bus. Wir kamen nachts in Izmir an und suchten zwei Stunden lang ein Hotel. Schließlich fanden wir eines, in dem wir zwei Zimmer bekamen.
Direkt am nächsten Tag wechselten wir das Hotel, weil es dort sehr schlimm war: die Zimmer waren sehr klein, es war kalt, weil es keine Heizung gab und keine Decken. Ich musste auf dem Boden schlafen. Es gab keine Toiletten und Duschen auf dem Zimmer, es gab nichts zu essen und die Übernachtung war sehr teuer. Außerdem wurde mir beim Putzen des Zimmers ein Schal gestohlen. Er war die letzte Erinnerung an meine Oma, die ihn mir gestrickt hatte. Das hat mir das Herz gebrochen. Ich hatte das merkwürdige Gefühl, dass mir das Leben alles wegnehmen wollte: meine Familie, meine Schule und meine letzte Erinnerung an das Leben in Syrien.
Das zweite Hotel war preiswerter aber sehr exklusiv! Die Leute waren sehr nett, haben uns herzlich aufgenommen und uns mit vielen Dingen verwöhnt.
Mein Vater aus Syrien und meine Tante aus Schweden sollten mir noch mehr Geld schicken, damit wir fünf Tage in diesem Hotel wohnen konnten. Weil ich aber noch keine 18 Jahre alt war, durfte ich das Geld nicht abholen und musste es mir bei der syrischen Familie leihen.
In diesen fünf Tagen habe ich mit vielen „Schleppern“ Kontakt aufgenommen und mit ihnen einen Preis für die Überfahrt in einem Boot nach Samos verhandelt.
Nach drei Tagen erhielt ich das Angebot, für 1000 Euro in einem Schlauchboot die Überfahrt in zwei Tagen anzutreten. In diesen zwei Tagen besorgte ich noch diverse Kleinigkeiten für die Meeresüberquerung: Eine wasserdichte Box für Papiere, Geld und Handy, eine Schwimmweste, einen Schwimmring und eine warme Winterjacke.
Am 6. Januar 2016 verließen wir unser Hotel gegen 22 Uhr und fuhren mit dem Taxi zum Meer. Am Strand lag bereits das Schlauchboot, das wir in zwei Stunden mit etwa 20 Männern aufgepumpt haben. Der „Schlepper“ nahm mich an die Seite und gab mir eine türkisch-griechische SIM-Karte.
Ich sollte alle zwanzig Minuten unsere Position durchgeben.
Wir stiegen mit 35 bis 40 Personen in das Boot. Es waren viele Kinder und alte Frauen darunter. Der „Schlepper“ ließ den Motor an und wir starteten aufs Meer. In diesem Moment dachte ich ans Sterben. Ich tötete dieses Gefühl in meinem Herzen sofort und wurde sehr ruhig, so dass ich auch einschlief. Das Boot war so klein, dass wir uns wie ein Wollknäuel zusammenkauern mussten. Jeder hielt seine Habseligkeiten fest in der Hand, weil die hohen Wellen, von über eineinhalb Metern, immer wieder ins Boot schlugen. Wir waren bis auf die Haut nass.
Nach vier Stunden Fahrt auf dem stockfinsteren, aufgewühlten Meer erreichten wir die Steilküste von Samos. Ich war stolz auf mich, dass ich die Insel erreicht habe. Doch ich fühlte mich wie ein Vogel, der seine Flügel gebrochen hat, weil meine Familie nicht bei mir war.
Einige syrische Männer, die etwa eine halbe Stunde vor uns angekommen waren, zogen uns mit einem Seil den Felsen hoch. Wir zogen alle unsere Schwimmwesten aus. Weil die Kleidung komplett durchnässt war, war es sehr kalt. Ich suchte mir einen Platz, an dem ich mich umziehen konnte. Die syrische Familie und ich machten uns gemeinsam auf den Weg. Nach etwa einer halben Stunde fanden wir eine Cafeteria.
Dort ruhten wir sechs Stunden auf Stühlen sitzend aus. Es war alles befremdend: die Leute, die Sprache, die Straßen und überhaupt alles. Ich wurde sehr ruhig.
Dann gingen wir zur Polizei, um uns registrieren zu lassen. Jedem von uns wurde eine Nummer aufs Handgelenk geschrieben. Damit durften wir Griechenland verlassen. Ich war ängstlich und hasste mein Leben. Auf dieser Insel hatte ich schlechte Erfahrungen gemacht. Allerdings begleiteten mich die Engel meiner Mutter immer noch.
Aufgrund eines Streiks auf den griechischen Inseln, konnten wir Samos jetzt nicht verlassen. Deshalb mussten wir noch auf unbestimmte Zeit dortbleiben und schliefen noch zwei Nächte in der Cafeteria. Mir war langweilig und ich machte mir Sorgen, die Insel nicht verlassen zu dürfen.
In der dritten Nacht gingen wir erneut zur Polizeistation. Weil ich erst 16 Jahre alt war, durfte ich nicht allein ausreisen und hätte dort bleiben müssen. Deshalb hat mich die syrische Familie als ihr Kind ausgegeben. Dieser Umstand missfiel mir sehr. Ich betrachtete ab und zu meine Sachen aus Syrien. Sie gaben mir Sicherheit.
Die Polizei sollte uns einen Ausweis für sechs Personen ausstellen. Dazu holten sie einen Dolmetscher, der uns behilflich sein sollte. Die Polizisten waren sehr freundlich und hilfsbereit, der Dolmetscher allerdings beleidigte uns und wollte die Angelegenheit auf den nächsten Tag verschieben. Die Polizisten aber bestanden darauf, uns als Familie sofort ausreisen zu lassen und gaben uns den Ausweis. Danach gingen wir zurück zur Cafeteria und schliefen wieder auf den Stühlen. Ich war sehr durcheinander und ängstlich und fühlte mich sehr schlecht. Mein Herz und meine Gefühle waren nicht mehr anwesend. Sie hatten sich nicht weiterentwickelt.
Am nächsten Morgen suchten wir ein Reisebüro auf, um ein Ticket für die Überfahrt nach Athen zu bekommen. Aber alle Reisebüros die wir aufsuchten, verlangten Wucherpreise. Vor jedem Reisebüro gab es lange Menschenschlangen von Flüchtlingen aus den verschiedensten Ländern. Alle wollten so wenig wie möglich Geld für die Überfahrt bezahlen. Deshalb gab es viele Beschimpfungen und Schlägereien unter den Wartenden, so dass die Polizei einschreiten musste. Es war mir sehr unangenehm und nervte mich, aber ändern konnte ich es nicht. Dieses Bild der Flüchtlinge hat sich mir auf ekelige Weise in meinen Kopf eingebrannt.
Als wir an der Reihe waren, blieben für die syrische Familie und mich nur noch die teuren Tickets übrig, die wir aber leider kaufen mussten.
An diesem Tag fand die syrische Familie ein Hotel, in das sie zog. Ich aber schlief noch eine Nacht im Park und eine Nacht am Strand, weil ich mir kein Hotel leisten konnte. Im Park waren außer mir noch sechs Männer und Frauen mit vielen kleinen Kindern. Weil es an diesem Tag fünf Grad unter Null kalt war und ein eisiger Wind blies, besorgten wir uns drei Decken und einige Kartons. Dann sammelten wir Zweige und Äste aus dem Park und zündeten ein kleines Feuer an. Wir legten die Pappe der zerrissenen Kartons auf den Boden. Immer drei Personen legten sich darauf und wurden in eine Decke eingepackt, damit sie drei Stunden schlafen konnten. Die Anderen bewegten sich am Feuer, damit sie nicht erfrieren. Nach drei Stunden durften sich die nächsten sechs Personen schlafen legen. So wurde die ganze Nacht gewechselt. Ich fühlte mich arm und elendig. Ich hatte das Gefühl, kein Recht zu haben als Flüchtling zu schlafen. Meine Kraft weiter zu reisen war am Ende. Keiner konnte auf mich Rücksicht nehmen. Es war eine unheilvolle Situation.
Am nächsten Tag ging ich mit einem jungen Mann in den Supermarkt. Dort kauften wir uns etwas zu essen und zu trinken. Wir gingen zum Strand, wo wir den ganzen Tag in der Sonne sitzend verbrachten. In der Nacht schliefen wir in Decken eingehüllt einige Stunden am Strand. Als ich aufwachte, packte ich all meine Sachen in meine Tasche.
Dann machte ich mich auf den Weg zum Schiff. Ich verabredete mich mit der syrischen Familie an einem Treffpunkt. Dort stellten wir uns in eine lange Reihe, um auf das Schiff zu gelangen. Ich gab mein Ticket einem Kontrolleur. Er gab mir den Kabinenschlüssel. Erleichtert ging ich zu meiner Kabine, packte meine Tasche aus und ging endlich nach langer Zeit duschen. In diesem Moment war ich sehr glücklich. Ich war beruhigt, es bis hierhin geschafft zu haben. Neue, weitere Schritte warteten auf mich; ich war auf sie gespannt.
Die Fahrt nach Athen dauerte sieben Stunden. Ich schlief die ganze Fahrt lang durch. Bevor das Schiff in Athen ankam, war das Meer sehr unruhig und das Schiff schaukelte sehr stark. Ich wachte auf, hatte große Angst und wusste erst nicht, was geschieht. Ich ging zur Kabine der syrischen Familie und sah, wie sich alle übergaben. Dies machte mich noch ängstlicher. Wir hörten durch die Lautsprecher eine Stimme, die sagte, dass wir aussteigen müssten, weil wir in Athen angekommen waren. Ich hatte mich nun etwas erholt und war bereit, die Reise weiter fortzusetzen.
Zwar hatte ich kein Wort verstanden, stieg aber ruhig und langsam, aber aufgeregt mit den anderen aus. Draußen war es bereits dunkel. Es standen dort viele Busse mit ihren Fahrern die arabisch sprachen. Ich fühlte mich sicher, weil ich so viele Menschen in meiner Muttersprache reden hörte. Dann suchte ich einen Bus aus, dessen Fahrer aus Syrien kam. Wir bezahlten die Fahrtkosten. Der Busfahrer gab uns dafür arabische Speisen und Getränke. Wir fuhren zehn Stunden bis wir an die Grenze von Mazedonien ankamen. Dort stand eine lange Reihe von Bussen, so dass wir dort zehn Stunden warten mussten, bis wir endlich über die Grenze durften. Dort wurden wir von europäischen Hilfsorganisationen mit Nahrungsmitteln, Getränken und Zelten versorgt. Auch Ärzte standen uns bei Bedarf zur Verfügung.
Wir konnten sogar kostenloses WLAN benutzen. Ich war sehr glücklich darüber, weil ich nun meiner Mutter mitteilen konnte, dass ich gut in Mazedonien angekommen war.
Die Leute der Hilfsorganisation erzählten uns, dass die Grenze nach Serbien für uns Flüchtlinge geschlossen werden sollte. Wir gingen mit ca. einhundert Menschen unterschiedlichster Herkunft am Abend zur serbischen Grenze. Dort waren Stacheldrahtzäune, die von Soldaten bewacht wurden, aufgebaut. Wir versuchten, die Zäune zu durchbrechen, wurden aber von den Soldaten zurückgedrängt, geschlagen und zwei Menschen wurden sogar erschossen. Meine Sorgen wurden noch größer. Das alles erinnerte mich an die Situation in meiner Heimatstadt und mein Herz wurde sehr schwer.
Schließlich öffneten Menschen der Hilfsorganisationen die Grenze für uns gegen 21 Uhr und wir konnten ungestört weitergehen. Um etwa vier Uhr morgens kamen wir an einen großen Platz, an dem Busse und Taxen auf uns warteten. Sie brachten uns nach Serbien. Ich musste in ein Taxi einsteigen und die syrische Familie in ein anderes, da die Taxen nur jeweils fünf Personen aufnahmen. Ich war mit vier Männern aus dem Irak in einem Taxi. Ich hatte große Angst, weil ich weder die Sprache der Männer noch die des Taxifahrers verstand. Die ganze Fahrt über saß ich verkrampft auf meinem Sitz und traute mich nicht zu sprechen.
Nach etwa 15 Minuten Fahrt kamen wir an der Grenze zwischen Serbien und Kroatien an. Dort warteten etwa 10.000 Menschen darauf hinüber gelassen zu werden. Und dennoch traf ich auch wieder auf die syrische Familie. Wir stellten uns an der Schlange an. Es war sehr kalt; fünf Grad unter Null. Nach etwa sechs Stunden waren wir kaum vorwärtsgekommen, da beschloss ich, zu mogeln. Ich drängte mich an der Schlange vorbei und gewann so etwa 10 Meter und stand direkt vor der mit Stacheldraht gesicherten Grenze. Die Soldaten, die die Grenze bewachten, hatten meine Mogelei bemerkt. Sie schlugen mich und wollten mich damit wieder an das Ende der Schlange zurückdrängen. Ich aber sprang vorwärts und landete in einem von zehn hintereinandergestellten Containern. Hier konnten mich die Soldaten nicht mehr aufhalten. Ich war erleichtert, die Soldaten endlich abgeschüttelt zu haben und war sehr stolz auf mich, diese Leistung vollbracht zu haben.
Als ich im letzten Container ankam, erhielt ich ein gestempeltes Papier, das mich als Flüchtling auswies und mich aufforderte, innerhalb von 24 Stunden Kroatien zu verlassen. Ich fühlte mich sehr schlecht, weil ich nun wieder alleine, ohne die Begleitung der syrischen Familie, war.
Menschen der Hilfsorganisationen gaben uns ein warmes Getränk und wir durften uns warme Kleidung aussuchen.
Ohne diese Hilfsorganisationen wären sicherlich tausende Menschen erfroren.
Es warteten dort viele große Busse. Ich stieg in einen dieser Busse ein und bezahlte die Fahrtkosten; mein letztes Geld!
Nach etwa zehn Stunden Fahrt blieben wir in einem Ort stehen und warteten etwa sechs Stunden auf den Sonnenaufgang. Dann fuhren wir weiter, bis wir zu Zuggleisen kamen. Hier warteten wir etwa eine halbe Stunde, bis ein Zug kam, in den wir einstiegen. Er brachte uns bis zur Grenze der Slowakei, über die wir problemlos fahren konnten. Hier waren viele Zelte aufgebaut und arabisch sprechende, nette Menschen von Hilfsorganisationen warteten auf uns. Wir hatten die Möglichkeit zu duschen und die Kinder erhielten warme Kleidung.
Nach zehn Stunden Wartezeit bekam ich einen Platz in einem Bus, der uns nach langer Fahrt zur Grenze zwischen der Slowakei und Österreich brachte. Hier standen ebenfalls viele Zelte, in denen wir Essen bekamen, und wir wurden nach unserem Ziel befragt. Anders als in Mazedonien, Serbien und Kroatien waren die Menschen hier sehr nett und hilfsbereit, und sie interessierten sich für unsere Probleme. Ich fühlte mich hier aufgehoben und akzeptiert und zum ersten Mal seit meiner Flucht aus der Heimat, sehr wohl. Der Abschied von hier fiel mir sehr schwer.
Auch hier standen wieder Busse zur Weiterfahrt bereit und ich stieg in einen Bus ein. Meine Freude war groß, als ich wieder die syrische Familie sah, die auch in diesem Bus saß! Der Bus brachte uns bis nach Wien, wo ich zum ersten Mal die deutsche Sprache hörte. Sie klang in meinen Ohren sehr durcheinander und sehr befremdlich, sehr schwer.
Wir wurden in eine große Halle mit vielen Zelten gebracht. Eigentlich hätte ich schon nach Deutschland weiterfahren dürfen, aber ich habe auf die syrische Familie gewartet. Der älteste Sohn war sehr krank und wurde im Krankenhaus behandelt. Der Rest der Familie blieb mit mir in der Halle; sie durften den Kranken nicht besuchen.
Nach drei Tagen wollte ich nicht länger warten, weil meine Eltern mich drängten, endlich an mein Ziel zu kommen. Also stieg ich in den Bus, den die Hilfsorganisation zur Verfügung stellte, damit ich mit 50 anderen Personen nach Deutschland fahren konnte.
Wir sind morgens gegen sechs Uhr losgefahren und kamen am Abend gegen 22 Uhr in einer deutschen Stadt an. Ich war sehr traurig, dass ich die syrische Familie nicht mehr bei mir hatte. Wir wurden in einem alten Krankenhaus, das für Flüchtlinge umgebaut wurde, untergebracht. Dieses Heim durften wir nicht verlassen. Es waren nur Flüchtlinge unterschiedlicher Nationalitäten dort untergebracht. Nur vier andere Personen sprachen in meiner Muttersprache, arabisch. Wir durften erst um ein Uhr nachts schlafen gehen. Ich war total müde und fühlte mich sehr einsam.
Am nächsten Morgen wachte ich auf und ging zum Fenster. Dort sah ich, wie eine Frau über den hohen Absperrzaun kletterte und auf der anderen Seite heruntersprang. Da dachte ich mir: die Frau schafft es und Du nicht? Ich nahm all meinen Mut zusammen und lief zur Ausgangstür. Dort erwischten mich die Männer der Security und ich lief vor ihnen weg – zurück in mein Zimmer. Die Security-Männer ...