In mir - Außer mir
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In mir - Außer mir

Annäherungen

  1. 324 Seiten
  2. German
  3. ePUB (handyfreundlich)
  4. Über iOS und Android verfügbar
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In mir - Außer mir

Annäherungen

Über dieses Buch

Den Leser erwartet ein philosophisches Potpourri von individuellen Alltagsweisheiten bis hin zu kosmischen Überlegungen, die der Autor breit gefächert darbietet. Er lässt uns teilhaben an seinen "morgendlichen Gedankenblitzen", streift bei seinen Überlegungen gesellschaftliche Fragen zwischen Literatur und Politik und gibt uns auch Einblick in sein künstlerisches Schaffen als Maler. Und so gewährt uns der Autor eine intelligente, künstlerische Melange als Begleitung auf der Suche nach Erkenntnis.Dr. Godehard Lindgens

Häufig gestellte Fragen

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Irgendwann einmal stellt sich jeder im Leben die Frage: „Hat unser Leben einen Sinn? Und welchen? Welches ist die Stellung des Menschen in der Welt?“
Alain Robbe-Grillet,
Argumente für einen neuen Roman
Dazu eine vordergründige Antwort:
Die aufrechte Stellung natürlich!
Hat unser Leben nur diesen Sinn?
Etwas weiterreichend kann man sagen:
Der Sinn des Lebens ist es, das Leben zu erhalten und den Zustand der eigenen Lebendigkeit mehr als die eigene Endlichkeit zu betonen.
Die zweite Sinn-Erklärung ist der Hinweis, das Sterben zu lernen. Diese Aufgabe erfordert einen Großteil unserer Lebenszeit. Vielleicht glückt es manchen Individuen, dieses Ziel kurz vor ihrem Ende zu erreichen. Der Schrecken, den die ungeschulte Vorausschau auf den Tod erzeugt, weicht einem allmählich wachsenden Interesse, das Geschehen zum absoluten Ende unserer Existenz im Detail bis zur völligen Kraftlosigkeit voraus zu empfinden, vorauszusehen und so viel wie möglich im Bewusstsein zu verankern.
Weite Teile unseres Lebens stellen wir immer wieder die gleichen Fragen und suchen nach Antworten, die oftmals nur kleine Nuancen neuer Erkenntnisse offenbaren; immer wieder Fragen und Fragen und Fragen, bis sich andere Sichtweisen aufzeigen. Auf diese Weise wird man langsam mit dieser Problematik vertraut. Die Ängste verwandeln sich in das Interesse, die Vorgänge im Detail besser zu verstehen, besser vorbereitet zu sein, wenn wir selbst auf normalem Weg in diese Situation am absoluten Ende unseres Lebens geraten und nicht schon während der Mitte. Das beruhigt und man tröstet sich über lange Zeit damit, dass ja noch so viel Lebenszeit vor uns liegt, bis wir dahin kommen! Die ewige Wiederholung der Fragen, dieses Suchen, Vorantasten und Vorausempfinden bewirkt, dass der Tod seinen Schrecken verliert, sozusagen zu einem alltäglichen Gegenstand wird, der dazu anspornt, noch bessere Erkenntnisse, ja unschlagbare Beweise zu gewinnen. Wenn der Mensch schließlich selbst am Eingang zur Sterbearbeit angelangt ist, wird er versuchen, seine zuvor erarbeiteten Kenntnisse mit dem dann eintretenden Geschehen zu vergleichen. Ihm wird dann sichtbar werden, wenn sich die steigernde Kraftlosigkeit seines Lebens im Innern selbst bis auf einen Punkt zurückgezogen hat, wie weit er der Natur entsprechend vorgearbeitet hatte – oder auch nicht. Er wird allen Nachfolgenden nicht mehr berichten können, da er gerade gestorben ist. Er kann ohne Augen nichts Irdisches mehr sehen, ohne Sprache nicht mehr sprechen und nicht mehr hören ohne Ohren. Das Ende ist völlige Stille. Der Tod behält seinen mystischen Charakter und weist damit zurück auf das Leben.
Und wieder sind die Nachfolgenden mit den gleichen Fragen konfrontiert:
Was ist mein Leben? Was ist unser Leben? Was ist das Leben allgemein und warum muss man mit all diesen Fragen und Antworten stets die eigene Rechtfertigung damit verbinden? Warum nicht einfach leben?
Bewusstsein schafft Hindernisse, obwohl man stets sagt, der Geist ist frei und ein Garant der Freiheit.
Ein chinesisches Sprichwort sagt:
In der Hast des Lebens sind schon viele Genies umsonst alt geworden.
Das Gesetz der Natur befiehlt uns:
Du darfst nur einmal und nie wieder!
Warum nur einmal?
Weil zweimal nicht geht und wider das Naturgesetz ist! Weil das Leben „einmalig“ ist, drum mach‘ das Beste daraus!
Doch woher weiß man, was das Beste ist, da man fast eine halbe Lebenszeit benötigt, um zur Besinnung zu kommen?
Man ist so von den Realitäten und den eigenen Reaktionen darauf eingepfercht, dass man kaum einen Weg in die Freiheit erkennen kann. So rutscht man vom Wege ab, der zur Vollendung führen soll.
Und was ist die persönliche Vollendung, die man zum Beispiel Goethe so beharrlich andichtet? Ein anderes lebenslanges Bemühen, dessen Kern die Achtbarkeit ist. Mit Achtbarkeit ist die Sinnfrage – wie früher – ungeklärt, nur näher gerückt.
Was ist der Unterschied von Natur und Sein?
Beides gehört zusammen, unterscheidet sich aber doch. Die Natur teilt sich auf in organische und anorganische Dingwelten.
Der Begriff des Seins ist mehrschichtig – man kann es als Nicht-Sein bezeichnen, als Da-Sein oder als So-Sein und in der örtlichen Bestimmung als Hier-Sein. Alle zusammen sind Seins-Begriffe. Die Natur und das Naturgesetz beziehen sich auf einen besonderen Planeten, der nicht nur unser Planet Erde sein muss. Die Natur – einfach gesagt – lässt auf einem Planeten in einer langen ontologischen Entwicklungsfolge Leben entstehen. Wichtig dabei ist die Entwicklung des Organischen aus dem Anorganischen, der Übergang, der in der Ausprägung von Wasser und Atmosphäre den ersten Anfang nahm. Mit der organischen Natur öffnet sich der Fächer zur Entfaltung einer zahllosen Dingwelt bis zur höchsten Entwicklungsstufe des Menschen. Dies und was sich über Millionen von Jahren folgerichtig bis heute entwickelte, ist die Kreation des Naturgesetzes.
Das Sein bezieht sich auf Materiekonstellationen des Universums, des Weltalls, das unendlich ist. Das Sein besteht aus unsichtbaren kleinsten Materieteilchen. Die größten Materieformationen des Seins sind die Galaxien, Anhäufungen von Sternen, die sich zu riesigen Systemen wie unsere Milchstraße vereinigen. Neben den Materieformationen ist der interstellare Raum des Universums mit unsichtbarer Kleinstmaterie erfüllt, die sich aufgrund von Gravität zu Materieklumpen zusammenfügen kann.
Diese Kleinstmaterialien umgeben die großen Materieansammlungen der Galaxien.
Sie reichen damit auch weit in untergeordnete Seinsbereiche hinein, wie in die Dingwelt eines fruchtbaren Planeten. Das unendliche Sein des Universums umfasst so den Seinsbereich des Naturgesetzes. Beide Wirkungsbereiche überschneiden einander und gehen teilweise ineinander über. Dies ist eine betont einfache Darstellungsweise – nachdem ich diese Fragen in früheren Entwürfen schon einmal behandelte, zeigte sich bei jedem neuen Entwurf, dass immer weiter gehende Gesichtspunkte behandelt werden müssen und diese geistige Entwicklung immer neueren Fragen zu folgen hat.
Wir werden ins Leben hinein katapultiert und nicht gefragt, ob wir das wollen oder nicht. Wir werden mit dem Faktum unserer Geburt auf einen Weg gesandt, auf dem es keine Rückkehr gibt. Unsere Geburt ist irreversibel und enthält nur den Befehl, in eine Richtung zu gehen – vorwärts! Die Geburt endet mit dem Glücksempfinden der Mutter. Dies verbirgt die Konsequenz, zum Leben verurteilt, zum Leben bestimmt zu sein. Und die Bestimmung zu leben ist ein Hinausschieben und ein Beiseiteschieben der zu erwartenden Endlichkeit. Das Leben währt unter Umständen bis zu hundert Jahren oder sogar darüber hinaus, doch in der Regel etwa fünfundsiebzig bis fünfundachtzig Jahre.
Bewirkt die Gesamtheit der Menschen, dass unsere Erde lebt? Vielleicht ist es unsere Aufgabe, diesen Planeten unablässig leuchten zu lassen.
Erich Fried sagt in einem seiner beeindruckendsten Gedichte:
Frau Welt
Ich bin
zur Welt gekommen
und bin nun endlich
so weit
laut zu fragen
wie ich dazukomme
zu ihr zu kommen
Sie kommt
und sagt leise:
Du kommst nicht
du bist schon im Gehen
Der Ort nach dem Hiersein ist das Dort-Sein. Wenn man fragt: Wo ist dieser Ort? ... ist die Antwort: Auf der anderen Seite.
Jetzt, da das Alter herankommt und das Ende des Lebens zunehmend durchscheint, erneuern und verfestigen sich Einsicht und Vernunft. Die sich leise vergrößernde physische Kraftlosigkeit bewirkt das und ist möglicherweise die Ursache dafür.
Hier und dort, oben und unten, vor und hinter uns, zeitlich begrenzt und unbegrenzt, ganz nah und in weiter Ferne – das ist das Leben und man fragt: Wer bist du und was bist du? Warum gehörst du mir? Und oft: Warum gehörst du mir nicht?
Alles Tun und Streben der Menschen ist vorläufig zu dem, was nach uns geschieht und geschehen wird. Unsere hier erarbeiteten Ergebnisse werden im Nachfolgenden verbessert und unseren Werten wird der Stellenwert in der Geschichte angemessen.
Und was ist der Stellenwert unseres lebenslangen täglichen Lebens?
Er ist uns unerkennbar und der Tod, das Ende unseres Hierseins, macht unser Abschlusszeugnis sichtbar. Wenn wir ein gutes, vorbildliches Leben hinter uns gebracht haben, ist es unter Umständen möglich, dass die Nachfolgenden sich unserer erinnern werden – und das scheint sehr wichtig zu sein!
Wer hat das Recht, das Leben seiner Mitmenschen so nachhaltig zu beeinträchtigen, dass es einen ärmlichen, menschenunwürdigen Rahmen annimmt? Wer hat das Recht, andere Menschen in ärmliche und kümmerliche Lebensumstände zu treiben? Niemand!
Was sind die Gegenstände des Lebens?
Es gibt nur einen Gegenstand und das ist das Leben selbst!
Aber was ist das Leben? Ist es das Leben um uns herum, ist es das Leben uns gegenüber, das aus so unendlichen, verschiedenen und kaum noch zu beschreibenden Erscheinungen und Manifestationen besteht, oder ist es das Leben, das in uns selbst wie ein Tier in einem Käfig herum springt?
Wenn man nüchtern die eigene Leiblichkeit ins Auge fasst – wie kann dieser so genial ausgestaltete Träger des Lebens etwas Fehlerhaftes sein?
In mir, außer mir.
Der Versuch am „Zapfhahn der Erinnerung“ die Gegenwart fließend zu halten.
Meine Gedankenwelt: Gedanken von innen, Sätze im Inneren – von außen nicht hörbar.
Es ist das Recht eines jeden in den letzten Lebensjahren, sich selbst bis tief hinab kennenzulernen, den Sinn des eigenen Lebens zu finden und Frieden mit sich und der Welt zu schließen. Jeder hat das Recht, in seinen letzten Lebensjahren für die Erfüllung seiner Existenz und die Sinnlegung seines Lebens zu wirken.
Man leidet am Leben und das Leiden will gar nicht aufhören – trotzdem klammert man sich daran wie ein Ertrinkender. Kann man am leidhaften Leben ertrinken?
Es denkt in mir!
Wo denn sonst?
Es denkt auch außerhalb unseres Selbst.
Ist das Denken eine zweckgerichtete Handlung oder nur ein Vorgang an sich? Welchen Sinn hätte das „reine Denken“ (gibt es auch „schmutziges Denken“)?
Wenn es nicht zweckgerichtet wäre, als eine Funktion, die einzig das Subjektive ins Objektive wandelt? Reines Denken wäre ein geistiges Training, eine Lockerungs- und Warmhalteübung. Schmutziges Denken gibt es natürlich auch – es ist das Denken, das den Bildungsgrad unterschreitet und den Blick oberhalb des Stubentisches nicht erweitert hat. Das sollte uns nicht betrüben, denn wer einen gewissen Grad positiven Denkens erreicht hat, wandelt in ihm eigenen, verständlichen Regionen weit oberhalb.
Denken und schreiben und malen und Gesang gehören zusammen.
Mein Leben, gib mir Zeit! Ich habe dich lange außer Acht gelassen. Gib mir die Zeit, dich ganz zu erfassen, dich zu verstehen!
Gemeint ist das Leben und die Lebendigkeit im Innern selbst. Ich will leben! Ich will leeben!
Aber warum klammern wir uns so verzweifelt an den Zustand des Lebendigseins, an diese Vorläufigkeit des Hierseins und ihre offenbare Fragwürdigkeit? Wie ist uns die Gewissheit geworden, dass wir – am Ende all unserer Bestrebungen – sterben werden?
Weil wir neben unserem Leben und dessen fortschreitender Kontinuität nichts anderes, oder dessen Gegensatz noch nicht erfasst haben. Unser Status Quo des dahinschreitenden, dahineilenden Lebens ist etwas Vorläufiges und auf das Ende zuschreitendes.
Warum „schenkte“ man uns dieses „ein Leben lang“, diese Zeitspanne des Lebens, wenn dieser „Glücks- und Leidenszeit“ gegen unseren Willen von der Natur und ihrem Gesetz sein natürliches Ende diktiert wird?
Die Zeitspanne des Lebens ist ein absoluter Gestaltungszeitraum, den wir nur mäßig oder zu kleinen Teilen, und was besonders peinlich und schmerzhaft ist, viel zu wenig und viel zu spät in Anspruch nehmen.
Und warum?
Weil unsere geistige Erkenntnisfähigkeit, untrainiert wie sie ist, viel zu spät und erst nach vielen vorherigen Übungsstufen aufblüht und in Erscheinung tritt.
Die Frage nach dem Sinn unserer eigenen Existenz ist immer wieder schmerzhaft. Es ist fast eine luziferische Frage der Versuchung. Diese Versuchung ist ein ständiges Befragen und ein Aufreizen, Aufrufen der noch unbekannten seelischen Ebenen, um das Leben zu aktivieren, eine notwendige Forderung an die schlummernden Bereiche unseres Ich und Selbst. (Hier schreib ich lapidar: Yes! Yes! Vergiss nicht die Fußnoten, wenn der Verstand beim Schreiben etwas zu kurz geriet!)
Wenn man denken kann, dann kann man auch schreiben, das heißt weiterhin denken und weiter schreiben. Denken, schreiben, malen und auch (wenn unvermeidbar) singen sind eine andere, verschönernde Art und Weise zu sprechen. Bedenke doch, mit welcher Hingabe und Zuneigung wir uns schönen Gedanken, etwas gut Geschriebenem, und sei es nur ein handgeschriebener Brief, einem eindrucksvollen Gemälde oder einer hochwertigen Gesangsdarstellung zuneigen.
Wie wäre unsere Vergangenheit anders zu verstehen, als dieses nachfolgende und fressgierige Ungeheuer, das uns unsere Jugendsünden wieder heranträgt, um unser schlechtes Gewissen zu gemahnen? Und welche Eigenschaften offenbart die Vergangenheit darüber hinaus?
Zur Vergangenheit gesellen sich Gegenwart und Zukunft und diese drei bilden zusammen die Funktion der Zeit. Diese Funktion wird sichtbar an der Kristallisation von Materie. Weil sich Materie in unterschiedlichsten Materiekonzentrationen aufzeigen kann, ergibt sich die Relativität der Zeit, besonders wenn sie auf Schwerkraft und Geschwindigkeit beruht. Über aller Materie thront die Hoheit der Zeitenfunktion.
Eine Vorläufigkeit?
Ein ewiges Gesetz!
Alles wandelt sich, und allem voran das Denken und die begrenzten Gedanken des Augenblicks.
Warum triumphieren Gier, Falschheit und Egoismus unter den Menschen, und warum versagen Wahrheit und Gerechtigkeit?
Eine Uniform, die auch oft einen uniformierten Geist beherbergt, die verzweifelt Ordnung und Regelmäßigkeit signalisiert, ist nur eine äußere Hülle. Nimmt man sie weg und beiseite, bleibt ein teigartiges Gebilde zurück.
Haben sich Militaristen und Generäle niemals gefragt, wenn man eine Kommunikation auf das unangekündigte Versenden von Granaten und Bomben verkürzt, wie dann die Antwort darauf aussehen würde?
Im Spiegel betrachtet – und was man da sieht, ist das nicht ein prächtiger Kerl? Sozusagen ein Prachtkerl?
Doch wer es nicht glaubt, dem sollte man die Zähne einschlagen und den Gesichtsausdruck verändern! Womit das Thema wieder erreicht ist, das man die „Deutsche Krankheit“ nennt, die ewige.
Es wirkt störend und unangenehm, wenn in fast neuen Büchern des Antiquariats Widmungen, Tätowierungen von Vorbesitzern enthalten sind, etwa solche:
„Meiner lieben Hilda in Muckelchen einen lieben Gruß von deinem Michael aus dem Ort Pose zum Geburtstag am 12. Jänner 1748“.
Die Nachbesitzerin hieß Änne Wolff (mit zwei fam Namensende). Eine andere Widmung lautete:
„Dem lieben Kalle zur Erinnerung an unsere Radtour mit kleinem Unfall (weißt du noch?) vor sechs Monaten, August 1924.“
Überraschend und erstaunlich, wenn man in dieser Art angesprochen wird.
Die Wahrnehmung des Unvollendeten.
Viele unserer Bestrebungen enden im Nicht-Erreichten. Was wir ungetrübt und sicher erreichen, ist das Ende unseres Lebens. Hier erreichen wir unser Ziel vollständig und ohne jede Einschränkung.
Warum nicht auch im Leben davor? Das Leben ist ein komplizierter Zustand.
Mit Hilfe von Worten, Sätzen und der Schrift, zum Beispiel in diesem Buch, kann man das festhalten, was in einem selbst vor sich geht. Gesprochene Worte lösen sich gleich nach dem Sprechen in nichts auf, und wenn man sie nicht sogleich schriftlich festhält, so verschwinden unter Umständen auch Worte und Gedanken, die festz...

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort
  2. Textbeginn
  3. Dank
  4. Impressum