KAPITEL 1
„INMITTEN DES SCHWEIGENS
WARD MIR ZUGESPROCHEN
EIN VERBORGENES WORT.“
Zitat
STECKBRIEF
Meister Eckhart
1260 - 1328
im Spiegel des
AKAZIENBAUMES
Meister Eckhart, Eckhart von Hochheim
Meister Eckhart, auch bekannt als Eckehart, ist um 1260 in Hochheim oder in Tambach geboren und gestorben vor dem 30. April 1328 in Avignon.
Meister Eckhart war ein einflussreicher spätmittelalterlicher Theologe und Philosoph.
Er wird als Genie der Wortgewaltigkeit seiner Predigten bezeichnet werden können.
Sein Hauptanliegen war die Verbreitung von Grundsätzen für eine konsequent spirituelle Lebenspraxis im Alltag.
Er ist ein Lehrer der Gotteserfahrung im Mittelalter.
DIE SONNE IST DAS LICHT IN UNS
„Die Sonne ist das Licht in uns“
Mit unkonventionellen, sogar provozierenden
Behauptungen und Widersprüchen zu verbreiteten
Überzeugungen erregte Meister Eckhart grosses Aufsehen.
Der grosse Mystiker, der den Auftrag hatte, Gott, welcher unbeschreiblich ist, zu beschreiben, war in seiner Wortgewaltigkeit wie kein anderer in der Lage, in seinen Werken hochwichtige Erkenntnisse über den Sinn des Schweigens und der inneren Schau des Menschen zu übermitteln.
Dieses Werk war Gegenstand der Verdächtigungen und Anklagen seines Erzbischofs. Sie gründeten sich seiner Meinung nach auf pantheistisch gerichtete Mystik und griffen damit die christliche Lehre direkt an.
Meister Eckhart protestierte am 13. Februar 1327 öffentlich gegen solche Auslegungen. 26 Sätze wurden am 27. März 1329 von Papst Johann XXII. verurteilt.
Seine lateinischen Schriften und die Anschauung seiner grossartigen Lehre findet sich im Archiv für Literatur-und Kirchengeschichte des Mittelalters. Die hochdeutsche Übersetzung lag erst 1903 in Berlin vor. Es ist nicht überliefert wie Meister Eckhart starb, aber es ist sehr seltsam, dass er bald nach dem 13. Februar 1329 verschwunden war.
Wurde er von seinem jahrzehntelangen Erzfeind verfolgt und umgebracht? Oder kam er auf Reisen um? Oder wurde er gar gefoltert und verlor sein Leben unter grossen Qualen?
Eines ist sicher, wäre es so geschehen und das Dramas des Endes eines Grossen unter uns bekannt, wäre er ein Märtyrer geworden. Dies war und ist gefährlich für die in Dogmen verketteten Einzelnen und für Menschen in unfreien Glaubensgemeinschaften.
Wir können Meister Eckhart deshalb nicht in tiefem Sinne würdigen, wie es ihm wohl zusteht. Sein "WORT" weht über die Jahrhunderte hinweg und bewegt unseren nach tiefer Erkenntnis dürstenden Geist.
Aber vielleicht gerade deshalb steht der christlichen Mystik als Lebendiger da. Es ist ein wunderbares Erlebnis nicht nur seine Predigten zu verinnerlichen durch das geschriebene Wort, sondern diese auch zu vernehmen durch das "vertonte" Wort.
Bei dieser Verinnerlichung wird dem Hörenden bewusst, was es heisst ein Wortgewaltiger zu sein, der um das Unglück von Gewalt so viel verstanden und wohl auch erfahren hat.
Meister Eckhart nimmt sein Geheimnis, wie er den Übergang erlebt und empfunden hat, unwiederbringlich mit sich mit. Es ging ihm Zeit seines Lebens um das Licht der Wahrheit und natürlich nicht um seine persönlichen Belange. So dürfen wir dies heute akzeptieren. Es gibt kein Opfer, es gibt keinen dingfestgemachten Schuldigen.
Aber es gibt sein unauslöschliches Werk, für jeden der sich über Gott und die Welt in ganzer Tiefe bilden möchte.
Die grossen Meister, auf die sich Eckhart stützt, sind unter anderem Augustinus, Thomas von Aquin und Dionysius.
Fest steht, heute ist er Schöpfer der deutschen wissenschaftlichen Prosa und ihr grösster Meister. Wenn wir uns auf seine Predigten und Traktate einlassen, sind wir erstaunt, dass ein christlicher Denker, - 700 Jahre ist es her! - uns Gott und sein undurchschaubares Werk anschaulich erklärt, obwohl sich dies und Gott selbst ja gar nicht erklären lassen können.
Über den Baum und über das Rad der Baumheilkunde
Wenn sich etwas aus der Dunkelheit und Schwärze der Nacht hervorhebt, wirkt sein Geist formend und gestaltend. Wer genau zu beobachten weiss und sich nicht davor scheut Antworten zu finden, in denen wir erkennen, dass alles eine Signatur in sich trägt, erfährt das Unfassbare. Die Signatur dient als Spiegel und birgt ein Geheimnis.
Alles dreht sich, alles ist in einem Rad gebunden. Und wie dieses Rad ein Zentrum hat sowie eine Peripherie und eine definitive Grenze, so hat es auch einen innewohnenden Geist, unsichtbar und doch alles in der Bewegung leitend.
Alles entwickelt sich aus einem Kern heraus. Der Baum tritt als Spross durch die dunkle Nacht über die Grenze und wiegt sich im Sonnenlicht und in den Gezeiten. Der Mensch entwickelt sich aus einem einzigen, ihm unsichtbaren Raum, aus einer geborgenen Zelle heraus.
Der Vogel schläft träumend bis an die Grenze, die Schale bricht.
Die Rose erhebt sich und wiegt ihre leuchtenden Farben im Geiste einer begrenzten Existenz.
Alle erheben sich aus dem dunklen Urgrund in das Licht, ohne sich selbst jemals dabei zu verlieren.
Nur die physische Hülle zerbricht.
KAPITEL 2
Nach langjähriger Tätigkeit im Dienst der Ordensmächte
wurde Eckhart erst in seinen letzten Lebensjahren wegen
Häresie,
also einer Irrlehre und Abweichung von der
Rechtgläubigkeit denunziert und angeklagt.
Der in Köln eingeleitete Inquisitionsprozess wurde am
päpstlichen Hof in Avignon aufgerollt und zu Ende
geführt.
DAS RAD ALS URBILD
Die grossen Menschen in den letzten Jahrtausenden und im Jetzt, die Genies unter uns Menschen, besitzen ihre individuelle Persönlichkeit und ihren klar ersichtlichen Entfaltungsgrad des Selbst. Wenn sie etwas entwickelten, bzw. entwickeln, mag es ein Kunstwerk sein oder eine vollendete und harmonische Sinfonie, oder eine brillante Idee, die bis in die Materie hinein auf ihre Gültigkeit und Gesetzmäßigkeit bewiesen werden kann. Dann zeigt es den Genius. Egal wie und was die Grossen unter uns erarbeiteten, egal auch wie man das jeweilige Werk bezeichnen mag, es hat diesen Genius, der über die Zeiten hinweg, ja fast bis in die Ewigkeit hinein Wirkung erzielt.
Sich mit den grossen Menschen zu befassen und ihre Geheimnisse aufzuspüren, nach welchem Muster und nach welcher Schönheit sie ihr Lebensrad bewegt haben, das ist immer hochgradig bereichernd.
So bringen uns die Arbeiten mit den verschiedenen Charakterbildern der Bäume und ihren Heilmitteln aus den Blättern ihrer Grünkraft eine reiche Möglichkeit von diesen herausragenden Menschen über die Jahrtausende hinweg zu lernen und sich bereichern zu lassen, wenn wir sie in den Bäumen spiegeln. Dabei schärfen wir allerdings nicht nur unsere Fähigkeit zu denken, sondern wir erlernen auch unser Denken durch Unterscheidungsvermögen zur Weisheit hin zu entfalten, um dabei losgelöst von Raum und Zeit spirituelle Erfahrungen zu machen.Dabei erreicht unser Leben eine Qualität von Ewigkeitswert.
Nach Meister Eckarts Worten heisst das: „Ewigkeit inmitten der Zeit.“
Dieses grosse Genie der Menschheitsgeschichte, Meister Eckhart (1260-1328), hat auf seinem Lebensweg sein ureigenes Zentrum wahrgenommen und ist sogar in diese Quelle hinab getaucht, um an diesem Ort, des grossen universalen Bewusstseins anzukommen.
An diesem Ort, der in Wahrheit keiner ist, liess er sich nieder und sammelte seine reichen Erfahrungen. Er brachte sie nicht zuletzt auch in hochträchtigen symbolischen Bildern an die Oberfläche. Er begegnet an der Quelle sich selbst als Sohn, erkennend im Vater. Gott zu schildern, Gottes Werke zu erläutern, das ist paradoxerweise unbeschreiblich. Es kann auch nicht in Bildern und Gleichnissen erklärt werden, jedoch paradoxerweise hatte er den ...