Neurobiologische Orientierungshilfe
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Neurobiologische Orientierungshilfe

  1. 364 Seiten
  2. German
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Neurobiologische Orientierungshilfe

Über dieses Buch

Christoph von Campenhausen (*1936) beschäftigte sich beruflich mit der Neurobiologie von Tieren und Menschen. Er studierte an den Universitäten Tübingen, Heidelberg, Kiel und Göttingen, promovierte 1963 in Tübingen mit einer im Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik angefertigten Arbeit über einen lichtempfindlichen Muskel. Danach Research Fellow am California Institute of Technology in Pasadena/California/USA (1963-1965), Habilitation für Zoologie (1969) und Wiss. Rat u. Prof (1971) an der Universität in Köln, von 1972 bis 2004 Professor für Zoologie (Fachrichtung: Neurobiologie) an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz. Arbeitsgebiete: Psychophysik, Sinnes- und Verhaltensphysiologie bei Tieren und Menschen, insbesondere Farbensehen und Orientierungsleistungen. Mitglied des Leitungskreises für das Naturwissenschaftlich-Philosophische Kolloquium der Universität Mainz, diverse kirchliche Ehrenämter.

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Information

Jahr
2017
ISBN drucken
9783744877046
eBook-ISBN:
9783744847681

V. Wissenschaft und Religion

1. Lösbare und unlösbare Probleme

Es gibt lösbare, unlösbare und auch solche Probleme, die manche Menschen für gelöst halten, andere dagegen nicht. So ist die Ähnlichkeit von Affen und Menschen für moderne Biologen durch die genetische Verwandtschaft erklärbar, stellt aber für Gegner der Evolutionstheorie ein ungelöstes Problem dar. Man kann sich kaum vorstellen, dass die Menschheit noch einmal hinter die fundierten Erkenntnisse der Evolutionsbiologie zurückfallen wird. Weil es aber auch ernst zu nehmende Argumente für die Sonderstellung des Menschen in der Natur gibt, wollen sich immer noch manche Menschen nicht zu ihren tierischen Vorfahren bekennen. Am bekanntesten sind die religiösen Eiferer, die Erkenntnisse der Wissenschaft ablehnen, wenn sie mit den einschlägigen Auskünften ihrer Glaubenstradition nicht übereinstimmen. Der Autorität ihrer heiligen Texte erweisen sie höheren Respekt als allen sonstigen menschlichen Erkenntnissen. Aber jeder Mensch muss damit rechnen, dass das, was er selbst für unbezweifelbar wahr hält, anderen Menschen überhaupt nicht einleuchtet.
Für viele Dichter und Denker steckt auch im Zusammenhang von Leib und Seele noch immer ein ungelöstes Problem, obwohl die Ursache für die qualitative Verschiedenheit von subjektiven und objektiven Aspekten des Mensch-Seins durch die Neurobiologie aufgeklärt und für spezielle Fälle durchgängig verstehbar gemacht worden ist.235 Viele und auch gelehrte Zeitgenossen unterhalten ihre Mitmenschen trotzdem mit ihren Vorurteilen zur Autonomie des menschlichen Geistes, den sie für irreduzibel, also für naturwissenschaftlich unerklärbar halten.236 Auch bei diesem Problem scheint die Frage nach der Lösbarkeit Ansichts-Sache zu sein. Aber in diesem Fall sind die meisten Zeitgenossen gleichzeitig auf beiden Seiten der Front anzutreffen. Schauen sie von der mentalen Seite in Richtung zur Naturwissenschaft, sehen sie keine, jedenfalls keine eindeutigen psychophysischen Erklärungsmöglichkeiten. Benötigen sie ärztliche Hilfe, so sind sie aber von dem psychophysischen Kausalzusammenhang in der Gegenrichtung leicht zu überzeugen und schlucken die verordneten Medikamente hoffnungsvoll. Dass die Neurobiologie die psychophysischen Beziehungen in beiden Richtungen nachvollziehbar verständlich macht, hat sich noch nicht überall herumgesprochen.
Interessant und für dieses Kapitel wichtig ist die Beobachtung, dass Menschen unvereinbare Ansichten über sich selbst oder über Gott und die Welt mühelos gleichzeitig in ihren Vorstellungen ertragen können. Menschen bestehen keineswegs darauf, dass alles, was sie für richtig und wichtig halten, immer widerspruchsfrei zusammenpassen müsste. Der homo oeconomicus ist beispielweise ein Modell eines immer um Rationalität und Ergebnis-Optimierung bemühten Menschen. In volkswirtschaftlichen Theorien gedeiht er prächtig. Aber kein nachdenklicher Volkswirt kann sich selbst in dieser Modellvorstellung wiedererkennen.
Die Menschen leben ganz gut mit nicht-harmonisierbaren Glaubensüberzeugungen, obwohl sie sich das selbst nur ungern eingestehen. Bei Beerdigungen reden sie von minimal-intensiven chirurgischen Operationen, Ultraschall und Positronen-Emissions-Tomographie (PET), Chemotherapie und anderen naturwissenschaftlichen Methoden der ärztlichen Kunst, mit denen man hoffte, das Leben des Verstorbenen zu retten. Aber auf die Traueranzeige schreiben sie: „Gott, unserem Herrn, hat es gefallen, seinen Sohn … heimzuholen in sein ewiges Reich.“ Beides war für den Verstorbenen und seine Angehörigen von existentieller Wichtigkeit. Es passt nicht recht zusammen, wird aber in den Vorstellungen der Menschen nebeneinander toleriert. Man kann diesen Mangel an weltanschaulicher Rationalität beklagen. Klüger ist es aber, darin eine nützliche Begabung zu erkennen. Mit der Fähigkeit, Unvereinbares gelten zu lassen, sind die Menschen an das Leben in einer Wirklichkeit, die sie nicht vollständig verstehen können, angepasst.
Mit ungelösten Problemen muss man umgehen können. Dass die Zukunft für jeden einzelnen Menschen und für die ganze Menschheit nicht sicher vorhersehbar ist und auch durch aufwendige Planung nicht restlos verfügbar gemacht werden kann, das ist offensichtlich ein Problem aller Lebewesen. Immer kann etwas Unvorhersehbares geschehen. Diese Unsicherheit kann man anscheinend nicht aus der Welt schaffen. Die Menschen bemühen sich, diese Wirklichkeitserfahrung mit ihren folgerichtigen Kausalerklärungen in Einklang zu bringen. Je nach der religiösen Tradition kommt das in Aphorismen wie dem alttestamentlichen Weisheitsspruch zum Ausdruck: „Das Ross wird gerichtet für den Tag der Schlacht, aber der Sieg steht bei Jahwe“237 oder in dem Sprichwort aus christlicher Tradition: „Der Mensch denkt und Gott lenkt.“ Diese Sprüche setzen eine höhere Ordnung hinter dem Dickicht menschlicher Alltagserfahrung voraus. Zu deren Veranschaulichung haben die Menschen eine große Mannigfaltigkeit weltanschaulicher Vorstellungen entwickelt. Das Unvorhersehbare im Menschenleben wird oft als das Kontingenz bezeichnet. Die Religionen kann man als kulturelle Errungenschaften zur Bewältigung des Kontingenzproblems auffassen.238 Davon soll in diesem Kapitel die Rede sein.

2. Wissen, Glaube, Weltanschauung

Man muss nicht besonders klug sein, um zu erkennen, dass die Menschen heute anderes und auch mehr wissen als früher. Lebenserfahrungen und Forschung bringen immer neues Wissen hervor. Die Erfindung des Faustkeils, eines Werkzeugs zum Schneiden und Hämmern, erweiterte den Erfahrungsbereich unserer Vorfahren schon vor mehr als einer Million Jahren erheblich.239 Mit diesem Werkzeug kann man Nüsse knacken, Beutetiere in ess- und kochbare Stücke zerlegen und ihnen die Haut abzuziehen, um sich mit dem Fell selbst vor Kälte zu schützen. Mit Befähigungen dieser Art konnten die Menschen alle Erdteile besiedeln. Erfindungen gehören zur Natur des Menschen.
Heute würde ein Leben ohne wissenschaftlich-technische Innovationen auf den Gebieten der Ernährung, Gesundheit, Energieversorgung, der Rechtsordnung, der Kommunikation oder für Maßnahmen zur Erhaltung der ökologischen Lebensgrundlagen schnell zu Katastrophen führen. Lebenslängliches Lernen wird deshalb als Überlebensstrategie in der modernen Zivilisation empfohlen. Damit soll verhindert werden, dass die Menschen hinter ihrem eigenen geistigen Fortschritt zurückbleiben. Das Lernen fällt den Menschen allerdings nicht leicht und mit zunehmendem Alter immer schwerer. Darum muss man fragen, wie viel die Menschen sich davon zumuten können. Lernen hilft auch nicht gegen jede Art von Nicht-Wissen. Denn selbst wenn die Menschen unbeschränkt immer weiterlernen könnten, würden sie am Ende doch nicht alles wissen, was sie wissen wollen.
Man muss kein Neurobiologe sein, um das zu verstehen. Die Einsicht wird durch einfache Beobachtungen, die jeder Mensch machen kann, gestützt. • So hat niemand in seinem Leben die Zeit, alle Sprachen der Welt zu lernen oder Kenntnisse über alle Pflanzen und Tiere zu erwerben. Es fällt schon schwer, das wenige, was man weiß, im Gedächtnis zu behalten. • Außerdem kann man gar nicht wissen, was man noch nicht weiß. Wenn es nicht so wäre, wüsste man ja schon alles. Das aber ist offensichtlich nicht der Fall. • So wie die Dinge liegen, weiß man nicht nur nicht, was man noch nicht weiß. Man weiß auch nicht, ob sich unter dem, was man wissen könnte, etwas befindet, was sich von allem, was man bisher wusste, grundsätzlich unterscheidet. Will man nur mehr wissen oder etwas ganz anderes? • Schließlich ist, wie gesagt, nicht alles, was man wissen will, erlernbar. Das eigene Schicksal und das der ganzen Menschheit ist beispielsweise von größtem Interesse. Darum wird auch viel darüber nachgedacht. Trotzdem weiß man nicht genau, was künftig noch alles geschehen wird. „Vorhersagen sind schwierig – vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen“.240 • Schon diese wenigen Beobachtungen zeigen, dass die Möglichkeiten des menschlichen Wissens begrenzt sind. Man weiß aber auch, dass den Menschen nicht nur das, was sie wissen, lieb und teuer ist, sondern vielmehr auch das, was sie nicht wissen – und doch glauben!
Das Wort „Glauben“ wird hier zunächst noch nicht im Sinn der christlichen oder einer anderen religiösen Tradition verwendet, sondern mit einer allgemein gefassten Bedeutung: etwas für wahr halten, obwohl man nicht beweisen kann, dass es wahr sei. Das Auseinanderhalten von dem, was man weiß, und dem, was man glaubt, ist schwierig und die Grenze dazwischen ist fließend. Was einem durch den Kopf geht, ist uferlos. Bei allen geistigen Vorgängen ist immer gleichzeitig vielerlei im Spiel: Intuition und Rationalität, Wissen und Glauben, Kriterien, die sorgfältig begründet sind, und solche, auf die man sich verlässt, weil sie sich früher bewährt haben, Vorurteil und Erfahrung, Erinnern und Vergessen und natürlich die unbewusst bleibende Aktivität der Nervenzellen des Gehirns. Vieles kommt völlig überraschend ins Bewusstsein, ohne dass man wüsste, warum und woher. Die Unterscheidung zwischen dem, was man weiß und nicht weiß, aber glaubt, ist offensichtlich schwierig.
In allem, was man sicher zu wissen glaubt und was man für gut begründbar hält, findet man bei genauerer Inspektion immer Voraussetzungen, die sich nicht vollständig begründen lassen. Man denke nur an die geläufigen und trotzdem nicht befriedigend zu definierenden Begriffe des täglichen Lebens wie Wahrheit, Bewusstsein, Gerechtigkeit, Natur oder die Zeit. Die Information, die man zum Leben braucht, besteht somit nicht nur aus sicheren Fakten der Wissenschaft, sondern auch aus Information vom Hören-Sagen und Annahmen, deren Verlässlichkeit letztlich nicht überprüfbar ist. Was im Gehirn vorgeht, bleibt weitgehend unbewusst. Warum man an etwas denkt und woher ein plötzlicher Einfall kommt, kann man nicht wissen. Darum kann man über sein Wissen nicht vollständig frei verfügen. Man sollte die Verlässlichkeit der geistigen Fähigkeiten der Menschen weder überschätzen noch verächtlich machen. Es gibt nichts Besseres als Wissen und Glauben und man ist auf beides angewiesen. Schon immer haben sich die Menschen darum bemüht, herauszufinden, was an ihrem Wissen und Glauben vertrauenswürdig ist. Daran soll jetzt mit zwei Beispielen aus der christlichen Geistesgeschichte erinnert werden.
  • „Unser Wissen ist Stückwerk“. Diese eingängige Formulierung stammt aus dem 1. Korintherbrief241 im Neuen Testament. Dort steht, dass wir „aus Teilen verstehen“. Man kann auch sagen, dass unser Wissen aus Einzelerkenntnissen zusammengesetzt sei. Dass es Wissenslücken gibt, wird niemand bestreiten wollen. Paulus war mit der Lückenhaftigkeit des menschlichen Wissens nicht zufrieden. Das erkennt man daran, dass er Besseres in Aussicht stellte. Er schreibt: „Wenn aber das Vollkommene kommt, wird das Stückwerk aufhören.“ Das sollte beim Weltende geschehen. Paulus erwartete das Weltende in naher Zukunft und glaubte außerdem, dass es eine vollkommene, lückenlose Wahrheit gäbe, die am jüngsten Tag offenbart werden sollte. Was genau beim Weltende zu erwarten sei, konnte er selbstverständlich noch nicht wissen. Aber er konnte das, was er erwartete, in die poetische Form einer Verheißung fassen und symbolisch als das „Vollkommene“ bezeichnen. Die vollkommene Wahrheit hatte für Paulus einen höheren Rang als das Stückwerk des Wissens.
Selbst wenn man wie Paulus an eine vollkommene, alles menschliche Wissen übersteigende Wahrheit glauben möchte, sollte man das lückenhafte Stückwerk nicht verachten. Tatsächlich wusste die Menschheit immer schon sehr wohl zu würdigen, was sie dem unvollständig-vorläufigen, aber überprüfbaren Wissen verdankt. Wissenschaft und Technik vermitteln immer neue Erkenntnisse und, soweit diese kritisch überprüfbar sind, ist ihre Geltung für alle Menschen verbindlich. Man redet dann von Fakten oder Tatbeständen, die, solange sie noch nicht widerlegt sind, allgemeine Anerkennung genießen. Die Überprüfbarkeit verleiht den Fakten eine besondere Dignität. Es bleibt nicht dem Belieben jedes Einzelnen überlassen, die Ergebnisse der Wissenschaft anzuerkennen oder zu verwerfen. Sie sind trotz ihrer Vorläufigkeit für alle Menschen verbindlich. Man muss mit dem Stückwerk der Fakten, aber auch mit den Wissenslücken im Leben irgendwie zurechtkommen. Wie man das machen soll, ist das Problem, das in diesem Kapitel behandelt wird.
  • Das zweite Beispiel illustriert die Integrationskraft religiöser Weltanschauungen für das Wissen und den Glauben. Die bedrängende Gegenwart des Nicht-Wissens im Menschenleben kommt in einem alten, oft umgedichteten poetischen Vers zum Ausdruck. Von Martin Luther (1483–1546) wurde die folgende Fassung überliefert:
    „Ich lebe und weis nicht wie lang,
    Ich muss sterben, weis auch nicht wann,
    Ich fahr von dann, weis nicht wo hin,
    Mich wundert, das ich frölich bin.“242
Die innige Verbindung von Wissen und Nicht-Wissen wird in diesem Gedicht zur Sprache gebracht. Unbezweifelbar ist, dass man existiert. Aber unklar sind Ursprung und Ziel des men...

Inhaltsverzeichnis

  1. Inhaltsverzeichnis
  2. Vorwort
  3. I. Vom Einfluss der Neurobiologie auf das menschliche Selbstverständnis
  4. II. Leib und Seele
  5. III. Der Zusammenhang von Leib und Seele vorgeführt am Beispiel des Farbensehens
  6. IV. Biologische Begründung der persönlichen Individualität
  7. V. Wissenschaft und Religion
  8. VI. Weitere biologische Einzelheiten zum besseren Verständnis der Menschen
  9. VII. Literaturverzeichnis
  10. VIII. Personen- und Sachverzeichnis
  11. Weitere Informationen
  12. Impressum