100 Jahre SPD Hennef
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100 Jahre SPD Hennef

  1. 336 Seiten
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100 Jahre SPD Hennef

Über dieses Buch

Vor genau 100 Jahren wurde in Hennef-Geistingen der Ortsverein der SPD gegründet. In der Folge des Ersten Weltkriegs, zu Beginn des Jahres 1919, wurden in vielen Städten und Gemeinden des Rheinlands die parteiorganisatorischen Voraussetzungen geschaffen, sich als Sozialdemokrat politisch im Rahmen einer geordneten Parteistruktur zu betätigen.Viele Bilder, Fotos und Zeitungsausschnitte dokumentieren die Entwicklung der SPD in Hennef, die eng verbunden ist mit der Geschichte der Stadt. Die Zeitdokumente geben Einblicke in die schwierigen Jahre des deutschen Kaiserreiches, als Sozialdemokraten von den heimischen Industriellen mit Aussperrung und Entlassung bedroht waren. Ausführlich wird auf die Gründungsphase der SPD eingegangen. Dieser Zeit von Elend und Armut nach dem 1. Weltkrieg folgten die Weimarer Republik und die Nazizeit mit der Verfolgung und Inhaftierung von Genossen, dem Verbot der SPD und schließlich der Zweite Weltkrieg. In den schwierigen Nachkriegsjahren, dem Wiederaufbau und den Zeiten des Wirtschaftswunders kämpfte die SPD auch in Hennef für sozial verträgliche Regelungen auf kommunaler Ebene. Dem Zusammenwachsen der drei ehemaligen Gemeinden Hennef, Uckerath und Lauthausen zur heutigen Stadt Hennef mit all ihren Problemen und Vorbehalten ist ein weiteres Kapitel gewidmet.

Häufig gestellte Fragen

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Information

Zeit des Aufbruchs
1949 bis 1969

Nachdem im Mai 1949 alle westdeutschen Länderparlamente mit Ausnahme Bayerns das Grundgesetz gebilligt hatten, waren mit der Wahl zum ersten Bundestag, der anschließenden Wahl eines Bundeskanzlers und der Benennung eines ersten Bundeskabinetts die Grundlagen für den Aufbau einer neuen Republik geschaffen und der Neubeginn eines demokratischen Staatsgebildes vollzogen. Die Kommunalparlamente arbeiteten bereits mit den 1948 gewählten Mehrheiten. Aus Berichten älterer Hennefer SPD-Mitglieder ist dem Verfasser bekannt, dass noch bei den Wahlen der Bürgermeister und der Gemeindedirektoren heftige Auseinandersetzungen die Regel waren, dass man auch bis zur Bundestagswahl 1949 sich grob gegenseitig bekämpfte, dass man sich aber anschließend mit Beginn der 50er Jahre zusammenraufte und allseits um eine Verbesserung der Lebensumstände in den drei Kommunen bemüht war, wobei das Parteibuch keine besondere Rolle spielte.
Hennefer Gaswerk um 1950 mit der noch unbefestigten Wehrstraße
Aus den Sitzungsprotokollen dieser Zeit kann man erkennen, dass in vielen Fällen quer durch die Parteien abgestimmt wurde; dies gilt gleichermaßen für Uckerath, Hennef und Lauthausen. Gemeinsam - über Parteigrenzen hinweg - arbeitete man daran, die immensen Schäden, die durch den Krieg entstanden waren, zu beseitigen oder zumindest zu mildern. So galt es, zunächst die Ver- und Entsorgung in den Kommunen wieder in einen Zustand zu bringen, der den Mindestanforderungen genügte.
Das Versorgungsnetz für Wasser, Strom und Gas war an sehr vielen Stellen zerstört und zu erneuern, die Abwasserkanäle mussten repariert werden, Telefonleitungen neu verlegt werden, die Straßenverbindungen hatten gerade in letzten Kriegswochen erhebliche Schäden erlitten, waren aber für eine Verbindung zwischen den Ortschaften dringend erforderlich und sanierungsbedürftig.
noch gepflasterte Frankfurter Straße #in den 1950er Jahren
Das Bild zeigt die Frankfurter Straße im Jahr 1955, links die Post und das Rathaus, auf der rechten Seite der "Konsum" und die Gemeindesparkasse. Viele Häuser waren zerstört, in vielen Fällen nicht mehr bewohnbar und hinzu kam ein großer Flüchtlingsstrom aus dem Osten Deutschlands, für den Wohnraum benötigt wurde. Dass bei diesen Problemen in den Gemeinderäten eher wenig Raum und Interesse für parteipolitische Auseinandersetzungen blieb, ist leicht nachvollziehbar.
Es fehlten aber auch öffentliche Einrichtungen, die Unterbringung der Kommunalverwaltungen in Rathäusern war äußerst problematisch, die Verwaltung des Amtes Lauthausen war z. B. in einem Mietshaus in Bröl untergebracht, kommunale Kindergärten gab es gar keine und ein Angebot an Schulplätzen musste aufgebaut werden, nachdem im Krieg auch viele Schulen zerstört worden waren. Hinzu kam ein Mangel an Lehrern/innen, da der überwiegende Teil eine braune Vergangenheit hatte und nicht wieder eingestellt wurde. Man half sich zu Beginn der 50er-Jahre mit sogenannten "Hilfslehrern" bei Klassengrößen um die 50 Kinder in den Volksschulen; gelernt wurde im Schichtbetrieb bei einem Vormittagsunterricht für die jüngeren Schülern und einem Nachmittagsunterricht für die "Größeren". Das war - so geht es zumindest aus den Protokollen dieser Zeit hervor - für die Sozialdemokraten "ein unerträglicher Zustand für unsere folgende Generation".
Neben der nachdrücklichen Forderung zur Schaffung von Wohnraum war eine der Hauptforderungen der SPD in Hennef zu Beginn der 50er-Jahre der Aufbau eines geordneten Schulangebots. Man vertrat diese Forderung mit großem Einsatz und war erfolgreich. Die von Dominique Müller-Grote und Gisela Rupprath zusammengestellte "Zeittafel zur Hennefer Geschichte" zeigt in eindrucksvoller Weise mit welchem Einsatz in den drei Gemeinden an der Wiederherstellung eines akzeptablen Schulwesens gearbeitet wurde; dies sei im Folgenden in einer Übersicht bis zur kommunalen Neuordnung zusammengestellt. Durch die große Anzahl von Ostflüchtlingen wurde nun auch das Angebot einer evangelischen Volksschule nötig.
1947 Einrichtung der Evangelischen Volksschule, Hennef Steinstraße
1950 Bau einer neuen Schule in Lichtenberg, Einweihung 8.10.1950
1950 1. Bauabschnitt des Schulgebäudes an der Gartenstraße
1950 Bezug durch die Evangelische Schule. Schulneubau an der Stoßdorfer Straße.
1953/55 Neubau der Schule in Uckerath in zwei Bauabschnitten
1955 Einrichtung einer evangelischen Schule im neuen Schulgebäude in Uckerath.
1956 Einrichtung einer Schule in Dambroich.
1957 Schulneubau in Stadt Blankenberg
1958 Bau einer neuen Volksschule in Hanfmühle.
1960 Umzug der Berufsschule in Neubau an der Gartenstraße
Grundschule Gartenstraße und Berufsschule Ende der 50er Jahre
1961 die private Heimvolkschule St. Ansgar in Happerschoß nimmt den Betrieb auf.
1962/63 Neubau der Schule in Süchterscheid.
1962/63 Errichtung der Kopernikus-Realschule. Unterricht zunächst im Gebäude der früheren Carl-Reuther-Berufsschule.
1963/64 Einrichtung einer Sonderschule in Hennef für Schüler aus Hennef, Uckerath und Lauthausen an der Steinstraße.
1964 Baubeginn des neuen Realschulgebäudes an der Fritz-Jacobi-Straße.
1964/65 Neubau der Schule in Hanfmühle
1966 Am 18. April wird der Abtshof in Geistingen als Rheinisches Landesjugendheim eröffnet.
1967 Einweihung der Realschule am 21. Oktober 1967. Die Realschule ist die älteste weiterführende Schule Hennefs und zählt zu den ersten Neugründungen dieser Schulform im damaligen Siegkreis.
1968 Große Schulreform des Landes NRW:
Die bisherige Volksschule wird in die Grundschule (1.-4. Schuljahr) und die Hauptschule (5.-9.Schuljahr) getrennt. Nun gibt es sechs
Grundschulen, zwei Hauptschulen (eine in der Hanftalstraße und eine in der Stoßdorfer Straße), eine Sonderschule für Lernbehinderte sowie eine Sonderschule für Erziehungshilfe, die Richard-Schirrmann-Schule, in Bröl. Beginn der Schülertransporte mit Bussen. Im Februar 1968 bilden die Gemeinden Hennef und Lauthausen einen Schulverband im Vorgriff auf die anstehende kommunale Neuordnung. Die katholische und die evangelische Grundschule Gartenstraße beginnen mit dem Unterricht. Die Grundschulklassen der Obergemeinde (Dambroich, Rott, Söven, Westerhausen) werden zu einer Gemeinschaftsgrundschule in Westerhausen zusammengefasst.
Soviel zunächst zur Schulentwicklung in den drei Gemeinden, sie wird später noch ein wichtiger Diskussionspunkt in der Auseinandersetzung zwischen den Parteien sein. Die Sozialdemokraten in Hennef hatten von Beginn an ein besonderes Augenmerk auf die Entwicklung eines guten Schulwesens gelegt und dort immer wieder neue Forderungen gestellt und Perspektiven aufgezeigt; das mag auch daran gelegen haben, dass sowohl in Uckerath als auch in Hennef viele Lehrer/innen Mitglieder der Partei waren, angefangen mit Wilhelm Püttmann. So wurde innerhalb der Partei auch oft der Begriff der "Lehrerpartei" verwendet, wenn es um die Aufstellung von Kandidaten/innen und Listenplätzen ging. Man wollte verhindern, dass sich zu viele Lehrer in den Gremien wiederfanden.
1950 eröffnete der Fußballverband Mittelrhein die Sportschule Hennef. Die Idee entstand bereits 1947. Knapp ein Jahr nach der Gründung des Westdeutschen Fußball-Verbandes engagierte sich der Hennefer Arzt und Vorsitzender der TURA Hennef, Dr. Karl Jacobi, intensiv um die Förderung des Fußballsports, der vor dem Krieg in Hennef eine wichtige Rolle gespielt hatte. Er konnte den Vorstand des Westdeutschen Fußballverbandes davon überzeugen, dass Hennef der richtige Standort für eine Fußballschule wäre. Als Fläche wurde das Dürresbachtal ausersehen. Das Foto zeigt das Tal vor dem Beginn der Bauarbeiten im Jahr 1948.
In der Nachkriegszeit gab es sicherlich andere Sorgen als die Wiederbelebung des Sportangebotes. Man sorgte sich um das tägliche Brot, ein Dach über dem Kopf, Kleidung und den Wiederaufbau von Städten und Dörfern - aber nicht um den Bau einer Sportschule. Vor diesem Hintergrund wurde innerhalb der Hennefer SPD das Projekt intensiv diskutiert, vor allem wegen der Leistungen, die die Gemeinde zu erbringen hatte. Nach zunächst hartem Ringen bestand dann aber große Einstimmigkeit darüber, "dass Projekt Sportschule Hennef vollständig und mit großem Nachdruck zu unterstützen."69) Vor allem Josef Ließem, der damalige Fraktionsvorsitzende der SPD-Fraktion, der auch Mitglied der TURA Hennef war und als Funktionär des Westdeutschen Fußballverbandes dort im Vorstand mitarbeitete, drängte intensiv auf die Umsetzung dieses Vorhabens und erreichte gemeinsam mit Dr. Jacobi, dass die Einrichtung in Henne gebaut wurde.70)
Das Gelände der Sportschule vor der Bebauung
Josef Ließem
Sportschule 1955
In einem ersten Kostenvoran-schlag wurden dafür Kosten in Höhe von 250.000 DM veranschlagt, ...

Inhaltsverzeichnis

  1. Inhaltsverzeichnis
  2. Vorwort
  3. Hennef und die Sozialdemokratie im Kaiserreich
  4. Schwieriger Start 1919
  5. Die Weimarer Zeit von 1920 bis 1933
  6. Vorläufiges Ende und Verfolgung: 1933 bis 1945
  7. Der Wiederbeginn in den Jahren von 1945 bis 1949
  8. Die Zeit des Aufbruchs von 1949 bis 1969
  9. Großgemeinde Hennef: 1969 bis 1981
  10. Stadt Hennef: 1981 bis heute
  11. Anhang
  12. Grußworte
  13. Quellenverzeichnis
  14. Bildernachweis
  15. Über den Autor
  16. Vor genau 100 Jahren
  17. Impressum